Die auf Maui lebende Argentinierin ist nicht nur eine absolute Augenweide, sondern auch noch eine super Windsurferin, Wellenreiterin und Kiterin. Sie arbeitet als Fotomodell und hat gerade ihre erste eigene Bikini-Kollektion entworfen. Mit uns sprach die Powerfrau, die wohl wie keine Zweite das Konzept des Free-Magazins lebt, über ihr Temperament und die Probleme weiblicher Teilnehmer bei Wettkämpfen.
Interview Paula Daian
FM: Wo kommst du her und seit wann surfst du?
PD: Ich bin in Argentinien geboren und habe, seitdem ich ein kleines Mädchen war, mit meiner ganzen Familie Wassersport gemacht. Meine Verbindung zu diesem Sport kommt durch meine Familie.
FM: Du meinst, deine ganze Familie surft?
PD: Ja, genau. Mein Vater, meine Mutter, meine Schwester, meine Cousins – alle windsurfen und surfen. Alle Erinnerungen, die ich an meine Kindheit und meine Anfänge im Wassersport habe, sind eng mit meiner Familie verknüpft.
FM: Wenn du aus Argentinien kommst, hast du bestimmt eine Riesenfamilie …
PD: Absolut riesig! Wir sind sehr eng miteinander verbunden. Ich bin die Einzige aus der Familie, die Argentinien verlassen hat. Das war wirklich hart. Ich entschied mich irgendwann, dass ich mich auf diesen Lifestyle konzentrieren wollte. Ursprünglich komme ich aus der riesigen Metropole Buenos Aires, von wo aus das Meer ziemlich weit entfernt ist. Also wollte ich nahe am Ozean leben, ging 1999 nach Hawaii und wusste einfach, dass das der Ort war, an dem ich leben wollte. Ich verliebte mich sofort in die Inseln und zog mit meinem Freund dorthin. Aber meine Familie besucht mich hier sehr häufig und ich reise alle vier Monate nach Südamerika, um meine Eltern zu sehen.
FM: Dann bist du also eine richtig heißblütige Latina!
PD: Auf jeden Fall! Und das fehlt mir hier ein wenig. Ich meine, ich liebe die Insel wirklich über alles, die Natur ist einfach sensationell, aber meine eigene Kultur, meine Freunde und meine Familie fehlen mir trotzdem. Man merkt schon, wie sich von Land zu Land die Kulturen verändern, aber ich habe das Glück, dass ich viel reise, um immer mal wieder nach Südamerika zu kommen.
FM: Was machst du zurzeit auf Hawaii?
PD: Am Anfang war ich hauptsächlich hier, um zu windsurfen, denn als ich jünger war, bin ich in vielen Contests mitgefahren. Doch je länger ich auf Hawaii war, desto mehr spürte ich, dass die größte Herausforderung meines Lebens der Wettkampf zwischen mir und dem Meer ist. Also hörte ich auf, die ganze Welt zu bereisen, um an Wettbewerben teilzunehmen. Seitdem fahre ich täglich meinen eigenen Wettkampf und jeden Tag steht für mich eine neue Herausforderung bereit! Ich verbringe den ganzen Tag im Wasser – vom Windsurfen über Wellenreiten, Tow-in-Surfen oder Schwimmen. Außerdem arbeite ich für Naish und mache viel Promotion, denn neben den professionellen Surfern haben die auch „normale“ Menschen, die ihrer Leidenschaft folgen und das genießen, was sie tun. Man kann auch als Nicht-Profi aktiv sein. Dann habe ich parallel mein eigenes kleines Unternehmen gegründet. Ich habe meine eigene Bikinikollektion entworfen, weil ich etwas machen wollte, das den Lifestyle am Strand widerspiegelt, den ich hier lebe. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren. Ich lebe meinen Traum.
FM: Das ist schön, aber trotzdem muss man ja Kohle verdienen, oder nicht?!
PD: Schon, aber ich denke, dass wenn man einen Traum hat und diesem folgt, kommt das Geld automatisch zu dir. Wenn du etwas machst, wozu du keine Lust hast, wozu du gezwungen wirst und was dich unglücklich macht, wirst du Probleme bekommen. Das ist meine Philosophie. Wenn du deinem eigenen Weg folgst, werden Dinge einfacher.
FM: Hmm … vielleicht, weil man mehr Leidenschaft in das legt, was man tut?
PD: Ja, genau!
FM: Du hast gesagt, dass du aufgehört hast, bei Wettkämpfen mitzumachen. Wann war das?
PD: Ich habe damit ziemlich bald nach meiner Ankunft auf Hawaii aufgehört, vielleicht 2000 oder 2001.
FM: Welche Contests bist du mitgefahren?
PD: Ich habe zum Beispiel den Second Consecutive Title bei den South American Championship gewonnen und ich habe ziemlich erfolgreich mit den Profis trainiert. Als ich ernsthaft in den Worldcup hätte einsteigen können, entschied ich mich dagegen, weil ich merkte, dass meine sportliche Leidenschaft nichts mit Wettkampf zu tun hat. Ich wollte mich darauf konzentrieren, Spaß auf dem Wasser zu haben und nicht darauf, unbedingt den ersten Platz beim nächsten Heat zu machen. Ich habe den Fokus darauf gelegt, mein eigenes Talent zu fördern, Spaß zu haben und im Einklang mit dem Ozean zu sein – mehr nicht, alles andere war zu viel für mich.
FM: „Zu viel“, weil du so viel reisen musstest, um an den Wettkämpfen teilnehmen zu können?
PD: Nein, das war es nicht. Ich reise gerne und man muss die professionellen Windsurfer mit Respekt betrachten. Sicherlich führen sie ein tolles Leben, aber es ist auch ziemlich hart. Sie müssen so viel reisen und sind ständig weit entfernt von ihrem Zuhause und ihren Familien. „Zu viel“ meine ich eher, weil ich merkte, dass der Wettbewerb nicht mein Lebensziel widerspiegelte. Ich war in diesem Race-Zirkus nicht glücklich und als ich mir dessen bewusst wurde, änderte ich sofort meinen Lifestyle.
FM: Fehlt es dir nicht, dass andere dir zujubeln oder dich anfeuern, wenn du auf dem Wasser bist?
PD: Ich brauche absolut niemandem, der mir sagt, wie toll ich das gemacht habe. Ich bin mir wirklich selbst genug. Alles andere ist mir schnuppe, sobald ich auf dem Wasser bin. Ich lebe mein Ego und andere Leute sind mir in der Hinsicht wirklich egal.
FM: Das ist wohl dein starker Latina-Charakter!
PD: Mit Sicherheit ist er das!
FM: Ich denke auch mal, dass es mit euch Mädels im Windsurf-Zirkus ja nicht wirklich einfach ist.
PD: Zwischen den ganzen Machos? Bestimmt nicht! Aber ich weiß, dass Frauen in den Competitions viel härter drauf sind als die Jungs. Das ist doch in jedem Sport so. Frauen sind viel temperamentvoller als die Kerle. Aber ich kann schon verstehen, dass die Jungs so werden, wie sie sind. Wenn sie aufs Wasser gehen, müssen sie eine starke Personality mitbringen, denn die Konkurrenz ist sehr groß. Wenn so viele Machos auf einem Ozean sind, ist das für die Frauen weiterhin schwer, sich zu behaupten und für ihre Person und ihren Platz zu kämpfen.
FM: Und wenn man nur unter Frauen surft, geht der Wettkampf an Land meist gleich weiter bei so viel Stutenbissigkeit …
PD: Also ich bemühe mich, nicht so zu sein. Ich respektiere wirklich jede und versuche nicht zu bewerten, ob sie nun gut oder schlecht ist. Das Einzige, was ich einschätzen kann, ist, ob jemand mit Leidenschaft surft, Spaß hat und glücklich ist. Ich wünschte, mehr Mädels würden so sein. Gerade Frauen machen sich immer so viele Gedanken darüber, was andere sagen oder machen, aber die anderen können so viel Bullshit erzählen, wie sie wollen. Man darf sich keine Gedanken machen. Nur du allein weißt, was gut für dich ist und was nicht.
FM: Da hast du absolut Recht. Es ist nur schwer danach zu leben, denn man wird ständig verglichen.
PD: In jedem Aspekt des Lebens wird man verglichen – ziemlich nervige Angelegenheit.
FM: Denkst du, dass du relaxter bist, weil du ein entspannter Charakter bist oder weil du auf Hawaii lebst und das Leben dort sowieso lockerer ist?
PD: Ich denke schon, dass meine Gelassenheit an meiner Erziehung und meiner Personality liegt. Ich folge meinen eigenen Träumen und bin zufriedener als viele andere Menschen. Das ist für mich echt das Wichtigste im Leben.
FM: Welche Rolle spielt Sex in der Windsurf-Branche? Ich meine, auf deinen Bilder präsentierst du dich schon sexy.
PD: Ich weiß nicht. Ich sehe das überhaupt nicht aus dieser Perspektive, denn in Südamerika wächst jeder damit auf, stolz auf seinen Körper zu sein. Jeder geht an den Strand und trägt einen knappen Bikini – ganz egal, wie der eigene Körper aussieht, jede Frau darf sich bei uns in Südamerika sexy fühlen. Das ist wichtig. Ich spiele nicht mit dem Sex, sondern bin ganz natürlich, so wie ich aufgewachsen bin. Ich muss nichts verstecken und bin darauf sehr stolz. Ich bin seit jeher ein Beachgirl und bei uns wird man nicht so erzogen, dass die anderen Männer sagen „Oh guck mal, die spielt hier aber ganz schön doll mit ihren Reizen“. Ich würde sagen, zu dem argentinischen Lebensstil gehört es dazu, sexy zu sein. Darum machen wir uns auch gar keinen Kopf darum, ob ein Foto besonders aufreizend ist oder nicht. So sind wir Südamerikanerinnen nun mal!
FM: Denkst du, dass sich dieses aufreizende Äußere auch in der Windsurfbranche besser verkaufen lässt?
PD: Nein, ich denke, man sollte nicht sein sexy Äußeres, sondern das charakterstarke Innere verkaufen, auch an die Sponsoren. Vielleicht hilft ein gutes, attraktives Aussehen, an einen Sponsor zu kommen, aber darum sollte es einem Sportler nicht gehen. Der Punkt ist, dass man sich selbst gegenüber immer ehrlich sein sollte.
FM: Ich dachte nur, dass man mit dem richtigen Hintern auch eine gute Coverage in den Magazinen bekommt. Von daher spielt das Aussehen doch eine Rolle.
PD: Es ist mehr die anziehende Aura, die diesen Sport und seine Sportler umgibt. Das Leben am Strand und die Mystik, die man mit dem Wasser verbindet – das bringt die Medien – nicht nur ein Girl am Strand in einem heißen Bikini, obwohl, wenn der Bikini aus meiner Kollektion stammt, kann das natürlich sein!!!
FM: Es gibt von dir Fotos, auf denen du mit Delfinen schwimmst.
PD: Ich versuche, meine Publicity im Sport für die Natur und das Meer einzusetzen. Jeder von uns, der das Meer liebt und darin oder darauf seinen Sport macht, sollte den Respekt vor dem Meer und seinen Bewohnern mitbringen. Wenn man einmal einen Delfin getroffen hat und seine Nähe auf dem Meer gespürt hat, erlebt man einen großen Moment im Leben, den man so schnell nicht wieder vergisst. Wenn wir uns in 50 Jahren auch noch auf dem Wasser bewegen wollen, müssen wir unser Bewusstsein für den Ozean verändern und ihm den nötigen Respekt zollen, sonst ist es irgendwann vorbei damit. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen.
FM: Was machst du, um das Meer effektiv zu schützen?
PD: Ich respektiere es und versuche, alles sauber zu hinterlassen. Und wenn wir fischen gehen, nutzen wir nicht ein großes Boot mit großem Motor. Ich versuche wirklich, meinen kleinen, privaten Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. Und wenn jeder ein klein bisschen Respekt für die Natur mitbringt, können wir Großes ändern. Aloha!




