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Mafiosi, Mönche und Mechaniker beim ION PHOTO AWARD

{GALERIE} groÃ�_IMG_6705.jpgDie ersten Bestechungsversuche gab es bereits nach dem Skippersmeeting bei der Ausgabe der Segelsticker und Event-Lycras: Cappuccino und Brioche wurden von der Jury dankend ange­nommen, in der Wertung aber nicht berücksichtigt. Auch für den charmanten Versuch des einzigen reinen Damenteams „Pier Babes“ gab es leider keine Extra-Punkte. {GALERIE} 11.jpgObwohl es ein wahrlich zuvorkommender Service war, dass mein Segel bereits für die heraneilende Ora aufgeriggt wurde, während ich noch mit dem richtigen Buchstabieren der Namen aller 64 Contestrider aus Deutschland, Ös­terreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Schweden, {GALERIE} gross_PhotoFioreCanon0004.jpgSüdafrika und Venezuela kämpfte.
16 Teams versicherten mir im Zuge der Einschreibung beim diesjährigen ION PHOTO AWARD eine geile Show zu bieten. Um sich „auf das Siegertreppchen zu surfen”, mussten die Viererteams aber nicht nur eine coole Session auf dem{GALERIE} mittel_PhotoFioreCanon0126.jpg Wasser bieten. Wie schon im letzten Jahr ging es bei dem Photowettbewerb darum, in drei Tagen neben stylischen Surfbildern auch coole Lifestyle-Pics zu schießen und mit der Digi-Cam etwas von der Natur und Atmos­phäre am Gardasee einzufangen. {GALERIE} ion_16.jpgWer seine 20 besten Shots, verpackt in einer witzigen Story, bei der Abschlussparty gut präsentierte, fuhr ganz vorne mit.
{GALERIE} ion_01.jpgEinige Teams hatten sich bereits Wochen vorher zum Brain­stor­ming versammelt und regelrechte Drehbücher für ihre Photo­story geschrieben, andere setzten auf spontane Kreativität. „Die­ses Jahr sind wir richtig geil vorbereitet!“, brüsteten sich gleich mehre­re Fahrer. Doch mir {GALERIE} gross_PhotoFioreCanon0044.jpgals Judge (und Mädchen für alles) wollte diesmal keiner etwas vorab verraten. Überall wurde in kleinen Grüppchen aufgeregt diskutiert, doch jedes Mal, wenn ich hinzukam, das Thema „dezent“ gewechselt – wahl­weise auf „Hast du noch Gutscheine für Freigetränke?“ oder „Warum können wir nicht alle am Pier umsonst parken?“.{GALERIE} gross_PhotoFioreCanon0003.jpg
Ein paar Eindrücke bekam ich trotzdem schon beim ersten Südwind am Pier: Plötzlich tauchte ein gro­ßer Schatten hinter mir auf und ich wurde von einem Triodem – oder wie nennt man ein Tandem-Board für drei? – überholt! Gleich dahinter ein paar Jungs, die aussahen, als hätten sie den Neopren mit der Opernrobe verwechselt. Aha, dieses Jahr also Nadelstreifen statt Nacktsurfen! Und während ich noch den wehenden Krawatten nachsah, wäre ich beinahe in einen manövrierenden Mönch gekracht …
Manche Teams ließen sich jedoch gar nicht in die Karten schauen und hatten sich an geheime Orte verzogen. Zum Riders-Dinner in der Villa Cian mit Pizza, Pasta und Drinks waren aber alle hung­rig, durstig – und unerwartet pünktlich – zurück. Den Orga­nis­atoren war es etwas peinlich, als sie mit einer halben Stunde Ver­spä­tung als Letzte eintrafen und bereits alle Contestrider zufrieden mampfend vor dampfenden Tellern sitzen sahen. Der frühe Beginn um 19 Uhr sorgte allerdings auch für einige frühe Abstürze. Nicht alle Fahrer fanden noch den Weg ins Moby Dick. Und die­jenigen, die dort ankamen, schafften es mit ein paar „Bestechungs-Caipis“ meine Erinnerung an sie und den Rest des Abends unwiederbringlich aus meinem Gedächtnis zu löschen.
Der nächste Morgen war hart – doch wir waren härter! Irgendwie hatte sich die Mehrzahl der Teilnehmer in den frühen Mor­gen­stunden nach Al Pra geschleppt und wurde mit einem Hammer-Nordwind belohnt. Einmal ins kalte Wasser geschmissen, wich auch bei den Partylöwen der letzte Rest-Alkohol spektakulärer Action. Auf dem schmalen Steg drängelten sich die als Photographen ab­kom­man­dierten Teammitglieder, während ihre Kollegen mit den Kontra­hen­ten um den gewagtesten Stunt auf den letzten Zentimetern vor dem Beton fighteten.
Nicht nur auf dem Wasser wurde hart gekämpft, auch an Land wurden schwere Geschütze aufgefahren: Während das „Old Father Team” mit lüsternem Blick, einer auffallend platinblonden Perücke und weißen Lack-Highheels im Gepäck gesichtet wurde, hatte sich das „F…ing Fast Team F2″ gleich einen naturblonden Schweden-Import (F2-Teamfahrerin Nina Edlund) einfliegen lassen, den sie nun stolz in einem aufgemotzten Porno-Chrysler um den See chauffierten. Während das „Hang­loose Shop Team” mit einer richtigen Knarre hantierte, schwang das „Team Pace” seine regenbogenfarbene Peace-Flagge. Doch noch immer wollte mich keiner in seine Pläne ein­wei­hen und so blieben mir auch ein Wischmob, ein Fußball, eine Gum­mipuppe, ein Trachtenoutfit und ein bemalter Zeh ein Rätsel.
Bei der Speedy-Session am Nachmittag bewies das „Old Father Team” dann, dass Viagra auch gut fürs Hirn ist. Im Gegensatz zu manch anderem Fahrer hatten die Surfopas große Lappen aufgeriggt und so auch bei dem schwächeren Südwind genug Speed für hohe Jumps über die Welle des legendären, gelben „Speedy”-Ausflugbootes – das dank dem Sponsoring des Shaka Surfshops eineinhalb Stunden vor dem Pier nur für uns auf und ab fuhr. Von den (laut den Zuschauern) megageilen Jumps einiger anderer Teams bekam ich dieses Jahr live leider wenig mit, da ich ohne Viagra und mit kleinem Segel meist ebenso langsam wie die Surfdrillinge auf dem Triodem durch die hohen Wellen dümpelte. Zum Glück hielten die beiden Profi-Photographen Fiore und Ronny Kiaulehn vom Boot aus die Jump-Session für die Nachwelt und mich fest. Bei ihnen konnte auch jedes Team Pics für seine Präsentation abgreifen, sodass kein Fahrer auf die Session verzichten musste.
Während des anschließenden Budweiser-Freibier-Après-Surfs am Shaka Shop musste ich leider zwei der 16 Teams von der Liste streichen: Das italienische „Team Future” (Vorjahresdritter) gab verletzungsbedingt auf und „Team Pace” – das mit einem Friedensmotto angetreten war – gab bekannt, sich nach einem heftigen, internen Krieg aufgelöst zu haben. (Inzwischen herrscht aber angeblich wieder Waffenstillstand!)
Auch das „F…ing Fast Team F2“ wirkte am späteren Abend ziemlich verzweifelt, weil sich ihr Schwedenhäppchen bei weitem nicht als so freizügig erwies, wie erhofft. Und vom sonst eher unüberhör- und unübersehbaren „Detonation Team“ war wie schon den ganzen Tag auch bei der Party im Moby Dick (wo wir dank Walter eine Menge Freidrinks genossen!) keine Spur zu entdecken. Sehr suspekt! Dafür bewiesen die „Pier Babes“ eindeutig mehr Durch­haltevermögen als einige ihrer männlichen Kollegen und ver­suchten sogar, mit einer Sitzblockade auf der Straße die Surfopas an der Flucht in die Pflegebetten zu hindern.

Am Samstag herrschte Hektik: Letzte Photos schießen, die geilsten 20 Shots auswählen, Präsentation vorbereiten … Diesmal galt die neue Regel, dass alle Teams ihre Bilder auf Englisch kommentieren mussten – was zu noch längeren Wer-muss-ans-Mikro-Diskussionen in einigen Teams führte. Und während die meisten Fahrer am Pier mit siegessicherem Grinsen oder hoffnungslosem Augenrollen dicht gedrängt in ihre Laptops stierten, zeigte Freestyle-Star Golito Estredo vom „Team Fanatic/North”, dass man auch bei wenig Wind sensationelle Moves hinlegen kann. Auch am dritten Abend hielt das sensationelle Wetter und nach der Bilderabgabe gab es an der Beachbar Circolo Vela/Conca’d Oro jede Menge Pasta für alle. Direkt daneben am Beach war bereits die riesige Leinwand auf­ge­baut, die Mikel vom Shaka extra für den Event genäht hatte.
Schon das erste Bild war ein Kracher: „Team Tricktionary” hatte sich als Priester, Mönch und Rabbi verkleidet in die Wildnis auf Sinnsuche begeben. Dann einer göttlichen Erleuchtung folgend fanden sie ihren heiligen Gral: eine Surfbibel. Weniger heilig ging es beim Team „Hangloose Surfshop” zu, das eine extrem stylisch photographierte Mafiosi-Story mit vielen Leichen präsentierte. Bei einem harten Fight auf dem Wasser (in Anzug und Krawatte) wurde der eiskalte Profikiller jedoch bekehrt … Das „Detonation Team”, das dieses Jahr völlig im Verborgenen gearbeitet hatte, zeigte eine ziemlich abgefahrene Parodie über die Fußball-WM. Die engagierten Profis – Beckham, Zidane, Ronaldinho und Materazzi – ernteten viele Lacher und Applaus. Eine Multikulti-Begegnung mit geilen Surfpics gab es von den Ridern des „Teams Fanatic/North”, die in passender Verkleidung wie auf einem Catwalk vor der Lein­wand einmarschierten.
Beim „Team Pier Babes“ bog sich das Publikum bereits vor dem ersten Bild: Als „Desperate House­wifes“ erschienen sie mit Bügelbrett und Putzzeug equiped auf der Bühne und zogen eine sensationelle Show ab. Im Traum er­schienen ihnen die lecker­sten Surfer und sie be­schlossen Gummi­handschuhe gegen Neo­pren zu tauschen … Auch der nächste Auftritt hatte es in sich: Das „F…ing Fast Team F2“ rollte in Nebelschwaden gehüllt mit dem Porno-Chrysler vor die Leinwand. Nachdem der Butler einen protzigen Bonzen aus­stiegen ließ, erzählte der verkleidete Schwei­­zer in einem sensationellen Italo-Englisch die Story von der Entführung seines Babes, wie er sie gefoltert auf dem Schloss seines Widersachers fand und sich schließlich mit einem har­ten Surf-Battle rächen wollte … Das jüngste Team „Inteam“ be­wies, dass man mit cooler Surfaction die heißesten Girls am See aufreißen kann und durfte als Belohnung für die Mühen den Mä­dels im Pool ihrer Villa eine Surflesson mit reichlich Körper­kontakt geben.
Eine Photo-Lovestory im Stil der „Bravo” hatte das „Seidl Boardshop Team” vorbereitet: Heidi und Peter (in Dirndl und Lederhos’n) als Lago-Touris mit zahlreichen Nebenbuhlern. „Dauernd arbeiten” musste angeblich das „Team Shaka”, daher drehte sich in ihrer Geschichte alles um ihren Alltag am Gardasee. Ein paar freie Stunden mussten sie allerdings doch gehabt haben, denn in ihre fantastischen Natur- und Lifestylephotos hatten sie eindeutig Zeit investiert. Danach hievte sich das „Old Father Team” auf die Bühne und stellte seine Porno-Nurse (ein Gaststar, der anonym bleiben wollte) vor. Die Surfopas konnten dank der aus­rei­chen­den Versorgung mit Viagra und der sensationellen Pflege ihrer scharfen Ex-Pornostar-Krankenschwester – die sich für ihre Pfleg­­linge sogar auf die letzten Zentimeter zwischen Surf­equip­ment ins Auto gequetscht hatte – auch auf ihre alten Tage noch einmal richtig coole Surfaction zeigen und ihren Mann stehen. Das Team „Planetwindsurfing” zeigte, dass Windsurfen ganz klar ein massenkompatibler Sport für jedermann ist und stellte Tou­risten, Rentner, Motorradfahrer, Polizisten, Hunde und einen k.o. geschlagenen Mountainbiker aufs Brett. Das wegen eines gebrochenen Zehs um einen Teilnehmer geschwächte „Team Windinfo” hatte einen ganz anderen Blickwinkel auf den Gardasee und erzählte seine Story aus der Sicht eines Zehs. Bevor die Rider des „A-Teams” mit der Präsentation ihrer ziemlich pornografischen Lebensgeschichte starteten, wurden erstmal dezent Kuverts über den Tisch der Jury geschoben. Doch die Scheine erwiesen sich leider als Falschgeld … Ehrliche Arbeit bevorzugte dagegen das „Drops Team”, das als ölverschmiertes Pit-Stop-Team bei den Mädels vom See leider kaum ankam, bis es den Lifestyle der Surferwelt entdeckte.
Alle Teams hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und die Jury stand somit in diesem Jahr vor einer schweren Entscheidung. Doch nach einer halben Stunde waren wir uns einig und ich durfte die Sieger verkünden:

Platz 1: F…ing Fast Team F2

(Daniel Aeberli, Matti, Alex Hasch, Nina Edlund)

Platz 2: Old Father Team

(Craig Gertenbach, Sebastian Wenzel, Markus Keller, Fred Niedner)

Platz 3: Hangloose.at Surfshop

(Stefan Heschl, Max Matissek, Evi Trummer, Manuel Grafenauer)

Platz 4: Detonation Team

(Funkenpit/P. Sedlmaier, D-Hartl/Gerhard Gürtler, Meloni/Peter Schön, Queen Mum/A. Huber, Gueststar: Icki)

Platz 5: Team Pier Babes

(Astrid Hintz, Bea Hamacher, Gabi Gaibler, Michaela Vavra)

Platz 6: Team Shaka

(Nicholas, Burian, Allessio Vincenzi, Stefan Schmölzer)

und Team Tricktionary

(Michael Roßmeier, Stefan Köhle, Davide Raffaelli, Hannes Wildner)

Last but not least die Sieger der „Best Shots“:

Bester Windsurf-Shot: A-Team, das dieses Jahr aufgrund einer Präsentation auf Italienisch statt auf Englisch knapp an einer Platzierung in der Gesamtwertung vor­bei­geschrammt war.

Bester Lifestyle-Shot: Team Shaka mit einer extrem coolen Aufnahme des jüngsten Contestteilnehmers (Nicholas mit zwölf Jahren), der sich mit dem Skateboard von einem Roller ziehen ließ.

Bester Natur-Shot: Team Shaka again, aber der Blick von der Kurve in Nago auf den Gardasee bei Sonnenaufgang ist einfach ein wunderschöner Klassiker.

Nach der Beachparty wurde natürlich im Moby Dick und später in der Conca Disco noch kräftig weiter gefeiert. Auch hier gab es noch eine kleine Wertung: der unoffizielle Trink-Wettkampf zwischen zwei Ridern der Siegerteams „Old Father“ und „F…ing Fast F2“ wurde mit einem klaren Unentschieden be­endet. Wäh­rend sich der Surfopa heimlich aus dem Moby Dick da­von­schlich, verpasste der Italo-Schweizer seine Siegerparty schnarchend im Porno-Chrysler auf dem Parkplatz der Conca Disco.

Free-Magazin Ausgabe 28 | Text Sandra Schoenbein | Fotos diverse

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