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Kiteloop Contest 2005

Von vielen von euch habe ich oft gehört, wie stressig ein Contest sei und dass es keinen Spaß mache, den ganzen Tag auf seinen Minuten-Heat zu warten, dabei erbärmlich zu frieren und natürlich die schlechtesten Bedingungen „ever“ zu erwischen.
Meine ersten Contesterfahrungen sammelte ich im August 2004 beim „First Kiteloop Contest of the world“ in Cabarete, wo ich weder gestresst war noch gefroren habe. Sicher ist es in „good old Europe“ nicht so warm, aber Spaß kann man hier dennoch haben, denn die Kites loopen hier ebenso fix wie in der Karibik. Beim Contest stehen ein paar einfache Dinge im Vordergrund: die Fahrer, deren Wünsche und deren Style! Schon ist der KLC ein Event und die Aussicht, eine Menge Action zu erleben, andere Fahrer zu bewundern und sich über den „sickest Trick“ auszutauschen (am Strand und auf dem Wasser), ist Programm.
Aber wie war es denn nun beim ersten Kite Loop Contest? Am Samstag wurden die Bedingungen im Laufe des Tages immer mieser und das Fahren fiel ins Wasser. Es pisste aus allen Kanälen und der Wind verschlief seinen Auftritt. Dem Frust wurde nach deutschem Brauch mit Grillwurst und Spirituosen der Garaus gemacht. Am nächsten Morgen fuhren wir im Regen nach Laboe und überlegten uns schon Ausweichtermine, doch trotz richtig schlechter Bedingungen kamen ein paar Rider an den Strand. So hatte sich bis 11 Uhr eine dreizehnköpfige Fahrertruppe registriert und wir warteten gemeinsam auf den vorhergesagten Wind. Die Hagelkörner trommelten auf die Wagendächer und jedem war klar, hier hoffen nur noch debile Einzeller auf kitebare Bedingungen. Doch so etwa wie bei „Ritter der Kokosnuss“ riss die Wolkendecke zum Mittag auf und die Sonne lies selbst das graue U-Boot farbig wirken. Der Wind kam hart, aber gerecht zurück, es wehte ein unbeständiger Wind aus SW und von 8 bis 20 Knoten war alles dabei. Für die Locals also normal oder auch „laboeig“. Man entschied sich für kleine Schirme, denn die Böen hatten es in sich. So wurden Schirme von 10 m_ bis 14 m_ in den Himmel geschickt. Die Belohnung für das lange Warten sollte doch noch folgen, denn die Sonne schien an diesem Tag scheinbar nur für den KLC. Am Horizont war alles dunkel.
Die gemeldeten Fahrer starteten bei Sideshore-Wind von einem Railey-Startblock aus. Um möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen, wurde in einem gemeinsamen Heat gefahren, bei dem aber nur drei Rider zeitgleich auf dem Wasser waren und bewertet wurden. Schon nach den ersten Minuten war klar, hier wird einem nichts geschenkt. Die Piloten heizten sich gegenseitig kräftigst ein und präsentierten Bestleistungen, die sich vor keinem offiziellen Contest hätten verstecken brauchen. Es wurde geloopt, was der Stuff hergab, und das in allen Variationen. Nicht nur die Sportler brachten ihr Material ans Limit, auch unser Kameramann Hilmer (ehemals NDR) verlangte seinem Equipment einiges ab und setzte alle Hebel in Bewegung, um auch den letzten Sprung einzufangen. Trotz der Kälte (Luft 10°C/ Wasser 8°C) fanden sich unerwartet viele Zuschauer am Strand ein, die sich wie die Möwen auf der Steinmole niederließen. Unter den Steinsitzern waren auch viele Seniortouristen, die mit offenen Mündern zusahen und nicht so recht begriffen, was da vor sich ging. Natürlich wurden sie korrekt aufgeklärt und das fanden sie „einfach Spitze“, „dolle Sache“ oder „gaaaanz toll“. Eine Gruppe von älteren Herrschaften fragte mich sogar, bei wem sie Eintritt bezahlen müssten. Diese einfache Frage hat mir sehr viel beantwortet …

Überhaupt erst möglich gemacht haben diese Veranstaltung die Sponsoren. Ohne die starke Unterstützung wäre es nicht halb so schön geworden. Es gab dieses Jahr stolze Preise zu gewinnen, die nicht immer unbedingt an den Besten gingen. So gab es ein Free-Magazin-Abo und wahlweise ein Lycra oder eine Kite-DVD für jeden Teilnehmer. Weitere Preise waren die Siegershirts 2005, Trapez, Surfklamotten, ein Custommade-Karbonhelm und vieles mehr. Die anwesenden Sponsoren waren ebenfalls begeistert, ihr Material in wirklichem Einsatz zu sehen. So wurde getestet, ob man einen harten Loop mit einem Board von Vampire, Devil, Anton, Airush oder Wipika am besten landet oder der Reactor wirklich schneller loopt als ein Wipika oder Naish. Maßgeblich beteiligt waren auch Two.AG, amdo industries, Free-Magazin, bonoborepair, kitesurfing-kiel.de, oase.com und Surfers Paradise. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für euer Vertrauen und eure Hilfe!!! Ich denke, ich spreche im Namen aller Beteiligten.
Die Ergebnisse wurden von den Fahrern selbst ermittelt. Die hübschen Mädels bestätigten die Ergebnisse mit reichlich vielen Küssen: Wir sahen den „Most technical KL“ von Volker Arp, Ruben Griesbach legte den „Best Wipe Out“ hin. Am höchsten schoss sich Johannes Stengel raus (Highest KL) und den wohl schmerzfreiesten Tag hatte Sven Lotse mit dem „Most Powerful KL“.
Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass ein gemütlicher Kitenachmittag bei 3 Bft und 6th Leine vernünftiger ist, als ein gewolltes Abschießen mit Kiteloops. Aber mit der Vernunft ist es so eine Sache. Sie führt praktisch immer in eine lauwarme Mittelmäßigkeit. In einem von zahnloser Besonnenheit gelähmten Land ist es wohl eine der letzten Freuden, wenn es sich mal wieder einer so richtig dreckig gibt. Bleibt zu hoffen, dass dabei eine realistische Selbsteinschätzung der fahrerischen Fähigkeiten mitfährt. Also bleibt auf der sicheren Seite vom Limit. Aber bitte möglichst dicht dran. Am Limit eben. Also Helm auf und fleißig üben, wir sehen uns dann zum KLC 2006.

Free-Magazin Ausgabe 20 | Text Timo Christahl | Fotos Alexander Voss

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