Der erste Tag aus Svens Sicht:
Früh aufstehen an meinem ersten Urlaubstag. Eigentlich macht man so etwas schon mal gar nicht, aber wir haben ein Ziel: Kiter werden. Inga guckt mich ganz verschlafen an: „Ich habe geträumt, ich fliege hinter meinem Kite her und kann nicht mehr landen.“ Einmal in den Arm genommen, dann aber schnell aufgeputzt und los ins Büro der Kite Academy. Claudia ist schnell gefunden und stellt uns Matthias als zweiten Coach vor – ein sympathisches Völkchen diese Kiter. Und guck mal an: Das ist doch Chrischi, der kann’s also auch noch nicht. Nach und nach trudeln auch die anderen Kursteilnehmer ein und werden ausgestattet, dann endlich kann’s losgehen, unser kleines Kite-Projekt. In Kolonne mit den obligatorischen VW-Bussen (so einen brauchen wir dann auch, wenn wir kiten können wie die Echten) geht’s Richtung Eckernförder Bucht, dem allerersten Spot unseres noch jungen Kiter-Lebens. Mit Sack und Pack – oder besser Helm, Weste, Neo, Schuhe, Trapez, Kites und Boards – bekommen wir in einer kleinen Kennenlern-Runde am Strand die ersten theoretischen Aspekte des Kitens nähergebracht: Windfenster, Sinuskurven und Powerzone – alles ganz praktisch an einem kleinen Modell demonstriert. Das ist auch für mich einfach zu verstehen, ist es doch immer noch ziemlich früh an diesem Samstagmorgen.
Jetzt werde ich langsam unruhig: Gebt mir so einen Kite! Nix is – erstmal geht’s um die Sicherheit: Wie schütze ich mich gegen unerwünschte Airwalks und bei welchen Bedingungen darf ich überhaupt kiten gehen. Die letzteren sind heute übrigens bestens: 4 bis 5 Bft von West, ein paar Wolken für den Wind, ein paar Sonnenstrahlen fürs Ego und für Kort, der fleißig Fotos von uns machen durfte.
Als Nächstes stehen Flugübungen auf dem Programm: starten, landen, gleichmäßige Sinuskurven fliegen. Übung muss sein, alles klar, aber jetzt will ich endlich einen Kite haben wie die Großen! Mein Wunsch wird erhört: Nach einer kleinen Stärkung liegt er vor uns: unser Tubekite. Ich bin überrascht, wie einfach der „kleine Drache“ aufzubauen ist. Endlich dürfen wir ran an den Speck und ab ins Wasser. Ohne Board? Ach so, da müssen wir wohl erst einmal wieder irgendwas lernen und das sind die so genannten Bodydrags. Wir lassen uns mit inzwischen perfekten Sinuskurven und jeder Menge Speed durchs Wasser ziehen und nehmen noch mindestens zwei andere Kursteilnehmer mit, die sich möglichst lange am Trapez festhalten. Möglichst lange beschreibt dann auch genau die Zeit, in der ich mich im Wasser befinde. Sobald mich meine Kite-Kollegen mit dem Kite allein überlassen, flieg ich wie „Sven-the-rocket“ in den Nachmittagshimmel. Das macht zum einen Laune, zum anderen bestimmt ebenso dicke Arme, wie das anschließende Höhelaufen zu Fuß dicke Oberschenkel macht. Anstrengend, aber unheimlich nahe dran an unserem Ziel „Kiter“. Was noch fehlt, ist das Board. Morgen geht’s los, da kite ich!
Der zweite Tag aus Ingas Sicht:
Nach einer ruhigen Nacht stehe ich schon neben dem Bett, als der Wecker klingelt. Der erste Tag am Kite hat uns heiß gemacht und so kann ich es kaum erwarten, wieder ins Wasser kommen.
Wir treffen uns heute Morgen gleich am Parkplatz. Rein in die Neos, alles anziehen, was geht, dann haben wir weniger auf dem Weg zum Strand zu tragen.
Bevor es ins zum Glück nicht allzu kühle Nass geht, erklärt uns Matthias, wie man sich in kritischen Lagen vom Kite trennt, die Leinen im Wasser am besten aufwickelt und mit dem Material an Land kommt. Fast am besten, weil am wenigsten anstrengend, gefällt mir die Version, dass man sich einfach auf den Kite legt und so lange treiben lässt, bis man von einem Boot gerettet wird oder in Dänemark strandet (lecker Lakritze kaufen). Anschließend üben wir trocken am Strand die Bewegungsabläufe für den Wasserstart, der heute auf dem Programm steht und sich in der Theorie wie ein Kinderspiel anhört.
Wiebke und ich kriegen als einzige reine Mädelsgruppe einen 7er Kite, der schnell aufgebaut ist. Mit Bodydrag soll es auf die Sandbank gehen. Dabei machen wir gleich Bekanntschaft mit den Böen des heutigen Tages, die für unseren kleinen Kite die wahrlichen Feinde sind. Entweder haben wie super viel Zug oder der Wind ist ganz weg, sodass uns der Kite gleich am Anfang ein paar Mal unmotiviert aus dem Zenit heruntertrudelt. Da wir beiden Mädels aber seit dem ersten Tag Helden im Relaunch sind, ist das kein Problem.
Auf der Sandbank angekommen, gibt uns Claudia gleich das Board in die Hand. Es folgen unzählige Versuche, den Wasserstart zu meistern. Einige misslingen, aber Wiebke und ich können beide erste Erfolge verbuchen, die so aussehen, dass wir erst nach drei Metern wieder ins Wasser eintauchen. Aber das Prinzip ist verstanden und jetzt heißt es, üben, üben, üben. Ein Blick in Richtung auf unsere Jungs zeigt, dass Chrischi und Pepe schon ein Stückchen fahren können. Als ich Sven im Wasser suche, entdecke ich ihn fahrend auf dem Board. Leider fällt er ins Wasser, als er mir freundlich zuwinkt, aber beeindruckt hat er sein Mädchen allemal. Er wird mir am Strand berichten, dass er gleich zwei Halsen gefahren ist – leider nicht gesehen und auch ein bisschen ungerecht, dass den Jungs das Starten scheinbar leichter fällt (auf mehr Kraft kommt es ja angeblich nicht an, woran liegt es bloß?!). Gleichzeitig freu ich mich mit ihnen über ihren Erfolg und hoffe, dass sie mir ein Paar Tipps von Anfänger zu Anfänger geben können.
An unserem Spot, der eigentlich ein Geheimtipp ist, sind heute noch drei andere Kiteschulen unterwegs, von denen nach unserer Einschätzung mehr Gefahr ausgeht als von uns. Jedenfalls werden unsere Jungs fast von einem Kite getroffen, weil der Kiter – ebenfalls Anfänger wie wir- nicht richtig weiß, wie oder ob er starten oder landen will. Vielleicht fehlt ihm auch einfach die fünfte Leine, die doch vieles einfacher macht.
Als Claudia uns irgendwann wieder an Land winkt, können wir Mädels gerade noch einen letzten Versuch für jede aushandeln. An Land merken wir, wie geschlaucht wir sind. Die Windböen kosten viel Kraft, vor allem beim Zurückwandern Richtung Luv auf den Anfang der Sandbank und beim Festhalten des Partners. Gleichzeitig macht das Aquajogging bei den ersten Versuchen einen Mordshunger und Sven begrüßt mich zu meiner ausgesprochenen Freude gleich mit dem ersten Brötchen.
Die Folgen:
Wir sind eindeutig infiziert. Ein Tag nach dem Kurs werden die eigenen Kites bestellt, die Zeit bis zur heiß ersehnten Lieferung überbrücken Leihkites. Beim Wetterbericht ist Wind wichtiger als Sonne und der Mallorca-all-inclusive-Urlaub wir zum Fuerte-Aktivurlaub umgebucht.
We thank the academy!




