Inhalt

Interview mit Sebastian Bubmann

{GALERIE} bubmann2.jpgFM: Glückwunsch zum Titel „Partypeitsche of the year“! Das ist doch endlich mal ein schöner Titel.
SB: Das kann man wohl sagen! Allerdings war das ja auch ein hartes Stück Arbeit.
FM: Waren deine Eltern davon begeistert? Dein Vater hat ja zumindest gleich die Siegprämie in Form von fünf Kisten Bier hier abgeholt …
SB: Die hat er schön für sich selber eingesackt. Sagen wir mal so – meine Mutter war weniger begeistert und meinen Vater konnte ich mit dem Bier zum Schweigen bringen.
FM: Deine Mutter war nicht begeistert? Wie kommt das wohl?
SB: Och, kein Plan. Meine Eltern kommen wahrscheinlich aus einer anderen Zeit.
FM: Wie sieht das aus, wenn du nicht auf Veranstaltungen bist? Feierst du da genauso hart?
SB: Solange ich am nächsten Tag ausschlafen kann, auf jeden Fall. Auf Events hat allerdings der Wettkampf ganz klar Priorität und nur wenn kein Wind angesagt ist, wird dick gefeiert. Oder halt bei der Abschlussparty.
FM: Ich merke, deine Eltern hören wohl grade zu. Auf den anderen Tourstopps warst du doch auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit.
SB: Solange das Ergebnis stimmt und kein Wind ist, soll man sein Kiter-Dasein ja auch auf andere Art und Weise ausleben können, oder?
FM: Auf der hanseboot-Free-Magazin-Party hast du auf jeden Fall noch einmal unter Beweis gestellt, dass du den Titel „Partypeitsche of the year“ zu Recht trägst.
SB: Habe das nicht mehr so ganz mitbekommen. Vielen Dank noch einmal für den riesengroßen Party-Peitschen-Pokal, randvoll mit frischem Carlsberg zum Aufwärmen bei der Siegerehrung nachmittags auf der hanseboot.
FM: Besonders gut gefallen hat mir auf der Party, dass dein Shirt in zwei Stücken vom Körper hing …
SB: Ja, danke Alexander! Das war übrigens mein geilstes Shirt! Bevor ich’s vergesse, auch noch mal danke für die 20 Tequila.
FM: Innen gut, außen mit Hut.
SB: Na klaro.
FM: Wie sah es denn sportlich 2005 aus? Wievielter bist du bei der Kitesurf-Trophy geworden?
SB: Nach einem klasse Start mit dem dritten Platz bei den Herren auf Fehmarn, sollte sich leider nicht mehr alles in diese Richtung entwickeln. Mein Jahrgang hatte zwei Wochen Jahrgangsfahrt nach Slowenien und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. So setzte ich voll auf meinen Streicher und ließ Kiel sausen. Als ich dann auf Sylt durch Fieber nicht an den Start gehen konnte, war das mit dem Dritten eigentlich auch schon Schnee von gestern. Dafür lief es international für mich wesentlich besser!
{GALERIE} bubmann1.jpg FM: Was hast du denn international so gemacht?
SB: Meine Priorität lag bei der PKRA Worldtour. Ich konnte mich in Griechenland qualifizieren, dann war allerdings der Wind weg. Auf Fuerte konnte ich im Freestyle den 13. Platz und somit das beste deutsche Ergebnis erzielen.
FM: Das ist ja knorke. Was steht nächstes Jahr an?
SB: Nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall die Kitesurf-Trophy mitfahren und international so viele PKRA-Events wie möglich mitnehmen.
FM: Wie geht das neben der Schule? Kommt man überhaupt genug aufs Wasser?
SB: Sagen wir es mal so: Momentan sind Klausuren angesagt und ich arbeite von früh bis spät. Aber es ist ja auch kein Wind zurzeit. Wenn Wind wäre, müsste ich da irgendwie improvisieren. Meistens leidet dann die Schule.
FM: Wie sieht das mit der Kohle aus? Wird man als Kiter reich?
SB: Ganz ehrlich? Nein! Das hat bisher noch keiner geschafft. Aber es ist ein ultimativ geiler Sport und von daher lohnt sich das auch, ohne reich zu werden.
FM: Was ist denn für dich das Beste am Kiten?
SB: Wenn man nach fünf Stunden vom Wasser kommt und weiß, dass man wieder viele neue Tricks gelernt hat.
FM: Hast du vorher schon andere Sportarten ausprobiert? Wie kommst du zum Kiten?
SB: Ich war früher begeisterter Regattasegler. Dann wurde mir das zu langweilig und ich bin Windsurfen gegangen. Als ich bemerkte, dass die Kiter alle bei halb so viel Wind ganz gut durch die Gegend heizen, habe ich mir gedacht, dass ich das auch mal machen muss. Tja, und dabei ist es dann geblieben. Nebenbei wakeboarde ich, fahre Ski und laufe gerne.
FM: Apropos Skifahren. Da warst du doch auch irgendwie Waldmeister? Wie sieht das denn in diesem Winter aus?
SB: Das ist richtig. 2004 und 2005 konnte ich den WM-Titel bei den Junioren im Freestyle einfahren. Diesen Winter werde ich auf jeden Fall auch ein paar Events, inklusive der WM, mitfahren.
{GALERIE} bubmann3.jpg FM: Kann man Snowkiten und Kitesurfen miteinander vergleichen?
SB: Das ist im Prinzip genau das gleiche. Mit Skiern ist es ein wenig anders. Aber mit dem Snowboard ist das ziemlich ähnlich. Ich würde sagen, dass es sogar noch etwas einfacher ist. Man säuft nicht immer gleich ab und fährt viel kleinere Kites als auf dem Wasser, weil der Widerstand auf dem Schnee viel geringer ist. Aber wenn man sich abpackt, tut es auch mehr weh.
FM: Das denke ich auch manchmal, wenn man sich mal anschaut, wie hoch die Jungs springen.
SB: Kommt drauf an. Wenn man das auf dem flachen See macht, tut das nicht so weh. Aber wenn du das im hochalpinen Gelände machst und sich dein Kite wie ein Gleitschirm verhält, wo Höhen zwischen 60 und 70 Meter erreichbar sind, kann da schon ordentlich was passieren. Aber gute Snowkiter können die Situation einschätzen und sichern sich immer doppelt über das Trapez mit zusätzlicher Sicherung durch Klettergurte ab. Wir setzen uns vorher auch zusammen und gucken uns die Winde an, damit uns nicht oben der Schirm zusammenklappt, weil irgendein Abwind kommt. Bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft nur die Leute das machen, die die Gefahr und ihr eigenes Können richtig einschätzen können. Alles andere würde nur dem Image des Sports schaden.
FM: Kommen beim Snowkiten nicht auch schon Diskussionen hinsichtlich des Themas Sicherheit auf?
SB: Bis jetzt war es noch nicht so extrem wie beim Kitesurfen. Wir fahren aber auch bei viel weniger Wind als beim Kitesurfen auf dem Wasser. Aber da werden bestimmt Diskussionen aufkommen, wenn sich mal wieder einer die Knochen bricht.
FM: Im Winter benutzen viele Softkites. Was ist deren Vorteil?
SB: Der Boden ist im Winter viel härter und Eiskristalle können ganz schön scharf sein. Von daher ist es schon ein Vorteil, wenn die Tube beim Aufprall auf den Boden nicht platzt. Wir machen teilweise große Touren und wenn da weit und breit kein Auto in der Nähe ist, das einen bei einem kaputten Kite ins nächste Dorf bringen kann, ist ein Softkite schon ein klarer Vorteil. Außerdem sind sie leichter, einfacher zu starten und verhalten sich in den unteren Windbereichen durch die gleichmäßig verteilte Masse wesentlich besser.
FM: Wie ist das auf dem Wasser? International bist du, glaube ich, der einzige mit einem Softkite auf dem Wasser. Woran liegt das?
SB: Ich bin vor ein paar Jahren dazu gekommen, weil ich Armin von Flysurfer auf Fehmarn bei der Kirtesurf-Trophy getroffen habe. Da habe ich das ausprobiert, was auch prima funktionierte und daher habe ich bisher keinen Grund gesehen zu wechseln.
FM: Wer unterstützt dich sonst noch?
SB: Chiemsee und Mystic, für den Winter auch Scott USA. Alles sehr gute Partner, mit denen ich seit einigen Jahren gut zusammen arbeite. Bei Chiemsee bin ich jetzt seit drei oder vier Jahren und das läuft echt gut. Wenn man es auch schon mal erlebt hat, wie einen Firmen sitzen lassen können, dann weiß man eine Firma, die gut kooperiert und verlässlich ist, sehr zu schätzen. Dasselbe trifft auch für Mystic zu. Wenn dann auch noch die Produkte gut sind, ist es wie in meinem Fall perfekt!
FM: Wie kommt man an solche Sponsoren?
SB: Mit dem Kite lief das so, dass ich bei den Junioren 2002 auf Fehmarn meinen ersten Event gewonnen habe und Armin gleich zu mir kam, um mich nach meinen Zukunftsplänen auszufragen. Seitdem sind wir ein festes Team. Die anderen Sponsoren, wie zum Beispiel Scott beim Snowkiten mit Skiern und Helmen, hat sich wiederum über Flysurfer ergeben, da die schon vorher zusammen gearbeitet haben. Genau so war es auch mit Mystic. Mit Chiemsee ist das ganz lustig gewesen. Meine Mutter ist Lehrerin und im Gespräch mit einer Kollegin stellte sich heraus, dass diese Leute bei Chiemsee gut kannte. So kam die Verbindung zustande.
FM: Wie ist das mit Kiten und Frauen? Man hört ja immer von Groupies. Du als Partygänger, der grundsätzlich seinen Oberkörper freimacht, musst das doch eigentlich wissen. Und was sagt Chiemsee eigentlich dazu, dass du dir immer die Klamotten vom Körper reißt? Oder sind deine Unterhosen auch von deinem Sponsor?
SB: Die sind von Tchibo, glaube ich. Nachdem ihr mich auf der Party ausgezogen hattet, hatte sich das mit der Unterhose auch so gut wie erledigt. Eigentlich existierte ja nur noch der Gummizug und der hat dann zum Schluss auch nur noch als Peitsche gedient …
FM: Nun mal Butter bei die Fische!
SB: Ich kann nicht klagen. Aber man sollte es auch nicht übertreiben. In Hamburg auf der hanseboot-Free-Magazin-Party war das doch ein wenig doll. Ihr habt mir ja schon um 17:00 Uhr auf nüchternen Magen zwei Liter Bier im Partypeitschen-Pokal zugeschoben, sodass ich letztendlich weder mit der Flysurfer-Crew im Bus kuscheln konnte, noch sonst irgendwo in Hamburg ein gemütliches Bett mit Begleitung gefunden habe. Das ist dann auch nicht so der Knaller.
FM: Aber das war doch deine standesgemäße Siegprämie! Und wie ist das am Strand?
SB: Am Strand wirkt sich das natürlich positiv aus, wenn man sich zeigt und auf dem Wasser durch die Gegend jumpt. Da geht einiges.
FM: Bist du gerade in festen Händen?
SB: Nein.
FM: Ja sauber, dann kriegst du ja bestimmt ein paar Liebesbriefe nach dieser Geschichte.
SB: Haha, dürft ihr denn meine Adresse drucken?
FM: Was wir nicht alles dürfen! An dieser Stelle also der Aufruf: Interessierte Damen bekommen Seppels Adresse bei kalle@free-magazin.de. Sag mal, was macht eigentlich dein Zahn, den du dir in St. Peter ausgeschlagen hast?
SB: Nächste Woche bekomme ich meinen endgültigen Zahn. Das wird eine fette OP, wo ich vier Stunden unter dem Messer liege. Das wird scheiße.
FM: Und der sieht auch gut aus?
SB: Gold mit Diamanten versteht sich!
FM: Sauber! Aber so ein Zahnverlust ist ja zum Glück eine Verletzung, die einen beim Kiten überhaupt nicht einschränkt?
SB: Neulich ist mir der vorläufige Zahn beim Kiten wieder rausgeflogen. Da musste ich auch aufhören, weil es ein bisschen wehtat. Aber ansonsten geht das. Neben kaputten Knien und Schulterproblemen kann man als Kiter schon froh sein, wenn man mal so eine „einfache“ Verletzung hat.
FM: Wie ist das eigentlich mit dem Support von deinen Eltern. Vor ein paar Jahren war ich doch erstaunt, wie du mit deinem Vater umgehst.
SB: Ach, unser Verhältnis hat sich ziemlich verändert. Ohne meine Eltern wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Sie haben mich immer toll unterstützt und dafür bin ich sehr dankbar! Vielleicht war man sich mit 15 noch nicht so klar, was für einen Mega-Support man eigentlich bekommt. Ich habe zur Konfirmation meine ersten zwei Kites bekommen. Vorher musste ich mir am Strand immer das Zeug zusammenleihen. Meine Eltern waren echt meine ersten Sponsoren. Vielen Dank an dieser Stelle.
FM: Du redest, als wärst du 40 Jahre im Geschäft. Wann willst du denn Weltmeister werden?
SB: Sagen wir mal in drei Jahren. Nein, bis jetzt wäre das ein netter Nebenabwurf. Momentan ist eigentlich nur geplant, gut durchs Abi zu kommen und dabei irgendwie fett Kiten zu können. Nach dem Abi werde ich erstmal losziehen und im Winter, anstatt zu büffeln, im Süden rocken. Das wird dann sicherlich zu besseren Ergebnissen führen, als wenn man den ganzen Winter in der Penne in Flensburg gammelt!

Free-Magazin Ausgabe 23

Keine Kommentare »

Kommentar abgeben? Her damit!