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Interview mit Carlos Entique Santos

{GALERIE} kaboman_2.jpgCarlos Enrique Santos ist Kapverdier, 41 Jahre jung und seit 2001 auf Sal Manager von Planeta Cabo Verde und vom Hotel Leme Bedge. Er studierte Fremdsprachen in Frankreich und spricht mehr als fünf Sprachen fließend, unter anderem auch Deutsch. Nach 20 Jahren im Ausland kehrte Carlos 1996 wieder in seine Heimat zurück.

Free: Als du 1976 deine Heimat verlassen hattest, war da für dich klar, dass du irgendwann wieder auf die Kapverdischen Inseln zurückkommen würdest?
Carlos: Auf jeden Fall! Alles, was ich im Ausland gemacht habe, habe ich getan, damit ich eines Tages wieder hierher zurückkommen kann.
Free: Was ist für dich das Besondere an diesen Inseln?
Carlos: Die Lebensphilosophie. Natürlich hast du im Ausland Dinge, die du hier nicht hast. Aber wir haben hier eine bessere Lebensqualität und weniger Stress, auch wenn wir hier viel arbeiten. Und dann ist hier natürlich die Sonne! Das ist für mich die Hauptsache. Sollte ich mal Stress bei der Arbeit haben, dann gehe ich mit einer Tasse Kaffee aus meinem Büro nach draußen in die Sonne und schaue aufs Meer. Nach fünf Minuten bin ich wieder fit!
Free: Wenn du zurückblickst: Wie hat sich das Leben hier auf der Insel seit deiner Rückkehr verändert?
Carlos: Die Zeit von 1996 bis 1997 war noch etwas ruhiger. Doch seit 1998 wird bei uns viel gebaut und investiert. Immer mehr Veranstalter interessieren sich für die Kapverden. Außerdem hilft die problematische politische und religiöse Entwicklung in der restlichen Welt in gewisser Weise unserem Tourismus. Wir sind ein kleines, ruhiges, christliches Land. Die Touristen können sich hier sicher fühlen und müssen keine Angst haben.
Free: Siehst du auch negative Begleiterscheinungen dieser enormen touristischen Entwicklungen?
Carlos: Natürlich. Die negativen Begleiterscheinungen sind dieselben, wie man sie aus den großen Städten kennt. Unsere gesamte Infrastruktur ist darauf noch nicht zu 100 Prozent vorbereitet.
Free: Was sind denn deiner Meinung nach die Hauptaufgaben, die die Inseln in den nächsten Jahren touristisch bewältigen müssen?
Carlos: Momentan können wir uns noch durch unsere „kapverdische Art“ retten: Alles ganz entspannt sehen! Aber wenn die Entwicklung im Tourismus weiterhin so schnell vorangeht, wenn noch mehr Hotels gebaut werden und die Standards für diese weiter angehoben werden, dann benötigen wir zum Beispiel dringend so etwas wie eine Hotelfachschule. Wir brauchen geschultes Personal, das weiß, wie man einen Gast an der Rezeption empfängt. Da reicht nicht immer nur ein Lächeln, sondern das ist auch ein bisschen psychologische Arbeit. Wir brauchen Leute, die wissen, wie man einen Teller serviert, nicht nur mit Freundlichkeit, sondern auch mit Professionalität. Momentan können wir dem Personal noch selbst beibringen, was es im Umgang mit den Gästen wissen muss, aber wenn noch mehr Hotels entstehen, kommen wir nicht mehr hinterher. Dann braucht man auch geschulte, mehrsprachige Fremdenführer für die deutschen, holländischen und englischen Touristen, die diesen die Geschichte und die Besonderheiten der Inseln in ihrer Sprache erklären.
Free: Was sind deine Ziele in den nächsten Jahren?
Carlos: Unsere Pläne sind es, die Agentur, das Hotel Leme Bedge, die Windsurfstation am Strand, die Tauchstation und den zukünftigen Fishing-Club zusammenzuführen. All das soll zu einem „Sportprodukt“ werden. Es gibt bisher auf den Kapverden keinen Veranstalter, der sich explizit auf Sport spezialisiert hat. Wenn jemand auf den Kapverden in Zukunft Sport machen will, dann soll er sagen: „Ich weiß, es gibt Planeta und das Leme Bedge und die wissen, wovon sie reden.“

Free-Magazin Ausgabe 20

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