FM: Wie sind Sie dazu gekommen, sich für Tiere zu interessieren und zu engagieren, die in der breiten Öffentlichkeit als gefährlich gelten?
GW: Genau dieser Aspekt ist der Grund. Der Hai ist eines der verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und man hat ihn in eine Killerrolle gesteckt, die er nicht verdient hat. Die Statistik über Haiunfälle gibt Auskunft darüber, dass bereits das Anstoßen bzw. das einfache Auftauchen als ein so genannter „Haiunfall“ eingestuft wird. Pro Jahr gibt es zwischen 60 und 100 Haiunfälle, von denen 20 mit einer tatsächlichen Verletzung, die über eine Schürfwunde hinausgeht, enden, sechs bis zehn gehen tödlich aus. Das ist die Gefahr Hai, mehr nicht! Bei den rund 20 Milliarden Schwimmern, Surfern, Tauchern, die jedes Jahr in Gebieten Wassersport betreiben, wo es Haie gibt, ist das extrem wenig. Das liegt daran, dass es keine Attacken sind von einem hungrigen Tier, sondern es handelt sich um Unfälle aus dem Nichtverstehen des Meeres durch den Menschen. Wenn man zum Beispiel in trübem Wasser schwimmt und platscht und zusätzlich Fischer in der Nähe hat, muss man damit rechnen, dass das verwirrte Tier neugierig wird und einen anstößt. Das gilt gleich als Haiattacke. In ganz wenigen Fällen kommt es unter Umständen zu einem „Testbiss“. Bei diesem so genannten Gaumenbiss drückt das Tier seine Geschmacksknospen, die im Gaumen lokalisiert sind, an das Objekt, ohne zu beißen. Wenn man den Arm oder das Bein ruhig hielt, würde der Hai auch wieder loslassen. Auf diese Weise ist auch zu erklären, warum die meisten Wunden, die von solchen Unfällen herrühren, so genannte Sekundär-Wunden sind. Das heißt, dass das Zurückreißen des Armes oder des Beines, nicht aber der Biss des Haies, die wirkliche Wunde hervorruft.
Haie sind unglaublich schöne und faszinierende Tiere. Jeder Taucher, der einmal eine Begegnung mit einem Hai erleben durfte, wird dem zustimmen. Die Öffentlichkeit sieht die Tiere jedoch nur als Killer und leider sind wir Menschen so gepolt, dass wir das, was wir fürchten, vernichten wollen. Heutzutage werden über 200.000.000 Tiere pro Jahr für diverse Zwecke getötet und kein Mensch kümmert sich darum – mit schrecklichen Folgen für uns alle. Haie sind seit 400 Millionen Jahren die Topräuber im Meer. Wenn wir diese Tiere ausrotten, wird auch das Meer sterben. So geschehen in Neuseeland, wo manche Gebiete zunächst komplett haifrei waren, mittlerweile auch austernfrei sind, weil sich deren Fressfeinde, die Kraken, ungebremst vermehrt haben, die wiederum eigentlich Haifutter sind. Wir verändern also das Meer in einer Art und Weise, die wir nicht überblicken. Das Meer ist das größte Ökosystem dieser Erde und wenn es stirbt, sterben wir mit. Daher ist SHARKPROJECT zwar eine Haischutzorganisation, aber in einem gewissen Sinn auch eine Menschenschutzorganisation. Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Tier Hai zu entkriminalisieren und es zu schützen, denn niemand schützt etwas, vor dem er sich fürchtet. Aus diesem Grund gehen wir mit den Tieren ins Wasser, schwimmen mit ihnen und zeigen, dass es sich bei ihnen um ganz normale Tiere handelt.
FM: Haben Sie eigene Erfahrungen mit den Tieren gemacht oder warum haben Sie persönlich damit angefangen?
GW: Vor über 20 Jahren machte ich mit einer Unterwasserkamera beim Tauchen Aufnahmen von Haien. Die Bilder unterlegte ich mit dramatischer Musik und präsentierte sie im Tauchklub. Ein bisschen, um zu zeigen, was für ein Held ich doch war. Nach und nach lernte ich jedoch viele Menschen kennen, die mir Haie von einer anderen Seite zeigten. Mittlerweile habe ich auf der ganzen Welt getaucht und in den letzten zehn Jahren die Haie wirklich kennen gelernt. Es sind sicherlich keine Schoßtiere, sondern Raubtiere. Ich möchte aber nochmals betonen, dass sie für den Menschen keine Gefahr darstellen. Es gibt keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen, die wir verstehen müssen, um Unfälle zu vermeiden.
FM: Hatten Sie schon einmal ein schlechtes Erlebnis mit Haien?
GW: Ja. Vor Durban in Südafrika gibt es eine Stelle, an der man mit Tigerhaien tauchen kann. Das ist an sich schon eine gefährliche Sache, aber die Leute vor Ort gehen damit zusätzlich sehr leichtfertig um. Die südafrikanische Botschaft von SHARKPROJECT kämpft schon seit vielen Monaten um eine Reglementierung. Als ich deswegen vor einigen Monaten vor Ort war, um unsere Bedenken zu dokumentieren, hatte ich ein absolutes Albtraumerlebnis. Ich fuhr mit einem Boot raus und war als einziger Taucher an Bord. Man hatte noch nicht einmal mein Brevet kontrolliert, um zu sehen, ob ich tauchen kann. Irgendwann schmiss man mich genau dort raus, wo die Tigerhaie im Wasser kreisten. Das Wasser war trübe und ich trieb nach kurzer Zeit ziemlich dicht an der Fresstonne vorbei, die zum Anlocken der Fische dienen sollte. Schon nach kurzer Zeit rempelte mich der erste Hai an. Der zweite biss in meine Kamera. Ich habe einen Riesenschreck bekommen, aber den Haien darf man keinen Vorwurf machen. Ich roch nach Futter, ich hörte mich an wie Futter – er wollte nur wissen, was ich denn nun wirklich bin. Trotzdem möchte ich nicht wissen, wie ein ungeübter Taucher in einer solchen Situation reagiert hätte. Im Zuge unserer Absicht war es ein sehr gutes Erlebnis, dennoch möchte ich es nicht nochmal erleben.
FM: Sind Tigerhaie für den Menschen gefährlicher als Weiße Haie?
GW: Tigerhaie sind Allesfresser und schon allein wegen der Größe für den Menschen potenziell gefährlich. Es werden häufig sehr spektakuläre Unfälle mit Tigerhaien gemeldet, bei denen sie zum Beispiel in ein Surfbrett gebissen haben. Man muss sich solche Situation folgendermaßen vorstellen: Die Surfer befinden sich dort, wo Wellen brechen. Für die Haie ist das primär bewegtes Wasser, wo sie schlechter sehen und hören können, d.h. einige ihrer wichtigsten Sinne kommen nicht zum Einsatz. Wenn ein Surfbrett vorbei kommt und eine so genannte Schwingungsmelodie im Wasser erzeugt, kann diese bei den Tieren in Verbindung mit Beutefischen in der Nähe Futterassoziationen erzeugen. Wir haben vor einem Jahr vor Südafrika einige Tests gemacht. Dort haben wir einen Roboter, der aussah und sich bewegte wie ein Surfer, über Weiße Haie aufs Wasser gelegt und nebenan haben wir einen orangefarbenen Koffer gelegt, der Geräusche abgegeben hat. Es war daraufhin interessant zu sehen, dass nicht der Surfer für den Hai von Interesse war, sondern der Koffer. Die Tiere sind gekommen, um den Surfer gekreist und haben den Koffer gebissen. Das hat damit zu tun, dass Geräusche um die 300 Hertz den Geräuschen von verletzten Fischen entsprechen. Wenn das Tier Futter riecht, sieht und hört, kommt es, um nachzuschauen. Wir vermuten heute, dass ein Großteil dieser Surfunfälle aus den gleichen Gründen passiert: Es ist Futter in Form von Beutefischen in der Nähe, es ist schlechte Sicht und dann kommt das Geräusch eines Surfbretts, das aufs Wasser schlägt, wenn der Surfer darauf sitzt und es einseitig belastet - da sind sofort die Weißen Haie da. Es sind also die Schwingungsmelodien in Verbindung mit Futter, die für die Tiere interessant sind. Ein entspanntes Gefühl ist das aber allemal nicht, wenn man einen Tigerhai unter Wasser antrifft und daher muss so ein Hai-Tourismus, wie ich ihn in Durban erlebt habe, auch anders ablaufen.
FM: Aber wenn Sie sagen, dass Sie den Haitourismus stärker reglementieren möchten, sind Sie grundsätzlich für eine solche Art von Tourismus, sprich im Käfig nach Haien zu tauchen, zu begeistern? Es gibt Stimmen von Wissenschaftlern, dass das Tauchen mit Haien, wie es zum Beispiel in Südafrika angeboten wird, die Haie erst so dicht an die Küste lockt.
GW: Das ist nur eine sehr abenteuerliche Annahme, die bisher nicht bewiesen werden konnte. Es gibt auch Unfälle an ganz anderen Stellen und auf anderen Kontinenten ohne diesen Futter-Faktor. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass Futter in Form von Beutefischen das Interesse der Haie erregt. Ob aber das Chum (eine Brühe von Innereien und Blut), das von Haitourismus-Booten zur Anlockung der Tiere benutzt wird, dazu führt, dass sich Haie in kilometerweiter Entfernung an einer ganz anderen Stelle versammeln, ist eine waghalsige Theorie. Sollte das Tier den Chum in der Strömung riechen, wird es dem Geruch folgen und zum Boot kommen.
FM: Aber die Haie werden ja in direkter Nähe zur Küste geködert. Beruhigend ist diese Situation für mich als Wassersportler nicht.
GW: Die Weißen Haie sind doch sowieso da. Das Ködern ist nicht die Problematik. Wenn Sie sich mal Dyers Island ansehen, einen der bekannten Treffpunkte für Weiße Haie, sind dort draußen ca. 20 Shark-Operators rund 20.000 Touristen im Jahr. Diese Menschen kommen alleinig wegen diesen Haibegegnungen, die für sie das Erlebnis ihres Lebens sind. Unsere Aufgabe muss es sein, diese Touristen zu informieren. So haben wir z.B.ein Hai-Logbuch herausgebracht, in dem die Haitouristen Hintergründe und Fakten lesen können, um sich den Tieren anzunähern und Vorurteile zu bekämpfen. Wir sind keine Tierschutzorganisation, uns geht es nicht um das einzelne Tier, sondern es geht darum, die Art zu erhalten. Für diese Arbeit brauchen wir Botschafter und auch den Ökotourismus mit dem Hai. Wie will man sonst die Vorurteile gegen diesen angeblichen Killer auflösen? In Vorträgen versuchen wir, unser Vorgehen den Menschen zu vermitteln. Trotzdem gibt es Leute, die unsere Arbeit zwar toll finden und trotzdem sagen, dass sie das aus Angst niemals mitmachen würden. Wir müssen das Tier entkriminalisieren, woran viele Haischutzorganisationen bisher gescheitert sind. Wir können nicht sagen „Rettet den Hai“ und alle rennen vor Angst weg. Wir müssen erst die Angst nehmen, bevor wir retten können.
FM: Ich hatte in den Ausführungen von Dr. Ritter gelesen, dass die größte Population von Weißen Haien im Mittelmeer sein soll?
GW: Das vermutet man. Die größten Weißen Haie wurden bisher im Mittelmeer gefangen.
FM: Das finde ich Wahnsinn, denn im Vergleich zu den großen Ozeanen ist das Mittelmeer ein recht kleines Revier.
GW: Das könnte man denken. Wir haben etwa 49 Haiarten im Mittelmeer, darunter auch alle großen Arten wie den Weißen Hai und den Tigerhai. Trotz der zahlreichen Haiarten gibt es so gut wie keine Unfälle in „unserer Badewanne“. Weltweit passiert genauso wenig.
FM: Wodurch erklären Sie sich, dass bei den Menschen und in den Medien das Thema Hai so aufgepusht wird, wo doch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls relativ gering ist?
GW: Das ist doch reine Sensationslust. Es gibt genetisch festgelegte Ängste im Menschen. Wir haben Angst vor spitzen Zähnen, Angst vor dem, was wir nicht überblicken können und was uns fressen könnte. Damit haben wir schon mal 50 Prozent von dem zusammen, was ein Hai repräsentiert. Die restlichen 50 Prozent haben wir durch Filme wie „Der weiße Hai“ oder Sensationsreportagen gelernt. Als zum Beispiel die Surferin Bethany Hamilton auf Hawaii den Arm durch einen Tigerhai-Biss verloren hat bzw. er im Krankenhaus amputiert werden musste, haben sich die Medien weltweit darauf gestürzt und die Haie insgesamt wieder verteufelt. Hätte Bethany beide Arme bei einem Motorradunfall verloren, hätte das bestenfalls die Lokalpresse interessiert. Dieses Beispiel zeigt das kranke Denken der Medien und die Sensationslust der Verbraucher, der Blut und Zähne sehen und sich vor dem Ungeheuer gruseln will. Im Prinzip müssten wir uns genauso vor dem Raubtier Löwe fürchten, aber der hat ein Fell und kleine Babylöwen eine Mimik. Wenn der Mensch vor etwas Angst hat, wird er in einer Sache auch immer nur das Bedrohliche sehen.
Und mit jeder Meldung wird das schlimmer. Man erwartet ja auch quasi, dass solche Meldungen brutal sind. Wir kriegen nur schlechte Sachen erzählt, aber wir kennen das Tier gar nicht richtig. Deswegen haben wir Angst.
FM: Haben Haie als Kommunikationsform auch etwas Ähnliches wie eine Sprache?
GW: Mit höchster Sicherheit, obwohl wir noch nicht genau wissen, wie sie kommunizieren. Haie haben keine akustische Sprache, aber sie sprechen durch ihren Körper. Weiße Haie treten oftmals in Gruppen auf, da müssen sie aller Wahrscheinlichkeit nach miteinander kommunizieren. Es gibt natürlich viele Theorien. Viele Forscher gehen zurzeit von so genannten morphischen Feldern aus. Sie kennen dieses Phänomen in Vogelschwärmen, innerhalb derer auf einen einzigen Flügelschlag reagiert wird. Wenn ein Vogel falsch flöge, würde der gesamte Schwarm abstürzen. Ähnliches gibt es bei Fischschwärmen zu beobachten. Früher hat man gedacht, dass es die Druckwellen sind, die die anderen lenken. Heute weiß man, dass die Reaktion schneller ist als eine Druckwelle, was die Erklärung der morphischen Felder wahrscheinlich macht. Man kann sich das Prinzip wie eine Art überbegriffliche Gedankenübertragung vorstellen. Bei Vögeln ist es bewiesen. Bei Haien steht die Forschung ganz am Anfang.
Im nächsten Jahr werden wir mit einem eigenen Sharkproject-U-Boot verschiedene Experimente machen, die hoffentlich mehr Klarheit in die Kommunikation von Haien bringen.
FM: Das wird unsere Leser interessieren, denn Südafrika ist ein sehr populäres Revier.
GW: Absolut. Wie in Florida passieren deshalb hier auch jedes Jahr ein bis zwei Surfer-Unfälle mit Haien. Das sind nicht viele, aber gerade bei Surfern oftmals sehr dramatisch, wenn zum Beispiel die Haie in die Bretter beißen. Letztes Jahr haben wir einen dieser Unfälle untersucht. J.P. (der Name ist geändert) wurde vor Kapstadt gebissen und verlor ein Bein. Die Analyse des Unfalls durch das GSAF (Global Shark Attack File) ergab, dass die Ursache in einem Fluss lag, der an der Unfallstelle ins Meer floss. Dieser Fluss trieb Süßwasserplankton ins Meer, das vielen Fischarten als Nahrung dient. Wieder war es die Kombination aus trübem Wasser und Futter, die die Haie anlockte. Durch diesen Bereich des Meeres paddelte ein Surfer und erzeugte die bereits erwähnten, charakteristischen Schwingungsmelodien von Beutefischen. Kommt in solch einer Situation ein zweiter Hai dazu, entsteht Futterkonkurrenz und es kann passieren, dass der Hai zubeißt. In unserer Kauf-DVD „Angstzination Hai“ haben wir diesen Unfall und auch die Surfexperimente mit unserem Roboter beschrieben, die jedoch weitergeführt werden. Nach allem, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, gibt es Gebiete, die man meiden sollte, zum Beispiel vorstehende Klippen, Sandbänke, Flüsse, die ins Meer fließen. Dort ist das Risiko eines Hainunfalls einfach größer als anderswo. Das heißt nicht, dass man gebissen wird, wenn man da reingeht. Ein zusätzlicher Risikofaktor kann Futter im Wasser sein oder Fischer, die ihren Fang auf offener See ausnehmen und die nicht verwertbaren Reste zurück ins Meer schmeißen.
FM: Die Wahrscheinlichkeit, dass einem Wassersportler etwas passiert, ist relativ gering, das habe ich ja nun gelernt. Aber haben sie trotzdem einen Tipp für uns Surfer, den wir beherzigen können, wenn man im Wasser auf einen Hai trifft?
GW: Am besten ins Wasser gehen und senkrecht neben dem Brett bleiben. Mit einer horizontalen Stellung kommen die Haie klar, mit einer vertikalen Stellung können sie nichts anfangen.
FM: Ich soll mich wie eine Boje ins Wasser stellen?
GW: Genau wie eine Boje, am Brett festhalten, Beine nicht bewegen und warten, dass das Tier abdreht.
FM: Oh Gott, da hätte ich aber ganz schöne Hemmungen, mich auch noch ins Wasser zu begeben.
GW: Das ist besser, als auf dem Brett zu bleiben und zu hoffen, dass nichts passiert. Oftmals ist es so, dass die Leute auf dem Brett sitzen, die Beine baumeln im Wasser und dann sehen sie einen Hai kommen. Bevor ich jetzt versuche, schnell aufs Brett zu kommen, sollte man besser ins Wasser gehen - das Tier wird garantiert abdrehen. Ein Hai würde auf jeden Fall nicht, ohne „nachzudenken“, in irgendetwas reinbeißen. Ein Hai wird sich zu 99 Prozent von einem unbekannten Objekt abwenden, nur wenn andere Faktoren wie Futter hinzukommen, kann es zu Begegnungen oder Berührungen kommen. Es ist also nicht so, wie man es in Filmen sieht, wo der Weiße Hai an der Küste auf und ab schwimmt und wahllos in alles reinbeißt, was ihm vor die Nase kommt. Wir arbeiten mit einer befreundeten Organisation, „Save our Seas“, zusammen, die eine wundervolle Plakatkampagne hat. Dort sieht man einen Toaster im Meer treiben und Leute, die schreiend vom Strand rennen. Der Slogan lautet: „Jährlich sterben 118 Menschen durch elektrische Toaster und nur zehn durch Haie.“
FM: Wie finanziert sich ihre Organisation?
GW: Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Alle Beiträge von Projektpaten gehen in unsere Projekte und wir haben keine Fixkosten. Die Miete tragen wir selbst.
FM: Wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten für die Organisation?
GW: Wir haben zurzeit etwa 1500 Projektpaten und es sind etwa 30 Leute, die im aktiven Team mitarbeiten. Der feste Kern besteht aus etwa zwölf Mitarbeitern.
FM: Ihr Ziel ist der Artenschutz der Haie.
GW: Wir wollen verhindern, dass die Haie weiter ausgerottet werden. Laut einer Studie der Universität von Halifax haben wir im Nordatlantik einen Rückgang von Hammerhaien von 89 Prozent, bei anderen Haiarten sind es ungefähr 70 Prozent und das in den letzten sechs Jahren!
FM: Kommunizieren Sie bezüglich dieses Themas auch mit dem Umweltministerium?
GW: Wir haben vor einigen Wochen eine Information über eine neue Studie an das Verbraucherministerium geschickt. Dort ging es um ein neues Verfahren, das Schwermetalle feststellen kann. Damit haben wir eine beachtliche Menge Methylquecksilber, eines der stärksten biologischen Gifte, im Hai nachgewiesen. Diese Auswertung haben wir nach Berlin geschickt und bisher noch keine Antwort dazu bekommen.
FM: Was hat das Gift für eine Auswirkung?
GW: Methylquecksilber ist ein Nervengift und durchdringt im Gegensatz zu den meisten anderen Giftstoffen auch die Hirnbarriere, was als Folge einer Störung der Synapsenverbindungen zu Koordinationsstörungen, Erinnerungsverlust und Lähmungen führt.
FM: Und bisher sind Sie auf kein Interesse gestoßen?
GW: Wir mussten feststellen, dass Haie keinen interessieren, in Deutschland und auch weltweit nicht. Das schlimmste Erlebnis hatte ich letztes Jahr. Es gibt jedes Jahr zwei SHARKPROJECT-Auszeichnungen, den „Shark Guardian of the Year“ und den „Shark Enemy of the Year“. Letzteren haben im letzten Jahr die Malediven „gewonnen“. Bei einer Nachbesprechung saß ich mit dem Umweltminister der Malediven zusammen, um über die Ursachen zu reden und die Diskussion wurde sehr laut. Irgendwann brachen wir die Unterhaltung ab. Zum Abschluss meinte er, wenn es keine Haie mehr gibt, gibt es immer noch Wellness-Tourismus auf den Malediven. Ein ziemlich zynischer Abschluss, als er hinzufügte, er habe am Vorabend in Berlin Haifischsuppe gegessen und wir sollten erst einmal vor unserer eigenen Tür kehren, womit er leider Recht hatte. Aber wir sind auch im eigenen Land engagiert, zum Beispiel mit unserer Kampagne „Stop Sales“ und das mit Erfolg. Sowohl Lidl, Nordsee als auch Edeka haben auf Grund der Methylquecksilber-Ergebnisse ihre Produkte bereits zurückgezogen. Manche zeigen Unverständnis wie beispielsweise die Karstadt-Gruppe.
Zurzeit gibt es weltweit nur drei Haiarten, die auf CITIES-Liste sind – und das noch im Anhang 2, was nur bedeutet, dass sie im eigenen Land gefangen, jedoch nicht exportiert werden dürfen. Bei der aktuellen Situation haben Haie keine Chance mehr. Die Politik kommt hier wieder mal viel zu spät und das mit unabsehbaren Folgen für das Meer.
Wir gehen dahin, die Verbraucher aufzuklären. Bei der Lidl-Aktion haben wir es geschafft, dass 40.000 Leute bei Lidl angerufen haben und sie daraufhin Hai-Produkte zurückgenommen haben. Es gibt also eine wachsende Lobby für Haie. Auch wenn man sich jüngste Dokumentarfilme anschaut, verändert sich etwas. So ein Film besteht nicht nur aus Zähnen und Leuten, die zerfleischt aus dem Wasser zurückkommen, sondern man sieht intelligente Tiere mit einem normalen, artgerechten Verhalten.
Mein Ziel ist es, dass man mir in zehn Jahren ein müdes Grinsen entgegenbringt, wenn ich erzähle, dass ich mit Weißen Haien tauchen war.
FM: Sie waren ohne Käfig mit denen im Wasser?
GW: Mit allen Sicherheitsvorkehrungen und der Erfahrung aus vielen Tauchgängen ist das zusammen mit meinem Freund Erich Ritter und dem Haiexperten André Hartmann zwar immer wieder ein Abenteuer, aber auch ein unvergleichbares Erlebnis. Nicht zu vergessen ist, dass es keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen gibt und wenn wir eine solche nur vermuten, gehen wir natürlich nicht ins Wasser. Ich würde nicht bei zwei Meter Sicht mit einem Weißen Hai ins Wasser gehen.
FM: Sie haben mir ein Bild geschickt, auf dem ein Hai eine sehr stark verletzte Schnauze hat. Wie ist das passiert?
GW: Diese Wunden werden von Robben verursacht. Man denkt immer, dass Weiße Haie Robben fressen, aber in Wirklichkeit fressen Haie genau dasselbe wie Robben, nämlich Fische. Ab und zu frisst der Hai eine Robbe, wenn sie krank ist, aber eigentlich sind Robben viel zu schnell und agil. Die weiblichen Robben paaren sich gleich nach der Geburt der Jungen erneut. Der Same verbleibt vier Monate im Körper des Weibchens, bevor erneut Eier befruchtet werden. Nach weiteren acht Monaten kommt die nächste Generation junger Robben auf die Welt. Zum Zeitpunkt der Paarung kommen demnach Weibchen, junge Robben und die ansonsten wandernden Bullen an einem Fleck zusammen. Da sind leicht mal 50.000 Tiere auf der Robbeninsel Gyser Rock versammelt. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Hai kommt, um sich ein Junges zu holen, wird er von einem Schwarm von Robbenbullen attackiert, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Die Folgen eines solchen Angriffs haben Sie auf dem Foto gesehen. Haie haben es also teilweise auch richtig schwer.
Wir haben schon Sachen erlebt, das glaubt man kaum. Einmal haben wir einen Hai gefilmt, während auf der Wasseroberfläche ein Pinguin schwamm. Da haben wir mit den Kameras natürlich drauf gehalten, weil wir dachten, dass wir jetzt sehen werden, wie so ein Pinguin gepflückt wird. Aber der Hai schwamm einfach am Pinguin vorbei. Stattdessen schoss der Pinguin auf den Hai zu und pickte ihn in den Kopf, worauf der, wie von der Tarantel gestochen, wegschwamm.
www.sharkproject.com





Hallo
Ich habe eine Frage
Ich gehe am 20.August in den Ferien auf Portugal in Porto
gibt es dort haie? wenn ja welche Arten von Haifischen und macht die Hautfarbe bei den Menschen ein unterschied? stehen die auf dünklere menschen oder auf weisse macht das ein unterschied?
Ich wäre sehr froh wenn sie mir eine Antwort geben könnten
da ich sehr viele gefährliche ausagen von Haien gehört habe?
Kommentar von Tashi Shikha — 24. Juli 2007 @ 17:25