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Haie – die wohl verkanntesten Tiere dieses Planeten

{GALERIE} hai_1.jpgSeit fast 500 Millionen Jahren bevölkern Haie die Weltmeere. Über 570 Arten hat man bis heute beschrieben, vom zehn Zentimeter kleinen Zwerghai bis zum Plankton fressenden Giganten, dem Walhai, der bis zu 14 Meter groß werden kann. Die meisten Haie leben im Meer, aber auch Süßwasserhaie sind bekannt. Bestimmte Haiarten können sogar zwischen Süß- und Salzwasser wechseln. In ihrer jeweiligen ökologischen Nische zählen sie zu den Topräubern und sorgen so für die Gesundheit und die Balance in dem sie umgebenden, komplexen Ökosystem.
Haie verfügen über geradezu unglaubliche Sinne. Neben einem extrem guten Gehör, das auch Bewegungen unter Wasser als so genannte Schwingungsmelodien hören kann, sehen die meisten Haiarten extrem gut und verfügen über ein exzellentes Riechvermögen, das es ihnen erlaubt, Gerüche bis zu einer Verdünnung von 1:10 Milliarden zu erfassen. Das entspricht einem Tropfen in einem Schwimmbecken von 20×50 Metern und zwei Meter Tiefe. Dazu kommen weitere Sinnesorgane, die zum Beispiel Druckwellen messen können oder elektrische Felder bis zu einer Spannung von fünf milliardstel Volt.
Auch wenn die verschiedenen Sinne bei den einzelnen Arten unterschiedlich ausgeprägt sind, in einem sind alle Haie gleich: Sie sind optimal an ihre jeweilige Umwelt angepasst. Dazu trägt eine ungewöhnliche Anatomie bei. Auch wenn Haie oft als Fische bezeichnet werden, so sind wir Menschen doch mehr mit einem Salamander verwandt, als ein Hai mit einem „normalen“ Knochenfisch. Haie gehören ebenso wie Rochen und Chimären zu den Knorpeltieren. Wesentliche Unterschiede bestehen in dem leichteren Skelett aus Knorpel und einer ausgeprägten Leber, die die Schwimmblase der Fische ersetzt.
Ebenso ungewöhnlich wie seine Anatomie ist auch die Biologie des Haies. Obwohl die meisten Haiarten lebend gebären, gibt es viele Arten, die Eier legen. Unter den Lebendgebärenden gibt es wiederum einige Arten, die ihre Eier im Bauch ausbrüten und die Junghaie lebend gebären. Haie sind deshalb mit einem Begriff und einer Beschreibung nicht zu umfassen. Zu unterschiedlich sind die Arten, ihre Anatomie und ihre Biologie.
Nur wenige Arten können dem Menschen potenziell gefährlich werden und selbst bei diesen gehört der Mensch nicht ins Beuteraster. Das zeigen die geringen Zahlen der Haiattacken sehr deutlich. Zwischen 60 bis 100 dieser Unfälle zwischen Mensch und Hai ereignen sich jährlich und nur fünf bis zehn enden für den Menschen tödlich. Doch ungeachtet der statistisch fast nicht erfassbaren Unfälle ist die Angst vor dem „Killer Hai“ eine der ausgeprägtesten Phobien der von Medien beeinflussten Menschheit.
Die Medien sind es, die aus einem Haiunfall eine weltumspannende Horrorgeschichte machen, die wochenlang alle Zeitungen füllt. Nehmen wir zum Beispiel einen Motorradunfall, bei dem der Fahrer später im Krankenhaus einen Arm verliert. Dieses Ereignis wäre maximal eine kleine Meldung im lokalen Teil einer Zeitung, aber keine Grundlage für eine internationale Medienkampagne. Ist jedoch anstelle des Motorrads ein Hai in den Vorfall verwickelt, stürzen sich alle Medien auf die Meldung, ungeachtet der im Verhältnis zu Motorradunfällen statistisch sehr geringen Zahl von Haiunfällen weltweit. Diese einseitige Berichterstattung hat ihre Ursache in der menschlichen Sensationslust, die nicht erst seit dem Stephen-Spielberg-Klassiker „Der weiße Hai“ besteht.
{GALERIE} hai_3.jpg All diese Fakten machen den Hai zu einem der wohl verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und verhindern gleichzeitig den Schutz dieser Tiere. Wer schützt schon etwas, vor dem er sich fürchtet? Und dass wir Haie schützen müssen, steht außer Frage. Ihre extrem wichtige Rolle im Ökosystem Meer beginnen wir erst jetzt allmählich zu verstehen. Fast zu spät, denn weltweit beginnt das Meer als größtes Ökosystem der Erde mit einer enormen Komplexität bereits zu bröckeln. Einen wesentlichen Anteil daran hat die aktuelle Ausrottung der Haie. Über 200 Millionen Haie sterben jährlich durch Menschenhand. 100 der 570 bekannten Arten gelten bereits als hochgradig bedroht, der berüchtigte Weiße Hai inzwischen sogar als biologisch ausgestorben. Eine Untersuchung der Universität von Halifax zeigt Rückgänge bestimmter Haiarten im Nordatlantik von 90 Prozent in den letzten sechs Jahren.
Die Ausrottung der Haie ist in vollem Gange, aber sie geschieht im Verborgenen, unbemerkt von der Öffentlichkeit. Ein Umsatz versprechender Grund für die unbarmherzige Verfolgung der Tiere ist das Finning. Damit bezeichnet man das Abschneiden der Flossen meist bei lebendigem Leib, denn es geht ausschließlich um die Flossen. Inzwischen weltweit zu einem Milliardenmarkt geworden, bei dem die Gewinnspannen höher als im Rauschgifthandel liegen. Alles für eine stundenlang weichgegarte Knorpelmasse in einer Brühe. Kulinarisch fragwürdig, ökologisch eine Katastrophe, denn nach einer Studie werden in den nächsten vier Jahren etwa 250 Millionen Chinesen die Einkommensschwelle überschreiten, die es ihnen erlaubt, mehrmals im Monat Haiflossensuppe zu essen. Spätestens dann beginnt der Ausverkauf der Meere.
{GALERIE} hai_2.jpg Aber es nicht nur ein chinesisches Problem. Weltweit boomt der Flossenhandel. Spanien zum Beispiel ist der zweitgrößte Exporteur von Haiflossen und unter der spanischen Flagge ist eine der weltweit größten Haifangflotten unterwegs. Auch Deutschland ist recht aktiv und gehört zu den führenden Exporteuren von Heringshai-Flossen. Der Flossenhandel bietet Gewinnspannen, die höher als bei Rauschgift liegen, und wird von einer internationalen Mafia regiert. Aktuell sind große Flossen bereits selten geworden. Da überwiegend nur noch Babyhaie gefangen werden – ein Symptom für die Überfischung der Arten – werden die getrockneten Babyhaie heute als neuer, perverser „Modetrend“ gehandelt.
Auch in Europa und vor allem in Deutschland werden Haie perfekt vermarktet. Die Bauchlappen des selten gewordenen Dornhais werden unter „Schillerlocke“ angeboten, das Fleisch unter „Seeaal“. Haiknorpel wird zu fragwürdigen Medikamenten verarbeitet und die Haut zu Uhrenarmbändern. Auch Flossen gibt es in jedem „besseren“ asiatischen Lokal. Der Hai ist ein regelrechter Supermarkt, aus dem sich jeder ungestraft bedienen kann.
Das Ende einer fast 500 Millionen alten Entwicklung scheint ebenso absehbar wie die dramatischen Folgen für das Ökosystem Meer. So formulierte der bekannte südafrikanische Haischützer Andrew Cobb: „Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer. Wenn das Meer stirbt, werden wir folgen!“
Weiterführende Informationen unter www.Stop-sales.com und www.sharkproject.com

Free-Magazin Ausgabe 22 | Text Gerhard Wegner | Fotos sharkproject / Andreas Mserec

2 Kommentare »

  1. Wenn wir sterben, dauert es vielleicht 100Mio Jahre bis eine andere Gattung die Herrschaft über den Planeten übernimmt.
    Andere Arten werden entstehen, wer fragt dann noch nach Menschen, höchstens deren Forscher!
    Das ist der lauf der dinge, und wir als Menschen haben uns nicht würdig genug erwiesen, um über den Planeten zu Herrschen.
    Deswegen sortiert die Natur uns aus, und es wird der Tag kommen an dem uns unsere ganzen technologischen Errungenschaften nicht Helfen können.
    Wer weiß wann das ist.

    PS: Die Weltgeschichte hat gezeigt, nicht ist für ewig !!!

    Kommentar von Sven Hansen — 4. Mai 2007 @ 13:15

  2. Durch diesen Artikel werden vielleicht einige Augen geöffnet, was die Ausrottung der Haie betrifft.
    Falls euch das Thema interessiert, könnt ihr euch den Film “Sharkwater” anschauen(den gibt es vollständig auf Youtube zu sehen).

    Kommentar von Ben Spahr — 28. September 2010 @ 14:20

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