Fuerteventura ist nach Teneriffa die zweitgrößte Insel des kanarischen Archipels, das sieben Hauptinseln umfasst. Sie liegt 15 Kilometer südlich von Lanzarote und ist weniger als 100 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt. Die Insel bietet eine einsame, karge und wüstenähnliche Landschaft. Sie misst an ihrer längsten Stelle 101 Kilometer und an der breitesten 31 Kilometer. Der „Istmo de la Pared“ ist mit fünf Kilometer Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras und gliedert die Insel in zwei Teile: In den nördlichen Teil Maxorata, nach dem auch die ursprünglichen Inselbewohner, die Majoreros, benannt sind, und den südlichen der Halbinsel, Jandía. Die Inselfläche von 1.700 Quadratkilometern ist mit etwa 50.000 Einwohnern im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln nur sehr dünn besiedelt. Die höchste Erhebung auf der Insel ist der der Berg Jandía auf der gleichnamigen Halbinsel mit 807 Metern. Die Hauptstadt Fuerteventuras ist Puerto del Rosario und hat 24.000 Einwohner. Die Landessprache ist spanisch, die Konfession der Menschen römisch-katholisch. Fuerteventura gehört mit Lanzarote und Gran Canaria zur Provinz Gran Canaria. Die Kanaren gehören zum Hoheitsgebiet Spaniens, genießen aber einen Sonderstatus als autonome Region mit eigenem Parlament und Präsidenten. Fuerteventura ist die älteste Insel der Kanaren. Sie entstand vor etwa 20 Millionen Jahren und ist vulkanischen Ursprungs. Der Großteil der Inselmasse entstand vor circa fünf Millionen Jahren und ist seitdem durch Wind und Wetter stark erodiert. Die letzten vulkanischen Aktivitäten auf Fuerteventura erloschen vor 4.000 Jahren. Fuerteventura liegt auf dem 28. Grad nördlicher Breite und zwischen dem 13. und 14. Grad westlicher Länge. Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm, was den Kanarischen Inseln den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“ eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara fern. Fuerteventura ist mit 147 Millimeter pro Jahr im Kanarenvergleich sehr niederschlagsarm. Durch die Sünden der Vergangenheit wirkt sich dies in jüngster Zeit besonders auf die Landwirtschaft aus. Die teilweise sehr starken Regenfälle in den Wintermonaten fließen, durch die zerstörte Vegetation zumeist ungenutzt, in das Meer ab. Ein besonderes Wetterphänomen ist der Schirokko, in Spanien Leveche genannt, ein heißer Südostwind aus der Sahara. Während des Schirokkos steigt die Temperatur manchmal sprunghaft um zehn Grad und die Luft wird extrem trocken. Der Wind bringt neben feinem Sand, der den Himmel verdunkelt und die Sicht auf 100 bis 200 Meter senkt, auch afrikanische Wanderheuschrecken mit sich. Die Inselbewohner bezeichnen dieses Wetter als „Kalima“.vor etwa 20 Mio. Jahren Tektonische Verschiebungen verursachen den Ausbruch mehrerer Vulkane und die Hebung von Sedimentplatten auf dem Meeresgrund: Fuerteventura entsteht dadurch als eine der ersten Kanarischen Inseln.
3000 v. Chr. Vermutlich begann zu jener Zeit von Nordafrika aus die Besiedlung der Kanarischen Inseln in mehreren Wellen, geschichtliche oder archäologische Belege fehlen jedoch bisher.
ab 1100 v. Chr. Phönizische Seefahrer gelangten, wie Funde beweisen, bei ihrer Suche nach Handelsmöglichkeiten auch auf die Kanarischen Inseln.
500-200 v. Chr. Eine neue Welle von Einwanderern aus Nordafrika erreichte die Inseln, fand hier aber bereits die Königreiche der Altkanarier vor.
1. Jh. n. Chr. Der Geschichtsschreiber Plinius d. Ä. (23-79) erwähnt in seiner „Naturalis historia“ eine gescheiterte Expedition des mauretanischen Königs, Juba II., auf die Kanarischen Inseln, die der Erforschung und Ausbeutung des Archipels dienen sollte. Auch Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) rühmt in seinen „Metamorphosen“ den ewigen Frühling, der dort herrschen sollte, und auf der Weltkarte von Ptolemäus (100-160) sind „El Hierro“ und „Canaria“ (für Gran Canaria) eingetragen. Dennoch geraten die Inseln lange Zeit in Vergessenheit, denn die Römer sind nach der Zerstörung Karthagos ganz mit der Erhaltung ihrer Macht im Mittelmeerraum beschäftigt.
13.-15. Jh. Auf Fuerteventura bestehen zwei Königreiche: das größere, Maxorata, im Norden und das kleinere, Jandía, im Süden. An der so genannten Wespentaille, dem Istmo de la Pared, soll eine Mauer die beiden Reiche voneinander getrennt haben.
1312 Der Genueser Seefahrer Lancelotto Malocello landet auf der Nachbarinsel Lanzarote und bleibt dort bis 1330. In dieser Zeit verbreitet sich erneut die Kunde von der Existenz der vergessenen Inseln.
1344 Papst Clemens VI. erklärt sich zum Herrscher aller unentdeckten Länder und ernennt den spanischen Edelmann Luís de la Cerda zum König der Kanaren. Dieser setzt allerdings niemals einen Fuß in sein Reich und gibt die Inseln dem Papst zurück, da ihm ein zu hoher Tribut dafür abverlangt wird. Anschließend fällt der kanarische Archipel durch eine Erbschaft an Heinrich III. von Kastilien.
1430 Der spanische Adelige Juan de las Casas erwirbt die Insel Fuerteventura.
1456 Diego García de Herrera, ein Erbe von Juan de las Casas und dem Marschall von Kastilien, nimmt nach El Hierro und La Gomera auch Lanzarote und Fuerteventura als Lehen an.
ab Mitte des 15. Jh. Fuerteventura entwickelt sich zur Kornkammer der Kanaren. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind außerdem der Anbau von Hülsenfrüchten und die Ziegenzucht für den Export von Fleisch. Auch die bereits von den Altkanariern genutzte Orchilla-Flechte, in Europa zum Färben von Textilien hochbegehrt, ist ein wahrer Exportschlager. Von Fuerteventura aus geht der Lehnsherr Herrera im benachbarten Nordafrika auf Sklavenfang. Der Sklavenhandel blüht, denn auf den Zuckerrohrplantagen und Getreidefeldern der östlichen Inseln werden billige Arbeitskräfte benötigt.
1496 Teneriffa wird als letzte der Kanarischen Inseln von Spanien eingenommen. Die Besiedlung der Inseln durch Soldaten sowie durch Zuwanderer aus Portugal und Spanien setzt ein.
1514 Die Bewohner der Kanaren erhalten spanisches Bürgerrecht.
1593 Seeräuber aus Nordafrika dringen ins Landesinnere bis nach Betancuria vor, zerstören die Stadt und verschleppen viele der Inselbewohner als Sklaven.
17. Jh. Durch die ständigen Piratenüberfälle verlieren die Einwohner den Mut, ihr Land zu bestellen. Als dann durch regenarme Jahre Dürre und Hungersnöte ausgelöst werden, setzt eine massenhafte Auswanderung ein: Von den etwa 3.000 Bewohnern bleiben weniger als 1.000 zurück. Die Bauern leiden unter der hohen Besteuerung ihrer Getreideexporte (20 Prozent) durch die Lehnsherren und die rücksichtslose Abholzung macht sich inzwischen in der Austrocknung und Erosion des Bodens bemerkbar.
1740 Britische Korsaren überfallen die Insel, sie können jedoch bei Tuineje, südlich der alten Hauptstadt Betancuria, zurückgeschlagen werden. Zur Überwachung der Küsten werden die Festungstürme von El Cotillo und Caleta de Fustes errichtet.
1808 Großbauern und Händler versuchen erfolglos, sich von der Feudalherrschaft zu befreien. Der wie ein Feudalherr regierende Oberst in La Oliva kann die Wirren sogar für sich nutzen, um seine wirtschaftliche Macht noch stärker auszubauen.
1834 Antigua wird nach Betancuria neue Hauptstadt Fuerteventuras.
1835 Aufgrund des regen Schiffverkehrs in die Neue Welt wächst die Bedeutung der kanarischen Hafenstädte als Zwischenstation stetig. Fuerteventuras Hafen Puerto de Cabras, heute Puerto del Rosario, avanciert zum Verwaltungssitz der Inselregierung.
1836 Die Feudalherrschaft wird abgeschafft.
Mitte des 19. Jh. Blühender Handel mit dem roten Koschenille-Farbstoff, der sich aus der auf Opuntien gezüchteten Schildlaus-Larve gewinnen lässt.
1852 Königin Isabella II. von Spanien erklärt die Kanarischen Inseln zur Freihandelszone, um die dortige Wirtschaft zu beleben.
um 1900 Zur Bewässerung der Felder werden die ersten Windräder zum Hochpumpen des Grundwassers errichtet.
1912 Mit der Einrichtung eines Inselrates, des „Cabildo Insular“, erhält Fuerteventura erste Selbstverwaltungsrechte.
1927 Die Kanaren werden in eine Ost- und eine Westprovinz aufgeteilt. Lanzarote und Fuerteventura bilden zusammen mit Gran Canaria die Ostprovinz gleichen Namens; Provinzhauptstadt ist Las Palmas de Gran Canaria.
um 1930 Der Anbau von Tomaten in großem Stil setzt sich durch.
1936 Beginn des Spanischen Bürgerkrieges. Auf Fuerteventura übernehmen Franco-Anhänger ohne Widerstand die Kontrolle über die Insel, die dadurch von militärischen Auseinandersetzungen verschont bleibt.
1939 Der Spanische Bürgerkrieg ist zu Ende.
1940 Fördermaßnahmen aus Madrid sollen Fuerteventuras Landwirtschaft wieder auf die Beine stellen: Die Wasserversorgung wird durch den Bau von Talsperren besser reguliert, der Anbau von Sisal-Agaven zur Herstellung von Garn und Gewebe eingeführt und das Trockenfeldbau-Verfahren verbessert.
1956 Offizielle Umbenennung von Puerto de Cabras („Ziegenhafen“) in Puerto del Rosario.
1966 Eröffnung des ersten Ferienhotels „Casa Atlántica“ (1999 abgerissen) am großen Sandstrand der im Süden gelegenen Halbinsel Jandía.
1975 Trotz Proteste aus der Bevölkerung wird eine Einheit der Fremdenlegion aus der Kolonie Spanisch-Sahara nach Fuerteventura verlegt.
1977 Die Legionäre führen ein Schreckensregiment: Ermordung des Inselpräsidenten und eines Bürgermeisters.
1982 Die Kanarischen Inseln erhalten einen weitgehenden Autonomie-Status. Der Naturpark von Corralejo wird eingerichtet.
1986 Beitritt Spaniens zur Europäischen Gemeinschaft. Die Kanarischen Inseln verweigern zunächst ihren Anschluss, da sie wirtschaftliche Nachteile befürchten.
1990 Der Tourismus avanciert zum wichtigsten Wirtschaftszweig, Höhepunkt der Bautätigkeit.
1991 Man beschließt, die Bettenzahlen bis zum Jahr 2000 auf 65.000 zu beschränken. Das Straßennetz wird ausgebaut.
1992 Die Kanaren treten der EU als Vollmitglied bei, bleiben jedoch Freihandelszone (keine Mehrwertsteuer auf Produkte). Es gelten auch weiterhin die Zollbestimmungen für Nicht-EU-Länder.
1995 Alle Strände in den touristischen Zonen erhalten für ihre Sauberkeit und gute Infrastruktur die Auszeichnung der blauen Europa-Flagge.
1996 Mehr als 900.000 Touristen besuchen Fuerteventura, davon über 60 Prozent aus Deutschland.
1996/97 Verlegung der spanischen Fremdenlegion von Puerto del Rosario auf das spanische Festland.
2001 Furcht vor Trinkwasserknappheit und überfüllten Stränden veranlasst die kanarische Regierung, ein Gesetz zur Reglementierung des Tourismus’ vorzubereiten. Im Januar wird ein vorübergehender Baustopp für Hotels erlassen, wogegen zahlreiche Unternehmer und auch der Bürgermeister von La Oliva, Domingo G. Arroyo, protestieren. Er befürchtet sinkende Einnahmen und steigende Arbeitslosigkeit. 2003 Besucher-Rekord auf Fuerteventura. Mehr als 1,5 Millionen Touristen, davon 1,3 Millionen ausländische Urlauber, haben 2004 die Insel besucht. Fuerteventura gilt vor allem während der Wintermonate als eines der wichtigsten Urlaubsziele in Spanien. Der Anteil der deutschen Urlauber hat seit 1996 von 63 Prozent auf gut 50 Prozent abgenommen. Dafür hat im gleichen Zeitraum der Anteil englischer Urlauber um mehr als 50 Prozent auf nun insgesamt 31 Prozent aller Urlauber Fuerteventuras zugenommen.




