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Deutsche Meisterschaften im Windsurfen – ein Erlebnisbericht

{GALERIE} dwc_1.jpgHast du schon einmal an einem DWC oder einer Deutschen Meisterschaft teilgenommen? Nein? Ich auch nicht und genau das galt es Ende August auf Sylt zu ändern. Ich war schon immer der Meinung, dass die eigene Teilnahme Voraussetzung dafür sein muss, um halbwegs qualifiziert über ein Event berichten zu können und besonders beim Thema DWC und Regatten im Allgemeinen scheiden sich bekanntermaßen die Geister.

Am 27. Juni ging genau so los, wie ich es befürchtet hatte: kein Wind, kleine Wellen, durchwachsendes Wetter. Bei der Einschreibung und beim ersten Skippermeeting lernte ich immerhin schon einmal die Richtlinien und Abläufe näher kennen. Das supernette Team um Headjudge Holger, Sunny, Zinne und Co. stand auch dem größten Trottel – in diesem Falle mir – Rede und Antwort. So fragte ich mich durch den Reglementdschungel, der, typisch deutsch, eher eine Regel mehr als weniger vorzuweisen hatte. Schon nach kurzer Zeit waren die Vorgaben selbstverständlich und die anfängliche Verwirrtheit wich nach und nach. Viele Fahrer beschäftigten sich anschließend damit, ihr komplettes Material aufzuriggen und an den Strand zu legen. Dies erschien mir ehrlich gesagt etwas merkwürdig, denn es war kein Wind in Sicht. Später sollte ich lernen, dass es nicht verkehrt ist, das ein oder andere Rigg komplett aufgebaut, vor allem mit den Sponsorenstickern versehen und fertig auf dem Strand liegen zu haben …

Auch Donnerstag und Freitag waren entspannte Tage ohne Wind, die man dank der Sonne am Strand genießen konnte. Auf dem Wasser gab es mit dem Longboard entspannte Sunsetsessions.

{GALERIE} dwc_2.jpgBeim morgendlichen Skippermeeting am Samstag veranlassten Holger 12 Knoten aus West-Süd-West dazu, die Disziplin Racing anzusetzen. Dabei musste von den Fahrern ein Viereck-Kurs umrundet werden, was sich auf der rauen Nordsee mit 12,5-Quadratmeter-Segeln und merkwürdig aussehenden Boards als harte Arbeit entpuppte. Mich schreckte der hohe Materialaufwand beim Racing von einer Teilnahme ab.

Angesichts des Kurses wurde schnell klar, dass die Taktik bei dieser spannenden Disziplin von großer Bedeutung ist. Letztendlich hatte Bernd Flessner in allen drei Durchläufen die Nase vorn. Irgendetwas musste er anders gemacht haben im Vergleich mit den anderen Fahrern, die so aussahen, als ob sie Treibanker hinter sich herziehen würden. Einigermaßen mithalten konnten bei Flessners hohem Tempo Toni Wilhelm und Helge Wilkens, die in der Gesamtwertung der drei Rennen auf Platz zwei und drei landeten.

Mittags frischte der Wind auf 15 Knoten auf und die Disziplin Slalom wurde angesetzt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich begriffen, wie geschickt es von den anderen Fahrern gewesen war, die Segel am Anfang des Events aufzuriggen. Mir blieben fürs Aufriggen lediglich 25 Minuten, denn ich war im zweiten Heat. Beim Slalom fahren je nach Anzahl der Teilnehmer sechs bis zehn Aktive in einem Heat einen Downwind-Kurs um diverse, in diesem Fall fünf, Bojen. Und um es vorwegzunehmen: Slalom rockt richtig! Ich stand das letzte Mal vor zehn Jahren auf einem Slalomboard (F2 Sputnik 280) und hatte glücklicherweise noch fünf Minuten vor meinem Heat Zeit, mich auf dem eigens für diese Veranstaltung besorgten Fanatic Falcon 120 und einem North Sails Daytona 9.0 qm einzufahren. Wenn man sonst 6.4 qm als größtes Segel fährt, ist das schon eine kleine Umstellung … Nichtsdestotrotz ist es ein cooles Gefühl, bei Windstärken zu gleiten, bei denen man sonst nur Nase bohrend am Strand liegen würde.

{GALERIE} dwc_3.jpgAber zurück zum Rennen. Ich lernte schnell, dass das A und O des Slaloms der Start ist. Nach dem ersten Schuss des Begleitbootes verbleiben vier Minuten, bis es im fliegenden Start über die durch das Boot und eine Boje gedachte Linie geht. Wenn man so einem Start noch nie beigewohnt hat, ist es schon interessant, wie zehn Fahrer auf einmal auf die Startlinie zufahren, nachdem sie sich vorher in die vermeidlich beste Position gebracht haben, um dann genau bei Sekunde Null über die Linie brettern. Um dieses Timing richtig hinzubekommen, ist eine Uhr mit Countdownfunktion von großem Vorteil …

Ich hielt mich zum Zeitpunkt des Starts noch vornehm zurück, um nicht zu sagen: Ich hatte den ersten Start meines Lebens voll verpennt! Das machte aber zum Glück nichts, denn es waren noch vier Halsen in der aufgewühlten Nordsee zu fahren. So kam es, weil sich die Jungs vor mir reihenweise abpackten oder sich gegenseitig behinderten, dass ich als lachender Zweiter durchs Ziel fuhr. Das bedeutete Finale, in dem die beiden Ersten der vier Vorrundenheats gegeneinander antreten mussten.

Beim zweiten Start lief es etwas besser und ich konnte mich in der Mitte des Feldes an der ersten Boje einsortieren. Damit wäre der zweite wesentliche Punkt des Slaloms angesprochen: die Halse! Wenn man es schafft, alle vier Halsen durchzugleiten, ist man mit Sicherheit vorne dabei. „Das ist ja lächerlich!“, wirst du vielleicht denken, aber ich kann dir versichern, dass eine Halse unter Druck – mit zwei Mann vor, neben und hinter einem – nicht mehr lächerlich ist, sondern Adrenalin pur! Mein erstes Slalomfinale beendete ich als Vierter und war restlos begeistert! Bernd Flessner fuhr auch in diesem Heat allen davon. Genau an diesem Punkt des Events hätte ich besser aufgehört, aber es wurden dann, um die Wertungskriterien der Deutschen Meisterschaft zu erfüllen, noch zwei weitere Rennen gestartet. Der Wind frischte weiter auf und meine 9 Quadratmeter fuhren sich ziemlich sportlich … Wieder im Finale musste ich von relativ weit hinten mit ansehen, wie Claas Voget mit einem 6.2er und einem Supercrossboard (Fanatic Hawk) durch einen spektakulären Start, bei dem er auf den Punkt genau beim Startschuss die Startlinie überquerte, als Erster durchs Ziel fuhr. Beim dritten Rennen verließ mich die Kraft und ich schaffte es nicht mehr ins A-Finale, sondern fuhr im B-Finale als Zweiter durchs Ziel auf den zwölften Rang. Das A-Finale war superspannend. Wer sollte Deutscher Meister im Slalom werden? Claas oder Bernd? Claas fuhr wieder wie ein Gestörter auf die Startlinie zu, verschätzte sich aber, ließ sich kurz vor der Startlinie sehr stark abfallen, um nicht einen Fehlstart zu riskieren. Er verlor im Endeffekt zu viel Höhe, um mit den anderen Fahrern und ihren deutlich größeren Segeln noch mithalten zu können. Damit war der Weg für Bernd Flessner frei und er gewann neben seinem Meistertitel im Racing nun auch den im Slalom. In der Gesamtwertung dieser Disziplin verwies er Andi Laufer und Helge Wilkens auf Platz zwei und drei.

Der erste richtige Regattatag in meinem Leben ging zu Ende. An Partymachen war nicht mehr zu denken. Mein Körper war froh, sich früh am Abend in die Horizontale begeben zu können.

Auch der nächste Tag sollte ein Wettkampftag werden – bei 16 bis 20 Knoten aus Süd-Süd-West Wave-Freestyle. Leider mehr Freestyle als Wave, brachen die Wellen doch aufgrund des Hochwassers nur vorne an der Shorebreak. Das Niveau der Fahrer war wirklich beeindruckend. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Top-Fahrer anwesend, in meinem ersten Heat mit Flo Jung und Stefan Kruse gleich zwei von ihnen. Die beiden Gummikörper machten einen Trick nach dem anderen und marschierten bis ins Halbfinale relativ sorglos durch. Flo wurde am Ende Fünfter. Stefan fuhr im kleinen Finale um Platz drei gegen Jonas Schmidt und wurde Vierter. Letztendlich machten die beiden zurzeit wohl besten deutschen Freestyler Andre Paskowski und Norman Günzlein das Finale unter sich aus. Andre, der bis zu seinem Finallauf eigentlich die schwierigeren Manöver gemacht hatte, patzte bei dem ein oder anderen Move, während sich Norman keine Blöße gab. Er war der verdiente Sieger des Wave-Freestyle-Finales und holte sich den Titel des Deutschen Meisters.

Aufgrund des abflauenden Windes kam es leider zu keiner zweiten Runde in dieser Disziplin und so gingen die Deutsche Meisterschaft und damit auch mein erster DWC mit der obligatorischen Siegerehrung am Nachmittag zu Ende.

Ohne dass mir die beiden Veranstalter Matthias Regber und Nicolas Wendelken von Choppy Water Geld für mein Resümee geben würden, fällt es durch die Bank positiv aus. Nicht nur aus sportlicher Sicht war es ein wirklich gelungener Event, auch das Rahmenprogramm auf der Promenade mit großem Festzelt, Djs und Co. vermittelte Worldcup-Atmosphäre.

Ich kann jedem empfehlen, diese Geschichte einmal mitzumachen. Auch wenn viele Fahrer einen großen Materialberg mit sich rumschleppen (in erster Linie fürs Racing), hat die Erfahrung gezeigt, dass zum Beispiel beim Slalom ein Segel und ein Board vollkommen ausreichen. Dass man auch mit nicht reinrassigem Slalommaterial ganz vorne mitfahren kann, hat Claas bei diesem Event eindeutig bewiesen. Gerade Slalom macht eine Menge Spaß und ist von jedem zu meistern. Von der angeblich schlechten Stimmung unter den Fahrern habe ich ebenfalls nichts mitbekommen. Klar ist der ein oder andere etwas zurückhaltender im Umgang mit neuen Leuten, der Großteil der Fahrer war aber sofort sehr nett und hilfsbereit. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Helge für die Trimmtipps meiner Slalomrakete und an Matthias und Nicolas für die guten Taktiktipps fürs Slalomrennen! Ich für meinen Teil werde im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder die eine oder andere Regatta mitfahren und das solltest du auch machen!

Free-Magazin Ausgabe 21

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