Archive for Januar, 2006
Interview mit Will James
Mosquito Coast. August 2005. Irgendwo in der Gegend von Nusa Tengarra im Indischen Ozean. Es ist ein besonders drückender, heiß schwüler Tag und die Brise, die sich gegen Mittag an Land aufgebaut hatte, beginnt sich aufs offene Meer zurückzuziehen und trägt dabei den allgegenwärtigen Geruch von Gewürztabak bis ins Line-up.
Die Tide ist beängstigend gefallen und Einheimische durchkämmen das nahe gelegene, offen liegende Riff nach Nahrung. Die Sonne brät das Riff und macht den Offshore-Wind unbeständig. 500 Meter weiter macht sich Will James auf dem Wasser gerade daran, eine Welle anzusteuern, kaum in der Lage, sich den Weg durch den riesigen Swell zu kämpfen, der trotz der einschlafenden Brise anhält. Es gibt einen Grund, warum er in diesen immer schlechter werdenden Bedingungen noch draußen ist. Wochen der Warterei haben nun ihren Höhepunkt gefunden. Die Tide hat den ganzen Nachmittag über ziemlich abgenommen und während sich die Wellen dem Land nähern, brechen sie an einem unglaublich flachen Riff und verwandeln sich zu perfekten Zylindern. Obwohl Will auf der Fahrt zum Fuß der Welle stark beschleunigt, bemerkt er, dass der Wind zu schwach ist und er sich verrechnet hat, weil er sich zu tief in die Welle gewagt hat – viel zu tief. Er sieht ein, dass er keine Wahl hat, während er am Fuß der Welle und genau unter der dicken Lippe einen Turn macht. Er wird in die Welle gezogen und vom resultierenden Closeout erwischt. Wie durch ein Wunder wird sein Körper nicht auf den harten Grund des Riffs geschleudert, aber er kann sich nicht orientieren und hat keinen Schimmer, in welche Richtung er an die Wasseroberfläche schwimmen soll. Bevor er die Wasseroberfläche erreicht, knallt sein Kite schon mit voller Wucht aufs Wasser, wird von der ganzen Kraft der Welle gepackt und zieht Will rückwärts mit Fullspeed unter Wasser. „Ich hatte keinen Plan, wie lange ich dort unten bleiben würde. Ich war so kraftlos und so schnell!“, gibt er später zu. Im Waschgang schrammt seine Ferse an Geröllbrocken vom Riff und Hautstücke werden von seinem Fuß gerissen. Als er sich an die Oberfläche gekämpft hat, sieht er Felix Piviec, der auf dem trockenen Riff steht und ihn angrinst, während er seine Leinen aufrollt. Felix scheint gerade genau dieselbe Erfahrung gemacht zu haben wie Will. Wenige Minuten später humpelt Will zum Camp zurück, der Kite ohne Luft, die Leinen vollkommen durcheinander, aus seiner Ferse strömt das Blut und hinterlässt tiefrote Punkte auf dem Sand. „Das war völlig abgedreht“, ruft er aufgeregt seinen Buddys zu. „So eine hohle Welle habe ich seit Wochen nicht gesehen!“
Es scheint, als würde Will solche Events völlig unbeeindruckt lassen. Vielleicht liegt das an seiner Kindheit. „Ich bin an der Ostküste der USA aufgewachsen und habe eine Menge Eishockey und Lacrosse gespielt. Das sind zwei superbrutale Sportarten! Ich war immer der kleinste im Team, was mir nicht wirklich half, aber mich auf jeden Fall robuster machte. Ich brauchte lange, bis ich annähernd so stark war wie die anderen Jungs.“ Offensichtlich hat ihm die Erfahrung, der kleinste Kerl auf dem Eis zu sein, bestens geholfen. „Nachdem ich als Teenager Hockey gespielt hatte, habe ich null Angst mehr davor, mal einen Schlag einstecken zu müssen. Man lernt einfach, dass, so schlimm man auch getroffen wurde, es nur eine Frage der Zeit ist, bis man wieder auf dem Damm ist. Man muss da draußen nicht der begnadetste Spieler sein, sondern man muss da raus gehen, den Puck aus der Ecke holen, einen Schlag einstecken und sich dafür nicht in die Hose machen.“
Obwohl Will einige Zeit auf dem Eis und dem Spielfeld verbrachte, zeigte sich seine wahre Leidenschaft, als er mit neun Jahren von seinen Eltern ein kleines Boot geschenkt bekam. „Ich lebte auf dem Wasser und ich bin stundenlang alleine segeln gegangen.“ Seine natürliche Begabung für den Wind und die Wellen verbanden sich mit seiner Gabe, dass er sich hervorragend konzentrieren konnte, was wiederum dafür sorgte, dass er bereits im zarten Alter von 16 Jahren dreifacher Nationaler Meister wurde. In der Uni wurden ihm die „All American Honors“ für seine Segelleistungen zuteil. Im selben Jahr wurde sein Interesse für das Windsurfen immer größer und er beendete seine Segelkarriere zugunsten eines Mistral Boards. Obwohl er auf diesem One-Design-Boot durchaus Potential zeigte und man ihn einlud, mit der olympischen Mannschaft zu leben und zu trainieren – als Will zum ersten Mal einen Kiter auf dem Wasser sah, waren seine Tage als Windsurfer gezählt.
„Zum ersten Mal sah ich die Kiter, als ich mit dem US-Windsurfing-Team in Europa war. Niemand, der dort zum damaligen Zeitpunkt kitete, konnte upwind fahren, also begeisterte mich der Sport auch nicht wirklich. Einige Monate später war ich in Kailua und traf dort durch Zufall auf Robby Naish und Pete Cabrinha, die dort mit dem ersten Vierleiner zugange waren. Ich war tief beeindruckt von ihren Sprüngen und dem Potential der Schirme.“ In den wenigen Minuten, die Will am Strand stand und Pete und Robby zusah, war Windsurfen out geworden und Kitesurfen auf einmal mega in! „Ich bin danach vielleicht noch zweimal Windsurfen gewesen“, gibt er verlegen zu. „Ich habe immer noch mein olympisches Board und etwa fünf Riggs, die bei mir hinterm Haus verrotten.“
Wills erster Kite war eine aufblasbarer Zweileiner, den er bald gegen einen Vierleiner umtauschte. „Die Jungs auf Kailua waren die Ersten, die einen Vierleiner fuhren, mit dem sie Monate vor allen anderen bereits hart am Wind fahren konnten.“ An einem seiner Strandtage traf Will auf einen anderen Kite-Anhänger, Martin Vary. „Ich konnte jeden Tag mit einem der besten Kiter aller Zeiten üben. Das war ganz praktisch. Da wir in Kailua trainierten, waren wir gezwungen, auf Material zurückzugreifen, das auch mit den leichten Bedingungen zurechtkam und sich gut am Wind verhielt. Das war eigentlich ziemlich praktisch, als wir ein Jahr später mit dem Freestyle anfingen.“
Heute lebt Will im Winter ein einfaches Leben am North Shore. Von Mai bis September reist er viel für seine Sponsoren um die Welt.
Anfang Dezember sprachen wir mit Will und fragten ihn explizit zur Zukunft des Kitens und über die letzten Trends des Kitens in den Wellen.
Wie sehen die neuesten Einflüsse beim Wave-Kiten aus?
Die größten Einflüsse kommen natürlich aus dem Surfen. Die Jungs fangen an, sich auf ihre 6′0’’ Surfboards Fußschlaufen zu bauen und machen damit unglaubliche Turns. Das ist ziemlich lustig, weil wir im Prinzip wieder genau dort sind, wo wir im Bereich des Boarddesigns einmal anfangen haben. Am Anfang dachten wir noch, dass ein normales Surfboard nie im Leben fürs Kiten funktionieren könnte, weil es zu sehr schwingt, wenn man mit ihm upwind fährt. Damit lagen wir völlig falsch. Die letzten drei Saisons habe ich eine Menge Tow-in-Surfing auf Hawaii gemacht. Das hat mir sehr geholfen, die Wellen besser zu verstehen und einzuschätzen, wo man sich positionieren muss. Das ist der kritische Punkt beim Big Surfing. Diese Erfahrungen haben mir einen großen Vorteil gegenüber den anderen Wavekitern gegeben. Wavekiting ist dem Surfen sehr ähnlich, dennoch ist es dem Tow-in-Surfen noch ein bisschen näher, denn das Gesicht der Welle ist oftmals ziemlich uneben. Man kommt normalerweise mit einer Menge Speed in die Welle hinein, ähnlich wie beim Tow-in. Auch die Theorien beim Boarddesign sind zwischen Tow-in-Surfboards und Kiteboards ziemlich ähnlich und bewegen sich auf einem ähnlichen Level. Es ist einfach faszinierend, denn mit deinem Kite ziehst du dich ja praktisch allein in die Welle!
Denkst du, dass Wave Contests Zukunft haben?
Ja und nein. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren viel Zeit damit verbracht habe, die perfekten Bedingungen fürs Wavekiting zu suchen, kann ich dir heute sagen, dass es extrem schwer ist, den perfekten Spot zu finden, um dort einen Contest auszutragen. Normalerweise weht der Wind an solchen Stellen immer nur für kurze Zeit, die Tide ist zu hoch oder zu flach, der Swell zu klein und die Windrichtung falsch. Ich kann perfekte Sessions, die ich pro Jahr habe, an zwei Händen abzählen. Demnach ist es unglaublich schwer, bei solch inkonstanten Bedingungen Dutzende Heats zu veranstalten, geschweige denn einen Finallauf, wo man richtig dicken Swell und fetten Wind hat – am besten auch noch mit perfektem Licht für Bilder und Videos. Ich würde eher mit dem Geld meines Sponsors und mit einem guten Fotografen an die besten Spots der Welt fahren und auf den richtigen Zeitpunkt warten. Manchmal dauert das Tage oder sogar Wochen. Aber wenn man hartnäckig genug ist, kann man richtig geile Shots bekommen. Klar ist das schwer. Es gibt immer so viele Unbekannte in der Gleichung. Mich persönlich macht das jedoch immer sehr glücklich, denn jeder Fahrer weiß, wie viel Schweiß, Zeit, Geld und blaue Flecken in einem lumpigen Bild stecken.
Wie siehst du die Entwicklung vom Kiten in großen Wellen?
Ich hatte gedacht, dass es eigentlich unmöglich sein wird, jemals in einer richtig großen Welle mit einem Kite zu fahren und dann auch noch Kontrolle darüber zu haben. Aber im letzten Jahr wurde ich eines Besseren belehrt. Wir sind unserem Traum, große Wellen mit dem Kite abzureiten, ein gutes Stückchen näher gekommen. Die neuen Vegas Kites sind in der Lage, zu depowern und dabei auch noch enorm stabil zu bleiben. Mehr noch als die Kites von vor einem Jahr. Das erlaubt es uns, ablandiger zu fahren als bisher. Ich fahre ein 5’10” Custom Kite/Tow Board mit einer Menge Gewicht, womit ich auch in richtig großem Swell die Kontrolle behalte. Im Prinzip fahre ich mein Tow-Surfboard, nur zwei Inches kleiner.
Posted: Januar 15th, 2006 under KITE, BERICHTE.
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Madeira - Still Lost in Time
Als ich mich umdrehe, liegt der Typ schon am Boden. Sein Gegenüber hat ihn gefällt wie einen Baum. Allerdings ist bei beiden der Alkpegel so hoch, dass die Geräuschkulisse die Kampfszene bei weitem übertrifft. Weniger handgreiflich geht es in die nächste Runde Wein. Jeden Abend. Stimmt so nicht ganz, getrunken wird schon vormittags. Der Cafébesitzer macht die Karaffe mit dem Hauswein als erstes fertig, wenn er seinen Laden um acht Uhr öffnet. Erst danach schmeißt er seine Kaffeemaschine an. Alkohol ist den Männern der beste Freund.
Kein Wunder, dass die Jungs älter aussehen, als sie sind. Gezeichnet von einem harten, entbehrungsreichen Leben, entweder auf einem Fischerboot oder in den Bananenplantagen. Nach zwei Tagen kennen wir jeden Alkoholiker in Paul (Paul do Mar hat 500 Einwohner) persönlich. Das Café ist eines von zweien, die am jeweiligen Ende (oder Anfang) einer modernen Siedlung liegen. Diese wiederum befindet sich, nur durch eine Straße getrennt, direkt am Meer. Seitdem nagt die Feuchtigkeit an den Wänden der Wohnungen, die keine Heizungen haben. Zum Glück liegt Paul auf der Südwestseite Madeiras. Da scheint die Sonne, die den Verfall zeitweilig stoppt. Auch die Knochen der alten Menschen leiden unter der Feuchtigkeit. Kaum einer bewegt sich auf normale Weise. „Früher war das alles noch schlimmer“, erklärt uns Frode, ein alternativer Bauer. Ein Schwede, der seit 30 Jahren jeden Winter nach Madeira kommt und mittlerweile seine eigene kleine Plantage besitzt. „Strom gibt es hier in Paul erst seit Mitte der siebziger Jahre. Bevor es Siedlung und Straße gab, hausten die Leute in alten Steinhütten. Sämtlicher Dreck wurde über die Mauer auf den Steinstrand geschmissen. Die Besoffenen lagen im Dreck und die Kinder rannten nackt herum.“ Nachdenklich nippten wir an unseren Chinenas (Kaffees) und schauen den Kindern hinterher, die gerade aus der Schule nebenan kommen. Angezogen. In kurzer Zeit wurde auf Madeiras viel verändert. Der Fortschritt hielt, wenn auch spät, Einzug. Seit Portugal Mitglied der EU ist, fließt viel Geld auf die Insel im Atlantik. Weiter draußen im Meer liegen nur noch die Azoren, dann Amerika. Kein Wunder, dass die Insel lange Zeit der Zeit hinterherhinkte. Einsame Dörfer wie Paul do Mar oder das etwas berühmtere Jardim do Mar waren selbst bis Anfang der Jahrtausendwende nur sehr umständlich zu erreichen. Die meist enge, teilweise einspurige Straße schlängelte sich an den Berghängen entlang. Noch 1997 bei meinem ersten Besuch (Björns und Thores zweitem) brauchten wir vom Flughafen nach Jardim ungefähr so lange, wie der Flug nach Deutschland dauerte. Heute reißt man die Strecke in rund 50 Minuten auf einer Backe ab. Tunnel, breite, gut ausgebaute Straßen, Ampeln und Verkehrsinseln machen aus einem Abenteuer eine Kaffeefahrt. Vorbei an komplett überarbeiteten Dörfern, modernen Häusern, Einkaufszentren, Straßencafés und einem, man soll es kaum glauben, Yachtclub. Die Liegeplätze sind schon gut gefüllt, obwohl am Clubhaus noch die letzten Arbeiten durchgeführt werden. Im Februar, unserem letzten Trip, stand erst der Rohbau. Die Subventionen halten Einzug wie Cäsar im antiken Rom – mit großem Getöse und Brimborium. Nutznießer sind Investoren und Touristen. Buslandungen voller hektischer Rentner und ökologisch angehauchter Trekkies sind die liebsten Besucher der Blumeninsel. Die werden mit verliebtem Blick auf dem Rückflug mitgeschleppt und unter Argusaugen in die Gepäckablage begleitet. Ab und an schlagen auch Surfer auf. Vorwiegend im Winter, wenn die Tiefdruckgebiete den Atlantik anfeuern. Best of: Nordwest- bis Westswell. Die Insel braucht einen großen und vor allem konstanten Swell, der um die Nordspitze herumdreht. Leider sind diese Bedingungen extrem selten – egal wie gut die Wettervorhersage ist. Auch für diesen Trip waren rund 20 Fuß angesagt. Das Ergebnis war mal wieder eher ernüchternd. Madeira ist ein echtes „Last-minute-Ding“. Läuft der Swell, muss man so schnell wie möglich hin. Setzt er sich aber auch nur ansatzweise durch, kann es haarig werden. Zumeist für denjenigen, der wenig Erfahrung, aber eine große Klappe hat. Dafür braucht es keine sechs Meter, es reichen schon zwei. Die Wellen kommen aus extrem tiefem Wasser, sodass sich ihre Power kaum verringert. Anfänger oder Maulhelden haben hier definitiv nichts zu suchen, obwohl man sie überall trifft. Diesmal kommen sie aus München …
Jardim do Mar ist das beste Beispiel dafür, dass die EU-Fördermittel nicht überall Gutes bringen. Gute zehn Meter wurden dem Meer genommen, um eine ordentlich asphaltierte und großzügig beleuchtete Promenade aufzuschütten. (Der portugiesische Ministerpräsident bezeichnete Surfer als Gesindel – quasi als Menschen ohne Rechte. Wenn er erst nachgedacht und dann geredet hätte, wäre ihm aufgefallen, dass es in der Regel Surfer sind, die den Tourismus bringen, wie die Beispiele Bali, Südafrika oder Kapverden zeigen.)
Wo früher „die große Jardim“ brach, liegen heute Tetrapoden. Von der alten Steinmauer, auf der wir früher saßen, blieb ein kleines Stück erhalten. Ähnlich der Berliner Mauer, bezeugt sie eine vergangene Zeit. Zumindest die fünf Touristen am Tag sind froh, endlich auch ohne Bergstiefel um das Dorf herum promenieren zu können. Überhaupt hat sich Jardim sehr verändert. Der alte, staubige Marktplatz, auf dem früher zweimal am Tag der Bäcker beim Bremsen das halbe Dorf einnebelte, wurde ebenso wie das Meer asphaltiert. Gute Handwerksarbeit steht hier anscheinend hoch im Kurs. Man ist stolz auf die moderne Zeit und will es auch zeigen. Mit oder ohne Sinn. Wo früher das riesige Gemälde des alten Jardim do Mar vom Bird-Painter (einem englischen Surfer, der die Winter auf Madeira verbrachte) prangte, sticht ein porentief reines „Persilweiß“ ins Auge. Für moderne, optische Abwechslung sorgt der elektrisch gesteuerte Brunnen, der in regelmäßiger Abfolge Wasserfontänen in die Luft schießt. Man ist gewappnet auf einen Touristenstrom, der nicht kommen wird – dafür freuen sich die Dorfältesten, die sich den ganzen Tag die Wasserspiele angucken. Es leben die EU-Mittel. Neues auch vor dem Marktplatz: ein großer Parkplatz und eine schöne, kurvige Straße zum Wasser runter. Auf dem Parkplatz: ein Käfig voller lauthals krakeelender Vögel. Wohl keine Reminiszenz an den Bird-Painter. Na gut, man muss sich mit der Gegenart abfinden. „You have to deal with it“, würden wohl die Amis sagen, die auch hier sind. Wenn sie die alten Zeiten kennen würden … Jardim ist das egal, die Welle bricht nur noch bei Low-Tide. Bei dem jetzigen Swell läuft Paul eh besser als Jardim.
Neben einer Hand voll Locals, die wir schon seit Jahren kennen, zog die gute Swellvorhersage auch ein paar portugiesische Pros aus Lissabon aufs Eiland. Unter ihnen ist Miguel, der vor einigen Jahren den letzten Big Wave Contest in Jardim gewann. Und da die Welt noch kleiner ist, als man allgemeinhin denkt, treffe ich auf Thore, einen Norweger. Als ich ihm erzähle, dass ich schön öfter dort war, um Stories zu produzieren, stellt sich heraus, dass er aus Stavanger ist und in einem Bericht, den ich für die ehemalige WAVE machte, auf einem Foto abgebildet ist. Das ist nun sieben oder acht Jahre her und ich frage mich, warum ich immer noch Surffotos mache. Der Gedanke ist schnell vergessen. Thore surft ja schließlich auch noch. Er ist auf einem monatelangen Trip von den Azoren, über Madeira, auf die Kanaren und was weiß ich noch wohin. Aber nicht nur die Insel verändert sich. Auch Björn und Thore Kroll, mit denen ich nun fast zehn Jahre unterwegs bin, unterliegen dem Zahn der Zeit. Thore, mittlerweile Vater, und Björn, mittlerweile Sammler von guten Weinen (Thore steht ihm in nichts nach, wenn es um gute Weine geht), lassen Raum für Veränderungen zu. Wir drei sind gemeinsam älter geworden. Vieles von dem, was uns früher wichtig erschien, drängte in die zweite oder dritte Reihe. Aus anfänglichen Trips ist eine lange Freundschaft entstanden. Jeder von uns kann sich auf den anderen verlassen, Absprachen werden eingehalten. Eine unabdingbare Voraussetzung, wenn man zusammen arbeitet. Was von uns nur als allzu normal empfunden wird, wird bei sehr vielen Leuten nicht mehr als wichtig empfunden. Nun gelten andere Regeln. Von den wenigsten verstanden.
Ich sehe die Veränderungen der beiden. Sie springen nicht mehr für jeden kurzen Surf ins Wasser, sind gelassener und bewusster geworden. Ich schließe mich dem an. Lieber weniger, aber dafür besser. Unverändert die Motivation, die auf vielen Trips auf eine harte Probe gestellt wurde. Tolle Wetterberichte stehen einer oft kargen Ausbeute gegenüber. Nach wie vor sind wir heiß, wenn es wieder losgehen soll (was zugegebenermaßen seltener geworden ist). Daran wird sich nichts ändern. Björn und Thore Kroll im Gespräch:
1996 seid ihr die ersten deutschen Surfer auf Madeira gewesen. Wie habt ihr die Insel entdeckt und wie hat sie sich seitdem verändert?
Björn & Thore Kroll: Wir haben einen Bericht im Surfers Journal (Lost in time) gesehen. Es stand kein Name der Insel im Text, sondern nur Längen- und Breitengrade. Uns war sofort klar, dass wir dort hinwollten. Im Bericht standen nur die Namen der Dörfer Paul do Mar, Jardim do Mar und der ein oder andere Point. Wir suchten die Insel, schlugen die Karte auf und fuhren hin. Seitdem hat sie sich zum Negativen verändert. Für die Bewohner wohl eher zum Positiven, denn für sie wurde das Leben durch EU-Tunnel und Straßen viel einfacher. Die Gelder allerdings haben Jardim die Persönlichkeit genommen, es wurde vieles hochgezogen, auf das kaum jemand wirklich gewartet hat. Wirklich traurig. Eine Promenade, die kein Mensch braucht – danke EU. Das Wohnen ist teurer geworden, da die Insulaner natürlich auch den Euro geschnuppert haben. Früher übernachteten wir für 10 DM. Heute wenn es günstig ist für 10 Euro – also 1:1. Noch ein Hoch auf den Euro.
Heute gibt es viel mehr Locals. Während es damals höchstens drei bis vier waren, sind es heute bestimmt 20. Aber noch immer sind alle entspannt und das nicht nur, weil wir fast alle von früher kennen. Ansonsten hat sich auf Madeira nicht so viel geändert – immer noch „Lost in time“.
Ihr seid mit knapp zehn Jahren Sponsoring so etwas wie Urgesteine in der Surf-Szene. Was hat sich verändert?
Wir sind dankbar, dass uns Billabong seit fast zehn Jahren immer noch unterstützt. Mittlerweile geht es in die zweite Runde. Die Jungs haben jetzt auch Jonas Brunnert ins Team genommen, den wir vorgeschlagen haben. Wir kennen ihn schon seit seinen Anfängen. Dass man so gut surfen lernen kann, wenn man nur in Deutschland und Dänemark aufs Wasser kommt – Wahnsinn.
Was ist euch heute im Gegensatz zu früher wichtiger?
Thore: Meine Familie ist meine größte Veränderung. Meine Prioritäten haben sich dadurch zu 100 Prozent verändert. Es würde voll nach hinten losgehen, wenn ich weiter so viel surfen würde wie früher. Mit Frau und Kind muss ich mich natürlich engagieren. Umso besser, wenn man dann einen Sponsor hat, der einen ein bisschen unterstützt.
Björn: Seit elf Jahren bin ich nun selbstständig, mein Business ist gewachsen und ich habe einfach nicht mehr so viel Zeit wie früher. Ich für meinen Teil genieße bessere Wellen mehr als früher, nehme mein Leben viel bewusster auf. Früher war alles selbstverständlich. Habe ich heute einen guten Surf, freue ich mich viel mehr darüber – er wirkt intensiver nach. Egal wie hoch die Welle ist, Hauptsache ich kann mit netten Jungs auf dem Wasser sein und es genießen. Ich habe einfach keinen Bock mehr, mich mit begriffsstutzigen Locals herumzuärgern. Ich will in Ruhe surfen und genießen. Bin ich froh, dass wir unser Leben in den Griff bekommen haben. Früher sind wir jahrelang herumgedümpelt, sind nur gereist und kamen pleite wieder. Geil, dass wir jetzt wiederkommen und wissen, dass der Job weitergelaufen ist. Wir zahlen heute noch die Quittungen der alten Reisen …
Ich bin für bestimmte Sachen offener geworden, zum Beispiel Urlaub mit meiner Freundin. Ich bin mehr nicht so radikal wie früher, als es nur um mich gehen musste. Heute kann mich mehr darüber freuen, wenn sie sich in ihren Surfbedingungen wohl fühlt. Früher bin ich durchgedreht, wenn ich überhaupt mit meiner damaligen Freundin weggefahren wäre.
Ihr habt euch psychisch verändert – wie sieht’s physisch aus? Machen eure Körper noch mit?
Wir sind wählerischer geworden. Wir haben einfach keinen Bock mehr, in jede „Onshore-Dreckswelle“ reinzugehen. Das war früher anders, da zählte nur: Hauptsache Surf. Dennoch heißt das, dass wir heute immer noch heiß sind und uns noch verbessern wollen. Im Unterschied zu früher bereiten wir uns noch besser auf die Trips vor, gerade auf die Wintertrips. Wenn wir uns anschauen, wie die Jungs auf dem Wasser liegen, wenn wir im Winter unterwegs sind, dann ist das wirklich traurig. Vielleicht mussten wir so alt werden, um zu begreifen, dass es ohne Fitness nicht geht. Ich (Thore) spiele Wasserball und Björn geht regelmäßig ins Fitnessstudio und macht von ihm selbst entwickelte Übungen für die Schwimmmuskulatur. Als wir 32 oder 33 waren, haben uns zwei bis drei lange Sessions pro Tag nichts ausgemacht, bis wir gemerkt haben, dass die Regenerationszeit immer länger dauerte. Noch ein Grund mehr, den Surf bewusster zu genießen. Wir gehen ökonomischer aufs Wasser: Nicht in den ersten Minuten ausbrennen, sondern die Power einteilen. Jungs, da kommt ihr auch noch hin.
Posted: Januar 15th, 2006 under REISE, BERICHTE.
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Interview mit Sebastian Bubmann
FM: Glückwunsch zum Titel „Partypeitsche of the year“! Das ist doch endlich mal ein schöner Titel.
SB: Das kann man wohl sagen! Allerdings war das ja auch ein hartes Stück Arbeit.
FM: Waren deine Eltern davon begeistert? Dein Vater hat ja zumindest gleich die Siegprämie in Form von fünf Kisten Bier hier abgeholt …
SB: Die hat er schön für sich selber eingesackt. Sagen wir mal so – meine Mutter war weniger begeistert und meinen Vater konnte ich mit dem Bier zum Schweigen bringen.
FM: Deine Mutter war nicht begeistert? Wie kommt das wohl?
SB: Och, kein Plan. Meine Eltern kommen wahrscheinlich aus einer anderen Zeit.
FM: Wie sieht das aus, wenn du nicht auf Veranstaltungen bist? Feierst du da genauso hart?
SB: Solange ich am nächsten Tag ausschlafen kann, auf jeden Fall. Auf Events hat allerdings der Wettkampf ganz klar Priorität und nur wenn kein Wind angesagt ist, wird dick gefeiert. Oder halt bei der Abschlussparty.
FM: Ich merke, deine Eltern hören wohl grade zu. Auf den anderen Tourstopps warst du doch auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit.
SB: Solange das Ergebnis stimmt und kein Wind ist, soll man sein Kiter-Dasein ja auch auf andere Art und Weise ausleben können, oder?
FM: Auf der hanseboot-Free-Magazin-Party hast du auf jeden Fall noch einmal unter Beweis gestellt, dass du den Titel „Partypeitsche of the year“ zu Recht trägst.
SB: Habe das nicht mehr so ganz mitbekommen. Vielen Dank noch einmal für den riesengroßen Party-Peitschen-Pokal, randvoll mit frischem Carlsberg zum Aufwärmen bei der Siegerehrung nachmittags auf der hanseboot.
FM: Besonders gut gefallen hat mir auf der Party, dass dein Shirt in zwei Stücken vom Körper hing …
SB: Ja, danke Alexander! Das war übrigens mein geilstes Shirt! Bevor ich’s vergesse, auch noch mal danke für die 20 Tequila.
FM: Innen gut, außen mit Hut.
SB: Na klaro.
FM: Wie sah es denn sportlich 2005 aus? Wievielter bist du bei der Kitesurf-Trophy geworden?
SB: Nach einem klasse Start mit dem dritten Platz bei den Herren auf Fehmarn, sollte sich leider nicht mehr alles in diese Richtung entwickeln. Mein Jahrgang hatte zwei Wochen Jahrgangsfahrt nach Slowenien und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. So setzte ich voll auf meinen Streicher und ließ Kiel sausen. Als ich dann auf Sylt durch Fieber nicht an den Start gehen konnte, war das mit dem Dritten eigentlich auch schon Schnee von gestern. Dafür lief es international für mich wesentlich besser!
FM: Was hast du denn international so gemacht?
SB: Meine Priorität lag bei der PKRA Worldtour. Ich konnte mich in Griechenland qualifizieren, dann war allerdings der Wind weg. Auf Fuerte konnte ich im Freestyle den 13. Platz und somit das beste deutsche Ergebnis erzielen.
FM: Das ist ja knorke. Was steht nächstes Jahr an?
SB: Nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall die Kitesurf-Trophy mitfahren und international so viele PKRA-Events wie möglich mitnehmen.
FM: Wie geht das neben der Schule? Kommt man überhaupt genug aufs Wasser?
SB: Sagen wir es mal so: Momentan sind Klausuren angesagt und ich arbeite von früh bis spät. Aber es ist ja auch kein Wind zurzeit. Wenn Wind wäre, müsste ich da irgendwie improvisieren. Meistens leidet dann die Schule.
FM: Wie sieht das mit der Kohle aus? Wird man als Kiter reich?
SB: Ganz ehrlich? Nein! Das hat bisher noch keiner geschafft. Aber es ist ein ultimativ geiler Sport und von daher lohnt sich das auch, ohne reich zu werden.
FM: Was ist denn für dich das Beste am Kiten?
SB: Wenn man nach fünf Stunden vom Wasser kommt und weiß, dass man wieder viele neue Tricks gelernt hat.
FM: Hast du vorher schon andere Sportarten ausprobiert? Wie kommst du zum Kiten?
SB: Ich war früher begeisterter Regattasegler. Dann wurde mir das zu langweilig und ich bin Windsurfen gegangen. Als ich bemerkte, dass die Kiter alle bei halb so viel Wind ganz gut durch die Gegend heizen, habe ich mir gedacht, dass ich das auch mal machen muss. Tja, und dabei ist es dann geblieben. Nebenbei wakeboarde ich, fahre Ski und laufe gerne.
FM: Apropos Skifahren. Da warst du doch auch irgendwie Waldmeister? Wie sieht das denn in diesem Winter aus?
SB: Das ist richtig. 2004 und 2005 konnte ich den WM-Titel bei den Junioren im Freestyle einfahren. Diesen Winter werde ich auf jeden Fall auch ein paar Events, inklusive der WM, mitfahren.
FM: Kann man Snowkiten und Kitesurfen miteinander vergleichen?
SB: Das ist im Prinzip genau das gleiche. Mit Skiern ist es ein wenig anders. Aber mit dem Snowboard ist das ziemlich ähnlich. Ich würde sagen, dass es sogar noch etwas einfacher ist. Man säuft nicht immer gleich ab und fährt viel kleinere Kites als auf dem Wasser, weil der Widerstand auf dem Schnee viel geringer ist. Aber wenn man sich abpackt, tut es auch mehr weh.
FM: Das denke ich auch manchmal, wenn man sich mal anschaut, wie hoch die Jungs springen.
SB: Kommt drauf an. Wenn man das auf dem flachen See macht, tut das nicht so weh. Aber wenn du das im hochalpinen Gelände machst und sich dein Kite wie ein Gleitschirm verhält, wo Höhen zwischen 60 und 70 Meter erreichbar sind, kann da schon ordentlich was passieren. Aber gute Snowkiter können die Situation einschätzen und sichern sich immer doppelt über das Trapez mit zusätzlicher Sicherung durch Klettergurte ab. Wir setzen uns vorher auch zusammen und gucken uns die Winde an, damit uns nicht oben der Schirm zusammenklappt, weil irgendein Abwind kommt. Bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft nur die Leute das machen, die die Gefahr und ihr eigenes Können richtig einschätzen können. Alles andere würde nur dem Image des Sports schaden.
FM: Kommen beim Snowkiten nicht auch schon Diskussionen hinsichtlich des Themas Sicherheit auf?
SB: Bis jetzt war es noch nicht so extrem wie beim Kitesurfen. Wir fahren aber auch bei viel weniger Wind als beim Kitesurfen auf dem Wasser. Aber da werden bestimmt Diskussionen aufkommen, wenn sich mal wieder einer die Knochen bricht.
FM: Im Winter benutzen viele Softkites. Was ist deren Vorteil?
SB: Der Boden ist im Winter viel härter und Eiskristalle können ganz schön scharf sein. Von daher ist es schon ein Vorteil, wenn die Tube beim Aufprall auf den Boden nicht platzt. Wir machen teilweise große Touren und wenn da weit und breit kein Auto in der Nähe ist, das einen bei einem kaputten Kite ins nächste Dorf bringen kann, ist ein Softkite schon ein klarer Vorteil. Außerdem sind sie leichter, einfacher zu starten und verhalten sich in den unteren Windbereichen durch die gleichmäßig verteilte Masse wesentlich besser.
FM: Wie ist das auf dem Wasser? International bist du, glaube ich, der einzige mit einem Softkite auf dem Wasser. Woran liegt das?
SB: Ich bin vor ein paar Jahren dazu gekommen, weil ich Armin von Flysurfer auf Fehmarn bei der Kirtesurf-Trophy getroffen habe. Da habe ich das ausprobiert, was auch prima funktionierte und daher habe ich bisher keinen Grund gesehen zu wechseln.
FM: Wer unterstützt dich sonst noch?
SB: Chiemsee und Mystic, für den Winter auch Scott USA. Alles sehr gute Partner, mit denen ich seit einigen Jahren gut zusammen arbeite. Bei Chiemsee bin ich jetzt seit drei oder vier Jahren und das läuft echt gut. Wenn man es auch schon mal erlebt hat, wie einen Firmen sitzen lassen können, dann weiß man eine Firma, die gut kooperiert und verlässlich ist, sehr zu schätzen. Dasselbe trifft auch für Mystic zu. Wenn dann auch noch die Produkte gut sind, ist es wie in meinem Fall perfekt!
FM: Wie kommt man an solche Sponsoren?
SB: Mit dem Kite lief das so, dass ich bei den Junioren 2002 auf Fehmarn meinen ersten Event gewonnen habe und Armin gleich zu mir kam, um mich nach meinen Zukunftsplänen auszufragen. Seitdem sind wir ein festes Team. Die anderen Sponsoren, wie zum Beispiel Scott beim Snowkiten mit Skiern und Helmen, hat sich wiederum über Flysurfer ergeben, da die schon vorher zusammen gearbeitet haben. Genau so war es auch mit Mystic. Mit Chiemsee ist das ganz lustig gewesen. Meine Mutter ist Lehrerin und im Gespräch mit einer Kollegin stellte sich heraus, dass diese Leute bei Chiemsee gut kannte. So kam die Verbindung zustande.
FM: Wie ist das mit Kiten und Frauen? Man hört ja immer von Groupies. Du als Partygänger, der grundsätzlich seinen Oberkörper freimacht, musst das doch eigentlich wissen. Und was sagt Chiemsee eigentlich dazu, dass du dir immer die Klamotten vom Körper reißt? Oder sind deine Unterhosen auch von deinem Sponsor?
SB: Die sind von Tchibo, glaube ich. Nachdem ihr mich auf der Party ausgezogen hattet, hatte sich das mit der Unterhose auch so gut wie erledigt. Eigentlich existierte ja nur noch der Gummizug und der hat dann zum Schluss auch nur noch als Peitsche gedient …
FM: Nun mal Butter bei die Fische!
SB: Ich kann nicht klagen. Aber man sollte es auch nicht übertreiben. In Hamburg auf der hanseboot-Free-Magazin-Party war das doch ein wenig doll. Ihr habt mir ja schon um 17:00 Uhr auf nüchternen Magen zwei Liter Bier im Partypeitschen-Pokal zugeschoben, sodass ich letztendlich weder mit der Flysurfer-Crew im Bus kuscheln konnte, noch sonst irgendwo in Hamburg ein gemütliches Bett mit Begleitung gefunden habe. Das ist dann auch nicht so der Knaller.
FM: Aber das war doch deine standesgemäße Siegprämie! Und wie ist das am Strand?
SB: Am Strand wirkt sich das natürlich positiv aus, wenn man sich zeigt und auf dem Wasser durch die Gegend jumpt. Da geht einiges.
FM: Bist du gerade in festen Händen?
SB: Nein.
FM: Ja sauber, dann kriegst du ja bestimmt ein paar Liebesbriefe nach dieser Geschichte.
SB: Haha, dürft ihr denn meine Adresse drucken?
FM: Was wir nicht alles dürfen! An dieser Stelle also der Aufruf: Interessierte Damen bekommen Seppels Adresse bei kalle@free-magazin.de. Sag mal, was macht eigentlich dein Zahn, den du dir in St. Peter ausgeschlagen hast?
SB: Nächste Woche bekomme ich meinen endgültigen Zahn. Das wird eine fette OP, wo ich vier Stunden unter dem Messer liege. Das wird scheiße.
FM: Und der sieht auch gut aus?
SB: Gold mit Diamanten versteht sich!
FM: Sauber! Aber so ein Zahnverlust ist ja zum Glück eine Verletzung, die einen beim Kiten überhaupt nicht einschränkt?
SB: Neulich ist mir der vorläufige Zahn beim Kiten wieder rausgeflogen. Da musste ich auch aufhören, weil es ein bisschen wehtat. Aber ansonsten geht das. Neben kaputten Knien und Schulterproblemen kann man als Kiter schon froh sein, wenn man mal so eine „einfache“ Verletzung hat.
FM: Wie ist das eigentlich mit dem Support von deinen Eltern. Vor ein paar Jahren war ich doch erstaunt, wie du mit deinem Vater umgehst.
SB: Ach, unser Verhältnis hat sich ziemlich verändert. Ohne meine Eltern wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Sie haben mich immer toll unterstützt und dafür bin ich sehr dankbar! Vielleicht war man sich mit 15 noch nicht so klar, was für einen Mega-Support man eigentlich bekommt. Ich habe zur Konfirmation meine ersten zwei Kites bekommen. Vorher musste ich mir am Strand immer das Zeug zusammenleihen. Meine Eltern waren echt meine ersten Sponsoren. Vielen Dank an dieser Stelle.
FM: Du redest, als wärst du 40 Jahre im Geschäft. Wann willst du denn Weltmeister werden?
SB: Sagen wir mal in drei Jahren. Nein, bis jetzt wäre das ein netter Nebenabwurf. Momentan ist eigentlich nur geplant, gut durchs Abi zu kommen und dabei irgendwie fett Kiten zu können. Nach dem Abi werde ich erstmal losziehen und im Winter, anstatt zu büffeln, im Süden rocken. Das wird dann sicherlich zu besseren Ergebnissen führen, als wenn man den ganzen Winter in der Penne in Flensburg gammelt!
Posted: Januar 15th, 2006 under KITE, BERICHTE.
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Sieben Tage und sieben Nächte in Irland
Manchmal braucht es schon besondere Umstände, um einen Trip zustande zu bringen, und es sollte auch dieses Mal nicht anders kommen. Während eines Freestyle-Contests im Engadin wurde in der langen Wartezeit, die solche Contests so an sich haben, mit unserem englischen Freund Oly die Idee eines Irland-Trips geboren.
Die Idee geisterte schon einige Zeit in meinem Gehirn herum, aber dieses Mal schien endlich alles zusammenzupassen. Freunde, die mitwollten, der richtige Zeitpunkt und die richtige Location. Mit dem angeregten Gespräch und der immer attraktiveren Idee war es auch um Pesche Vogt geschehen, der ohne lange Diskussion gleich mit von der Partie war. Und so brauchte „gut Ding“ nicht immer Weile und wir fixierten den Trip mit einem Abflugdatum in zwei Wochen.
In der Zwischenzeit lag noch der Lago di Garda ION Photocontest auf dem Programm, wo wir als ALTSTAR TEAM an den Start gingen. Am Lago dauerte es nicht lange und wir hatten auch noch die „Italo Gang“ mit Fede La Croce vom Trip begeistert. Fede organisierte noch kurzerhand den italienischen Haus- und Hof-Fotografen Fiore, der alles dokumentieren sollte, und fertig waren die Italiener. Inzwischen beinhaltete unsere Reisegruppe sechs Personen: drei Italos, einen Ösi, einen Swissly und einen Brite. Doch damit nicht genug. Oly warb gleich zwei weitere Teilnehmer an; seine Frau Renata und ein weiterer Monty-Python-Engländer schlossen sich uns kurzerhand an. Neuer Zwischenstand war also: drei Italos, ein Ösi, zwei Swissly und mittlerweile zwei Briten.
Unsere Destination Brandon Bay zeigte uns schon in diversen Wettervorhersagen, was wir zu erwarten hatten: Massiver Swell und orkanartiger Wind ließen das Herz gleich schneller schlagen. Wenn er dann auch wirklich kommt – schließlich kennt man ja die Zurechnungsfähigkeit der Wettervorhersagen …
In Irland gelandet mussten wir uns den Weg nach Brandon Bay in Dunkelheit per Karte und Linksverkehr erahnen. Ich muss dazu anmerken, dass die Straßen in Irland absolut irre sind. Da wird eine kurvige, schmale Straße mit 100 km/h beschildert, was dann mit dem voll beladenen Fiat Punto ohne Dachträger und einem Innenraum, aus dem man gerade noch rausschauen kann, richtig spannend werden kann. Ankunft um 3:00 Uhr morgens. Im Haus noch eine Entspannungs-Ziggi, dann schlafen und sehen, was der nächste Tag so bringt. Am nächsten Morgen ein erster Blick aus dem Wohnzimmerfenster, eine der schönsten Aussichten seit langem. Was man allerdings nicht sieht, ist die Lufttemperatur, die zwar erträglich ist, aber ein bisschen Eingewöhnungszeit verlangt.
Tag 1
Da wir alle doch schon einige Trips auf unserem surferischen Buckel haben, fällt es uns nicht sehr schwer, die richtigen Plätze zu finden. Allerdings muss man einräumen, dass unser Timing nicht immer das beste ist, denn der erste Tag bringt außer kniehohen Wellen und sehr böigem Wind nicht viel, was uns aber nicht von einer netten ersten Session abhält.
Tag 2
Die Briten kommen! Am späten Nachmittag gibt es eine sehr coole Session. Sideoffshorewind und Wellen, die gegen Ende unserer Session immer höher und besser werden. Es regnet zwar in Strömen, was aber der Windsurfer-Qualität nichts anhaben kann. Fotograf Fiore zeigt sich dabei als der härteste von uns allen, da er drei Stunden lang in bitterer Kälte und Nässe den Finger am Abzug hält. Gegen 6:00 Uhr abends wird es langsam dunkel und für uns ist es Zeit, sich einer anderen irischen Tradition zu widmen: dem Nationalgetränk GUINESS. Zusammen mit „fast local“ Olly, der nach zwei Guiness chronisches Nasenbluten bekommt, überleben wir eine anregende Tour durch Brandon Bays Pubs.
Tag 3
Leicht verkatert, aber voller Motivation wagen wir den Blick durch unser Panoramafenster. Wir erstarren im Schock in der Ansicht absoluter Flaute und Swell, der mehr an die eigene Badewanne erinnert. Nach den erfolgreichen Versuchen, den lästigen Kater vom Vorabend wieder loszuwerden, cruisen wir deshalb um die Halbinsel herum, schießen einige Lifestyle-Bilder und filmen die absolut faszinierende Natur. Die ist in Irland so dermaßen schön, dass man ohnehin alle 50 Meter anhält und filmt, Bilder macht oder mit offenem Mund nur so da steht und vergisst, was man eigentlich machen wollte.
Tag 4
Der Wind kehrt zurück, aber leider reicht es nur für eine halbe Stunde Leichtwind-Waveriding am untersten Ende der Bucht von Brandon Bay. Wahrscheinlich hätte es auch für eine Stunde gereicht, aber als Spotneulinge kann es schon mal passieren, dass man am falschen Ende etwas zu lange verweilt. Naja, wem sag ich das … Aber besser so, als gar nicht.
Gegen Abend geht es nach Trallee zum Wetterchecken und natürlich zu einer weiteren Pubtour. Man muss dazusagen, dass eine Pubtour praktischerweise auch gleich das Abendessen beinhaltet, da ein Guiness schon so viele Kalorien hat wie ein typischer österreichischer Schweinebraten mit Knödel und Soße.
Trallee ist die größte Stadt in der Umgebung und es kann an manchen Tagen sogar passieren, dass sich mehr als zehn Menschen in den Pubs aufhalten. Das soll natürlich nicht heißen, dass sonst niemand in die berühmt berüchtigten Pubs geht, sondern nur, dass es anscheinend deutlich mehr Pubs als Einwohner pro Quadratkilometer gibt.
Tag 5
Es wird stürmisch! Der erste Blick aus dem mittlerweile schon berühmt gewordenen Panoramafenster ist nicht wirklich notwendig, da der Sturm nicht zu überhören ist. Wir haben Wind und das nicht zu knapp! Der nähere Anblick der Spots ist dann etwas frustrierend. Es rollen masthohe Lines in die Bucht, die von 60 oder mehr Knoten Wind total zerpflügt werden. Nun geht das große Warten los. Alle acht von uns hängen mehr oder weniger den ganzen Tag am Wohnzimmerfenster und beobachten das Naturschauspiel in der Hoffnung, dass es doch noch windsurfbare Bedingungen werden.
Am frühen Nachmittag wird es mir zu langweilig und ich beschließe, einen Versuch zu starten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Warmer Anzug und 4.0er Segel – etwas Kleineres habe ich gar nicht mit – sind schnell hergerichtet und es geht los. Den ersten Schlag mache ich noch voll motiviert weit über den Break hinaus. Dort angekommen bin ich allerdings sehr happy, dass ich mich noch irgendwie zurück Richtung Strand retten kann. Draußen pustet ohne Übertreibung der stärkste Wind, den ich je erlebt habe und ich danke nochmals allen guten Geistern, dass ich wieder zurückgekommen bin. Nach diesem intensiven Erlebnis spiele ich noch ein bisschen an der Inside zwischen den Böen herum. Kollege Franz probiert es auch noch kurz, muss aber ebenfalls feststellen, dass auch Windsurfen seine Limits hat.
Leider hatten wir in unserer kleinen Reisegruppe keine Speedfreaks dabei, denn die hätten auf der ablandigen Seite sicherlich einige Rekorde gebrochen.
Tag 6
Irischer Regen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Tag 7
Unsere Italogang reist ab. Mit dabei leider auch unser Fotograf Fiore, dem wir alle nochmals danken wollen, dass er dabei war und sich für gute Action-Shots bei Kälte und Regen verausgabt hat. Mit der Abreise endet auch unser kleiner Reisebericht einer coolen Woche, die in allen Belangen äußerst abwechslungsreich war.
Wir, Pesche, Oly, Andy, Renata und ich, hatten noch eine Woche vor uns, die uns noch richtig schöne, klassische Brandon-Bay-Conditions brachte.
Posted: Januar 15th, 2006 under WINDSURF, SURF, REISE, BERICHTE.
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Mauritius
„Zuerst wurde Mauritius geschaffen, dann das Paradies. Aber das Paradies war nur eine Kopie von Mauritius.“
Die oft zitierte Lobeshymne des Schriftstellers Mark Twain, den auch der Club Mistral in seinem Katalog als Aufhänger nutzt, war vielversprechend. Mauritius, eine kleine, grüne Insel inmitten des Indischen Ozeans, etwa 800 Kilometer von Madagaskar entfernt, sollte diesen Sommer für zehn Tage unser Arbeitsplatz werden. Wir, das waren ein paar Glückliche des Teams Hifly (Andy Pusch, Florian Jung, Heidi Wunram), Thorsten Indra als Fotograf und natürlich unser Teamchef Marc Behrens. Er war es, der nach Durchforsten aller meteorologischen Daten Mauritius als Destination für unsere Mission gewählt hatte. Und die Mission hieß: Ablichten aller neuen Hifly Boards für den Katalog 2006.
Nach unseren Informationen war seine Spot-Wahl perfekt. Von Juni bis August versprechen die Windstatistiken 85 Prozent Gleitwind über vier Beaufort, die mittlere Wasser- und Lufttemperatur liegt bei 25 °C und die Sonne scheint ohne Unterlass. Obwohl die Vokabel „Scheinen“ kaum auszudrücken vermag, was die Sonne in Mauritius wirklich tut: Sie strahlt, sie leuchtet, sie lässt die grüne, üppige Natur der Insel in ungekannten Farben schimmern. Die Fotos der Reisekataloge versprachen uns türkisfarben schillerndes Wasser, einen tiefblauen Himmel und einen fast smaragdgrünen Regenwald, der die Hügel der Insel bedeckt. Die perfekte Kulisse also für einen Foto-Shoot, aber natürlich auch für einen unvergesslichen Windsurf- und Kite-Trip. Dass es sich für uns nicht um einen Urlaubstrip, sondern um einen Arbeitsurlaub handeln sollte, wurde uns allerdings schon beim Check-in in Frankfurt in Erinnerung gerufen. Über 500 Kilogramm Material wollten verladen werden und wir hatten fast ein schlechtes Gewissen, als der Pilot im Flieger die Durchsage machte: „Ladies and Gentlemen, wir entschuldigen uns für die Verspätung, die durch das Verladen von Surfmaterial entstanden ist, und begrüßen das Team Hifly an Bord.“
Nach zwölf Stunden Nachtflug landeten wir am International Airport von Mauritius mit dem leicht zu merkenden Namen „Plaisance-Sir Seewoosagur Ramgoolam“. Die warme, feuchte Luft roch nach Zuckerrohr und ein leichter Wind ließ die Palmen im Wind schaukeln. Zum Glück war Benoît, der Importeur von Hifly auf Mauritius, mit ein paar seiner Leute zur Stelle und half uns beim Transport des Materials. Wir hieften alles auf einen kleinen LKW und los ging es Richtung Spot. Benoît wählte alle möglichen kleinen Sträßchen, um uns schon auf dem Hinweg einen kleinen Eindruck von der Schönheit der Insel zu vermitteln. Und ganz nebenbei gab er uns auch noch eine kleine Zusammenfassung von der Geschichte Mauritius’, von Politik, Wirtschaft und Kultur. Benoît war eine bessere Informationsquelle als jedes Buch, was wir vor unserer Reise hätten lesen können. Er selber sei Nachkomme von belgischen Siedlern, die schon zur Zeit der Galionsschiffe auf die Insel gekommen waren, erzählte er uns. Und wie so viele waren auch seine Vorfahren von der Schönheit dieses kleinen Stück Landes so fasziniert, dass sie geblieben waren.
Mauritius, das zur Zeit der ersten Besiedlung durch die Holländer unbewohnt gewesen sein soll, ist im Laufe der Zeit zu einem kleinen, kulturellen Melting-Pot geworden. Denn den Holländern folgten die Franzosen, die wiederum 1810 von den Engländern abgelöst wurden, und erst 1968 wurde das kleine Land in die Unabhängigkeit entlassen. Den größten kulturellen Einfluss übten aber nicht die europäischen Siedler, sondern die von ihnen auf die Insel gebrachten Arbeiter aus: Inder, Chinesen und Afrikaner, die vor und nach Abschaffung der Sklaverei mehr oder weniger freiwillig auf die Insel gekommen waren, um auf den Zuckerrohrplantagen zu schuften oder um Geschäfte zu machen. 68 Prozent der Bevölkerung sind indischer Herkunft (davon 51 Prozent Hindus und 17 Prozent Muslime), gefolgt von den Kreolen (27 Prozent), Chinesen (3 Prozent) und Europäern (2 Prozent). Diese ethnische Vielfalt spiegelt sich sowohl in den oft wunderschönen Gesichtern der Einwohner wieder, als auch in den verschiedenen Sprachen und sogar in der Vielfalt der Gebäude. Moscheen stehen neben Hindu-Tempeln und Kirchen; die Leute auf der Straße sprechen kreolisch, französisch und sogar indisch und chinesisch. Niemand würde glauben, dass Englisch die Amtssprache ist.
Benoît erklärt uns auch, dass der bunte Straßenschmuck zur aktuellen Wahlkampagne gehört, dass die Häuser alle nur halb fertig gebaut sind, um Steuern zu sparen, dass viele Mauritier wegen steigender Lebenskosten und Verfall der Zuckerrohrpreise ins Ausland abwandern … Wie gesagt, nach anderthalb Stunden Fahrt, waren wir um einiges schlauer und kamen endlich am Spot an!
Der „Hauptspot“ der Insel (es gibt genau genommen auch nur diesen) liegt zu Füßen des Berges „Le Morne Brabat“ im Südwesten der Insel. Der westliche Teil des Strandes ist öffentlich, es folgt der Club Mistral und der Strand des Indian Resort Hotels, einer bescheidenen Viereinhalb-Sterne-Anlage, die unser Teamchef durch geschickte Verhandlungen dazu bewegt hatte, uns fast kostenfrei zu beherbergen. Wir bezogen schnell unsere Suiten, machten das Material fertig und schauten kurz beim Club Mistral vorbei, um uns über die aktuellen Bedingungen von Strömung, Gezeiten und Swell zu informieren.
Einige Surfer waren im türkis schillernden Wasser der Lagune unterwegs, die rundherum von Korallenriffen umschlossen ist. Wir versuchten auszumachen, wo denn die mystische Welle „One Eye“ bricht, die ihren Namen übrigens wegen einer Höhle im Berg „Le Morne Brabant“ trägt und vom Wasser aus wie ein Auge aussieht. Die schnelle, supercleane Welle, die auf ein kaum von Wasser bedecktes Korallenriff bricht, ist auf jeden Fall den Locals und Experten vorbehalten. Ich zählte mich weder zu den einen noch zu den anderen und war ganz froh, dass auch Andy und Flo mit Respekt von der Welle sprachen. Aber der Wettergott wollte an diesem ersten Tag sowieso nicht, dass wir „One Eye“ surften. Der Swell kam aus S-SW statt S-SO, sodass die Channels, durch die man aus der Lagune kommt, zu waren. Wir beschränkten uns also auf eine Freestyle-Session in der Lagune. Flo und Andy zeigten ihr ganzes Repertoire: Chachos, Flacas, Grubbies, Spock 540 one-handed und andere Moves, die ich nicht so wirklich verstand – ich merkte, dass es noch viel zu lernen gab. Auf jeden Fall war es nicht unangenehm, den Spot erstmal langsam kennen zu lernen, da die Bedingungen doch nicht so ganz easy sind. Das Wasser in der Lagune ist an einigen Stellen bei Ebbe so flach, dass man kaum fahren kann, und vor allem die Strömungen in der Nähe der Channel sind unangenehm. Die Leute vom Club Mistral raten deshalb jedem Neuankömmling, sich täglich am Club über die Bedingungen zu informieren.
Abends nach der ersten Session und müde von der langen Reise schafften wir es gerade noch, das Buffet zu plündern und fielen erschöpft in unsere Betten. Der nächste Tag begann genauso paradiesisch wie der erste: „Welcome to the paradise of the Island Mauritius.“ Ich fühlte mich wie in einer Werbekampagne für ein besseres Leben. Leider kam der Swell immer noch aus der falschen Richtung und brach close-out auf das Riff, sodass wir wieder nicht in die Wellen konnten. Freeride stand auf dem Programm und obwohl wir alle uns eher beim Freestyle und in der Welle wohlfühlen, hatte das Freeriden in dieser unglaublichen Szenerie fast etwas Meditatives. Wenn dann noch ein Rochen unter eurem Brett durchgleitet oder ihr das Glück habt, Delfine zu sehen, kann das fast eine Wave-Session ersetzen.
Diesen Abend waren wir etwas fitter. Nachdem Flo seine zehn Gänge am Buffet geschafft hatte, gab es an der Hotelbar brasilianischen Samba und mauritische Tänzerinnen. Ich weiß nicht, was das größere Spektakel war: die Show oder Flo und Andy bei einer Art Bauchtanz …
Am folgenden Tag hatte der Swell endlich auf die richtige Richtung gedreht und wir konnten in die Welle. Für „One Eye“ war die Ebbe zu tief, deswegen entschieden wir uns für Manawa, das etwa zwei Kilometer draußen gelegene Riff. Der Swell war nicht sehr hoch und der Wind leider sehr schwach, doch für eine Wellenabreit-Session langte es. Die Sets kamen in sauberen Serien reingelaufen und wir waren ganz alleine auf der Welle. Leider wurde der Wind immer schwächer, sodass wir zusehen mussten, wieder gegen die Strömung an den Strand zu kommen. Ich war wirklich froh, dass man mir erst später von dem Meeresgraben hinter dem Manawa-Reef erzählte, der wohl die Wahlheimat einer ganzen Auswahl an Hai-Familien sein soll.
In den nächsten Tagen erwischten wir noch einmal einen besseren Tag in Manawa, mit medium Swell und 4.7er Segeln. Auch diesmal langte der Wind nicht für eine Jump-Session, dafür aber für gute Wellenritte, Aerials, Goiter und Co. Es war natürlich schade, dass wir keinen „richtigen“ Wave-Tag zum Jumpen erwischten, aber Wellenabreiten in den Wellen von Mauritius ist auch grandios. Und das auch ohne Segel: Mit zwei mauritischen Locals, Arnaud und Roger, gingen wir an ein paar Tagen vor dem Windsurfen wellenreiten. Die beiden Brüder haben eine Wellenreitschule in Tamarin und gehören zu den besten Ridern der Insel. Sie zeigten uns auf den Wellen von „One-Eye“, dass die neuen PP Wellenreiter von Hifly richtig radikal sein können. Meistens machten wir jedoch Freeride und Freestyle.
Da wir fast ständig auf dem Wasser waren, blieb leider auch wenig Zeit zum Sightseeing. Eine Schande bei einer so tollen Insel, aber wir waren ja zum Arbeiten da und nicht zum Urlaubmachen.
Wenigstens an einem Tag liehen wir für ein paar Stunden ein Auto und schauten uns die Orte an, die uns Felix und Jean-Marc vom Club Mistral als „must haves“ genannt hatten. Wir besuchten die Cascade Chamarel, die Gorges de la Rivière Noire und Grand Bassin, den heiligen See. Eine ganze Reihe hinduistischer Tempel ziert hier das Ufer und im Wasser finden sich überall Opfergaben: Essen, Räucherstäbchen, Bilder und Statuen, und zwar alle zerbrochen, so wie es anscheinend der Brauch will.
Letzten Endes gingen die Tage, auch wenn sie oft sehr anstrengend waren, wie im Flug vorbei. Auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag, ein Foto-Shoot hat nichts mit freiem Fahren zu tun und ist wirkliche Arbeit! Und trotzdem waren wir wohl alle etwas traurig, als wir das kleine Paradies wieder verlassen mussten und unser Flugzeug vom Airport Richtung Deutschland startete.
Praktische Tipps :
Beste Windzeit : März bis Dezember mit einem Peak von Juni bis September
Beste Swellzeit: März bis Dezember
Durchschnittstemperatur : 25 °C Luft und Wasser. Etwas kühler von April bis Oktober und etwas wärmer in den anderen Monaten.
Spots :
Le Morne ist „The Spot“, im Südwesten der Insel gelegen; der Wind kommt O-SO (sideshore von links) und man fährt zunächst in einer ziemlich flachen Lagune. Nach etwa 600 Metern beginnt das Riff, das die Lagune fast rundherum einschließt. Am inneren Riff brechen kleine bis moderate Wellen, zwei Kilometer weiter draußen, am Manawa-Riff, wird es dann größer. Hier sollte man besser nicht alleine hinfahren. Auf der Westseite des Spots bricht die bekannteste Welle der Insel: „One Eye“. For experts only! Die Leute vom Club Mistral vor Ort empfehlen jedem Neuankömmling, sich erst einmal beim Club über die Conditions zu informieren. Sie kennen den Spot in- und auswendig und werden euch alle wichtigen Tipps geben. Die Bedingungen und Strömungen werden leicht unterschätzt und der Club hat das einzige Rettungsboot, also stellt euch gut mit ihnen. In der Lagune ist es eigentlich ungefährlich. Allerdings bleibt bei Ebbe oft wenig Wasser zwischen Finne und einigen Riff-Blöcken, die durch Bojen markiert sind. Für empfindliche Füße empfehlen sich Surfschuhe. Abgesehen davon langt ein Shorty (April bis Oktober) oder sogar die Boardshorts im Gepäck. Und dann sagte man uns noch, dass sonntags die Locals gerne alleine in ihren Wellen sind …
Östlich neben dem Indian Resort schließt sich der Anfänger-Kitespot an: eine kleine Lagune, in der das Wasser extrem flach ist. Die besseren Kiter fahren in der Lagune vor dem Club.
Die folgenden Spots werden der Vollständigkeit halber genannt und sind nur für Entdecker-Naturen interessant, die länger auf Mauritius bleiben; der Wind ist überall schwächer und eigentlich fährt niemand an diesen Spots. Also, bitte nicht alleine!
- Palmar: Freeride-Spot im Osten der Insel.
- Ile aux Cerfs: große Lagune, schön zum Lightwind-Kiten und Freeriden
- Souillac: funktioniert bei Ostwind. Riffwelle, viel Strömung und kein Rettungsboot!
- Tamarin: Wellenreitspot mit Schule; funktioniert bei N-NO auch mit dem Schirm oder zum Freeriden, mit Maxi 20 Knoten. Der Beach La Preneuse etwas weiter südlich ist ein guter Startpunkt für eine Downwind-Session bis nach Le Morne.
Wohnen:
- Indian Resort: Viereinhalb-Sterne-Hotel direkt am Beach. Sehr schön, viel Komfort. Das Budget ist vielleicht nicht für jeden etwas, obwohl das Resort sein Geld wert ist: vier Restaurants (französisch, indisch, italienisch, Buffet), Thalasso-Therapie, Pool, Fitness-Center, Tennisplätze etc. Infos beim Club Mistral.
- Pik Pik 1+2 : etwas günstigere Appartementanlage, etwa drei Kilometer vom Spot entfernt. Auch hier Garten, Schwimmbad, Tennisplätze, Grillmöglichkeiten etc. Möglichkeit, Fahrräder zu leihen, um ohne Mietwagen an den Beach zu kommen. Infos beim Club Mistral.
- Ropsen Appartements und Villas : Appartements ab 15 Euro die Nacht. Tel.: +230 255 55 46.
Ausgehen:
Restaurants: Es gibt eine große Auswahl für alle Budgets und Geschmäcker, allerdings nicht direkt am Spot, sondern Richtung Flic en Flac. Im Club Anna kann man für 25 Euro gediegen dinieren, andererseits findet man auch kleine, lokale Restaurants, wo man für drei Euro satt wird. Die Insel ist insgesamt nicht wirklich billig, aber wenn man bedenkt, dass das mittlere Einkommen bei 180 Euro liegt, ist klar, dass man auch wirklich günstig über die Runden kommen kann.
Bars/ Discos: Zum Ausgehen muss man nach Flic en Flac (ca. 20 Minuten von Le Morne entfernt). Richtig viel gibt es auch hier nicht, ganz brauchbar sind die Buddha Bar mit elektronischer Musik, der ziemlich touristische Club „Arena“ oder auch der Club „Summer Beach“. Hier seid ihr meist die einzigen Nicht-Locals; die Musik ist typisch kreolisch.
Posted: Januar 15th, 2006 under WINDSURF, KITE, SURF, REISE, BERICHTE.
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He did it again
Zum siebten Mal und genau sieben Jahre nach seinem letzten WM-Sieg hat sich Kelly Slater den Titel des „ASP Men’s World Champion“ gesichert. Dreizehn Jahre nachdem er sich als jüngster Teilnehmer der ASP World Tour den Titel zum ersten Mal in Brasilien holte, ist er nun mit seinen 33 Jahren auch noch der älteste Surfer, dem die Ehre des Titels zuteil wird.
Damit zeigt Slater nicht nur, wer der wahre König des Surfens ist, sondern streitet dem bisher unangefochtenen WCT-Champ Tom Curren, der bisher insgesamt 33 World-Tour-Siege holen konnte, den Titel ab. Nach dieser Saison fehlen Slater nur noch zwei weitere Siege, bis sich auch Curren dem, so scheint es, „Hell Raiser“ geschlagen geben muss …
Doch das Jahr 2005 sah für Kellys Projekt, sich den Titel zurückzuholen, nicht einfach aus. Andy Irons setzte nach seinem sensationellen Saisonsieg 2004 auch 2005 wieder alles daran, die Teilnehmer der ASP World Tour seine Autorität spüren zu lassen und sich zum dritten Mal in seiner Karriere zum Weltmeister krönen zu lassen. Und auch Joel Parkinson, der mittlerweile hinter Irons auf Platz 2 der Weltelite aufgestiegen war, Mick Fanning, der sich nach einem Jahr Verletzungspause wieder in den Surfzirkus zurückbegeben hatte, die zielstrebigen Hobgood-Brüder und das australische Wunderkind Taj Burrow versprachen „harte Nüsse“ zu sein, die es zu knacken galt. 2004 hatte Kelly zwar schon flüchtig erkennen lassen, welches Potential noch in ihm steckte, doch dass er es aus unerklärlichen Gründen nie über das Viertelfinale hinwegschaffte, erzeugte Kopfschütteln in der Szene. Egal.
2005 wurde die Foster’s Men’s World Tour mit einem Funken sprühenden Sieg von Mick Fannings in Snappers (Australien) eröffnet. Trent Munro sicherte sich den nächsten Sieg bei Bells, wahrend Kelly eine frühe Niederlage gegen den Rookie Bede Durbridge einstecken musste. Das gab schlechte Stimmung bei dem Amerikaner. Vielleicht war dies aber auch die Initialzündung, die Kelly dann zum „Moment of truth“ brachte. Wie ein Blitz brach er aus einer Wolke der Enttäuschung und zeigte allen, dass mit Kelly Slater wahrhaft nicht zu scherzen ist. Kelly war angenervt und verwandelte seine innere Wut kurzerhand in selten gezeigte Performance. Er war wieder da! Dieses Comeback zeigte sich vor allem in einer „Mission Impossible“- Runde 16 in Chopes (Tahiti) gegen einen fast perfekten Bruce Irons. Doch Kelly setzte mit einem 20 von 20 Punkten Heat im Finale der gesamten Tour die Krone auf. Von da an konnte ihn niemand mehr stoppen und sowohl auf Fidschi als auch in Jeffreys-Bay in Südafrika holte er sich zwei weitere Tour-Siege. In Japan konnte ihn nur der langsam nervös gewordene Andy Irons stoppen, der selbstverständlich nicht vorhatte, den Weltmeistertitel sang- und klanglos an Kelly abzugeben, und daher wie ein Löwe kämpfte und sogar in Japan gewann. Kelly wurde Zweiter und drauf und dran, Geschichte zu schreiben. Doch Widersacher Andy Irons lies sich nicht erweichen. Dass Irons Slater sowohl in Japan als auch in Hossegor auf die billigen Plätze verwies, stachelte den Hawaiianer an, sich einmal mehr auf den Gesamtsieg zu konzentrieren. Die Presse tobte unterdessen. Wen sollte man auf dieser „Dream Tour“ zum Favoriten machen, wem die Daumen drücken? Im normalen Fall würde man dem Schwächeren den Rücken stärken – aber wer war der Schwächere? Insgesamt besaßen beide Surfer zusammen neun Weltmeistertitel.
Von Schwäche kann hier bei beiden nicht die Rede sein. Also wartete man gespannt auf Brasilien und rechnete und rechnete … Denn wenn eine der folgenden Situationen eintreten würde, hätte Slater auch den siebten WM-Titel bereits in Brasilien in der Tasche: Würde Irons Fünfter werden, müsste Slater nur besser als 33. werden und der Titel wäre seiner. Würde Irons Dritter werden, müsste Slater Fünfter werden oder besser platziert sein. Käme Irons auf den zweiten Platz, müsste Slater Dritter oder besser werden. Kämen beide ins Finale, müsste Irons gewinnen, um seine Titelhoffnungen für Hawaii am Leben zu halten. Würde er verlieren – hätte Slater seinen siebten Titel in der Tasche.
Auch Kelly war sich der Tatsache wohl bewusst, dass er mit Andy Irons einen durch und durch würdigen Gegner vor sich hatte. Tief beeindruckt von Andys Comeback-Siegen in Japan und Hossegor, gab er offen zu, dass Andy noch durchaus in der Lage wäre, ihm den Titel trotz seiner vier Tourstopp-Siege streitig zu machen. Sprach’s – und musste tatsächlich um den Titel bangen.
Bereits in den frühen Runden hatten sich die brasilianischen Locals im Beachbreak-Swell hervorgetan. Insgesamt 14 Brasilianer hatten sich für diesen Tourstopp angemeldet und machten sowohl Irons als auch Slater das Leben schwer. Beide wussten, wie gefährlich ihnen die Rookies werden könnten. „Sie haben keinen Druck und daher auch nichts zu verlieren. Das darf man nicht vergessen“, sagte Slater gegenüber der Presse. „Ich will diesen Stopp unbedingt gewinnen, ganz egal, was Andy macht. Da kann ich es mir definitiv nicht leisten, von einem der Goofy-Footer aus dem Rennen geknocked zu werden.“
Kelly konnte den Stopp in Brasilien nicht gewinnen, doch zumindest hatte auch sein Widersacher Andy Probleme mit den Bedingungen und war unzufrieden mit seiner Materialwahl, weshalb er nicht über das Viertelfinale kam. Das Rechnen hatte sich also gelohnt und bereits in Brasilien stand fest: Slater lag mit insgesamt 7896 Punkten vor Iron mit 7260 Punkten und sicherte sich so den Weltmeistertitel zum siebten Mal in seiner Karriere!
Posted: Januar 15th, 2006 under WINDSURF, BERICHTE, NEWS.
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Kid Rock
Die Zeiten, in denen die Kleinen mit einem Mickey-Maus-Rigg über den Gartenteich hinter Papis Garage dümpelten, scheinen mittlerweile endgültig vorbei zu sein. Die Kids von heute geben Vollgas. Mit Hightech-Equipment und Custom-made-Boards mischen sich die Kleinen sogar schon bei den Contests unter die Großen.
Bei den diesjährigen Aloha Classics Anfang November haben eine ganze Hand voll Kids mal wieder gezeigt, wer die wirklichen Stars am Strand sind. Von Angst keine Spur. Bei Mast hohen Wellen fängt der Spaß in Hookipa doch erst an. In diesem Jahr war der jüngste Teilnehmer am Hookipa Beach Park auf Maui gerade mal neun Jahre alt. In ihren Manövern stehen die Jungstars ihren großen Vorbildern in nichts nach. „Ich schaue am liebsten Robby Naish oder Laird Hamilton zu“, sagt der 13-jährige Kai Lenny, „da kann ich mir am meisten abschauen!“ Also springen selbst die Kleinen im dicken Swell bereits Backloops, Frontloops oder Pushloops. „Aerials? Mittlerweile kein Problem“, lacht der 10-jährige Jake Golm. Man bedenke: Erst im letzten Jahr hat er seinen Wasserstart gelernt!
Das Lernpotential bei diesen Kids ist einfach sensationell. Sobald sie auch nur etwas Gefühl für die Welle haben und heiß aufs Windsurfen sind, steht ihnen die Welt offen und sie lernen ungefähr zehnmal so schnell wie ein Erwachsener. Kinder haben oftmals auch weniger Angst und wägen die „Was-wäre-wenn-Frage“ erst gar nicht ab. Auch das hilft natürlich, die Entwicklung zu maximieren.
Die meisten dieser Jungtalente wohnen außerdem an den Traumspots dieser Erde und ihre Eltern sind selbst hoch begabte Windsurfer. Da ist die rasante Entwicklung der Jungs kein Wunder. Wenn bereits die Eltern jede freie Minute zum Surfen fahren, werden selbstverständlich auch die Kids schnell infiziert. Es sind dennoch beachtliche Leistungen, die Kai, Connor, Jake, Juban und Co. in diesem Jahr auf Hawaii gezeigt haben. Man darf sich definitiv in den nächsten zehn Jahren auf einige neue Windsurfstars freuen.
Kai Lenny
Der am 8. Oktober 1992 geborene Kai Lenny wohnt und surft auf Maui (Hawaii) und ist eines der vielversprechendsten Windsurf-Jungtalente in den USA. Alles, was er kann, hat er von seinem Vater gelernt, der ihn, seitdem er sechs Jahre alt ist, immer mit aufs Wasser genommen hat. Mittlerweile ist Kai ein echter Wettkampf-Crack. Dieses Jahr konnte er die Aloha Classics auf Hawaii gewinnen und stach dort sogar seinen besten Buddy Connor Baxter aus. Kai surft am liebsten in Hookipa mit seinem 6’6 Custom-made-Board von Naish. Seine großen Vorbilder sind natürlich Laird Hamiliton und Robby Naish, denen er auch am liebsten beim Surfen zuschaut. Über die Frage, ob die großen Wellen in Hookipa einen so leichten Körper überhaupt unter Wasser drücken würden und was er in solch einer Situation tun würde, kann Kai nur müde lachen: „Klar werde ich unter Wasser gedrückt. Aber ich bleibe ruhig und rolle mich unter Wasser zusammen, damit mich mein Material nicht verletzt. Wenn die Welle weg ist, schwimme ich zurück zu meinem Material und fahr wieder los!“ Große Wellen sind nun mal Kais Element. Zu Hause lässt er sich am liebsten von seiner Mutter mexikanisches Essen vorsetzen. Das macht stark. Wenn neben der Schule und den täglichen Windsurfsessions noch Zeit ist, geht Kai mit seinem kleinen Bruder Ridge Wellenreiten oder Bodyboarden. Seine klangvollen Lebensmottos wie „Just don’t fall“ (bloß nicht stürzen), „Speed is your friend“ (Geschwindigkeit ist dein Freund), „Rip, tear, lacerate and shred“ (aufschlitzen, zerreißen, zerfetzen und zerschreddern) versprechen auf jeden Fall noch aufregende Action aus dem Hause Lenny.
Connor Baxter
Connor ist bereits ein alter Hase im Windsurf-Wave-Zirkus und an seinen Lieblingsspots in Maui (Hookipa, Molokai, Boracay) bekannt wie ein bunter Hund. Das könnte daran liegen, dass der 11-Jährige mit seinem Waveboard so ziemlich alle Manöver durchzieht, die die „großen Jungs“ auch machen. Zumindest fast. „Ich brauch noch ein bisschen mehr Übung, aber ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg“, sagt Baxter zuversichtlich. „Das Üben nervt zwar manchmal, aber wenn ich mir vorstelle, ich müsste statt des Windsurfens Klavier üben, bin ich schon ganz froh, dass ich es so gut getroffen habe.“ Baxter, der im zarten Alter von fünf Jahren bereits von seinem Dad in den Wassersport eingeführt wurde, kommt aus einer Wassersportfamilie. Auch seine Schwester ist begeisterte Windsurferin und da er mit seiner Familie auf Hawaii lebt, ist das auch kein Wunder. Mittlerweile wird Connor unter anderem von North Sails und von Starboard gesponsert. Wenn der Sechstklässler nicht beim Windsurfen oder in der Schule ist, dann skimboarded, wakeboarded oder surft er. Auch vom Tow-in-Surfen ist Baxter mittlerweile infiziert. Das bedeutet aber nicht, dass er grundsätzlich nur Wassersport macht. „Ich liebe es, mit Paint-Ball-Gewehren herumzuballen – am liebsten auf meinen Vater!“ Zum Glück, da scheint der Wunderknabe ja doch ein ganz normaler Junge zu sein!
Jake Golm
Jake hat im letzten Jahr enorme Fortschritte gemacht. 2004 übte er mit seinen neun Jahren noch Wasserstarts, mit zehn Jahren macht er schon einen Backloop nach dem nächsten. Wenn Jake nicht gerade auf dem Wasser ist, spielt er mit seinen Jungs Basketball. Für sein Alter ist er ziemlich groß und kräftig, was ihm sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Basketballcourt große Vorteile gegenüber seinen Kumpels einräumt. Als fast jüngstes Team-Mitglied von Hot Sails Maui ist Jake spätestens seit den Aloha Classics auf Hawaii, wo er den zweiten Platz belegen konnte, ein vielversprechendes Windsurfkid.
Juban Camille
Juban Camille ist am 30. Juni 1990 geboren und drückt in Guadeloupe die Schulbank, zumindest an den Vormittagen. Am Nachmittag findet man den 15-Jährigen am Strand. Dort übt er keine Vokabeln, sondern Backloops, Pushloops, Aerials und natürlich das saubere Wellenabreiten. Angefangen hat Juban mit dem Windsurfen auf der Lagune St. François in der Guadeloupe. Und immer noch ist sein Lieblingsspot die Insel „la Désirade“, die etwa 30 Minuten mit dem Schiff von der Guadeloupe entfernt ist. Aber dafür muss entweder Mama oder Papa mitkommen. Sein größter Traum ist es deswegen, die Schule so schnell wie möglich abzuschließen und einen Trip nach Hawaii zu machen. Alleine.
Auch wenn Juban mal keinen Bock zum Windsurfen hat, findet man ihn trotzdem auf dem Wasser, denn dann ist er mit Sicherheit Schnorcheln oder steht auf einem Wellenreiter. Der Jungstar aus Guadeloupe fährt im Team von Gun Sails.
Posted: Januar 15th, 2006 under WINDSURF, BERICHTE.
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Meeresblick
Südafrika. Es ist warm, die Sonne lacht vom Himmel, ein perfekter Sideshorewind umspielt die Beine. Szenenwechsel. Sylt. Es ist zwar warm, ein paar Wolken schieben sich dennoch grade vor die Sonne, ein perfekter Sideshorewind umspielt die Beine – doch die Gänsehaut schleicht die Beine hoch.
Warum um Himmels willen verlässt ein Südafrikaner freiwillig seine Heimat, um auf Sylt glücklich zu werden? Weil Sylt eben mehr bietet! Basta.
Sven Frank wird 1974 in Berlin geboren. Als er zwei Jahre alt ist, wandern seine Eltern mit ihm nach Südafrika aus, wo er brav die Schule besucht und seinen Abschluss macht. Mit 19 bekommt er den „Kap-Koller“ und verlässt den Süden, um mit einem Rucksack durch die Welt zu reisen. Seine Kohle verdient er sich für diese Trips als Barmixer und tourt so durch Griechenland, die Türkei oder Israel. Im Winter nimmt er zweimal die Saison in Lech am Arlberg mit und trifft dort auf Brian, der mit seinem Buddy Jens Heisig die Pisten schreddert. Ungläubig lauscht Sven den Schwärmereien von ihrer Insel. Wie? Da gibt es Wellen? Und Party satt? Mädels auch? Wahnsinn. Wie konnte er bisher die „Dom. Rep. Deutschlands“ übersehen haben? Gefragt, getan – im nächsten Sommer stand Sven mit seinem Rucksack am Bahnhof in Westerland – fest davon überzeugt, hier einen guten Sommer zu verbringen und danach wieder abzuhauen. Das ist nun acht Jahre her.
Mittlerweile wohnt, arbeitet und lebt Sven Frank, der weiße Mann aus Südafrika, auf Sylt und kann sich sein Leben ohne die Insel kaum mehr vorstellen. Zu seinem neu entdeckten Faible für den norddeutschen Nieselregen gesellt sich kurz nach seiner Ankunft auf Sylt auch ein neues Hobby. Kitesurfing! „Ich habe 1999 Jochen Fleischauer gesehen und war echt begeistert. Alle waren begeistert und wir wollten das unbedingt mal ausprobieren. In Südafrika habe ich mir meinen ersten Drachen gekauft und angefangen zu kiten“, erinnert sich Sven heute. Das Strahlen in den Augen ist bis jetzt noch nicht erloschen, wenn er über seine große Leidenschaft redet.
Zurück aus Südafrika, den Kite im Gepäck, sieht er auf Sylt zwei Jungs, die sich ebenfalls mit den Drachen abmühen. Einer von ihnen ist Svens Chef aus dem „Seeblick“. Das erleichtert die Sache natürlich enorm. Wenn nun Wind ist, wechseln die beiden sich ab. Erst schaut der eine nach dem Restaurant und der andere darf aufs Wasser, dann andersrum. Das Material liegt direkt vor der Tür. Zwischendurch werden die „How-to-do-Infos“ ausgetauscht. Es gibt damals noch keinen, der sich richtig mit Kiten auskennt. Also versuchen die paar Sylter Kiter, sich den Sport selbst beizubringen. „Wir haben uns Zeitschriften aus Frankreich und den USA geholt und uns die Bilder so lange angeschaut, bis der Trick saß. Danach sind wir aufs Wasser und haben geübt, bis die Hände blutig waren!“ Es scheint sich gelohnt zu haben. 2002 wird Sven sogar Deutscher Vizemeister bei der Kitesurf Trophy. Doch die Halligalli-Zeiten mit Jost Backhaus, Henning Nockel, Andy Langhaus sind lange vorbei. Die Kitesurf-Herren der ersten Stunden haben sich mehr und mehr aus dem Contest-Geschäft abgemeldet und gehen eigene Wege. So auch Sven: „Es ist zwar schade, dass man sich nicht mehr auf den Contests sieht, denn wir sind echt gute Kumpels geworden. Aber vielleicht liegt es daran, dass wir alle etwas älter geworden sind. Ich zum Beispiel kann die ganz radikalen Manöver wie Handlepass auch nicht mehr machen. Das machen meine Knochen gar nicht mehr mit. Außerdem habe ich ja auch gar nicht mehr so viel Zeit wie früher.“ Mittlerweile sind Svens Verantwortungen im „Seeblick“ auf Sylt gewachsen. Als Geschäftsführer wird die Zeit auf dem Wasser nicht mehr. Und doch liegt eine Rückkehr ins warme Südafrika erst einmal ganz weit weg. „Die Kriminalität nimmt dort unten wirklich rapide zu.“ Außerdem passt ihm der Lebensrhythmus auf Sylt ganz gut – im Sommer arbeiten und kiten, im Winter mit der erarbeiteten Kohle reisen und kiten.
Eine seiner vielen Reisen geht jedes Jahr traditionell mit seinen Jungs in ein Kite-Paradies dieser Erde. Letztes und dieses Jahr war das Brasilien. Chef Jan sowie Mario und Axel vom Crêpestand sind jedes Jahr fest mit von der Partie.
Die Herrentour ist das Saisonhighlight. Zwei Wochen kiten, relaxen, essen, feiern. In dieser Reihenfolge. Auf „seine Jungs“ lässt Sven nichts kommen. Sie sind einer der Gründe, die ihn auf Sylt halten: „Mario, der Familienvater, ist ein ganz chilliger und beim Wellenreiten und Kiteboarden ein total stylischer Fahrer. Er hat seinen eigenen Betrieb unten an der Promenade, wo auch Axel arbeitet. Axel ist ebenfalls ein Zugezogener und kommt aus Hannover. Sein Spitzname ist Burli und er wiegt wegen seiner Muskeln bestimmt zehn Kilo mehr als alle anderen – bei gleicher Körpergröße! Wenn der auf dem Wasser ist, merkt man seine Muskelkilos richtig. Seine Moves sind absolute Power-Moves. Der macht die härtesten Kiteloops und trotzdem geht bei seinen Knochen gar nichts kaputt.“
Die Truppe stimmt. Jeder guckt bei jedem ab und bei Caipirinhas und Curacao gibts am Abend ausführliche Manöverkritik. Das hilft vor allem dem eigenen Weiterkommen. Jeder Urlaub wird auf Filmmaterial gebannt. Zu Hause angekommen, schneidet Sven die Ausbeute an Kitesurf-Action und brennt sie auf DVD. So entsteht jedes Jahr ein kleiner Film über die Jungs, mittlerweile ein gefragter Streifen auf der Insel. Bei Häppchen und einem kühlen Blonden fiebern Freunde und Fans der alljährlichen Filmpremiere entgegen. Aber nicht nur in Brasilien sind die vier Sylter die „TKKG-Bande der Kiteszene“. Auch auf der eigenen Insel rocken die vier die Wellen ab. So gut es eben geht. Hier muss man ja Rücksicht auf Kind und Kegel nehmen. Abends wird der Swell gecheckt, dann geht es morgens früh, ganz früh, wenn Sylt noch schläft, raus zum Kiten. Nach ein paar Stunden Drachen-Alarm auf der Nordsee geht es unter die Dusche und in kürzester Zeit werden aus den Kitern handzahme Gastronomen. Bereit für die Touristenströme. „Wenn wir Zeit haben, machen wir vier auch gerne mal einen schönen Downwinder. Das bringt auf 15 Kilometern richtig Bock. Dann lassen wir irgendwo ein Auto stehen oder jemand holt uns später ab und wir rippen so richtig schön die Wellen ab, ohne Rücksicht auf die Höhe nehmen zu müssen. Zwischendurch halten wir in Rantum noch mal bei Christiane in der Strandmuschel an, trinken eine Apfelschorle, essen eine Kleinigkeit und gehen dann wieder raus aufs Wasser.“
Es sind wohl diese Stunden auf der Insel, die Südafrika in weite Ferne rücken lassen. Ungeachtet des Nieselregens und der niedrigen Temperaturen. Und wenn das norddeutsche Wetter im Winter doch auf die Seele drückt, steht ja immer noch der gute, alte Rucksack in der Ecke und wartet darauf, dass Sven ihn packt und mit ihm Südafrika, Brasilien, Sansibar oder Australien bereist. Nur muss sich der Rucksack das Gepäckfach im Flieger seither teilen. Denn Kite und Board werden wohl auch in Zukunft immer mitreisen.
Posted: Januar 15th, 2006 under KITE, BERICHTE.
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Linsenluder in Portugal
Es ist Anfang Dezember 2005 und sicherlich nicht die allerbeste Zeit, um der südwestlichsten Ecke Europas einen Besuch abzustatten. Aber letztendlich siegt die Neugier, denn der Begriff „Surftruck“ lässt etwas Großes, etwas Ehrliches vermuten, um die besten Surfbedingungen entlang der Algarve zu entdecken. So ließen wir uns nicht lange bitten und folgten einer einwöchigen Einladung mit dem „Surftruck“.
Nach einer ungewöhnlichen Zwischenlandung auf Mallorca, wo wir während der Startphase gen Portugal Surfer aus dem Flieger erspähen können, ist die Ausgangsdestination für unseren Surftrip die portugiesische Stadt Faro. Kaum festen Boden unter den Füßen bekommen wir zum ersten Mal die portugiesische Gelassenheit und die Tatsache, dass portugiesische Uhren langsamer ticken, zu spüren. Beschwörerisch blicken wir eine kleine Ewigkeit auf das Gepäckband, das unaufhaltsam, aber vollkommen leer seine Runden zieht, bis ein kleiner, portugiesischer Flughafenmitarbeiter die Gewissheit verkündet: Unsere Boards und der Großteil unseres Gepäcks gönnen sich noch einen kleinen Zwischenaufenthalt auf „Malle“.
Egal. Wir sind hier, um Spaß zu haben, und so lassen wir uns die Laune durch dieses kleine Malheur nicht nehmen. Nach einer Stunde Fahrt im Taxi erreichen wir Alice und Olli an ihrem Surftruck. Der erste Eindruck von dem Gefährt sprengt sämtliche Größendimensionen. Es handelt sich um einen für vier Personen ausgebauten, campingtauglichen, kugelsicheren NVA Koffer auf einem 4-WD Magirus Deutz mit einer 8,4-Liter-Maschine. Sozusagen ein gesamtdeutsches Gemeinschaftsprojekt, an dem die Wiedervereinigung funktioniert hat und harmoniert. Harmonisch ist auch der erste Abend. Dem Regen zum Trotz wird gegrillt; das Improvisationstalent unseres Gastgeberpärchens macht es möglich. Im Laufe des Abends wird die Runde größer. Wir trinken uns kreuz und quer durch das portugiesische Rotweinrepertoire und lernen dabei Ivonne und Michi kennen, zwei sympathische Kölner Traveller, die schon viele Monate an der Algarve verbracht haben.
Am nächsten Tag leihen uns die beiden Boards und so können wir unseren ersten Surf erhaschen. Die Wellen brechen kopfhoch auf einen Sandstrand, der Wind bläst offshore, die Sonne scheint und wir haben Spaß. Der Spot liegt in einer für Portugal typischen, kleinen, steil abgehenden Bucht. Für viele Pkws und Busse wäre hier sicherlich Schluss mit lustig, nicht aber für den Surftruck. Er scheint sich auf unwegsamen Gelände erst richtig wohl zu fühlen und arbeitet sich imposant enorme Steigungen hoch und runter. War es jahrelang nur dem Esel treibenden Onkel Dargo L. vorbehalten, solche abgelegenen Spots zu entdecken und zu surfen, so finden wir selbst nach stärkstem Regen noch Zugang zu diesen Buchten. Am Abend wird wieder geselliges Beisammensein gepflegt und als „Rock-Sie-Michi“ seine Gitarren- und Gesangeskünste zum Besten gibt, bei einem ungeahnten Sternenhimmel und bei Lagerfeuer, wirkt die ganze Szenerie schon beinahe kitschig. „Rock-Sie-Michi“ ist ein netter Surfer irgendwo aus Deutschland, dessen größter Traum es ist, von der Modemarke Roxy gesponsert zu werden. Leider lehnte das Brand bislang grundsätzlich jede Form der Zusammenarbeit ab. Ob es daran liegt, dass er ein Mann und Roxy ein reines Damenlabel ist, sei mal dahingestellt. Die generelle Ablehnungshaltung kennend, befinden wir uns in bester Gesellschaft.
Generell fühlen wir uns während des gesamten Aufenthalts in unsere ersten Surftrips unter minimalistischen Bedingungen zurückversetzt und schätzen umso mehr die Möglichkeit, Ende November unter freiem Himmel sitzen zu können. Die beiden Surftruckbesitzer, das Pärchen Alice und Olli, haben sich mit diesem Projekt einen Traum erfüllt und erzählen uns von der Idee, ihr Reiseangebot für die gesamte afrikanische Westküste und die Sahara zu erweitern, was wir uns bei dem Anblick des Trucks und der Begeisterung der beiden gut vorstellen können.
Ein neuer Tag, neue Hoffnung. Werden wir heute mit eigenem Material surfen gehen können? Ein Anruf beim Airport Faro und eine vollkommen desinteressierte und gelangweilte Frauenstimme lässt diese Hoffnung schnell in Schall und Rauch aufgehen. Noch immer ist nicht geklärt, wo sich unser Gepäck und die Boards wirklich befinden und mittlerweile sind wir schon den zweiten Tag in Portugal! Letztendlich sind wir dann froh nach einem entspannenden Tag den Abend auf erneut geliehenen Boards (danke Michi!) mit einem Sunsetsurf ausklingen lassen zu können und dabei vom Wasser aus die traumhaften Farbspiele der Steilküste bei Sagres bestaunen zu dürfen.
Der nächste Morgen beschert uns Ostseebedingungen vom Feinsten. Nur die Fischerboote, auf der Suche nach Doraden, machen eine kleine Welle. Und so machen wir das, was wir Deutschen am besten können: Motorsport. Doch manchmal muss man sich einfach damit abfinden und einsehen: Ein Tsunami im Tank führt nicht zwangsläufig zu gutem Swell … Und so entscheiden wir uns für einen „Kultur-Tag“, um mal was anderes als streunende Hunde zu sehen. Auch ist uns von früheren Trips das bunte Leben und vor allem das Nachtleben Portugals in äußerst positiver Erinnerung geblieben. Doch beim Bummel durch Sagres wird uns bewusst: Weihnachtszeit ist eine besinnliche Zeit und der „Bear“ tanzt heute eindeutig woanders und vor allem ohne uns. Also heißt es mal wieder, wie so oft auf unserer Tour, machen wir das Beste draus … Ein Mitbringsel für Brians Sohn, drei Galao und vier Surfshops später machen wir uns wieder auf und starten unser Männermobil Richtung Süden, um auch diesen Tag mit einer gepflegten Flasche Rotwein zu beschließen. In unseren Köpfen die Hoffnung auf unsere Bretter und Wellen für die restlichen Tage.
Am nächsten Tag dann die Info: Unsere Bretter sind in Faro und werden uns sogar an den Strand geliefert! Sollte unser beharrliches Telefonieren doch gefruchtet haben? Egal, Hauptsache das Equipment ist da und mit ihm auch unser Fotograf Niels Patrick Geiselbrecht. Als dann aus dem gleichen Flieger Tim Peltz, der Mann aus München, der sonst Isar und Eisbach unsicher macht, aussteigt, sind wir endlich komplett. Nun kann es so richtig losgehen. Odin (sofern er denn auch hier im Süden arbeitet) ist uns wohl gesonnen und so können wir unserem Linsenluder-Image endlich gerecht werden. Schließlich ist das Leben nicht nur eitel Sonnenschein, sondern auch Arbeit. Und für uns heißt das, für Bear Surfboards unser hübschestes Lächeln ablichten lassen.
Wir sind an der Westküste und die Dezembersonne scheint uns nicht nur aus dem Arsch, sondern auch auf ihn herab und lässt unsere Gesichter glühen. Unser Fotograf hat alle Hände voll zu tun. Allerdings nicht nur mit uns, denn wer die Gelegenheit bekommt, so spät im Jahr noch im für unsere Verhältnisse „warmen“ Wasser Portugals planschen zu dürfen, tut das natürlich von früh bis spät, sondern auch durch seine Nebentätigkeiten als Sekretärin. So kommen wir erst aus dem Wasser, als sich der Feuerball längst hinter den Felsen der Bucht verabschiedet und unsere Gastgeberin einen Riesentopf Nudeln auf dem Feuer hat. Das nenn ich Service! Der Vino schmeckt uns heute besonders gut und so wird die eine oder andere Flasche geleert und auch gern mit neuen Freunden geteilt, bis sie weder stehen noch laufen können.
Die Nacht entwickelt sich zu einer echten Herausforderung, denn mit fünf Mann plus Surfgepäck kommt sogar unser gewaltiges, rollendes Zuhause langsam an seine Grenzen. Aber wie sagt man doch so schön: Wahre Liebe gibt es nur unter Männern. So kuscheln wir uns noch etwas dichter zusammen und hoffen, morgens wieder von dem Geräusch der Wellen geweckt zu werden und nicht von dem Klatschen zweier Körper …
Zum Glück gibt es Wecker! Hätten wir uns auf die Wellenvorhersagen verlassen, würden wir vermutlich jetzt noch schlafen. Erneut Motorsport und siehe da, dank unseren 4-WD finden wir doch noch ‚ne Rutsche für diesen, unseren letzten Tag. Es scheint, als würde der Swell genau wie wir Portugal langsam den Rücken zukehren, um über Weihnachten andere Gefilde aufzusuchen. Am Abend begießen wir die Tour und unsere neuen Bekanntschaften mit Port und dem ein oder anderen Bier. Wir freuen uns schon jetzt auf unseren nächsten Aufenthalt an der Algarve oder auf ein erneutes Treffen mit dem Surftruck und seinen „Lenkern“, ob in Portugal oder im Norden des afrikanischen Kontinents.
Solltest du jetzt auch Lust bekommen haben, Alice und Olli in ihrem Surftruck zu besuchen, so gibt es unter www.surftruck.de nähere Infos zu Preisen und Touren. Bucht euch ein, es ist ein Surftrip der besonderen Art!
Posted: Januar 15th, 2006 under SURF, REISE, BERICHTE.
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