Archive for November, 2005
Haie – die wohl verkanntesten Tiere dieses Planeten
Seit fast 500 Millionen Jahren bevölkern Haie die Weltmeere. Über 570 Arten hat man bis heute beschrieben, vom zehn Zentimeter kleinen Zwerghai bis zum Plankton fressenden Giganten, dem Walhai, der bis zu 14 Meter groß werden kann. Die meisten Haie leben im Meer, aber auch Süßwasserhaie sind bekannt. Bestimmte Haiarten können sogar zwischen Süß- und Salzwasser wechseln. In ihrer jeweiligen ökologischen Nische zählen sie zu den Topräubern und sorgen so für die Gesundheit und die Balance in dem sie umgebenden, komplexen Ökosystem.
Haie verfügen über geradezu unglaubliche Sinne. Neben einem extrem guten Gehör, das auch Bewegungen unter Wasser als so genannte Schwingungsmelodien hören kann, sehen die meisten Haiarten extrem gut und verfügen über ein exzellentes Riechvermögen, das es ihnen erlaubt, Gerüche bis zu einer Verdünnung von 1:10 Milliarden zu erfassen. Das entspricht einem Tropfen in einem Schwimmbecken von 20×50 Metern und zwei Meter Tiefe. Dazu kommen weitere Sinnesorgane, die zum Beispiel Druckwellen messen können oder elektrische Felder bis zu einer Spannung von fünf milliardstel Volt.
Auch wenn die verschiedenen Sinne bei den einzelnen Arten unterschiedlich ausgeprägt sind, in einem sind alle Haie gleich: Sie sind optimal an ihre jeweilige Umwelt angepasst. Dazu trägt eine ungewöhnliche Anatomie bei. Auch wenn Haie oft als Fische bezeichnet werden, so sind wir Menschen doch mehr mit einem Salamander verwandt, als ein Hai mit einem „normalen“ Knochenfisch. Haie gehören ebenso wie Rochen und Chimären zu den Knorpeltieren. Wesentliche Unterschiede bestehen in dem leichteren Skelett aus Knorpel und einer ausgeprägten Leber, die die Schwimmblase der Fische ersetzt.
Ebenso ungewöhnlich wie seine Anatomie ist auch die Biologie des Haies. Obwohl die meisten Haiarten lebend gebären, gibt es viele Arten, die Eier legen. Unter den Lebendgebärenden gibt es wiederum einige Arten, die ihre Eier im Bauch ausbrüten und die Junghaie lebend gebären. Haie sind deshalb mit einem Begriff und einer Beschreibung nicht zu umfassen. Zu unterschiedlich sind die Arten, ihre Anatomie und ihre Biologie.
Nur wenige Arten können dem Menschen potenziell gefährlich werden und selbst bei diesen gehört der Mensch nicht ins Beuteraster. Das zeigen die geringen Zahlen der Haiattacken sehr deutlich. Zwischen 60 bis 100 dieser Unfälle zwischen Mensch und Hai ereignen sich jährlich und nur fünf bis zehn enden für den Menschen tödlich. Doch ungeachtet der statistisch fast nicht erfassbaren Unfälle ist die Angst vor dem „Killer Hai“ eine der ausgeprägtesten Phobien der von Medien beeinflussten Menschheit.
Die Medien sind es, die aus einem Haiunfall eine weltumspannende Horrorgeschichte machen, die wochenlang alle Zeitungen füllt. Nehmen wir zum Beispiel einen Motorradunfall, bei dem der Fahrer später im Krankenhaus einen Arm verliert. Dieses Ereignis wäre maximal eine kleine Meldung im lokalen Teil einer Zeitung, aber keine Grundlage für eine internationale Medienkampagne. Ist jedoch anstelle des Motorrads ein Hai in den Vorfall verwickelt, stürzen sich alle Medien auf die Meldung, ungeachtet der im Verhältnis zu Motorradunfällen statistisch sehr geringen Zahl von Haiunfällen weltweit. Diese einseitige Berichterstattung hat ihre Ursache in der menschlichen Sensationslust, die nicht erst seit dem Stephen-Spielberg-Klassiker „Der weiße Hai“ besteht.
All diese Fakten machen den Hai zu einem der wohl verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und verhindern gleichzeitig den Schutz dieser Tiere. Wer schützt schon etwas, vor dem er sich fürchtet? Und dass wir Haie schützen müssen, steht außer Frage. Ihre extrem wichtige Rolle im Ökosystem Meer beginnen wir erst jetzt allmählich zu verstehen. Fast zu spät, denn weltweit beginnt das Meer als größtes Ökosystem der Erde mit einer enormen Komplexität bereits zu bröckeln. Einen wesentlichen Anteil daran hat die aktuelle Ausrottung der Haie. Über 200 Millionen Haie sterben jährlich durch Menschenhand. 100 der 570 bekannten Arten gelten bereits als hochgradig bedroht, der berüchtigte Weiße Hai inzwischen sogar als biologisch ausgestorben. Eine Untersuchung der Universität von Halifax zeigt Rückgänge bestimmter Haiarten im Nordatlantik von 90 Prozent in den letzten sechs Jahren.
Die Ausrottung der Haie ist in vollem Gange, aber sie geschieht im Verborgenen, unbemerkt von der Öffentlichkeit. Ein Umsatz versprechender Grund für die unbarmherzige Verfolgung der Tiere ist das Finning. Damit bezeichnet man das Abschneiden der Flossen meist bei lebendigem Leib, denn es geht ausschließlich um die Flossen. Inzwischen weltweit zu einem Milliardenmarkt geworden, bei dem die Gewinnspannen höher als im Rauschgifthandel liegen. Alles für eine stundenlang weichgegarte Knorpelmasse in einer Brühe. Kulinarisch fragwürdig, ökologisch eine Katastrophe, denn nach einer Studie werden in den nächsten vier Jahren etwa 250 Millionen Chinesen die Einkommensschwelle überschreiten, die es ihnen erlaubt, mehrmals im Monat Haiflossensuppe zu essen. Spätestens dann beginnt der Ausverkauf der Meere.
Aber es nicht nur ein chinesisches Problem. Weltweit boomt der Flossenhandel. Spanien zum Beispiel ist der zweitgrößte Exporteur von Haiflossen und unter der spanischen Flagge ist eine der weltweit größten Haifangflotten unterwegs. Auch Deutschland ist recht aktiv und gehört zu den führenden Exporteuren von Heringshai-Flossen. Der Flossenhandel bietet Gewinnspannen, die höher als bei Rauschgift liegen, und wird von einer internationalen Mafia regiert. Aktuell sind große Flossen bereits selten geworden. Da überwiegend nur noch Babyhaie gefangen werden – ein Symptom für die Überfischung der Arten – werden die getrockneten Babyhaie heute als neuer, perverser „Modetrend“ gehandelt.
Auch in Europa und vor allem in Deutschland werden Haie perfekt vermarktet. Die Bauchlappen des selten gewordenen Dornhais werden unter „Schillerlocke“ angeboten, das Fleisch unter „Seeaal“. Haiknorpel wird zu fragwürdigen Medikamenten verarbeitet und die Haut zu Uhrenarmbändern. Auch Flossen gibt es in jedem „besseren“ asiatischen Lokal. Der Hai ist ein regelrechter Supermarkt, aus dem sich jeder ungestraft bedienen kann.
Das Ende einer fast 500 Millionen alten Entwicklung scheint ebenso absehbar wie die dramatischen Folgen für das Ökosystem Meer. So formulierte der bekannte südafrikanische Haischützer Andrew Cobb: „Wenn die Haie sterben, stirbt das Meer. Wenn das Meer stirbt, werden wir folgen!“
Weiterführende Informationen unter www.Stop-sales.com und www.sharkproject.com
Posted: November 15th, 2005 under BERICHTE.
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Haie - Interview Gerhard Wegner
FM: Wie sind Sie dazu gekommen, sich für Tiere zu interessieren und zu engagieren, die in der breiten Öffentlichkeit als gefährlich gelten?
GW: Genau dieser Aspekt ist der Grund. Der Hai ist eines der verkanntesten Tiere auf diesem Planeten und man hat ihn in eine Killerrolle gesteckt, die er nicht verdient hat. Die Statistik über Haiunfälle gibt Auskunft darüber, dass bereits das Anstoßen bzw. das einfache Auftauchen als ein so genannter „Haiunfall“ eingestuft wird. Pro Jahr gibt es zwischen 60 und 100 Haiunfälle, von denen 20 mit einer tatsächlichen Verletzung, die über eine Schürfwunde hinausgeht, enden, sechs bis zehn gehen tödlich aus. Das ist die Gefahr Hai, mehr nicht! Bei den rund 20 Milliarden Schwimmern, Surfern, Tauchern, die jedes Jahr in Gebieten Wassersport betreiben, wo es Haie gibt, ist das extrem wenig. Das liegt daran, dass es keine Attacken sind von einem hungrigen Tier, sondern es handelt sich um Unfälle aus dem Nichtverstehen des Meeres durch den Menschen. Wenn man zum Beispiel in trübem Wasser schwimmt und platscht und zusätzlich Fischer in der Nähe hat, muss man damit rechnen, dass das verwirrte Tier neugierig wird und einen anstößt. Das gilt gleich als Haiattacke. In ganz wenigen Fällen kommt es unter Umständen zu einem „Testbiss“. Bei diesem so genannten Gaumenbiss drückt das Tier seine Geschmacksknospen, die im Gaumen lokalisiert sind, an das Objekt, ohne zu beißen. Wenn man den Arm oder das Bein ruhig hielt, würde der Hai auch wieder loslassen. Auf diese Weise ist auch zu erklären, warum die meisten Wunden, die von solchen Unfällen herrühren, so genannte Sekundär-Wunden sind. Das heißt, dass das Zurückreißen des Armes oder des Beines, nicht aber der Biss des Haies, die wirkliche Wunde hervorruft.
Haie sind unglaublich schöne und faszinierende Tiere. Jeder Taucher, der einmal eine Begegnung mit einem Hai erleben durfte, wird dem zustimmen. Die Öffentlichkeit sieht die Tiere jedoch nur als Killer und leider sind wir Menschen so gepolt, dass wir das, was wir fürchten, vernichten wollen. Heutzutage werden über 200.000.000 Tiere pro Jahr für diverse Zwecke getötet und kein Mensch kümmert sich darum – mit schrecklichen Folgen für uns alle. Haie sind seit 400 Millionen Jahren die Topräuber im Meer. Wenn wir diese Tiere ausrotten, wird auch das Meer sterben. So geschehen in Neuseeland, wo manche Gebiete zunächst komplett haifrei waren, mittlerweile auch austernfrei sind, weil sich deren Fressfeinde, die Kraken, ungebremst vermehrt haben, die wiederum eigentlich Haifutter sind. Wir verändern also das Meer in einer Art und Weise, die wir nicht überblicken. Das Meer ist das größte Ökosystem dieser Erde und wenn es stirbt, sterben wir mit. Daher ist SHARKPROJECT zwar eine Haischutzorganisation, aber in einem gewissen Sinn auch eine Menschenschutzorganisation. Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Tier Hai zu entkriminalisieren und es zu schützen, denn niemand schützt etwas, vor dem er sich fürchtet. Aus diesem Grund gehen wir mit den Tieren ins Wasser, schwimmen mit ihnen und zeigen, dass es sich bei ihnen um ganz normale Tiere handelt.
FM: Haben Sie eigene Erfahrungen mit den Tieren gemacht oder warum haben Sie persönlich damit angefangen?
GW: Vor über 20 Jahren machte ich mit einer Unterwasserkamera beim Tauchen Aufnahmen von Haien. Die Bilder unterlegte ich mit dramatischer Musik und präsentierte sie im Tauchklub. Ein bisschen, um zu zeigen, was für ein Held ich doch war. Nach und nach lernte ich jedoch viele Menschen kennen, die mir Haie von einer anderen Seite zeigten. Mittlerweile habe ich auf der ganzen Welt getaucht und in den letzten zehn Jahren die Haie wirklich kennen gelernt. Es sind sicherlich keine Schoßtiere, sondern Raubtiere. Ich möchte aber nochmals betonen, dass sie für den Menschen keine Gefahr darstellen. Es gibt keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen, die wir verstehen müssen, um Unfälle zu vermeiden.
FM: Hatten Sie schon einmal ein schlechtes Erlebnis mit Haien?
GW: Ja. Vor Durban in Südafrika gibt es eine Stelle, an der man mit Tigerhaien tauchen kann. Das ist an sich schon eine gefährliche Sache, aber die Leute vor Ort gehen damit zusätzlich sehr leichtfertig um. Die südafrikanische Botschaft von SHARKPROJECT kämpft schon seit vielen Monaten um eine Reglementierung. Als ich deswegen vor einigen Monaten vor Ort war, um unsere Bedenken zu dokumentieren, hatte ich ein absolutes Albtraumerlebnis. Ich fuhr mit einem Boot raus und war als einziger Taucher an Bord. Man hatte noch nicht einmal mein Brevet kontrolliert, um zu sehen, ob ich tauchen kann. Irgendwann schmiss man mich genau dort raus, wo die Tigerhaie im Wasser kreisten. Das Wasser war trübe und ich trieb nach kurzer Zeit ziemlich dicht an der Fresstonne vorbei, die zum Anlocken der Fische dienen sollte. Schon nach kurzer Zeit rempelte mich der erste Hai an. Der zweite biss in meine Kamera. Ich habe einen Riesenschreck bekommen, aber den Haien darf man keinen Vorwurf machen. Ich roch nach Futter, ich hörte mich an wie Futter – er wollte nur wissen, was ich denn nun wirklich bin. Trotzdem möchte ich nicht wissen, wie ein ungeübter Taucher in einer solchen Situation reagiert hätte. Im Zuge unserer Absicht war es ein sehr gutes Erlebnis, dennoch möchte ich es nicht nochmal erleben.
FM: Sind Tigerhaie für den Menschen gefährlicher als Weiße Haie?
GW: Tigerhaie sind Allesfresser und schon allein wegen der Größe für den Menschen potenziell gefährlich. Es werden häufig sehr spektakuläre Unfälle mit Tigerhaien gemeldet, bei denen sie zum Beispiel in ein Surfbrett gebissen haben. Man muss sich solche Situation folgendermaßen vorstellen: Die Surfer befinden sich dort, wo Wellen brechen. Für die Haie ist das primär bewegtes Wasser, wo sie schlechter sehen und hören können, d.h. einige ihrer wichtigsten Sinne kommen nicht zum Einsatz. Wenn ein Surfbrett vorbei kommt und eine so genannte Schwingungsmelodie im Wasser erzeugt, kann diese bei den Tieren in Verbindung mit Beutefischen in der Nähe Futterassoziationen erzeugen. Wir haben vor einem Jahr vor Südafrika einige Tests gemacht. Dort haben wir einen Roboter, der aussah und sich bewegte wie ein Surfer, über Weiße Haie aufs Wasser gelegt und nebenan haben wir einen orangefarbenen Koffer gelegt, der Geräusche abgegeben hat. Es war daraufhin interessant zu sehen, dass nicht der Surfer für den Hai von Interesse war, sondern der Koffer. Die Tiere sind gekommen, um den Surfer gekreist und haben den Koffer gebissen. Das hat damit zu tun, dass Geräusche um die 300 Hertz den Geräuschen von verletzten Fischen entsprechen. Wenn das Tier Futter riecht, sieht und hört, kommt es, um nachzuschauen. Wir vermuten heute, dass ein Großteil dieser Surfunfälle aus den gleichen Gründen passiert: Es ist Futter in Form von Beutefischen in der Nähe, es ist schlechte Sicht und dann kommt das Geräusch eines Surfbretts, das aufs Wasser schlägt, wenn der Surfer darauf sitzt und es einseitig belastet - da sind sofort die Weißen Haie da. Es sind also die Schwingungsmelodien in Verbindung mit Futter, die für die Tiere interessant sind. Ein entspanntes Gefühl ist das aber allemal nicht, wenn man einen Tigerhai unter Wasser antrifft und daher muss so ein Hai-Tourismus, wie ich ihn in Durban erlebt habe, auch anders ablaufen.
FM: Aber wenn Sie sagen, dass Sie den Haitourismus stärker reglementieren möchten, sind Sie grundsätzlich für eine solche Art von Tourismus, sprich im Käfig nach Haien zu tauchen, zu begeistern? Es gibt Stimmen von Wissenschaftlern, dass das Tauchen mit Haien, wie es zum Beispiel in Südafrika angeboten wird, die Haie erst so dicht an die Küste lockt.
GW: Das ist nur eine sehr abenteuerliche Annahme, die bisher nicht bewiesen werden konnte. Es gibt auch Unfälle an ganz anderen Stellen und auf anderen Kontinenten ohne diesen Futter-Faktor. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass Futter in Form von Beutefischen das Interesse der Haie erregt. Ob aber das Chum (eine Brühe von Innereien und Blut), das von Haitourismus-Booten zur Anlockung der Tiere benutzt wird, dazu führt, dass sich Haie in kilometerweiter Entfernung an einer ganz anderen Stelle versammeln, ist eine waghalsige Theorie. Sollte das Tier den Chum in der Strömung riechen, wird es dem Geruch folgen und zum Boot kommen.
FM: Aber die Haie werden ja in direkter Nähe zur Küste geködert. Beruhigend ist diese Situation für mich als Wassersportler nicht.
GW: Die Weißen Haie sind doch sowieso da. Das Ködern ist nicht die Problematik. Wenn Sie sich mal Dyers Island ansehen, einen der bekannten Treffpunkte für Weiße Haie, sind dort draußen ca. 20 Shark-Operators rund 20.000 Touristen im Jahr. Diese Menschen kommen alleinig wegen diesen Haibegegnungen, die für sie das Erlebnis ihres Lebens sind. Unsere Aufgabe muss es sein, diese Touristen zu informieren. So haben wir z.B.ein Hai-Logbuch herausgebracht, in dem die Haitouristen Hintergründe und Fakten lesen können, um sich den Tieren anzunähern und Vorurteile zu bekämpfen. Wir sind keine Tierschutzorganisation, uns geht es nicht um das einzelne Tier, sondern es geht darum, die Art zu erhalten. Für diese Arbeit brauchen wir Botschafter und auch den Ökotourismus mit dem Hai. Wie will man sonst die Vorurteile gegen diesen angeblichen Killer auflösen? In Vorträgen versuchen wir, unser Vorgehen den Menschen zu vermitteln. Trotzdem gibt es Leute, die unsere Arbeit zwar toll finden und trotzdem sagen, dass sie das aus Angst niemals mitmachen würden. Wir müssen das Tier entkriminalisieren, woran viele Haischutzorganisationen bisher gescheitert sind. Wir können nicht sagen „Rettet den Hai“ und alle rennen vor Angst weg. Wir müssen erst die Angst nehmen, bevor wir retten können.
FM: Ich hatte in den Ausführungen von Dr. Ritter gelesen, dass die größte Population von Weißen Haien im Mittelmeer sein soll?
GW: Das vermutet man. Die größten Weißen Haie wurden bisher im Mittelmeer gefangen.
FM: Das finde ich Wahnsinn, denn im Vergleich zu den großen Ozeanen ist das Mittelmeer ein recht kleines Revier.
GW: Das könnte man denken. Wir haben etwa 49 Haiarten im Mittelmeer, darunter auch alle großen Arten wie den Weißen Hai und den Tigerhai. Trotz der zahlreichen Haiarten gibt es so gut wie keine Unfälle in „unserer Badewanne“. Weltweit passiert genauso wenig.
FM: Wodurch erklären Sie sich, dass bei den Menschen und in den Medien das Thema Hai so aufgepusht wird, wo doch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls relativ gering ist?
GW: Das ist doch reine Sensationslust. Es gibt genetisch festgelegte Ängste im Menschen. Wir haben Angst vor spitzen Zähnen, Angst vor dem, was wir nicht überblicken können und was uns fressen könnte. Damit haben wir schon mal 50 Prozent von dem zusammen, was ein Hai repräsentiert. Die restlichen 50 Prozent haben wir durch Filme wie „Der weiße Hai“ oder Sensationsreportagen gelernt. Als zum Beispiel die Surferin Bethany Hamilton auf Hawaii den Arm durch einen Tigerhai-Biss verloren hat bzw. er im Krankenhaus amputiert werden musste, haben sich die Medien weltweit darauf gestürzt und die Haie insgesamt wieder verteufelt. Hätte Bethany beide Arme bei einem Motorradunfall verloren, hätte das bestenfalls die Lokalpresse interessiert. Dieses Beispiel zeigt das kranke Denken der Medien und die Sensationslust der Verbraucher, der Blut und Zähne sehen und sich vor dem Ungeheuer gruseln will. Im Prinzip müssten wir uns genauso vor dem Raubtier Löwe fürchten, aber der hat ein Fell und kleine Babylöwen eine Mimik. Wenn der Mensch vor etwas Angst hat, wird er in einer Sache auch immer nur das Bedrohliche sehen.
Und mit jeder Meldung wird das schlimmer. Man erwartet ja auch quasi, dass solche Meldungen brutal sind. Wir kriegen nur schlechte Sachen erzählt, aber wir kennen das Tier gar nicht richtig. Deswegen haben wir Angst.
FM: Haben Haie als Kommunikationsform auch etwas Ähnliches wie eine Sprache?
GW: Mit höchster Sicherheit, obwohl wir noch nicht genau wissen, wie sie kommunizieren. Haie haben keine akustische Sprache, aber sie sprechen durch ihren Körper. Weiße Haie treten oftmals in Gruppen auf, da müssen sie aller Wahrscheinlichkeit nach miteinander kommunizieren. Es gibt natürlich viele Theorien. Viele Forscher gehen zurzeit von so genannten morphischen Feldern aus. Sie kennen dieses Phänomen in Vogelschwärmen, innerhalb derer auf einen einzigen Flügelschlag reagiert wird. Wenn ein Vogel falsch flöge, würde der gesamte Schwarm abstürzen. Ähnliches gibt es bei Fischschwärmen zu beobachten. Früher hat man gedacht, dass es die Druckwellen sind, die die anderen lenken. Heute weiß man, dass die Reaktion schneller ist als eine Druckwelle, was die Erklärung der morphischen Felder wahrscheinlich macht. Man kann sich das Prinzip wie eine Art überbegriffliche Gedankenübertragung vorstellen. Bei Vögeln ist es bewiesen. Bei Haien steht die Forschung ganz am Anfang.
Im nächsten Jahr werden wir mit einem eigenen Sharkproject-U-Boot verschiedene Experimente machen, die hoffentlich mehr Klarheit in die Kommunikation von Haien bringen.
FM: Das wird unsere Leser interessieren, denn Südafrika ist ein sehr populäres Revier.
GW: Absolut. Wie in Florida passieren deshalb hier auch jedes Jahr ein bis zwei Surfer-Unfälle mit Haien. Das sind nicht viele, aber gerade bei Surfern oftmals sehr dramatisch, wenn zum Beispiel die Haie in die Bretter beißen. Letztes Jahr haben wir einen dieser Unfälle untersucht. J.P. (der Name ist geändert) wurde vor Kapstadt gebissen und verlor ein Bein. Die Analyse des Unfalls durch das GSAF (Global Shark Attack File) ergab, dass die Ursache in einem Fluss lag, der an der Unfallstelle ins Meer floss. Dieser Fluss trieb Süßwasserplankton ins Meer, das vielen Fischarten als Nahrung dient. Wieder war es die Kombination aus trübem Wasser und Futter, die die Haie anlockte. Durch diesen Bereich des Meeres paddelte ein Surfer und erzeugte die bereits erwähnten, charakteristischen Schwingungsmelodien von Beutefischen. Kommt in solch einer Situation ein zweiter Hai dazu, entsteht Futterkonkurrenz und es kann passieren, dass der Hai zubeißt. In unserer Kauf-DVD „Angstzination Hai“ haben wir diesen Unfall und auch die Surfexperimente mit unserem Roboter beschrieben, die jedoch weitergeführt werden. Nach allem, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, gibt es Gebiete, die man meiden sollte, zum Beispiel vorstehende Klippen, Sandbänke, Flüsse, die ins Meer fließen. Dort ist das Risiko eines Hainunfalls einfach größer als anderswo. Das heißt nicht, dass man gebissen wird, wenn man da reingeht. Ein zusätzlicher Risikofaktor kann Futter im Wasser sein oder Fischer, die ihren Fang auf offener See ausnehmen und die nicht verwertbaren Reste zurück ins Meer schmeißen.
FM: Die Wahrscheinlichkeit, dass einem Wassersportler etwas passiert, ist relativ gering, das habe ich ja nun gelernt. Aber haben sie trotzdem einen Tipp für uns Surfer, den wir beherzigen können, wenn man im Wasser auf einen Hai trifft?
GW: Am besten ins Wasser gehen und senkrecht neben dem Brett bleiben. Mit einer horizontalen Stellung kommen die Haie klar, mit einer vertikalen Stellung können sie nichts anfangen.
FM: Ich soll mich wie eine Boje ins Wasser stellen?
GW: Genau wie eine Boje, am Brett festhalten, Beine nicht bewegen und warten, dass das Tier abdreht.
FM: Oh Gott, da hätte ich aber ganz schöne Hemmungen, mich auch noch ins Wasser zu begeben.
GW: Das ist besser, als auf dem Brett zu bleiben und zu hoffen, dass nichts passiert. Oftmals ist es so, dass die Leute auf dem Brett sitzen, die Beine baumeln im Wasser und dann sehen sie einen Hai kommen. Bevor ich jetzt versuche, schnell aufs Brett zu kommen, sollte man besser ins Wasser gehen - das Tier wird garantiert abdrehen. Ein Hai würde auf jeden Fall nicht, ohne „nachzudenken“, in irgendetwas reinbeißen. Ein Hai wird sich zu 99 Prozent von einem unbekannten Objekt abwenden, nur wenn andere Faktoren wie Futter hinzukommen, kann es zu Begegnungen oder Berührungen kommen. Es ist also nicht so, wie man es in Filmen sieht, wo der Weiße Hai an der Küste auf und ab schwimmt und wahllos in alles reinbeißt, was ihm vor die Nase kommt. Wir arbeiten mit einer befreundeten Organisation, „Save our Seas“, zusammen, die eine wundervolle Plakatkampagne hat. Dort sieht man einen Toaster im Meer treiben und Leute, die schreiend vom Strand rennen. Der Slogan lautet: „Jährlich sterben 118 Menschen durch elektrische Toaster und nur zehn durch Haie.“
FM: Wie finanziert sich ihre Organisation?
GW: Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Alle Beiträge von Projektpaten gehen in unsere Projekte und wir haben keine Fixkosten. Die Miete tragen wir selbst.
FM: Wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten für die Organisation?
GW: Wir haben zurzeit etwa 1500 Projektpaten und es sind etwa 30 Leute, die im aktiven Team mitarbeiten. Der feste Kern besteht aus etwa zwölf Mitarbeitern.
FM: Ihr Ziel ist der Artenschutz der Haie.
GW: Wir wollen verhindern, dass die Haie weiter ausgerottet werden. Laut einer Studie der Universität von Halifax haben wir im Nordatlantik einen Rückgang von Hammerhaien von 89 Prozent, bei anderen Haiarten sind es ungefähr 70 Prozent und das in den letzten sechs Jahren!
FM: Kommunizieren Sie bezüglich dieses Themas auch mit dem Umweltministerium?
GW: Wir haben vor einigen Wochen eine Information über eine neue Studie an das Verbraucherministerium geschickt. Dort ging es um ein neues Verfahren, das Schwermetalle feststellen kann. Damit haben wir eine beachtliche Menge Methylquecksilber, eines der stärksten biologischen Gifte, im Hai nachgewiesen. Diese Auswertung haben wir nach Berlin geschickt und bisher noch keine Antwort dazu bekommen.
FM: Was hat das Gift für eine Auswirkung?
GW: Methylquecksilber ist ein Nervengift und durchdringt im Gegensatz zu den meisten anderen Giftstoffen auch die Hirnbarriere, was als Folge einer Störung der Synapsenverbindungen zu Koordinationsstörungen, Erinnerungsverlust und Lähmungen führt.
FM: Und bisher sind Sie auf kein Interesse gestoßen?
GW: Wir mussten feststellen, dass Haie keinen interessieren, in Deutschland und auch weltweit nicht. Das schlimmste Erlebnis hatte ich letztes Jahr. Es gibt jedes Jahr zwei SHARKPROJECT-Auszeichnungen, den „Shark Guardian of the Year“ und den „Shark Enemy of the Year“. Letzteren haben im letzten Jahr die Malediven „gewonnen“. Bei einer Nachbesprechung saß ich mit dem Umweltminister der Malediven zusammen, um über die Ursachen zu reden und die Diskussion wurde sehr laut. Irgendwann brachen wir die Unterhaltung ab. Zum Abschluss meinte er, wenn es keine Haie mehr gibt, gibt es immer noch Wellness-Tourismus auf den Malediven. Ein ziemlich zynischer Abschluss, als er hinzufügte, er habe am Vorabend in Berlin Haifischsuppe gegessen und wir sollten erst einmal vor unserer eigenen Tür kehren, womit er leider Recht hatte. Aber wir sind auch im eigenen Land engagiert, zum Beispiel mit unserer Kampagne „Stop Sales“ und das mit Erfolg. Sowohl Lidl, Nordsee als auch Edeka haben auf Grund der Methylquecksilber-Ergebnisse ihre Produkte bereits zurückgezogen. Manche zeigen Unverständnis wie beispielsweise die Karstadt-Gruppe.
Zurzeit gibt es weltweit nur drei Haiarten, die auf CITIES-Liste sind – und das noch im Anhang 2, was nur bedeutet, dass sie im eigenen Land gefangen, jedoch nicht exportiert werden dürfen. Bei der aktuellen Situation haben Haie keine Chance mehr. Die Politik kommt hier wieder mal viel zu spät und das mit unabsehbaren Folgen für das Meer.
Wir gehen dahin, die Verbraucher aufzuklären. Bei der Lidl-Aktion haben wir es geschafft, dass 40.000 Leute bei Lidl angerufen haben und sie daraufhin Hai-Produkte zurückgenommen haben. Es gibt also eine wachsende Lobby für Haie. Auch wenn man sich jüngste Dokumentarfilme anschaut, verändert sich etwas. So ein Film besteht nicht nur aus Zähnen und Leuten, die zerfleischt aus dem Wasser zurückkommen, sondern man sieht intelligente Tiere mit einem normalen, artgerechten Verhalten.
Mein Ziel ist es, dass man mir in zehn Jahren ein müdes Grinsen entgegenbringt, wenn ich erzähle, dass ich mit Weißen Haien tauchen war.
FM: Sie waren ohne Käfig mit denen im Wasser?
GW: Mit allen Sicherheitsvorkehrungen und der Erfahrung aus vielen Tauchgängen ist das zusammen mit meinem Freund Erich Ritter und dem Haiexperten André Hartmann zwar immer wieder ein Abenteuer, aber auch ein unvergleichbares Erlebnis. Nicht zu vergessen ist, dass es keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen gibt und wenn wir eine solche nur vermuten, gehen wir natürlich nicht ins Wasser. Ich würde nicht bei zwei Meter Sicht mit einem Weißen Hai ins Wasser gehen.
FM: Sie haben mir ein Bild geschickt, auf dem ein Hai eine sehr stark verletzte Schnauze hat. Wie ist das passiert?
GW: Diese Wunden werden von Robben verursacht. Man denkt immer, dass Weiße Haie Robben fressen, aber in Wirklichkeit fressen Haie genau dasselbe wie Robben, nämlich Fische. Ab und zu frisst der Hai eine Robbe, wenn sie krank ist, aber eigentlich sind Robben viel zu schnell und agil. Die weiblichen Robben paaren sich gleich nach der Geburt der Jungen erneut. Der Same verbleibt vier Monate im Körper des Weibchens, bevor erneut Eier befruchtet werden. Nach weiteren acht Monaten kommt die nächste Generation junger Robben auf die Welt. Zum Zeitpunkt der Paarung kommen demnach Weibchen, junge Robben und die ansonsten wandernden Bullen an einem Fleck zusammen. Da sind leicht mal 50.000 Tiere auf der Robbeninsel Gyser Rock versammelt. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Hai kommt, um sich ein Junges zu holen, wird er von einem Schwarm von Robbenbullen attackiert, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Die Folgen eines solchen Angriffs haben Sie auf dem Foto gesehen. Haie haben es also teilweise auch richtig schwer.
Wir haben schon Sachen erlebt, das glaubt man kaum. Einmal haben wir einen Hai gefilmt, während auf der Wasseroberfläche ein Pinguin schwamm. Da haben wir mit den Kameras natürlich drauf gehalten, weil wir dachten, dass wir jetzt sehen werden, wie so ein Pinguin gepflückt wird. Aber der Hai schwamm einfach am Pinguin vorbei. Stattdessen schoss der Pinguin auf den Hai zu und pickte ihn in den Kopf, worauf der, wie von der Tarantel gestochen, wegschwamm.
www.sharkproject.com
Posted: November 15th, 2005 under BERICHTE.
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Haie - Vorsichtsmaßnahmen
Vorsichtsmaßnahmen für Wassersportler
Folgende Regionen sollte man als Wassersportler meiden:
1. Trübes Wasser, Klippen, Kelpwälder, Abwasserkanäle, Flussmündungen.
2. Fischschwärme oder springende Delphine.
3. Fischerboote, die Fische ausnehmen und die Innereien ins Wasser schmeißen.
4. Von Gegenden, in denen Robben oder Seelöwen vorkommen, sollte man mehrere Kilometer Abstand halten, da die Strömungen auch die Geruchsstoffe der Tiere transportieren können.
Maßnahmen bei der Anwesenheit von Haien:
1. Das Brett verlassen und im Wasser eine vertikale Position wie eine Boje einnehmen.
2. Den Hai mit den Augen verfolgen.
3. Nicht versuchen, in Richtung Ufer zu paddeln.
4. Jegliche Bewegung der Hände und Füße unterlassen und einfach nur am Brett festhalten.
5. Den Hai nicht schlagen oder treten, wenn er in Reichweite kommt, sondern sanft wegdrücken.
Posted: November 15th, 2005 under BERICHTE.
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Haie - Vorurteile
Dr. Erich Ritter
Wissenschaftlicher Leiter Sharkproject e. V.
Chief Scientiest GSAF (Global Shark Attack File), Princeton/USA
„Wer Angst vor einem Tier hat, wird in dessen Verhalten immer das Bedrohliche erkennen!”, so formulierte es Bertrand Russell, ein englischer Nobelpreisträger. Kein Wunder also, dass sich rings um den Angstfaktor Hai eine Fülle von abenteuerlichen „Wahrheiten“ und Vorurteilen gebildet hat. Erst jüngste Forschungen zeigen ein neues Bild des Hais, weitab von seinem falschen Killerimage.
Vorurteil Nr.1
Haie sind gefährliche Menschenfresser.
Die Fakten: Weltweit gibt es jährlich nur zwischen 60 und 100 so genannte Haiunfälle. Die wenigsten enden blutig, nur fünf bis zehn tödlich. Eine Zahl, die bei der geschätzten Menge von 20 Milliarden Wassersportvorgängen jährlich eine Wahrscheinlichkeit von 1:200 Millionen in sich birgt. Im Vergleich: Ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl liegt dagegen schon bei 1:30 Millionen, die Gefahr von einem Blitz erschlagen zu werden bei nur 1:1,2 Millionen.
Vorurteil Nr. 2
Haie riechen Menschenblut meilenweit.
Die Fakten: Haie können kein Menschenblut riechen bzw. erkennen. Wir waren nicht Teil ihrer Evolution und gehörten nie in ihr Nahrungsspektrum. Experimente mit Blutkonserven ergaben, dass Haie auf menschliches Blut nicht reagieren.
Vorurteil Nr. 3
Haie sind dumm.
Die Fakten: Das Verhältnis des Hirngewichts von Haien zu ihrem Körpergewicht entspricht dem von Kleinsäugern wie zum Beispiel einer Ratte. Wie die als intelligent geltenden Ratten haben Haie auch ein Kurz- und Langzeitgedächtnis und können lernen.
Vorurteil Nr. 4
Haie jagen nur nachts.
Die Fakten: Haie fressen und jagen, wann immer sich Gelegenheit bietet.
Vorurteil Nr. 5
Im Mittelmeer gibt es keine Haie.
Die Fakten: Haie gibt es in allen Weltmeeren. Im Mittelmeer gibt es Weiße Haie, Tigerhaie und Hammerhaie. Es wird vermutet, dass sich im Mittelmeer die weltweit größten Bestände des Weißen Hais halten.
Vorurteil Nr. 6
Haie sind Fische.
Die Fakten: Obwohl Haie oft als „Haifische“ bezeichnet werden oder der Walhai als größter Fisch genannt wird, sind sie nicht mit den eigentlichen Fischen verwandt. Haie gehören in die Klasse der Knorpelfische.
Vorurteil Nr. 7
Glitzernde Gegenstände wie Ketten reizen Haie zum Angriff.
Die Fakten: Obwohl funkelnde Gegenstände zum Beispiel auf Barrakudas eine anziehende Wirkung haben sollen, konnte eine Anziehung von Haien nicht nachgewiesen werden.
Vorurteil Nr. 8
Haie sind aggressiv.
Die Fakten: Haie sind in den meisten Fällen sehr vorsichtig und zurückhaltend. Nur außergewöhnliche Umstände bzw. Irritationen ihrer Sinne wie zum Beispiel schlechte Sicht, Geräusche, Futter im Wasser o. Ä. bringen sie dazu, sich näher an einen Menschen heranzuwagen.
Vorurteil Nr. 9
Haie verwechseln Surfer mit Seehunden.
Die Fakten: Es erscheint unglaubwürdig, dass Haie mit ihren überlegenen Sinnen ein Tier, mit dem sie seit Millionen von Jahren ihr Element teilen, mit einem sich anders bewegenden und aussehenden Surfer verwechseln. Ein seltenes Zubeißen bedeutet entsprechend ein Ausprobieren und nicht eine Verwechslung.
Vorurteil Nr. 10
Haie müssen immer schwimmen.
Die Fakten: Neben den pelagisch lebenden Arten, die freischwimmend die Weltmeere durchstreifen, gibt es auch Boden lebende Haie, wie zum Beispiel die Ammenhaie oder die Weißspitzen-Riffhaie, die über eine aktive Kiemenatmung verfügen. Auch der Weiße Haie verfügt über ein Saugloch, das es ihm zu ermöglichen scheint, nicht permanent schwimmen zu müssen. Hier fehlen jedoch noch eindeutige Beweise, die einen Weißen Hai auf dem Boden zeigen.
Posted: November 15th, 2005 under BERICHTE.
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Interview mit Jaime Herraiz
FM: Du hast mit dem Windsurfen aufgehört und dich vollständig auf die Seite der Kiter geschlagen. Das ist für einen Windsurfer wie mich schwer nachzuvollziehen!
JH: Das kann ich dir erklären. Ich habe in Tarifa gelebt und konnte jeden Tag bei optimalen Bedingungen surfen gehen. Die letzten drei Jahre in meiner Windsurfkarriere bin ich viel auf Maui gewesen und trotzdem konnte ich retrospektiv am Ende des Jahres nur sagen: „Ich hatte in diesem Jahr fünf oder sieben super Windsurftage.“ Beim Kitesurfen habe ich fast jeden Tag einen epischen Tag auf dem Wasser! 15 Knoten und Flachwasser reichen für unglaublich viel Spaß. Das hat mich gefesselt – ich war vom Windsurfen einfach zu frustriert.
FM: Aber hat dir die Freestyle-Entwicklung gar nicht gefallen?
JH: Doch total! Wenn überhaupt war es der Freestyle, der mich beim Windsurfen begeistern konnte, aber trotzdem hat mir die Branche nichts Neues mehr geben können.
FM: Du bist ein ziemlich guter Freund von Björn Dunkerbeck, stimmt’s?
JH: Ja, das stimmt, ich war lange Jahre sein Caddy.
FM: Sein was?
JH: Sein Caddy! Ich bin mit ihm gereist, habe ihm seine Segel aufgeriggt und bin mit seinem Material an die Startlinie gefahren, sodass wir kurz vor dem Start noch wechseln konnten, wenn Björn merkte, dass er doch eine Nummer kleiner oder größer fahren wollte.
FM: Hast du das bezahlt bekommen?
JH: Nein, nicht wirklich. Ich habe jede Menge Material und natürlich meine Auslagen bezahlt bekommen.
FM: Wann war das genau?
JH: Erinnerst du dich noch an das Jahr, als Björn den Open-water-Speedrekord in Tarifa gebrochen hat? Das ist schon ziemlich lange er. Vielleicht 1996 oder so, ich kann mich nicht mehr genau erinnern.
FM: Und das hast du zwei Jahre lang gemacht?
JH: Mehr oder weniger. Das war natürlich nicht mein Full-Time-Job. Er hat immer mal zwischendurch angefragt, ob ich ihn hierhin und dorthin begleiten möchte und so bin ich mitgereist. Im „wirklichen Leben“ habe ich für einen Vertrieb in Tarifa gearbeitet. Aber ich war zu der Zeit dem Windsurfen sehr „committed“ und die Reisen mit Björn, die Art, wie er sein Material aufriggt, wie er seine Boards behandelt – das hat mich sehr viel gelehrt. Außerdem hat es einfach unglaublich viel Spaß gemacht, mit Björn abzuhängen. Aber jetzt habe ich ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Irgendwann haben wir uns mal auf Maui getroffen, als ich dort zum Kiten war. Da haben wir über die guten alten Zeiten gequatscht und uns an seine legendären Geburtstagspartys in Tarifa erinnert. Sein Geburtstag fällt nämlich in den Zeitraum der Tarifa Speed Week. Unglaublich, wie wir uns an diesem Abend abgeschossen haben. Björn ist eine „Drinking-machine“, so was von trinkfest, da komm ich nicht mehr mit. Gesund war unser „Revival“ auf Maui jedenfalls nicht …
FM: Was hältst du eigentlich von Björns Wechsel von Neilpryde zu North Sails?
JH: Das ist ziemlich interessant, wenn du mich fragst. Er hat es eigentlich nicht mehr nötig, arbeiten zu gehen und dennoch ist er immer wieder auf dem Wasser und fährt bei allen Wettkämpfen mit – rein aus Spaß und Ehrgeiz. Dass Björn jetzt ein Comeback mit North Sails hat, ist nicht nur gut für ihn und North Sails, sondern für die gesamte Windsurfbranche, denn mit Björn kommt ein Stückchen „altes, neues Blut“ zurück in den Windsurf-Zirkus. Auch Leute wie ich, die ja mittlerweile zum Kiteboarden übergewechselt sind, bekommen wieder richtig Lust, auf ein Slalomboard zu steigen!
FM: Was ist deine Aufgabe bei North Kiteboarding?
JH: Ich mache ein bisschen von allem. Hauptsächlich bin ich für die Entwicklung der Kites zuständig.
FM: Ist es nicht richtig schwer, jedes Jahr etwas Neues auf den Markt zu bringen?
JH: Absolut, aber irgendwie finden wir immer neue Sachen, die uns ein komplett neues Universum an Weiterentwicklungen öffnet, das ist echt irre und sehr motivierend. So sind in diesem Jahr zum Beispiel die Cam Buttons entstanden. Ein gutes Profil ist kein Mysterium. Mit unserer Neuentwicklung können wir uns in Sachen Profile in ein neues Universum katapultieren, uns stehen vollkommen neue Möglichkeiten
offen.
FM: Aber wie muss ich mir das vorstellen: Sitzt du auf dem Klo und auf einmal fällt dir der Vorzug von Cam Buttons ein oder wie entwickelt sich das?
JH: Nein, wir tauschen uns untereinander aus, so blöd und unsinnig die Ideen von den einzelnen Entwicklern im Team anfangs auch erscheinen mögen. Wir sprechen alles an und lassen uns die kleinste Idee im Team durch den Kopf gehen. Wer weiß, vielleicht führt uns diese Unsinnigkeit ja zu einer großen Idee. Bei dem Cam Buttons war es ähnlich. Seit Jahren haben wir über eine solche Möglichkeit nachgedacht, da wir von Anfang an versuchten, ein größeres Profil bei Kites zu erreichen. Mit unserer Neuentwicklung waren wir einfach zur rechten Zeit auf dem Markt. Unser Chefdesigner Ken Winner ist einfach ein Genie in solchen Sachen. Ein weiterer Vorteil bei uns ist, dass wir mit zwei verschiedenen Fabriken zusammenarbeiten. Eine Fabrik ist in Sri Lanka, die andere in China. Um ehrlich zu sein, bestehen 90 Prozent unserer Arbeit aus „try and error“. Aber mit zwei Fabriken können wir es uns leisten, in einer Woche zehn Prototypen von der einen und in der nächsten zehn Prototypen von der anderen zu bekommen. So können wir permanent testen und neu entwickeln.
FM: Das hört sich teuer an!
JH: Das ist es auch. Die Entwicklung ist die teuerste Abteilung bei uns.
FM: Ist der Markt denn groß genug?
JH: Ja, ansonsten würden sich unsere Produkte nicht so gut verkaufen. Wir verkaufen aber nicht, indem wir einfach nur behaupten, unsere Produkte seien die besten. Alles, was wir anbieten, hat Hand und Fuß, denn es wurde entsprechend getestet. Viele Firmen versuchen, einen Hype um ihre Produkte zu machen, der nur selten hält, was er verspricht. Da gibt es in meinen Augen zurzeit so einige Beispiele. Bestimmte Produkte werden einfach zu früh am Markt gepusht, ohne dass eine tatsächliche Entwicklungsarbeit dahinter steckt, manchmal gibt es noch gar kein Feedback von Fahrern. Aber manche Firmen haben gar keine andere Möglichkeit, denn stell dir mal vor, du hast einen Misserfolg nach dem anderen und musst mit einem Produkthit auf den Markt kommen, weil du sonst erledigt bist. Das einzige Produkt, was du hast, ist etwas komplett anderes. Dann musst du einfach damit rauskommen und einen Riesenhype darum machen, ansonsten wirst du auch weiterhin aus dem Markt gedrängt.
FM: Hast du eigentlich keine Angst davor, dass die Entwicklung irgendwann einmal zu Ende sein wird?
JH: Doch, davor habe ich große Angst, denn an diesem Tag werde ich arbeitslos, aber Kites haben ein sehr großes Potential. Man kann so viel daran verändern und entwickeln. Das ist wie bei der Aerodynamik von Flügeln. Nach hundert Jahren, die der Mensch nun schon fliegen kann, kommen die Designer und Ingenieure immer noch mit so vielen Neuigkeiten und Verbesserungen an. Aber ich habe wirklich Angst, dass die Entwicklung einschläft und man nur noch an kleinen Rädern dreht. Schließlich sind es auch die großen Veränderungen, die meine Arbeit so interessant machen.
FM: Du bist jetzt 31. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
JH: Meine Pläne sind schwer umzusetzen. Vor zwei Jahren wollte ich aus dem Wettkampfzirkus austreten und in das Marketing sowie die Entwicklung von Material einsteigen, aber ich bin irgendwie immer noch in diesem ganzen Präsentations- und Teamrider-Wust involviert. Es ist schwer, dort ganz rauszukommen, obwohl ich mich aufs Aufhören freue. Seit fünf Jahren bin ich nonstop on the road. Ich hatte kein Zuhause und bin ein wenig ausgebrannt. Auf der anderen Seite brauche ich das Feedback von den Endverbrauchern am Strand und den Kontakt zu den Ridern. Ich gehe zu den Contests und sammle die Eindrücke. Dann gehe ich zu den Marketing-Heinis und rede mit ihnen über die gesammelten Erfahrungen und Eindrücke. Für mich ist es wichtig, Kontakte zu pflegen, Eindrücke zu sammeln und sie weiterzugeben. Nur so bin ich in den letzten Jahren erfolgreich geworden. Derzeit kann ich also über keine andere Tätigkeit nachdenken, aber irgendwann wird sich etwas ändern.
FM: Früher war Windsurfen der „In-Sport“. Jeder hatte einen Windsurfer auf dem Dach. Lässt sich dieses Image auf das Kiten übertragen? Viele finden Kiten zu extrem und zu gefährlich, sodass es höchstwahrscheinlich niemals zum „Breitensport“ avancieren wird wie damals das Windsurfen, richtig?
JH: Es ist richtig, dass das Kitesurfen lange Zeit ein gefährliches Image hatte, aber die Anzahl von Kiteschülern wächst ständig, auch wenn wir nie die Zahlen der Windsurfbranche erreichen werden. Dafür gibt es heutzutage einfach zu viele Möglichkeiten im Sport. Solange aber der Spaß im Vordergrund steht, ist es nicht ausschlaggebend, ob 200.000 oder 300.000 Kitesurfer auf dem Wasser sind.
FM: Das stimmt schon, aber am Ende des Tages muss für deine Firma Geld dabei rumkommen.
JH: Richtig, aber wir machen uns auch nichts vor. Wir wissen, dass der Markt ein gewisses positives, aber auch ein negatives Wachstum haben kann. Damit arbeiten wir und machen letztendlich auch unsere Kalkulationen.
FM: Du reist die ganze Zeit und musst jedem dieselben Geschichten erzählen. Nervt dich das nicht?
JH: Ich erzähle nicht die ganze Zeit dieselben Geschichten. Ich lerne viel dazu und von daher erzähle ich auch immer etwas Neues. Außerdem höre ich viel lieber zu, als dass ich die ganze Zeit erzähle, und das ist nicht langweilig, sondern ermutigt mich immer wieder. Ich habe viele Freunde, die im großen Geschäft sind und eine Menge Kohle verdienen. Sie zahlen dafür den Preis, sich mit Leuten zu umgeben, die nur an Geld interessiert sind. Beim Geschäft mit dem Windsurfen oder Kiteboarden ist es noch ein bisschen anders. Wir sind alle einer Sache verschrieben, die mit Spaß verbunden ist. Wir wollen nicht nur Geld verdienen, denn Wassersport ist unser Leben. Ich bin umgeben von Menschen, mit denen mich eine Menge verbindet, deswegen ist das so entspannt.
FM: Wenn du so viel reist, denkst du nicht auch an deine Familie?
JH: Tja, das ist echt schwierig, vor allem für einen Familienmenschen wie mich. Aber immer wenn ich zu Hause bin, denke ich daran, was ich alles Tolles machen könnte, wenn ich unterwegs wäre.
FM: In den letzten zwei Jahren hatte das Wakeboarden einen großen Einfluss auf das Kiten. Findest du das gut?
JH: Absolut. Wir haben viel von anderen Sportarten gelernt, weil Sportler neue Ideen mitgebracht haben, die das Kiten erst so richtig spannend und vielfältig machen.
FM: Was wird der neue Einfluss beim Wave-Riding sein?
JH: Ich glaube, wir sind mittlerweile eigenständig genug, uns auch ohne Einfluss weiterentwickeln zu können. Ich denke, ein wichtiger Punkt wird in Zukunft unsere Erfahrung und unsere Entwicklung in großen Wellen werden. Wahrscheinlich wird es genau andersherum sein, sodass Kitesurfen andere Sportarten beeinflusst und inspiriert, wie zum Beispiel auch das Wakeboarden viel Einfluss durch das Kiteboarden genommen hat. Aber im Grunde ist es egal, was du auf dem Wasser machst, wenn der Spaß im Vordergrund steht und nicht das Profilieren vor irgendwelchen Leuten am Strand. Es gibt für mich nichts Größeres, als mit meinen Freunden einen Tag auf dem Wasser zu verbringen und einfach Spaß zu haben. Meine Philosophie ist: Es gibt so viele Tricks, Jumps und Styles – keep learning! Du musst dir nicht ständig neues Equipment kaufen, um Spaß zu haben. Übe einfach und dein Spaß wird sich maximieren!
Posted: November 15th, 2005 under KITE, BERICHTE.
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Costa Rica
Kapstadt/Long Beach im südafrikanischen Spätherbst – Jason und ich sitzen nach einer guten, aber kalten Session, noch mit den Nachwirkungen einer Ice Headache, am Strand von Kommetje. Selbst am Wellenparadies Südafrika gibt es etwas auszusetzen, das Wasser ist mal wieder arschkalt und die Birne ist kurz vorm Platzen. Da sitzen wir verwöhnten Winterflüchtlinge auf der hölzernen Balustrade und träumen uns trotz perfekter Wellen vor der Nase in wärmere Gefilde.
Tropisch grüne Regenwaldlandschaft, warmes Wasser, surfen in Shorts, komische Tiere und noch perfektere Wellen. Vielleicht machen diese Rastlosigkeit, dieses Verlangen nach einer Steigerung und den Reiz des Unbekannten einen Surftraveller aus. Vielleicht hat uns das eiskalte Salzwasser auch nur die letzten Gehirnzellen weggefressen. Man weiß es nicht! Fest steht, in Deutschland ist es noch zu kalt und wir brauchen für unser Boardlabel Faith21 noch einige Katalogfotos ohne 4-Millimeter-Neo, also wird die Karte mal wieder ausgerollt und der imaginäre Dartpfeil geworfen.
Costa Rica fällt schnell in die engere Auswahl. Die Schweiz Mittelamerikas besticht landschaftlich durch diverse Vegetations- und Klimazonen. Warm soll es sein, sehr gut! Eingeklemmt durch das Karibische Meer im Osten und den Pazifik im Westen kann Costa Rica also folglich mit zwei Küsten aufwarten. Jede davon hat einige Weltklasse-Breaks im Angebot.
Pavones an der Grenze zu Panama hat schon längst Weltruhm erlangt als eine der längsten Lefts des Planeten und bei dem Namen Salsa Brava horchen die Big-Wave-Surfer auf. Und jetzt wird es besonders toll: Der Neo bleibt in Kapstadt! Die Sache ist gebucht! Eine Woche später sitzen wir im Flieger nach San José.
Als wir das Flugzeug verlassen, trifft es uns wie der Schlag – das Klima kann wirklich als tropisch beschrieben werden, die Luftfeuchtigkeit ist einfach der Hit! Wir bahnen uns den Weg durch aufdringliche Mietwagenvermieter, die uns einer nach dem anderen den Jahrhundertdeal anbieten. Nach hartem Verhandeln in einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Gebärdensprache sitzen wir endlich in unserem leicht überladenen, knallblauen Mini-Jeep und juckeln über kleine Serpentinenstraßen dem Meer entgegen. Schnell stellen wir fest, dass der Allradantrieb die richtige Wahl war, denn die Straßen sind meist eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern, die das Zeug haben, einen Kleinwagen zu verschlucken. Nach schwitzigen vier Stunden erreichen wir Jaco am Pazifik, das für die ersten zwei Nächte als unsere Basis dienen soll und wo wir uns mit Ben und Matt, unseren Travel Buddies aus Jersey für die kommenden drei Wochen, treffen. Jaco ist der Pauschaltouri-Himmel mit überfüllten Bars, Backpackers, Surfshops, Restaurants und einer bunten Mischung aus amerikanischen Mädels auf Spring Break, Surfern, kleinen Drogendealern und käuflichen Damen. Für zwei Tage kann man sich das bunte „Treiben“ ansehen, allerdings sind die Surfbedingungen am Dorfstrand eher mäßig und die Wellen brechen schnell close out.
Zum Glück merken wir schnell, dass die Qualität der Wellen mit kurzer Fahrt gen Süden drastisch steigt. Im Playa Hermosa herrscht ein gänzlich anderes Bild. Der dunkle Sandstrand zieht vor allem Surfer und Leute an, die dem Lärm von Jaco entfliehen wollen. Einige kleine Surfhostel liegen zwischen Strand und Straße, Pelikane lassen sich vom Aufwind der perfekt brechenden Beachbreak-Wellen tragen. Die Szenerie ist ruhig und friedlich, aber das Level auf dem Wasser ist erstaunlich! Die local Kiddies geben Vollgas, sind aber trotzdem sehr entspannt und aufgeschlossen. Wir machen Bekanntschaft mit Alex, einem Puerto Viejo Local, der per Anhalter von der Karibikseite zum Playa Hermosa gekommen ist. Er stellt uns seine Kumpels vor und rät uns schnellstmöglich, von Jaco direkt an den Playa Hermosa zu ziehen, was uns angesichts der sauberen Beachbreaks-Barrels nicht schwer fällt. Wir stellen schnell fest, dass ein Ventilator das Nonplusultra in Costa Rica ist, denn ohne bekommt man nachts nur schwer ein Auge zu.
Die kommenden Tage testen wir, wie viele Kiddies in unseren Wagen passen, und cruisen mit den Jungs etwas abgelegenere Spots ab. Ein großer Bonus am Playa Hermosa sind die Mädels, die sich dort tagtäglich in die Fluten stürzen, egal wie ruppig es ist. Sie scheinen mit ihren knappen Schlüppies allesamt dem neuen Roxy-Katalog entsprungen zu sein, doch im Gegensatz zu den meisten Katalogschönheiten chargen die Mädels, als ob es ihr letzter Tag wäre und sind zudem noch kontaktfreudig! Wir finden das prima und sehr unterstützenswert.
Die Bedingungen wechseln mit der Tide. Meistens stehen wir frühmorgens gegen 6:00 Uhr auf, um die ersten Wellen zu schnappen. Gegen Mittag heißt es Siesta machen, da es eh zu heiß ist. Der Nachmittag ist geprägt durch Surfsessions und Hängematte. Abends wird es dann meist genial, die Sonne geht direkt im Meer unter und stürzt die Szenerie in ein unwirkliches Licht. Die Pelikane tun das Ihre, um den Moment perfekt kitschig zu gestalten. Zum Glück nimmt der Swell die kommenden Tage beachtliche Ausmaße an, sodass Hermosa ziemlich close out bricht, sonst wären wir höchstwahrscheinlich für die komplette Zeit am einen Spot hängen geblieben.
Wir entscheiden uns, den Weg in Richtung Süden fortzusetzen, Pavones ist unser Ziel. Der perfekte Lefthander liegt mitten im Regenwald an der Grenze zu Panama und braucht einen kräftigen Südswell. Natürlich verschätzen wir uns heftig bei der Anfahrtszeit, die letzten Stunden sind Schotterpiste und Wegweiser sucht man natürlich vergebens. Mitten in der Nacht kommen wir im Stockfinsteren in Pavones an und sind überglücklich, unfallfrei und unbeschadet angekommen zu sein. Pavones ist eine Ansammlung einiger Häuser, es gibt eine Bar und ein Restaurant, das wars. Wer hier keine Ruhe findet, hat ernsthafte Probleme! Als uns das erste Sonnenlicht aus unserem Wagen scheucht, sehen wir eine traumhafte Welle, die sich durch die Bucht schält. Einige Locals sitzen schon draußen und wir gesellen uns schnell dazu. Die Sets sind knapp über kopfhoch, doch deutlich kleiner, als wir sie erwartet hatten, aber dennoch purer Spaß! Die Welle hat mehrere Sections. Backside habe ich Probleme, die ein oder andere schnelle Passage zu meistern, doch für Ben als Goofy Footer ist es ein Paradies und er floatet sich von einer Section zur nächsten, rennt am Strand wieder zurück, um mit einem fetten Grinsen zurück in den Line-up zu paddeln. Nach ausgedehnten Sessions streunen wir durch den Regenwald und fahren die Küste entlang, um einige weitere Wellen zu surfen, die aber nicht die Qualität von Pavones haben. Nach drei Tagen nimmt der Swell ab und wir entscheiden uns für den Rückweg. Auf halbem Wege zurück nach Hermosa checken wir Domical und trauen unseren Augen kaum. Perfekte, kraftvolle Wellen rollen rechts und links von einer Flussmündung an den Strand und es kommt noch besser, nur eine Hand voll Surfer teilen sie untereinander auf! Die Strömungen sind deftig und schnell treiben Matt, Ben und ich weit auseinander. Das Rauspaddeln gestaltet sich nach jeder Welle als relativ hart, aber die Wellen sind jede Anstrengung wert. Abends schlafen wir in dem kleinen Hippie-Nest, doch am kommenden Morgen ist der Zauber verschwunden, die Wellen klein und durcheinander. Right place, right time!
Wir entscheiden uns, Alex in Hermosa aufzugabeln und die etwas unbekannteren Spots nördlich von Jaco auszuchecken. Tatsächlich gibt es noch einen netten Spot an einer Flussmündung. Als wir jedoch auf dem Rückweg einen Haufen Leute an einer Brücke sehen, halten wir an und sehen den Grund der kleinen Menschenansammlung: 13 Salzwasserkrokodile, das größte gute vier Meter lang, machen sich hier einen faulen Lenz, keine drei Kilometer flussaufwärts von dem Spot, an dem wir surfen. Die Fischer antworten auf unsere fragenden Blicke nur mit „Hay mucho crocodrillos!“, ja, das können wir auch sehen. Aber anscheinend stellen die kleinen Beißer keine wirkliche Gefahr für Surfer da. Des Öfteren taucht zwar ein Baumstamm mit Augen im Line-up auf, aber es gab noch keine gemeldeten Angriffe. Trotzdem entscheiden wir uns, lieber weiter in Richtung Norden zu fahren.
Wir nehmen die Fähre von Puntarenas nach Puerto Naranjo, um einen weiteren Höllenritt auf Schotter- und Schlammpisten anzutreten. Durchgeschüttelt erreichen wir Mal Pais, ein kleines verschlafenes Nest mit vielen Freaks, Surfern und Hippies. In Mal Pais gibt es eine geniale Openairbar direkt am Strand, die nachts nur von Feuern und Fackeln beleuchtet wird. Jeder, der in der Gegend ist, sollte sich dort das ein oder andere Imperial reintun. Dies nur am Rande. Auch die Surfbedingungen sind gut und wir testen zwei Tage die unterschiedlichen Peaks. Wir treten unseren blauen Jeep weiter an der Küste entlang durch diverse Flüsse und Schlaglöcher, nehmen ab und zu eine falsche Lichtung als Abzweigung und so dauert die Fahrt nach Tamarindo einen guten Tag.
Tamarindo ist das Pendant zu Jaco und das Dorf zieht eine Vielzahl von Urlaubern an. Einziger Grund für uns nach Tamarindo zu kommen, ist die Möglichkeit, Boote zu chartern, die uns zu den durch Endless Summer bekannt gewordenen Wellen Witchs Rock und Ollies Point bringen sollen. Der Swell nimmt jedoch zusehends ab, sodass uns die Angelegenheit mit dem Boot zu teuer und risikoreich erscheint. Daher checken wir die Spots um Tamarindo. Mit Little Hawaii und Avellanas finden wir zwei kleine nette Wellen, die auch bei der Wellenhöhe Spaß bringen und die wir nur mit ein paar Einheimischen, Schildkröten und kleinen Seeschlangen teilen müssen.
Nachdem wir die ganze Pazifikküste abgefahren sind, steht uns noch die Karibikseite offen. Wir entscheiden uns, spontan quer durchs Land zu fahren, mit einer Nacht in San José. Nach zwei Stunden hinter einer LKW-Kolonne mitten im bergigen Hinterland setze ich zum Überholen an und kachel mit 125 km/h statt der erlaubten 60km/h in eine Radarfalle. Der Officer gibt uns zu verstehen, wer hier am längeren Hebel sitzt, freut sich aber über unsere verkrampften Spanischkenntnisse. Wir haben zwei Optionen: die offizielle erscheint uns nicht sehr reizvoll, sodass wir uns für die inoffizielle entscheiden, die günstiger und vor allem schneller daherkommt, wobei ein großer Schein direkt in Tasche des Polizisten verschwindet und so sein Abendessen sichert. Der Beamte grinst uns durch seine Zahnlücke an und rät dazu, vorsichtiger zu fahren, da uns noch fünf Polizei-Checkpoints auf der Route erwarten – guter Tipp!
Am kommenden Tag rollen wir in Puerto Viejo ein, Heimat der legendären Welle Salsa Brava, eine Mischung aus Pipeline und Tahiti, wenn es groß ist. Die Bevölkerung ist eine bunte Mischung aus farbigen Zuwanderern einiger Karibischer Inseln, zugezogenen Amis, Euros und Ticos. Das ganze Dorf riecht nach Gras, was an jeder Ecke pfeilgeboten wird. Wir kommen in einem kleinen Hostel unter und treffen Alex wieder, der uns stolz sein Heimatdorf zeigt. Die Wellen sind die ersten drei Tage riesig. In Salsa Brava sitzen nur noch eine Hand voll Verrückte im Wasser. Die Welle kommt aus dem Nichts, saugt sich am Riff fest, scheint eine Sekunde bewegungslos als Wand dazustehen und schmeißt sich dann mit enormer Kraft in eine der miesesten Tubes, die wir je gesehen haben. Es gibt Geschichten über gebrochene Wirbelsäulen und Knochen. Die konstanten Vier-Meter-Faces und einige Freaksets überzeugen uns problemlos, das Spektakel vom Strand aus zu beobachten. Besonders auffallend sind zwei farbige Surf-Groms, die in jede Tube ziehen, als hätten sie nichts zu verlieren – die wahren Helden weitab der Hochglanz- Surfwelt! Bei dieser Größe brechen auch die anliegenden Beachbreaks close out, aber wir finden noch eine gute Welle an einer vorgelagerten Insel, die läuft. Trotzdem hängen unsere Gedanken an Salsa Brava und an den geisterhaften Gestalten, die dort Kopf und Kragen riskieren.
Nach vier Tagen geht der Swell auf eine Größe zurück, an dem man einen Wipe Out in Salsa Brava unbeschadet überstehen kann. Frühmorgens springen wir über die Felsen ins Wasser und lassen uns in dem Channel nach draußen ziehen. Unsere Herzen klopfen zum Zerspringen und meine Gesichtsfarbe wechselt zu angstweiß. Wir reihen uns ganz hinten ein und ernten trotzdem grimmige Blicke. Erst als Alex zu uns rüberpaddelt und uns mal wieder einige seiner Kumpels vorstellt, wird die Stimmung etwas entspannter. Trotzdem ist klar, dass ein Fehler gleichbedeutend mit einem Verweis aus dem Wasser ist. Hier geht es nicht um Spaß, es scheint eine strenge Rangordnung zu geben, die von Respekt und Achtung geprägt ist. Die meisten der Jungs tun so, als hätten sie nicht viel zu verlieren und das merkt man ihrem Surfen deutlich an. Die letzten Tage in Salsa Brava runden den Trip perfekt ab und wir hätten solche Wellen niemals in der Karibik vermutet. Ausgebrannt und überglücklich gehen wir den Rückweg zum San José Airport an und verlassen das Land mit einer riesigen Menge an Eindrücken, Erinnerungen und Erfahrungen, die uns garantiert zurückkehren lassen. Pura Vida!!!
Posted: November 15th, 2005 under SURF, REISE.
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Kolumne
Auch wenn du es nicht lesen magst: Die Wassersportsaison neigt sich in Deutschland seinem Ende zu. Die Tage werden kürzer, das Wasser wird kälter und die Motivation, mit Haube, Schuhen und heißem Tee bewaffnet zum Wasser zu fahren mit zunehmendem Alter nicht größer. Aber 2005 war ein gutes Jahr für unsere Sportarten, auch wenn sich das noch nicht so recht in den Verkaufszahlen der Brands ausdrücken will.
Vor allem veranstaltungstechnisch war uns der Wettergott 2005 gut gesonnen. Die Kitesurf-Trophy (www.kitesurf-trophy.de) hatte auf allen fünf Tourstopps gute Bedingungen und kürte Ende August ihren Deutschen Meister in St. Peter-Ording. Auch die Serie des Deutschen Windsurfcups (www.windsurfcup.de) fand nach sechs Veranstaltungen ihren Höhepunkt in den Deutschen Meisterschaften auf Sylt Ende Juli. Die Veranstalter beider Serien legten organisatorisch zum Ende der jeweiligen Saison echte Glanzleistungen hin. Wir waren auf beiden Veranstaltungen präsent und wirklich begeistert, wie man auch im vergangenen Free-Magazin nachlesen kann.
Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied zwischen den Veranstaltungen der beiden Sportarten: die Altersstruktur seiner Teilnehmer. Am deutlichsten wird das durch die beiden neuen Deutschen Meister dokumentiert. Bernd Flessner (36), der Serienheld der Windsurfer, holte mittlerweile seinen zehnten nationalen Titel. Ihn trennen von Silvester Ruckdäschel (17), der sich bei den Kitern nun Deutscher Meister nennen darf, ganze 19 Jahre!
Es ist aber nicht nur das Alter der beiden vermeidlich Besten ihrer Sportarten, das einen Unterschied zwischen den beiden Sportarten verdeutlicht. Auch das restliche Fahrerfeld bei den Windsurfern hat die beste Zeit ihres Lebens hinter sich (mich eingeschlossen!), wohingegen bei den Veranstaltungen der Kiter eher Klassenfahrtsfeeling aufkommt.
Also ist Windsurfen nun wirklich ein Altherrensport und damit total anders als Kitesurfen? Mitnichten! Denn wenn man mal die Disziplin der Windsurfer betrachtet, die dem Kiten am nächsten kommt, verschwinden auch die Altersunterschiede. So ist die Topten der deutschen Wave-Freestyle-Szene (und damit meine ich nun nicht die Teilnehmer einer Deutschen Meisterschaft oder die, die von Magazinen bestimmt wird, sondern die wirkliche halt!) mit Jungs wie Norman Günzlein, André Paskowski, Klaas Voget, Florian Jung, Stefan Kruse oder Fabian Weber gar nicht so weit von der Einstellung und dem Style der jungen Wilden beim Kiten entfernt!
Nicht ganz ohne Grund jedoch sind die Topfive unseres „Partypeitschen of the year-Awards“ alle Kiter. Da können sich die Windsurfer noch eine Scheibe abschneiden, sofern sie denn wollen. Gelegenheit dazu hätten sie schon am 4. November im Madd House in Hamburg, wo wir wieder unsere hanseboot-Messeparty starten werden und ein Großteil aus beiden Lagern sicherlich anwesend sein wird (Infos auf www.free-magazin.de). Dort sind aber auch ausdrücklich die älteren Herrschaften erwünscht, müsste ich doch ansonsten auch zu Hause bleiben …
Posted: November 15th, 2005 under BERICHTE.
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Nachtkiten
Wenn es Abend wird am Strand, packen normalerweise auch die letzten Kitesurfer ihre Sachen zusammen und begeben sich zum Chillen in die nächste Bar. Dann rücken Caipirinhas und Campari in den Fokus des Geschehens und die Heldentaten vom Tag werden als Seemannsgarn versponnen.
Doch gerade wenn in solchen Nächten der Mond besonders hell den Strand beleuchtet, packen neuerdings viele Kiter ihr Material erst aus, dann steht „Nachtkiten“ auf dem Programm. Bei dämmrigem Himmel über das schwarze Wasser zu heizen, ist noch aufregender als am Tag – und irgendwie gruselig. Wenn man erstmal den Anblick der untergehenden Sonne genossen hat und kein künstliches Licht vom benachbarten Bolzplatz die Wasseroberfläche bescheint, wird „Nachtkiten“ zum Gänsehautfaktor der Extraklasse. Wie auf einem schwarzen Teller bewegt sich das Board und irgendwie sind die ersten Sprünge wie ein Sprung ins Nichts. Wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und die Szene dank des Mondes in schaurig schimmerndes Licht gesetzt wird, ist Nachtkiten ein echter Kick.
Posted: November 15th, 2005 under KITE, BERICHTE.
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Eddy would go!
Kennt Ihr das: Man lebt in der gleichen Stadt, hat den gleichen Freundeskreis oder die gleichen Hobbies, aber trotzdem trifft man sich nur selten, obwohl München manchmal den Anschein hat, als wäre es ein Dorf. Doch es gibt wahrscheinlich nur ein Ereignis in München, bei dem ich einfach alle diese Freunde wiedersehe. Nein, die Rede ist nicht von der Wiesn, oder für unsere Muschelschubser, dem Oktoberfest. Das Ereignis, an das ich denke, hat keinen festen Termin oder einen bestimmten Platz, doch jeder hat es wohl irgendwie im Urin, wann und wo er sich einzufinden hat. Ich weiß nur, dass ich jedes Mal nervös im Internet surfe, wenn es im Frühjahr oder Herbst sehr viel regnet. Ich fahre ganz hektisch in der Stadt auf und ab. Ich telefoniere so viel wie sonst nie im ganzen Jahr, was sich dann meistens so anhört: „Hallo, wo bist du gerade, geht die Brudermühl, bist du am Stromkasten gewesen, was zu viel, ja dann lass uns mal … checken, denn die geht auch über 3,40. Auf jeden Fall geht die … in ein paar Stunden, wenn der Pegel wieder fällt, bis gleich.“
Es passiert immer dann, wenn es regnet, sehr viel regnet. Dann, wenn die Männer und Frauen in Garmisch und in vielen anderen Orten ihre Sandsäcke füllen, um die Keller abzudichten. Es passiert dann, wenn Schröder, Beckstein und Stoiber mal wieder fleißig in den Hubschraubern sitzen und sich in den Krisengebieten einen Überblick verschaffen oder anders gesagt, mal wieder Politik machen. O.K., ich finde es ja auch nicht toll, wenn anderen der Keller voll läuft, aber genau dann treffe ich Flo, Steffen, Fritz, Mathias die Prinzesschen, Moritz, Arnd, Stefan und Dr. Timster endlich wieder. Und du kannst unser Grinsen nicht mehr aus unseren Gesichtern schlagen. Es ist die Zeit der großen Wellen in Bayern. Du musst schnell sein, denn morgen kann alles schon wieder vorbei sein. Morgen kann die Tide schon wieder so weit gefallen sein, dass nichts mehr geht. Deswegen stehst du entweder ganz früh auf, um noch vor der Arbeit mal schnell die Ufer abzufahren und um ‘ne Stunde zu surfen, oder du nimmst dir einfach ganz frei.
Letztens bin ich circa acht Stunden am Stück draußen gewesen. So viel bin ich schon lange nicht mehr gesurft. Meine Beine haben geschmerzt, was nach einem Ritt von bis zu fünf Minuten kein Wunder ist. Trotzdem willst du an solch einem Tag nicht aufhören, du willst nur surfen, den ganzen Tag, am besten noch die ganze Nacht, doch das ist schon nicht ungefährlich. Tja, da sind wir beim nächsten Punkt, denn der ein oder andere riesige Baum kommt schon runter. Und oftmals kannst du ihn nicht sehen, da er wie ein Eisberg nur zu einem Bruchteil über Wasser ist und erst dann, wenn er im Wellental ist, sich im wahrsten Sinne des Wortes aufbäumt. Wenn du nicht schnell genug bist, hast du ein fettes Loch im Brett, eine Finne weniger oder wenn es ganz beschissen läuft, zieht dich das Scheißding unter Wasser wie ein Alligator, weil du mit deiner Leash hängen geblieben bist. Deshalb sind zu dieser Zeit auch nur die Jungs auf dem Wasser, die sich wirklich auskennen. Es ist so wie am Meer. Du musst dir deinen Spot lange anschauen, checken, wo du am besten rein- und vor allem wieder rauskommst, wo die Strudel, Felsen und sonstige Hindernisse im Wasser sind. Ansonsten bist du ziemlich am Arsch. Nicht nur deshalb haben wir auch stündlich Besuch von unseren grünen Freunden. Ich glaube, dieses Jahr hatten wir schon fünf Anzeigen mit Bußgeld und zwei konfiszierte Bretter. Das Problem sind aber eigentlich nicht unsere Freunde, ich mein, sie machen ja nur ihren Job. Es ist mehr der gemeine (oder normale Bürger-) Zuschauer. Der fährt mit dem Auto entlang und sieht aus dem Augenwinkel eine Person im Wasser treiben und denkt, es wäre einer am Ertrinken. Er macht sich natürlich nicht die Mühe und schaut nach, ob es wirklich so ist, denn bei näherer Betrachtung müsste ihm auffallen, dass derjenige auf einem Brett paddelt oder sogar auf der Welle reitet. Und mal so nebenbei: Kann ein Mensch, der gerade am Ertrinken ist, so viel Spaß haben, dass er übers ganze Gesicht grinst?
Wirklich nett fand ich die Geschichte mit den Jungs von der Feuerwehr. Die haben dem Treiben zugeschaut und meinten nur: „Mensch, wir bräuchten ein Paar von euch bei uns im Verein! Wir würden im Notfall ja nie ins Wasser springen! Da müssten wir immer erst auf die Taucher warten!“ Wir sollten also dem Landrat den Vorschlag machen, dass ab Hochwassermeldestufe 2 mindestens zwei Surfer pro Kilometer als Bademeister an der Isar sein müssen!
Aber jetzt zurück zum Surfen, ich bin schon wieder ganz fiebrig, wenn ich mir die Bilder anschaue, wie wahnsinnig schön war diese Session. Sonne, Wellen und deine Freunde bei der schönsten Nebensache im Leben. Und danach sitzt du bei der Gerti am Kiosk und freust dich auf ein Augustiner und ziehst dir die Rides auf der endlosen Welle nochmal in deinem inneren Kino rein. Pororoca kann da nicht mithalten. Mann, wie fett war dieser Tag eigentlich. Für manche (die mit den Kellern) ist er nicht so toll, aber für uns kann er kaum besser sein. Ein dreifaches Hoch auf die globale Erderwärmung! Danke Mr. Bush.
Posted: November 15th, 2005 under SURF, BERICHTE.
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Sylt im September
Wer Sylt nur im Sommer kennt, kennt die Insel nicht wirklich. Der Sommer auf Sylt ist warm und schmeckt nach Zitroneneis. Hunderte Touristen patrouillieren an den Stränden auf und ab und geben sich in ständig wechselnden Szene-Läden ein Stelldichein. Sylt im Sommer, das sind Dieter Bohlen und Champagner, Milchcafé und Badenixen, Rettungsschwimmer und Sonnenschirme. Erst wenn die Tage kürzer werden, tritt auch die Insel wieder kürzer. Die Strände werden leerer, die Rettungsschwimmerhütten abgebaut und bis zum nächsten Jahr gut verstaut. Durch die Reihen der Insulaner geht ein Aufatmen. Geschafft! Wieder eine Saison vorbei. Es ist September und das Leben hat uns wieder!
Wer in den letzten Sommermonaten geackert und gerackert hat, Betten bezogen, Kaffees serviert und Autos verladen hat, den erwartet nun eine ruhige Zeit. Die Saisonkräfte packen ihre Koffer und verlassen die Insel über den Winter. Die Schlange, die sich die letzten Monate vor dem Bäcker in Aveling geschlängelt hat, verlagert sich vors Arbeitsamt. Die Insel befindet sich im Vorstadium zum Winterschlaf. Doch vorher kommt der Spätsommer, vorher kommt der September. Kein anderer Monat wird von den Insulanern so geliebt wie der neunte des Jahres. Endlich hat man Zeit für sich und die Familie und kann das tun, was man schon den ganzen Sommer über tun wollte. Surfen. Jetzt, wo sich die ersten Herbststürme anmelden, ist das ideal. Jetzt ist die Zeit, wo Roy vom Modeladen und Mario vom Crêpestand endlich auch mal auf ihre Bretter kommen. Bis zum Longboardfestival ist es meist noch warm.
Danach wird es kälter und man sieht morgens um acht die ersten Surfer mit dicken Neos und Füßlingen auf dem Wasser. Haube und Handschuhe werden bald folgen. Auch wenn der September auf der Insel die Zeit ist, in der jeder Insulaner seinen Winterurlaub für November, Dezember oder Januar in der Sonne plant, sind diese Tage auf dem Wasser die besten. Oft wird morgens der Wind ablandig, man hat brusthohe Wellen und strahlende Sonne – Bedingungen, die es im Sommer selten gibt. Eine Belohnung für alle Sylter, die nun langsam die Insel wieder ganz für sich haben.
Nachmittags dreht der Wind wieder und bläst mit konstanten vier bis fünf Beaufort aus Südwest. Der September lässt die Sylter Boarder auf der Lauer liegen. Ständig verändern sich die Bedingungen und der Wind dreht manchmal sehr abrupt. Es kann passieren, dass man zwei Tage Traumbedingungen zum Wellenreiten hat und an den nächsten zwei Tagen der Wind so auffrischt, dass die Jungs mit Taschentüchern windsurfen gehen können. Pünktlich wie ein Glockenschlag dreht der Wind nach zwei Tagen wieder und der September-Swell beschert den Longboardern von der Insel kopfhohe Wellen. Das ist beinahe Portugal-Feeling, nur in kalt. Und dann, mit Abschluss des Worldcups Ende September, ist wirklich alles vorbei. Keine Partys, keine Gäste – nur ein paar Insulaner bleiben und schlitzen die Herbst- und Winterwellen ganz allein für sich. Dick eingemummelt und mit einer Tasse Glühwein am Abend erzählt man sich dann Geschichten vom Tag – ganz ohne Touristen.
Posted: November 15th, 2005 under SURF, BERICHTE.
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