Archive for Juli, 2005
Kiteloop Contest 2005
Von vielen von euch habe ich oft gehört, wie stressig ein Contest sei und dass es keinen Spaß mache, den ganzen Tag auf seinen Minuten-Heat zu warten, dabei erbärmlich zu frieren und natürlich die schlechtesten Bedingungen „ever“ zu erwischen.
Meine ersten Contesterfahrungen sammelte ich im August 2004 beim „First Kiteloop Contest of the world“ in Cabarete, wo ich weder gestresst war noch gefroren habe. Sicher ist es in „good old Europe“ nicht so warm, aber Spaß kann man hier dennoch haben, denn die Kites loopen hier ebenso fix wie in der Karibik. Beim Contest stehen ein paar einfache Dinge im Vordergrund: die Fahrer, deren Wünsche und deren Style! Schon ist der KLC ein Event und die Aussicht, eine Menge Action zu erleben, andere Fahrer zu bewundern und sich über den „sickest Trick“ auszutauschen (am Strand und auf dem Wasser), ist Programm.
Aber wie war es denn nun beim ersten Kite Loop Contest? Am Samstag wurden die Bedingungen im Laufe des Tages immer mieser und das Fahren fiel ins Wasser. Es pisste aus allen Kanälen und der Wind verschlief seinen Auftritt. Dem Frust wurde nach deutschem Brauch mit Grillwurst und Spirituosen der Garaus gemacht. Am nächsten Morgen fuhren wir im Regen nach Laboe und überlegten uns schon Ausweichtermine, doch trotz richtig schlechter Bedingungen kamen ein paar Rider an den Strand. So hatte sich bis 11 Uhr eine dreizehnköpfige Fahrertruppe registriert und wir warteten gemeinsam auf den vorhergesagten Wind. Die Hagelkörner trommelten auf die Wagendächer und jedem war klar, hier hoffen nur noch debile Einzeller auf kitebare Bedingungen. Doch so etwa wie bei „Ritter der Kokosnuss“ riss die Wolkendecke zum Mittag auf und die Sonne lies selbst das graue U-Boot farbig wirken. Der Wind kam hart, aber gerecht zurück, es wehte ein unbeständiger Wind aus SW und von 8 bis 20 Knoten war alles dabei. Für die Locals also normal oder auch „laboeig“. Man entschied sich für kleine Schirme, denn die Böen hatten es in sich. So wurden Schirme von 10 m_ bis 14 m_ in den Himmel geschickt. Die Belohnung für das lange Warten sollte doch noch folgen, denn die Sonne schien an diesem Tag scheinbar nur für den KLC. Am Horizont war alles dunkel.
Die gemeldeten Fahrer starteten bei Sideshore-Wind von einem Railey-Startblock aus. Um möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen, wurde in einem gemeinsamen Heat gefahren, bei dem aber nur drei Rider zeitgleich auf dem Wasser waren und bewertet wurden. Schon nach den ersten Minuten war klar, hier wird einem nichts geschenkt. Die Piloten heizten sich gegenseitig kräftigst ein und präsentierten Bestleistungen, die sich vor keinem offiziellen Contest hätten verstecken brauchen. Es wurde geloopt, was der Stuff hergab, und das in allen Variationen. Nicht nur die Sportler brachten ihr Material ans Limit, auch unser Kameramann Hilmer (ehemals NDR) verlangte seinem Equipment einiges ab und setzte alle Hebel in Bewegung, um auch den letzten Sprung einzufangen. Trotz der Kälte (Luft 10°C/ Wasser 8°C) fanden sich unerwartet viele Zuschauer am Strand ein, die sich wie die Möwen auf der Steinmole niederließen. Unter den Steinsitzern waren auch viele Seniortouristen, die mit offenen Mündern zusahen und nicht so recht begriffen, was da vor sich ging. Natürlich wurden sie korrekt aufgeklärt und das fanden sie „einfach Spitze“, „dolle Sache“ oder „gaaaanz toll“. Eine Gruppe von älteren Herrschaften fragte mich sogar, bei wem sie Eintritt bezahlen müssten. Diese einfache Frage hat mir sehr viel beantwortet …
Überhaupt erst möglich gemacht haben diese Veranstaltung die Sponsoren. Ohne die starke Unterstützung wäre es nicht halb so schön geworden. Es gab dieses Jahr stolze Preise zu gewinnen, die nicht immer unbedingt an den Besten gingen. So gab es ein Free-Magazin-Abo und wahlweise ein Lycra oder eine Kite-DVD für jeden Teilnehmer. Weitere Preise waren die Siegershirts 2005, Trapez, Surfklamotten, ein Custommade-Karbonhelm und vieles mehr. Die anwesenden Sponsoren waren ebenfalls begeistert, ihr Material in wirklichem Einsatz zu sehen. So wurde getestet, ob man einen harten Loop mit einem Board von Vampire, Devil, Anton, Airush oder Wipika am besten landet oder der Reactor wirklich schneller loopt als ein Wipika oder Naish. Maßgeblich beteiligt waren auch Two.AG, amdo industries, Free-Magazin, bonoborepair, kitesurfing-kiel.de, oase.com und Surfers Paradise. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für euer Vertrauen und eure Hilfe!!! Ich denke, ich spreche im Namen aller Beteiligten.
Die Ergebnisse wurden von den Fahrern selbst ermittelt. Die hübschen Mädels bestätigten die Ergebnisse mit reichlich vielen Küssen: Wir sahen den „Most technical KL“ von Volker Arp, Ruben Griesbach legte den „Best Wipe Out“ hin. Am höchsten schoss sich Johannes Stengel raus (Highest KL) und den wohl schmerzfreiesten Tag hatte Sven Lotse mit dem „Most Powerful KL“.
Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass ein gemütlicher Kitenachmittag bei 3 Bft und 6th Leine vernünftiger ist, als ein gewolltes Abschießen mit Kiteloops. Aber mit der Vernunft ist es so eine Sache. Sie führt praktisch immer in eine lauwarme Mittelmäßigkeit. In einem von zahnloser Besonnenheit gelähmten Land ist es wohl eine der letzten Freuden, wenn es sich mal wieder einer so richtig dreckig gibt. Bleibt zu hoffen, dass dabei eine realistische Selbsteinschätzung der fahrerischen Fähigkeiten mitfährt. Also bleibt auf der sicheren Seite vom Limit. Aber bitte möglichst dicht dran. Am Limit eben. Also Helm auf und fleißig üben, wir sehen uns dann zum KLC 2006.
Posted: Juli 1st, 2005 under KITE, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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68.000 US-Dollar - Monster-Wellen-Awards an beste Surfer vergeben
Der Gewinner des Billabong XXL Global Big Wave Awards 2005, der von Monster Energy präsentiert wird, heißt in diesem Jahr Dan Moore für seine legendäre 68-Fuss-Monsterwelle in Jaws an der Nordküste von Maui. Der 48-jährige Pionier des Tow-in-Surfens ritt diese Siegerwelle am 15. Dezember 2004, als der heftigste Swell seit Jahrzehnten vor Maui ankam. Damit gewann der Surf-Veteran vom Sunset Beach einen Scheck über sagenhafte 68.000 US-Dollar. Jeder Fuß der Welle wurde mit 1.000 Dollar vergütet. Mehr als 2.000 Zuschauer und VIP-Gäste sahen sich die Siegerehrung Moores live am Grove Theater in Anaheim, California, an. „Es war ein unglaublicher Tag, einfach sensationell“, sagte Moore über seine Session im Dezember. „Wir sahen, wie sich die Welle draußen aufbaute und mein Partner, Mark Anderson, sorgte dafür, dass ich sie auch bekam. Er zog mich richtig tief rein und dann baute sie sich einfach quer über dem Riff wie eine Mauer auf. Ich war in diesem Moment schneller, als ich jemals zuvor auf einem Surfboard unterwegs gewesen war, trotz all der Bumps und Unebenheiten im Wasser. Als ich die Lippe der Welle über mir kommen sah, wusste ich, dass ich drin war. Es war ein totaler Waschgang. Jetzt weiß ich, wie sich ein Gecko fühlt, wenn jemand auf seinen Schwanz tritt.“
Der Monster Paddle Award, der jedes Jahr für die größte, eigenständig angepaddelte Welle vergeben wird, geht dieses Jahr an Shane Desmond aus Santa Cruz. Während des Maverick Surf Contests hatte er am 9. März 2005 am Half Moon Bay eine riesige Backside-Welle erwischt und erhielt dafür einen Scheck über 10.000 US-Dollar.
Der Monster Tube Award ging an den Australier Dylan Longbottom aus Bentalong, New South Wales, mit einem Preisgeld von 5.000 US-Dollar. Longbottom ritt die Monster-Walze am berüchtigten Spot Shipstern Bluff an der Südspitze Tasmaniens.
Posted: Juli 1st, 2005 under SURF, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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Cabo Verde
„Ein mörderischer Verrückter entfacht eine Meuterei auf einem Walfänger, weil er ein Königreich auf den Kapverden aufbauen will. Mithilfe eines Beils metzelt er erst den Kapitän und dann mehrere Matrosen nieder.“ Was sich so ähnlich wie der Beginn zum Drehbuch der Fortsetzung des legendären Streifens „Meuterei auf der Bounty“ anhört, kann man vielleicht auch auf den Wave-Weltmeister des Jahres 2003, Josh Angulo, beziehen. Er hat zwar weder jemanden niedergemetzelt, noch kam er mit einem Walfänger auf die Kapverden, noch ist er ein mörderischer Verrückter, aber er ist immerhin dabei, sein eigenes Königreich auf Sal aufzubauen. Eine der cleansten Wellen der Welt (Punta Preta), gute Windsurfbedingungen, boomender Tourismus und vielleicht auch die nicht ganz unwesentliche Tatsache, dass seine Frau Kapverdierin ist, zogen ihn auf den seit 1975 selbstständigen Inselstaat.
Und auch uns locken die Berichte, Fotos und Erzählungen über das „Paradies der Wassersportler“ Anfang des Jahres 2005 gen Süden. Mitte Januar machen wir uns auf den Weg. Wir, das sind Lars als Fotograf, Michi und Alexander als Windsurfer und uns Kalle als Maskottchen. Die Reise beginnt in München, von wo aus wir mit der Fluglinie TACV innerhalb von sechs Stunden direkt nach Sal fliegen. Beim Betreten des Flugzeuges wird die Herkunft der kapverdischen Fluggesellschaft deutlich. Man hat es sich erfolgreich zum Ziel gemacht, den heimischen „Way of Life“ schon während des Fluges den Gästen näher zu bringen. Verschiedene Farbgestaltungen schmücken jeden Sitz in ganz individueller Art und Weise und die Flugbegleiterinnen schlendern mit der ganz typischen Gelassenheit durch die Gänge. Stress mag nie so richtig aufkommen, was uns aber eher positiv auffällt. Unsicher fühlt man sich in der Maschine jedenfalls nicht und das ist die Hauptsache.
Wir landen gegen 14:00 Uhr auf dem sympathischen Flughafen von Sal, wogegen der Freizeit-Flughafen von Wanne Eikel wie ein „International Airport“ wirkt. Eigentlich sollte unsere Reise mit einem Anschlussflug nach Boa Vista weitergehen, wo die ITOMA schon auf uns wartete. Nur leider war der Transport unseres 140 Kilogramm schweren Windsurfequipments mit der kleinen Inlandsmaschine unmöglich. Unser Tipp für dich an dieser Stelle: Pack lieber mehrere ganz kleine Bags anstatt drei, vier Tripple-Boardbags! Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du mitgenommen wirst, größer! Eine Garantie gibt es jedoch nicht. Zum Glück bieten sich noch andere Möglichkeiten an, von Sal nach Boa Vista zu kommen. Dazu kommen wir aber später. Also Planänderung: Wir stopfen unser Equipment in vier Taxen und fahren nach Santa Maria, der touristischen „Hochburg“ der Insel. Unser Hotel, das Leme Bedge, ist schnell gefunden und liegt direkt am Meer mit angegliedertem Planet Windsurf Pool. Was für ein Glück: Wir kommen pünktlich zur Happy Hour und der Abend beginnt mit leckerem Caipirinha am Strand mit Blick auf die Bucht von Santa Maria, wo die Alexander von Humbold, besser bekannt als das „Becks-Schiff“, gerade vor Anker gegangen ist.
Die nächsten sieben Tage lernen wir Sal besser kennen. Unser Offroader bringt uns auch abseits der Pisten sicher um die Insel. Ein 4-Wheel-Drive ist absolute Pflicht, wenn man auch abseits der geteerten Straße vorankommen möchte und von denen gibt es auf Sal nicht sonderlich viele.
Am dritten Tag unserer Reise erleben wir ein Wunder der Natur: Es regnet und seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf den Kapverden soll es auf Sal im Januar noch nie einen Tropfen gegeben haben. Macht nichts, denken wir und fühlen uns bei 17 Grad Lufttemperatur und sechs bis sieben Beaufort bei Nieselregen unheimlich heimisch. Doch schon am nächsten Tag hat das Wetter zu seiner Normalform zurückgefunden und wir mischen uns bei guten vier Windstärken am Kitebeach ins Geschehen. Der Kitebeach ist etwa 15 Autominuten von Santa Maria entfernt und ist, wie der Name schon vermuten lässt, Treffpunkt der Kiter. Der Boden im Wasser ist sandig. Und auch wenn dicht unter der Sandschicht ein Riff liegt, ist der Spot ungefährlich, da das Riff keine scharfen Kanten aufweist – jedenfalls nicht dort, wo wir draußen waren …
Abends bekommen wir noch einen Eindruck von Punta Preta, dem legendären Wavespot genau auf der anderen Seite der Insel. Die Wellen müssen dort mindestens zwei bis drei Meter hoch sein, damit sie weit genug weg vom Land brechen. Und dann ist der Spot wirklich eine Macht. Eine schnelle Right zieht sich in die kleine Bucht hinein und schiebt den schräg ablandigen Wind vor sich her. Aber man muss schon ehrlicherweise sagen, dass dieser Spot nur was für Experten ist. Der Wind ist nämlich nicht sonderlich stark und, da er über Land kommt, auch recht böig. Die Windsurfer haben es da schwerer als die Kiter, weil sie eher rausdümpeln müssen, während die Kiter den regelmäßigeren Wind in 20 Meter Höhe nutzen können. Und ohne richtig Druck im Segel auf ein Set zu warten und dabei auch noch die richtige Position zu haben, ist schon ziemlich heikel. Wenn man es dann geschafft hat, auf die Welle zu kommen, hat man plötzlich so viel Druck im Segel, dass man sich einen Quadratmeter weniger Tuch in der Hand wünscht. Trotzdem ist das Spektakel schön anzusehen und so ist es nicht unüblich, dass an einem guten Tag über 100 Zuschauer am Strand die Aktiven bewundern.
Wenn der Spot läuft, gibt es etwas nördlicher in Calheta Funda eine gute Ausweichmöglichkeit. Hier kommt der Wind sideshore von rechts und die Wellen sind nicht ganz so groß und kräftig. Der Name ist ausgeschildert, obwohl es sich nur um einen kleinen Strand handelt.
Am nächsten Tag macht der Wind eine Pause und wir haben das Glück, von Carlos Enrique Santos, dem Manager von Planeta Cabo Verde und vom Hotel Leme Bedge, den kulturellen Hintergrund der Inseln zu erfahren.
Die Kapverdischen Inseln mit ihren 400.000 Einwohnern sind ein Archipel vulkanischen Ursprungs und bestehen aus neun bewohnten und sechs unbewohnten Inseln. Die gesamte Landfläche beträgt 4033 Quadratkilometer und ist damit kleiner als das Ruhrgebiet. Die Inseln liegen 550 Kilometer vor der Küste Senegals (westlich von Afrika), auf halbem Seeweg von Portugal nach Brasilien. Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 ist die República de Cabo Verde ein eigenständiges Land. Hufeisenförmig liegen die Inseln im Atlantik und im ständig blasenden Nordostpassat. Die oberen Inseln (bis Boa Vista) gehören zur Barlavento-Gruppe (über dem Wind), die restlichen vier zur Sotavento-Gruppe (unter dem Wind).
Ilha do Sal ist die flachste der Barlovento Inseln von Kapverden. Ihre höchste Erhebung ist der Monte Gordo und liegt nur 400 Meter über dem Meeresspiegel. 11.000 Menschen leben auf Sal und diese Anzahl steigt unablässig infolge ihrer ständigen Entwicklung und dank neuer Arbeitsmöglichkeiten. Die meisten Bewohner von Sal leben in Espargos, der Hauptstadt, die in der Mitte der Insel liegt und nur wenige Kilometer vom internationalen Flughafen A. Cabral entfernt ist. Innerhalb eines Tages kann man die Insel und die wenigen Sehenswürdigkeiten mit einem Auto gut erkunden. Ein geländegängiger Wagen ist dabei von großem Vorteil.
Bedingt durch die „salzige Geschichte“ von Sal bietet sich vor allem der Besuch der Salinas bei Pedra Lume an. Die Bucht von Santa Maria, etwa 18 Kilometer von Espargos entfernt, ist das touristische Dörfchen auf der südlichen Küste. Santa Maria ist während der letzten zehn Jahre als ein interessantes touristisches Ziel wiederentdeckt worden. Dies hat folglich zu einer großen Entwicklung im Hotelgewerbe geführt. Heute liegen an der Küste tatsächlich mehrere Hotels und touristische Einrichtungen mit allen Bequemlichkeiten und vielen Angeboten rund um den Wassersport. Die Surfszene und die größten Ferienanlagen befinden sich am weißen Sandstrand von Santa Maria.
Auch kulinarisch ist die Insel vom Angebot des Meeres geprägt. Das wohl traditionellste Gericht der Insel sind gekochte Schalentiere mit einer Reisbeilage und wird in allen Restaurants angeboten. Und das probieren wir am gleichen Abend auch noch aus, um uns für unseren Trip nach Boa Vista am nächsten Morgen zu stärken.
Da uns der Flieger ja nicht mitnehmen wollte, heuern wir als Leichtmatrosen auf der Estrela Nova an! Das etwas in die Jahre gekommene Schiff dient heute als Transportfahrzeug für den Warenaustausch zwischen den Inseln und befördert für 35 Euro auch Menschen. Kalle finanziert seine Überfahrt natürlich selbst, indem er mit einer Zahnbürste das Deck schruppt. Die Überfahrt dauert etwa dreieinhalb Stunden und ist wesentlich entspannter, als in einem engen Flugzeug zu sitzen.
Die Insel Boa Vista ist die östlichste der Kapverdischen Inseln und wurde 1456 von Kapitän Cadamosta entdeckt. Die Insel hat eine Größe von 620 Quadratkilometern und wartet mit 55 Kilometer weißen Sandstränden und smaragdgrünem Wasser auf. Das Sensationelle an den Stränden ist, dass man wirklich für Stunden keine Menschenseele trifft, wenn man es nicht möchte. Wenn man einen guten Strand gefunden hat, kann man einen Kilometer nach Norden und einen Kilometer nach Süden sehen. Nichts als weißer Strandsand. Michi nimmt die Gelegenheit natürlich war, um seiner gewohnten FKK-Neigung nachzugehen.
Insgesamt leben 3.353 Menschen auf der kleinen Insel. Deren Bezeichnung Boa Vista („schöne Aussicht“) beruht auf einer Legende, nach der ein Seemann vom Ausguck des Segelmastes statt dem traditionellen „jerra a vista“ (Land in Sicht) die Insel mit dem Freudenschrei „Capitano, boa vista“ ankündigte. Wäre die Insel 500 Jahre später von den Windsurfern entdeckt worden, hätten sie ihr sicherlich keinen anderen Namen gegeben.
Die eigentliche Besiedlung fand erst ab 1620 statt, als die erste Ortschaft Povocao do Velha entstand und eine Gruppe von Engländern mit der Salzgewinnung begann. Das bedeutete eine entscheidende Verbesserung der Inselwirtschaft und zog andere Kunsthandwerksindustrien, wie die Tuchherstellung und die Keramikfabrikation, nach sich. Ab diesem Zeitpunkt blühte die Insel stark auf und wurde zu einem wichtigen kulturellen Zentrum des Archipels. Kurze Zeit später entdeckten Piraten, angezogen von den dort hergestellten Waren, die Inseln. 1815 und 1817 wurde die Insel geplündert, was den Bau der Festung „Duque de Braganca“ auf dem Eiland Sal-Rei zur Folge hatte – heute eine der Hauptattraktionen auf den Kapverden für Touristen. Doch auch kulturell hat Boa Vista mehr als die anderen Inseln zu bieten, denn Boa Vista wird nicht nur als die Wiege der „Morna“ (der Name kommt aus dem Englischen „to mourn“, was „weinen“, „beklagen“ bedeutet), der eigentlichen Musik von Cabo Verde betrachtet. In den Werkstätten und Geschäften der Insel kann man auch Stickereien, Tonpuppen, Strohhüte und verschiedene Artikel, die aus Horn- und Kokosnussschalen gemacht werden, finden.
Das kleine Fischerdörfchen Sal Rei mit seinem großen Marktplatz und der mächtigen Kirche „Sao Isabel“ liegt im Nordwesten der Insel an einer herrlichen Sandbucht. Eine Hand voll Tavernen, eine Surfer-Bar, eine für den Ort sehr große und fortschrittliche Bank, eine Arztpraxis und ein paar Läden bilden das kulturelle Zentrum von Boa Vista. Hier werden Langusten und Thunfische noch fangfrisch aufgetischt. Von den Stränden, die die ganze Insel umgeben, hebt sich Currolinho hervor, der beste Strand von ganz Kap Verde, der durch seine Ähnlichkeit mit dem Strand gleichen Namens in den Vereinigten Staaten von Amerika auch bekannt ist als „Santa Monica“. Massentourismus, Stress und Hektik gibt es auf Boa Vista nicht.
Während unseres Aufenthaltes auf Boa Vista ist uns der Windgott leider nicht wohl gesonnen. Und so entspannen wir einfach und genießen die absolute Ruhe auf dieser Insel. Und genau darüber sollte man sich auch im Klaren sein, wenn man sich dazu entschließt, Boa Vista zu besuchen. Partys, Action oder was sich sonst noch so alles auf Inseln wie Mallorca findet, gibt es auf Boa Vista nicht. Wir haben das aber als super angenehm empfunden und setzen nach vier super entspannten Tagen wieder nach Sal über.
Auf Sal verbringen wir noch ein, zwei Tage direkt an der Surfstation von Planet Windsurfing am Strand des Hotels Leme Bedge bei typischen Bedingungen – flaches Wasser, Sonne, vier bis fünf Windstärken. Ein ideales Revier für Freerider und Freestyler.
Unser Trip nähert sich dem Ende und so ist es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen. Die Kapverdischen Inseln Sal und Boa Vista sind hübsche, kleine Inseln, die noch weitestgehend vom Massentourismus verschont geblieben sind. Vor allem Boa Vista ist noch mal um einiges ruhiger als Sal. Der Wind weht nie sehr stark, dafür in der Regel beständig, was die Inseln zu einem guten Revier für 95 Prozent der deutschen Windsurfer und Kiter macht. Wer also einfach entspannen möchte und ein Revier sucht, bei dem er fast jeden Tag aufs Wasser kommt, ist mit einer der beiden Inseln bestens bedient.
Nähere Infos bekommst du unter www.sportreisen.de.
Boa vista Spotübersicht:
Die besten Monate sind November bis April. Dann weht der Nordostpassat häufig mit vier bis maximal fünf Beaufort.
Windsurfen und Kiten: Praha do Estoril
Spots:
- Stino:
Hier weht der Wind side offshore von rechts. Es ist ein Flachwasserrevier mit Stehbereich und eher böigem Wind. Gut zum Freestylen!
- Funana:
Der Wavespot funktioniert am besten bei Nordwest-Swell, insofern dieser da ist. Die Welle bricht ab zwei Metern und kann bis zu fünf Metern hoch werden.
- Turtle Bay:
Beliebter Freeridespot, bei Swell auch lange Wellen möglich! Im Vergleich zu Stino gibt es mehr Wind, der auch konstanter ist.
Wellenreiten: Praha Cabral und Riu d’ Janeiro mit Rights und Lefts bei Nordswell. Wellenreiten geht auch in der Turtle Bay bei hohem Swell, in Ervatao und an vielen anderen Stränden wie zum Beispiel in St. Monica, Cural Velho und Ervatao.
Posted: Juli 1st, 2005 under WINDSURF, KITE, SURF, REISE, BERICHTE.
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Down the Line
„Bis der liebe Gott am Abend das Licht ausmacht.“
Die Welle, von althochdeutsch „wellan“ („wälzen“), ist im physikalischen Sinne eine Art der Energieausbreitung, eine zeitlich und örtlich periodische Veränderung einer physikalischen Größe g(t, x). Wenn benachbarte Raumpunkte dieselbe Fähigkeit besitzen und eine Kopplung zwischen den beiden Punkten besteht, dann kann die Energie von einem zum nächsten Raumpunkt abwandern. Dieses Ausbreitungsphänomen nennt man Welle.
Seit jeher üben das Meer und die auf die Küsten schlagenden Wellen eine tiefe Faszination auf die Menschen aus. Oft hört man sie sagen „Ich brauche das Meer in meiner Nähe“. Weshalb können sie oft nicht sagen, es ist ein starkes, inneres Gefühl. Genau dieses Glücksgefühl muss es sein, das uns antreibt, wenn wir uns ins voll bepackte Auto setzen und trotz horrender Spritpreise zu den Küsten Hollands oder Dänemarks aufbrechen oder mit dem Flugzeug Richtung Kanaren, Marokko oder Südafrika Landflucht begehen. Es gibt viele von uns, Wellensuchende, Glücksuchende, Waverider. Wir treffen uns ohne Verabredung an den Stränden dieser Welt. Die Wetterkarten bestimmen den Zeitplan und manchmal das halbe Leben.
Die tobende See, für die Fischer Goldgrube und Grab, für Badegäste und Touristen unnahbares Naturschauspiel, ist für uns Surfer ein riesiger Abenteuerspielplatz. Direkt nach der ersten Wende vor einem großen Set liefert die Natur selbst die Antwort, weshalb Waveriding immer die Königsdisziplin im Windsurfen bleiben wird. Es ist das dritte Element! Nicht nur Wind und Wasser, sondern auch noch pure Wellenenergie. Deine Welle baut sich auf und donnert dumpf, die Konzentration ist am Anschlag, jeder Muskel ist angespannt. Jetzt bloß gut positionieren, keinen dummen Fehler machen. Die Welle lesen und im Kopf eine Linie zur Lippe vorausberechnen. Und dann schiebt dich eine Riesenhand mit ungebändigter Energie ins Wellental. Du fliegst down-the-line! Der Fahrtwind rauscht in den Ohren, das Rail greift, die Gischt fliegt, dein Instinkt meldet dir nun, wo die Lippe ist. Du triffst sie voll und sie katapultiert dich in die Luft, durch die Luft. Das Timing passt, du landest vor dem Weißwasser, die Haare fliegen, das Segel reißt kurz und wird dann wieder freigegeben. Was für ein Wahnsinn! Adrenalinschock. Du hast diese Wasserwand gesurft, besser: Du bist mit ihr gesurft! Das ist der entscheidende Punkt.
Waveriding ist nicht nur den Surfprofis vorenthalten! Jeder Surfer jeglichen Niveaus kann sich Schritt für Schritt an die Wellen heranwagen, solange er versucht, mit den Wellen zu surfen und nicht gegen sie!
Die goldenste aller Wellenregel ist wohl: Auf die „Ampel“ achten! Wellen reisen meist in Sets. Nach drei bis fünf großen Wellen folgt oft eine ruhige Phase. Der Trick ist, eben nicht in See zu stechen, wenn die Bahn augenscheinlich frei ist, um dann direkt der ersten Welle des nächsten Sets in die Arme zu surfen. Stattdessen musst du am Ende des Sets losfahren, wenn es für den Wellenneuling am schlimmsten aussieht, um in der Ruhephase bereits in der Brandungszone zu sein. Wenn du startest, tue es entschlossen und schnell. Nichts ist schlimmer als ein zögerlicher Start im Shorebreak. Entweder ist die Bahn frei und es geht los oder du wartest in sicherem Abstand am Ufer. Die Wellen entscheiden, wann gesurft wird, nicht die Surfer. Manchmal musst du eben drei Minuten am Strand warten, bis die Ampel wieder grün wird. Und manchmal musst du auch umdrehen und klein beigeben, wenn die Ampel unterwegs unerwartet von Grün auf Rot umschaltet! Auch die anderen Surfer sind hierbei ein guter Anhaltspunkt. Wenn die ganze Mannschaft auf dem Weg durch die Brandungszone eine Chickenjibe hinlegt und umdreht, ist da meist was dran und es macht wenig Sinn, alleine weiter ins Verderben zu dümpeln.
Surfe mit den Wellen, niemals gegen sie! Suche dir für deinen Wellenritt nicht unbedingt die erste Welle des Sets aus. Wenn dann etwas schief läuft, hast du die restlichen drei, vier Wellen noch vor dir und wirst gründlich durchgemangelt. Auch nach einem gelungenen Wellenritt gilt es, wachsam zu sein. Versuche einen Blick hinter deine Welle zu werfen, bevor du heraushalst. So ersparst du dir unerwünschte Begegnungen mit Wellen, die dir direkt nach der Halse den Weg versperren. Surfen in der Welle ist nicht gefährlich, erfordert aber den nötigen Respekt beim Spiel mit dem dritten Element. Daher ist Rücksicht aufeinander noch wichtiger als sonst. Der Surfer, der die Wellen beim Rausfahren queren muss, hat immer Vorfahrt, auch wenn der eigene Wellenritt womöglich schwerst darunter leidet. Auf der Welle gilt: Wer zuerst auf der Welle war, entscheidet, ob er sie teilen möchte oder nicht. Wer bei definiert brechenden Wellen näher an der Lippe surft, kann die Welle für sich beanspruchen. Generell sollte man sein Wellenrecht aber nie erzwingen. Es gibt genug Stress im Leben, da sollte man sich auf dem Wasser lieber entspannen!
Also warten und hoffen auf das nächste Mal. Weissenhaus? Klitmöller? Wijk? Vargas? Wir werden wieder alle zwei Tage vorher wissen, wenn es soweit ist und uns ohne Verabredung an den Stränden treffen. Mit dieser Vorfreude im Bauch, mit diesem Leuchten in den Augen! Vollgas down-the-line! Bis nichts mehr geht. Bis der liebe Gott am Abend das Licht ausmacht.
Posted: Juli 1st, 2005 under WINDSURF, BERICHTE.
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Interview mit Carlos Entique Santos
Carlos Enrique Santos ist Kapverdier, 41 Jahre jung und seit 2001 auf Sal Manager von Planeta Cabo Verde und vom Hotel Leme Bedge. Er studierte Fremdsprachen in Frankreich und spricht mehr als fünf Sprachen fließend, unter anderem auch Deutsch. Nach 20 Jahren im Ausland kehrte Carlos 1996 wieder in seine Heimat zurück.
Free: Als du 1976 deine Heimat verlassen hattest, war da für dich klar, dass du irgendwann wieder auf die Kapverdischen Inseln zurückkommen würdest?
Carlos: Auf jeden Fall! Alles, was ich im Ausland gemacht habe, habe ich getan, damit ich eines Tages wieder hierher zurückkommen kann.
Free: Was ist für dich das Besondere an diesen Inseln?
Carlos: Die Lebensphilosophie. Natürlich hast du im Ausland Dinge, die du hier nicht hast. Aber wir haben hier eine bessere Lebensqualität und weniger Stress, auch wenn wir hier viel arbeiten. Und dann ist hier natürlich die Sonne! Das ist für mich die Hauptsache. Sollte ich mal Stress bei der Arbeit haben, dann gehe ich mit einer Tasse Kaffee aus meinem Büro nach draußen in die Sonne und schaue aufs Meer. Nach fünf Minuten bin ich wieder fit!
Free: Wenn du zurückblickst: Wie hat sich das Leben hier auf der Insel seit deiner Rückkehr verändert?
Carlos: Die Zeit von 1996 bis 1997 war noch etwas ruhiger. Doch seit 1998 wird bei uns viel gebaut und investiert. Immer mehr Veranstalter interessieren sich für die Kapverden. Außerdem hilft die problematische politische und religiöse Entwicklung in der restlichen Welt in gewisser Weise unserem Tourismus. Wir sind ein kleines, ruhiges, christliches Land. Die Touristen können sich hier sicher fühlen und müssen keine Angst haben.
Free: Siehst du auch negative Begleiterscheinungen dieser enormen touristischen Entwicklungen?
Carlos: Natürlich. Die negativen Begleiterscheinungen sind dieselben, wie man sie aus den großen Städten kennt. Unsere gesamte Infrastruktur ist darauf noch nicht zu 100 Prozent vorbereitet.
Free: Was sind denn deiner Meinung nach die Hauptaufgaben, die die Inseln in den nächsten Jahren touristisch bewältigen müssen?
Carlos: Momentan können wir uns noch durch unsere „kapverdische Art“ retten: Alles ganz entspannt sehen! Aber wenn die Entwicklung im Tourismus weiterhin so schnell vorangeht, wenn noch mehr Hotels gebaut werden und die Standards für diese weiter angehoben werden, dann benötigen wir zum Beispiel dringend so etwas wie eine Hotelfachschule. Wir brauchen geschultes Personal, das weiß, wie man einen Gast an der Rezeption empfängt. Da reicht nicht immer nur ein Lächeln, sondern das ist auch ein bisschen psychologische Arbeit. Wir brauchen Leute, die wissen, wie man einen Teller serviert, nicht nur mit Freundlichkeit, sondern auch mit Professionalität. Momentan können wir dem Personal noch selbst beibringen, was es im Umgang mit den Gästen wissen muss, aber wenn noch mehr Hotels entstehen, kommen wir nicht mehr hinterher. Dann braucht man auch geschulte, mehrsprachige Fremdenführer für die deutschen, holländischen und englischen Touristen, die diesen die Geschichte und die Besonderheiten der Inseln in ihrer Sprache erklären.
Free: Was sind deine Ziele in den nächsten Jahren?
Carlos: Unsere Pläne sind es, die Agentur, das Hotel Leme Bedge, die Windsurfstation am Strand, die Tauchstation und den zukünftigen Fishing-Club zusammenzuführen. All das soll zu einem „Sportprodukt“ werden. Es gibt bisher auf den Kapverden keinen Veranstalter, der sich explizit auf Sport spezialisiert hat. Wenn jemand auf den Kapverden in Zukunft Sport machen will, dann soll er sagen: „Ich weiß, es gibt Planeta und das Leme Bedge und die wissen, wovon sie reden.“
Posted: Juli 1st, 2005 under REISE, BERICHTE.
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King of the Coast 2005
Deutschland kitet nun bereits seit 1998 und seitdem erblickten viele Events und Contests das Licht unserer schönen deutschen Küsten und Inseln. Einen Event zu organisieren, verlangt viel Energie, Idealismus, Unterstützung, finanzielle Mittel und natürlich die Akzeptanz der Kiter. Und so verschwanden einige dieser Events nach und nach wieder von der Bildfläche. Nur der King of the coast blieb fester Bestandteil der deutschen Szene.
Seit fünf Jahren steht der King of the Coast für die Freude am Kiten und den gemeinsamen Spaß auf dem Wasser. Mittlerweile ist der KOTC zu einem der größten organisierten Treffen der deutschen Kiteszene geworden.
Immer am letzten, vollständigen Wochenende im April führt der Weg für viele Hersteller, Aktive und Fotografen an die Strände der Kieler Förde. Dieses Jahr waren
Leute aus Kiel, Flensburg, Hamburg, Lübeck, Bremen, Greifswald, Hannover, Leverkusen, Berlin und München gekommen (sorry, falls wir Städte vergessen haben). Zum inoffiziellen Saisonopening gab es die Möglichkeit, kostenlos die neuesten Produkte zu testen, die Top-Rider Deutschlands zu bestaunen, Gespräche mit den Herstellern zu führen und natürlich jede Menge Spaß auf dem Wasser zu haben. Der King of the Coast 2005 wurde von perfektem Ostwind und strahlender Sonne verwöhnt. 10°C Lufttemperatur und rund 8°C Wassertemperatur brachten zwar kein Karibik-Feeling auf, aber der Wind mit durchgehend 5 bis 6 Windstärken aus Osten brachte ideale Bedingungen auf dem Wasser. Auch Wellen fehlten nicht, sodass sogar die brandneuen Surfshapes sinnvoll getestet werden konnten. Die Kieler Eastcoast (Brasilien/Schönberger Strand) zeigte sich von ihrer besten Seite.
Top-Firmen wie f.one, Flysurfer, Nobile, Beate Uhse, AP oder Wipika und viele weitere
präsentierten ihre neuesten Entwicklungen. Jeder, der vor Ort war, konnte unkompliziert und ohne Formalitäten aus einer Palette von mehreren dutzend Boards und Kites seinen Favoriten zum Testen auswählen. Dieses Angebot wurde rege in Anspruch genommen und sorgte für viele glückliche und kaufwütige Gesichter am Strand.
Natürlich war der KOTC auch dieses Jahr ein großes Treffen aller Kiter, die sich nach einem langen Winter und langen Reisen in südliche Gefilde erstmals wieder an heimischen Gewässern trafen. Viele Bilder von dem Wochenende gibt es auch im Internet. Links findet ihr auf www.kingofthecoast.de.
Wir freuen uns bereits auf den nächsten King of the Coast 2006. Dieser findet am 29./30. April 2006 statt! Wir sehen uns in Kiel!
Posted: Juli 1st, 2005 under KITE, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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How to make a… Krypt Tail Grab
Posted: Juli 1st, 2005 under KITE, BERICHTE.
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Kitesurf-Trophy auf Fehmarn
Bei sehr wechselhaften Wetter- und Windbedingungen kamen die besten deutschen Kiter am Pfingstwochenende am Burger Südstrand auf Fehmarn voll auf ihre Kosten! Es konnten insgesamt zwei komplette Freestyle-Wertungen in allen drei Klassen, Herren, Damen und Junioren, durchgeführt werden.
Bei den Herren gab es bereits am ersten Tag eine Überraschung. Kim Albrecht, der eigentlich noch in der Klasse der Junioren hätte starten dürfen, schmiss in einem Vorlauf bei den Herren in einem sensationellen Heat den Deutschen Vizemeister und Top-Favoriten Henning Nockel raus. Damit qualifizierte er sich für das Halbfinale, das er jedoch knapp gegen den Worldcup-Kiter Niklas Huntgeburth verlor. Im Finale trafen Clinton Bolton und Niklas Huntgeburth aufeinander. Das technisch sehr anspruchsvolle Finale fand unter optimalen Bedingungen statt. Mehr als 1.000 Zuschauer verfolgten sensationelle Sprünge und aktionsgeladene Manöver. Schließlich konnte sich Clinton Bolton mit seinem radikalen Fahrstil durchsetzen.
Am Finaltag, dem Pfingstmontag, wurden die Kiter noch einmal gefordert: Bei nördlichen Winden um 5 Windstärken wurde schon früh morgens mit der Freestyle-Wertung begonnen. Um den Contest spannender zu gestalten, hatte sich Headjudge Sunny Jonas dazu entschlossen, die Freestyle-Disziplin im Rahmen einer Double Elimination starten zu lassen. Dabei wurden die Fahrer nach der am Samstag gefahrenen Wertung gesetzt, sodass sich einerseits die Top-Fahrer nicht erst durch diverse Qualifikationsläufe durchkämpfen mussten, andererseits die einzelnen Heats vom fahrerischen Können her sehr viel ausgeglichener waren. Zwar fahren auch bei der Double Elimination vier Kiter in einem Heat, allerdings treten jeweils zwei Fahrer direkt gegeneinander an. Sechs Judges bewerten das fahrerische Können.
Mit einer sehr starken Leistung konnte sich der am Samstag nur auf Platz 17 der Herren gefahrene Stefan Permien am Ende auf den vierten Platz vorkämpfen. Die Favoriten vom Samstag, Kim Abrecht, Sebastian Bubmann und Niklas Huntgeburth, zeigten ein Feuerwerk an schwierigsten Freestyle-Manövern, spektakulären Tricks und Sprüngen. Über 5.000 Zuschauer verfolgten gespannt das Spektakel am Südstrand. Niklas Huntgeburth konnte sich im Halbfinale gegen Sebastian Bubmann durchsetzen und qualifizierte sich damit für das Freestyle-Finale gegen den Deutsch-Südafrikaner Clinton Bolton.
Was dann folgte, war Kiten auf höchstem Niveau. Nur durch die Anzahl der Sprünge konnte Niklas das Finale für sich entscheiden. Damit stand es 1:1 zwischen Bolton und Huntgeburth und es musste ein weiteres Finale gestartet werden. Aber auch das entschied Niklas für sich und verwies damit den Top-Favoriten auf den zweiten Platz.
Auch bei den Damen blieb es bis zum Ende spannend. Anne Pieper dominierte über lange Strecken den Contest, hatte aber auch einige Schwierigkeiten mit dem später sehr böigen Wind. Im Finale konnte sie ihr Potential jedoch voll ausschöpfen und verwies die Top-Favoritin Claudia Höhne auf den zweiten Platz.
Mit einer sensationellen Leistung bei den Junioren platzierte sich die Nachwuchshoffnung Mario Rodwald auf den ersten Platz, dicht gefolgt von dem Lokalmatador Rick Jensen. Auf dem dritten Rang landete Marvin Hoffman.
Posted: Juli 1st, 2005 under KITE, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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Kitesurf-Trophy Laboe
Eine Woche vor der Kieler Woche, vom 10. Juni bis 12. Juni 2005, fand der zweite Tourstopp der Kitesurf-Trophy in Laboe an der Kieler Förde, direkt unter dem Ehrenmal statt. Strahlend blauer Himmel, Sonne und optimaler Sideshore-Wind sorgten für einen traumhaften ersten Tag in Laboe. Pünktlich um elf Uhr konnte mit dem Freestyle-Contest gestartet werden. Bei vier Windstärken konnten die besten Kiter Deutschlands ihr Können auf dem Wasser und in der Luft unter Beweis stellen. Zahlreiche Besucher schauten sich die spektakulären Sprünge und Tricks der Kiter vom Laboer Strand aus an. Der Wind nahm während des Tages sogar stetig zu, sodass insgesamt eine komplette Freestyle-Wertung in den Klassen der Damen und Herren durchgeführt werden konnte. Headjudge Sunny Jonas war begeistert und setzte wie bereits auf Fehmarn für den Samstag eine Wertung innerhalb der Double Elimination an. Auch am zweiten Tag wurden spannende Heats ausgetragen. Dabei konnte sich der Gewinner der Single Elimination vom Vortag, Niklas Huntgeburth, erneut in einem packenden Finale gegen Stefan Permien durchsetzen und belegte damit Platz eins. Permien hatte zuvor seinen zweiten Platz erfolgreich gegen Henning Nockel verteidigen können, der somit auf Platz drei landete. Nockel: „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich bin am Freitag ziemlich früh ausgeschieden und freue mich, dass ich mich am Samstag so erfolgreich nach vorne kämpfen konnte.“
Doch auch bei den Damen ging es am Samstag heiß her. Anne Pieper, die Gewinnerin vom Vortag, traf im Finale der Double Elimination auf Claudia Höhne. Als bei einer starken Böe eine Leine an Piepers Kite riss, war Claudia Höhne der Sieg nicht mehr zu nehmen. Dadurch kam es zwischen den beiden zu einer Pattsituation in der Platzierung und es musste ein Stechen gefahren werden. In einem spannenden zweiten Finale konnte Anne Pieper ihren ersten Platz bestätigen. Der dritte Platz wurde von Sabrina Lutz belegt.
Auch die Junioren traten an diesem Samstag in einer Double Elimination an. Hier zeigte sich während der gesamten Heats, dass Mario Rodwald die Nase vorne hat. Mit sicheren Sprüngen verwies er Rick Jensen auf den zweiten Platz. Marvin Hoffmann wurde wie auf Fehmarn Dritter.
Nach einem erfolgreichen Tag auf dem Wasser traf sich die Kiter-Gemeinde am Abend im Luna Club in Kiel, um dort erfolgreich das Haus zu rocken. Wie man hört, hatten die Jungs und Mädels im Schnitt drei Promille, sodass die obligatorischen Nackttanzszenen nicht ausblieben. Und einige, die alleine zur Party gekommen waren, sollen diese dann in Begleitung wieder verlassen haben oder Kim?!
Sunny Jonas hatte am nächsten Tag nur wenig Erbarmen für die verkaterten Kiter und startete pünktlich um 10:30 Uhr den ersten Heat. Doch gegen Mittag wurde der Wind immer unkonstanter, sodass alle weiteren Heats abgesagt wurden und nur ein freiwilliger Big Air Contest stattfand.
Alle weiteren Infos zur Tour bekommst du auf www.kitesurf-trophy.de.
Posted: Juli 1st, 2005 under KITE, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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Clever & Smart - Interview mit Peter Garzke
Peter Garzke wurde 1968 in Kleve geboren. Mit neun Jahren hat er mit Windsurfen angefangen, erst an der holländischen Küste, dann in Spanien und später auf Hawaii. Was er anfangs noch mit Nachtschichten in der Fabrik finanzieren musste, wurde später durch namhafte Sponsoren unterstützt, um die Teilnahme an DWC und Worldcups zu sichern.
FM: Wie oft hörst du das Statement: „Du surfst ja nur und machst dir ansonsten einen lauen Lenz“?
PG: OFT! Aber im Prinzip ist das ein Job wie jeder andere auch. Gerade zu Hause sehen die Leute, „Aha, der Garzke geht mal wieder erst um elf Uhr aus dem Haus. Da haben die anderen schon um acht vor dem Computer gesessen“. Dass ich teilweise bis Mitternacht arbeite, sehen die natürlich nicht. Dann fährt der Garzke mal wieder nach Südafrika und nach Hawaii – das ist für den normal sterblichen Deutschen natürlich schwer nachzuvollziehen, was man da eigentlich macht. Ich hab da schon die lustigsten Kommentare gehört. Aber das kann man irgendwann wegblenden und wenn man zusätzlich die multimediale Präsenz hat, dann sehen die Leute auch, dass man was macht. Schade nur, dass es daran gebunden ist.
FM: Nichtsdestotrotz sieht man dich in den Magazinen dann auf einem Windsurfboard und das sieht dann natürlich nach Spaß aus …
PG: Ja klar, das stimmt. Dass man da über Stunden um einen Fotografen rumkurvt, ist ein anderes Thema. Es dauert richtig lange, bis man ein gutes Foto hat. Es muss ja auch alles stimmen – Wasserfarbe, Welle, Wind, Sonne … Teilweise ist das echt mühsam. Manchmal ist man für drei Fotos eine Woche lang unterwegs.
FM: Windsurfst du nur oder gehst du auch wellenreiten?
PG: Ich habe jetzt grade vor kurzem auf Ohau wieder auf einem Wellenreiter gestanden, da hatten wir längere Zeit Flaute. Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Ich geh dann meistens longboarden, weil ich keinen Bock habe, mich auf den Shortboards so abzurackern und dann keine Wellen zu kriegen. Das mit dem Longboarden ist bei mir auch viel besser geworden, seitdem ich snowboarde. Meine Freundin kommt aus dem österreichischen Raum. Eigentlich war ich immer ein Anti-Schneemensch. Aber durch sie hab ich dann doch den Dreh bekommen. Die ersten zwei Saisons waren zwar ein bisschen schwer, weil ich doch sehr erfolgsverwöhnt war und dachte, dass mir das Snowboarden zufliegen würde. Aber irgendwann hab ich gemerkt, dass irgendwo runterfahren ohne ein Segel doch tierisch Bock macht. Danach bin ich auf einen Wellenreiter gestiegen und hab mich wohl gefühlt.
FM: Wie ist es mit dem Kiten?
PG: Kiten habe ich zwei Jahre gemacht. War eine spannende Erfahrung, weil der Zug und die Kräfte ganz anders sind als beim Windsurfen. Es ist sehr leicht zu lernen, weil das alles sehr eindimensional ist. Windsurfen ist für mich motorisch viel anspruchsvoller als Kitesurfen. Das siehst du ja auch, dass die Leute, die beim Windsurfen nie so richtig den Griff bekommen haben, auf einmal anfangen zu kiten und da schon die Kanonen sind! Ich find den Sport schön, solange man sich auf dem Wasser respektiert. Kitesurfen ist meiner Meinung nach gefährlicher als Windsurfen. Wenn du dich beim Windsurfen hinpackst, dann fällt das Segel ins Wasser und der Druck ist raus. Wenn du beim Kiten abschmierst, geht das Gerät erst richtig los. Deswegen ist es einfach wichtig, dass man vorher einen Kurs gemacht hat und die Safetys verinnerlicht, sodass sie automatisch ablaufen.
Viel wichtiger ist jedoch der Respekt unter den Wassersportlern – dass ein Kiter nicht mitten durch die Windsurfer durchzieht, sondern sich 100 Meter in Lee aufhält. Ich finde es einfach schade, dass das nicht überall klappt. Als Windsurfer guck ich auf dem Wasser nach anderen Windsurfern. Wenn da ein Kiter in der Mitte ist, kann man diesen nicht richtig einschätzen. Deswegen wäre es mir wichtig, dass man Windsurfer und Kiter auf dem Wasser strikter trennt. Es ist ja genug Platz da.
FM: Wie finanzierst du dich?
PG: Über Sponsoren, die Budgets geben. Teilweise habe ich natürlich die ganz normalen Sponsoren aus der Windsurfbranche, aber ich bin immer auf der Suche nach Sponsoren, die aus der externen Branche kommen.
FM: Man munkelt, dass es der Windsurfbranche gar nicht mehr so gut geht. Trotzdem ist Sponsoring dort noch möglich?
PG: Es ist schon noch möglich, doch es ist ein ganz kleiner Kuchen. Da muss man halt sehen, dass man sein Stückchen abbekommt und einfach vernünftige Arbeit abliefert – sprich im Video- und Magazinbereich. Wichtig ist sicherlich auch Loyalität. Ständiges Hin und Her zwischen den Firmen wirkt sich nicht positiv aus. Es ist in meinen Augen wichtig, sich bei den Partnern ein gewisses Standing zu erarbeiten. So war das bei mir zum Beispiel mit Lorch.
FM: Was hast du studiert?
PG: Diplomsport.
FM: Auch abgeschlossen?
PG: Ja, auch abgeschlossen. Von daher fühlt man sich schon ein bisschen besser als die Leute, die ihr Leben lang nur Windsurfen waren. Das ist schon risikoreich.
FM: Die goldenen Jahre der Windsurfindustrie müsstest du doch auch noch mitgemacht haben, oder?
PG: Nein. Als ich angefangen habe, da war das Ganze schon vorbei. Viele Windsurfer hatten da bei den Firmen verbrannte Erde hinterlassen. Die Firmen wurden vorsichtiger und man musste sich wieder ganz vorsichtig rantasten und lange warten. Ich glaube, ich bin erst mit 26 Jahren mit Fanatic so richtig da reingerutscht. Ab dem Zeitpunkt ging es stramm bergauf, denn wenn so eine große Firma hinter dir steht und deinen Namen entsprechend fördert, merkst du halt auch, dass das um einiges besser und vor allem einfacher läuft. Aber da waren die fetten Jahre schon vorbei. Ich kann auch absolut nicht handeln. Klar versucht man irgendwann mal was rauszukitzeln, aber ich dachte mir auch: „Du bist auf Hawaii und in Südafrika – Hauptsache, du kommst über die Runden und kannst dir neue Kameras kaufen, damit du anständig arbeiten kannst.“
FM: Was machst du, um auf deinen lang Trips nicht zu verblöden?
PG: Naja, ich hab ja studiert und von daher einen anderen Einblick bekommen. Ich glaube, es liegt schon daran, mit welchen Leuten du rumhängst. Man kann sich auch seinen Kreis suchen. Ich bin nie ein Partyanimal gewesen. Das war gerade zu DWC-Zeiten ein Problem, in denen alles auf Party ausgelegt war. Wenn du dich da zurückziehst und keine Lust hast, wird man erstmal zur Seite geschoben. Ich war nie jemand, der gerne zwei Mal die Woche über die Strenge schlägt. Ich bin mehr so ein Naturmensch.
Aber nicht zu verblöden, ist hier schwer. Man ist schon ziemlich isoliert. Man liest halt ein bisschen und versucht am Ball zu bleiben, indem man alles verfolgt, was politisch so abgeht.
FM: Hattest du denn das Gefühl, während deiner Zeit beim DWC ausgegrenzt zu sein?
PG: Naja, ausgegrenzt würde ich direkt nicht sagen. Ich habe mich selbst abgegrenzt. Das Partygehabe war halt nicht so meins. Für mich war der Sport wichtig und alles andere kam danach. Ich habe jede Menge nette Leute kennen gelernt, aber es war oft so, dass man da hochgefahren ist und dann war kein Wind und du hast das ganze Wochenende am Strand gesessen und bist nicht gefahren. Wenn Wind war, war es schön und du hast dich nach dem Wochenende gut gefühlt. Aber oft war eben nur Party. Und das war schon schweineteuer. Wer kann sich das leisten, eine Woche auf Sylt einfach so abzuhängen, wenn nicht Daddy als Sponsor hat? Man musste auch viel Geld ins Material stecken. Und da fragst du dich, ob sich das überhaupt lohnt oder ob man das Geld nicht lieber in einen schönen Trip nach Hawaii stecken sollte, um an seinem Level zu arbeiten. Das habe ich auch gemacht. DWC war für mich eher nervig, weil ich nicht aus dem Norden komme. Dann musstest du vier Wochen hintereinander von Insel zu Insel hüpfen und zwischendurch wieder nach Hause zum Studieren. Außerdem bin ich viel lieber an einem Ort und konzentriere mich auf das, was ich tue, als wenn ich jede Woche woanders bin. Das ist mir zu hektisch und macht mich irgendwie nervös.
FM: War denn das Konkurrenzverhalten damals im DWC größer als heute?
PG: Das kann ich nicht abschätzen. Aber ich glaube nicht, dass sich die Menschen großartig verändern. Mich persönlich hat diese Hinterfotzigkeit unter den Fahrern genervt. Allerdings bin ich nie richtig drauf eingestiegen. Irgendwann hat einer der Wettkampfteilnehmer in einem Magazin die Top Ten der deutschen Waveszene charakterisiert und das fand ich scheiße. Da stand so etwas wie „Ja, der Garzke wird nie auf dem ersten Platz landen, weil er kein Wettkampftyp ist“. Zum Glück hab ich denjenigen im kommenden Event geschlagen und landete auf Platz eins. Ich denke, so was wird heute nicht anders sein. Ich vermiss diese Wettkampfgeschichten und -typen jedenfalls nicht.
FM: Ich habe das Gefühl, dass du international sehr in den Fachmedien präsent bist. Aber das fällt mir bestimmt besonders auf, weil ich die Magazine lese.
PG: Ja, genau. Die Leute in Deutschland sagen mir, ich sei gar nicht mehr präsent. Ich hab in Deutschland nicht mehr so viel Coverage, aber international ist das viel mehr wert als nur in Deutschland.
FM: Ist dir internationale Presse denn wichtiger als die deutsche?
PG: Auf jeden Fall. Wir versuchen zum Beispiel die Marke Lorch zu internationalisieren und wenn du Importeure suchst, die sehen, dass die Marke auch bei denen schon bekannt ist, ist das für uns wichtiger.
FM: Was ist international dein Lieblingsmagazin?
PG: Das ist schwierig.
FM: Was macht denn ein gutes Surfmagazin für dich aus?
PG: Ich weiß, dass ein Surfmagazin auch den „Normalo-Surfer“ bedienen muss, der am Wochenende mit seinem Wohnmobil ans Flachwasser fährt. Der muss sich natürlich auch mit dem Magazin identifizieren können. Davon leben die Magazine. Aber es ist auch wichtig, dass über die Bildsprache die Leute zum Träumen animiert werden. Das bricht immer häufiger weg. Und bei den Bildern sind die Qualität und die Auswahl entscheidend.
FM: Was sind deine Pläne für die nächsten Jahre?
PG: Ich würde gerne mein Leben so weiterleben. Ich versuche immer neue Felder aufzutun, wie zum Beispiel beim Kinofilm „Movienight of Extremsports“. So etwas würde ich gerne intensiver machen. Dann werde ich mich natürlich auf meinen Boardsponsor konzentrieren, um die Palette zu verbessern. Wir sind mit 80 Prozent der Boards schon sehr zufrieden, aber bei ein paar Boards muss die Entwicklung noch weiter vorangetrieben werden. Dafür muss ich viel auf dem Wasser sein. Man kann viel entwickeln, aber man darf den Kontakt zum Wasser und das Boardgefühl nicht verlieren, um zu wissen, was funktioniert und was nicht. Heutzutage kann ich auf ein Board springen, fahre 200 Meter oder ein, zwei Wellen und weiß, was da los ist. Alles andere wird sich in der Zukunft irgendwie zeigen.
FM: Wenn man in deiner Nähe surft, hört man dich auch mal ganz gerne etwas schreien …
PG: … aber nur ab und zu. Windsurfen ist oft ein Kampf mit mir selbst. Ich habe gewisse Erwartungen an mich und wenn ich diese nicht erfülle, werde ich stinksauer und muss mich anpeppen. Ich schreie nie mit anderen Leuten rum, was manche missverstehen und am Strand erklärt werden muss. Das ist mein eigener Kampf mit der Welle und dem Material.
FM: Das passt gar nicht zu dir. Du wirkst so ausgeglichen.
PG: Ich bin auch eher ein ausgeglichener Typ. Aber es frustriert mich vollkommen, wenn es nicht läuft. Ich weiß, dass es häufig daran liegt, dass die Bedingungen nicht stimmen. Es nervt mich, wenn ich stundenlang gegen die Bedingungen ankämpfe und nicht das raushole, was ich mir wünsche. Das kriegst du auch nicht in den Griff. Und dann schreie ich halt rum. Aber das macht Boris Becker auch!
Posted: Juli 1st, 2005 under WINDSURF, BERICHTE.
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