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Archive for November, 2004

The Search behind the Iron Curtain

Rip Curls nie enden wollende Suche nach perfekten Wellen hat eine Reise hinter den eisernen Vorhang in ein bis dato kaum erforschtes Land, nämlich Russland, unternommen. Mit von der Partie: der dreimalige Weltmeister Tom Curren und der als Wunderkind geltende Brian Toth aus Puerto Rico. Sie erforschten ungesurfte Wellen, als ein mächtiger Sturm einen großen Swell an die russische Küste schickte. Auf dem Höhepunkt des Swells surften die beiden einen perfekten Spot an einer Flussmündung. Dort brachen die Wellen in einer derartigen Perfektion, dass Tom Curren sie mit dem von ihm geliebten Break in Hossegor verglich. Und Hossegor gehört zu den besten Beachbreaks der Welt.Mit der Unterstützung von Helikoptern, 4-Wheel-Drive-Jeeps und der neuesten Neoprentechnologie konnten Tom und Brian in einsame Gegenden vordringen und die Wellen im zehn Grad kalten Wasser genießen.

Beide konnten mit diesem unglaublichen Trip Rip Curls, „The Search“ ein weiteres Kapitel hinzufügen. „The Search“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, einsame Inseln und unzugängliche Küsten auf der Suche nach unentdeckten Wellen zu erforschen. „Ich habe im Grunde gar nicht gewusst, wo wir hinfahren, bis zu dem Tag, an dem wir dort ankamen“, sagte Curren. „Für mich ist es absolut lohnenswert, an einen Ort zu reisen, von dem ich bisher nichts wusste.“ Neben unglaublichen Wellen erkundete das Team eine spektakuläre Landschaft voll von aktiven Vulkanen, schwarzen Sandstränden und eine reichhaltige Natur mit Bären, Seelöwen und Killerwalen. Ted Grambeau, einer der besten Fotografen auf der Welt und der Travelspezialist schlechthin, durfte bei so einem Trip natürlich nicht fehlen. „Neben einem wunderschönen Land mit freundlichen Menschen fanden wir Surfbedingungen von einer so guten Qualität, dass wir sie wir nicht für möglich gehalten haben. Das Potential dieser Gegend ist wirklich atemberaubend.“

Dieser Trip wird auf Rip Curls neuestem Film „Inner Visions“ präsentiert werden. Man darf also gespannt sein.

Posted: November 1st, 2004 under SURF, BERICHTE.
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How to make a…

Backloop:
Für einen Backloop braucht man erstmal eine schöne, steile Welle. Auf diese hältst du dann ordentlich raumschots drauf und luvst kurz vorm Absprung an. Sobald du in der Luft bist, schaust du in Rotationsrichtung und drehst mit deinem Material in den Wind. Soweit ist das alles recht easy und probieren kann es eigentlich jeder. Im Grunde kann dir bei einem Backloopversuch nicht viel passieren, denn man landet ja unter dem Material. Absprung und Rotation sind leicht, der Knackpunkt ist die Landung. Um den Sprung so kontrolliert wie möglich zu gestalten, sollte man mit dem Körper so eng wie möglich an der Gabel bleiben. Also Arme und Beine anwinkeln. Am Scheitelpunkt des Sprunges kippt das Brett mit der Nose sozusagen vom Steigflug in den Sinkflug. Ab diesem Moment schaust du über die Schulter aufs Wasser und visierst schon mal den Landeort an. Nach wie vor hältst du das Segel dicht. Wenn du in der Luft auffierst, ist die Gefahr groß, dass du überrotierst. Und das hat in der Regel eine harte Landung zur Folge. Also halte das Segel dicht und zieh die Beine an, nur so bleibt das Brett steil genug für den Nosedive. Sobald die Brettspitze das Wasser berührt, streckst du die Beine, um die Landung abzufedern, und fiere das Segel ein klein wenig auf. Bei der Landung wirst du ziemlich viel Druck im Segel haben, also halte die Gabel fest, als ginge es um dein Leben. Je nachdem, wann du die Beine streckst und etwas auffierst, kannst du den Style deines Backloops beeinflussen. Machst du es wirklich in dem Moment, in dem das Board das Wasser berührt, wirst du bei der Landung so gut wie gar nicht nass. Du kannst dir aber auch Zeit lassen und deinen Sturzflug bis unter die Wasseroberfläche fortsetzen.

{GALERIE} howto_3.jpgGoiter:
An einen Goiter kann man sich nicht rantasten und es gibt auch keine Vorübungen. Entweder man macht ihn oder man lässt es. Wenn du dich nun entschieden hast, es zu probieren, dann suche dir am besten eine 1 bis 1,5 Meter Welle aus. Ganz wichtig ist, dass sie nicht closed-out bricht. Am besten ist es, wenn sie schon zum Teil gebrochen ist. Der Goiter ist ein Aerial mit noch etwas Gedrehe in der Luft, also spring auch ab wie zu einem Aerial. Benutzt du den brechenden Teil der Welle nur als Rampe für einen schothornvoraus-switchstanced Sprung, wirst du hinter der Welle landen. Visier den brechenden Teil der Welle an und fahre den Botton Turn kraftvoll mit dem Segel weit runtergelegt. Für einen Aerial würdest du das Segel wieder aufrecht stellen und dich in Richtung Strand von der Welle abdrücken. Das machst du auch beim Goiter, aber du stellst das Segel nicht nur aufrecht, sondern drückst es mit aller Gewalt und dem Schwung aus dem Botton Turn an dir vorbei ins Wellental. Bleib die ganze Zeit leicht in der Hocke und sobald das Segel talabwärts unterwegs ist, springst du kraftvoll ab und schmeißt dich auf dein Segel. Wenn dein Timing gut war, bekommst du noch einen Kick von der brechenden Lippe. Nicht wundern, wenn es jetzt laut knallt, das ist dein Mast, der in der Welle einschlägt. Keine Angst, das ist normal! Wenn du jetzt noch in den Schlaufen bist, hast du schon einen waschechten Goiter sehr gut eingeleitet. In der Luft musst du sofort die Beine hinterherziehen und mit aller Kraft mit der vorderen Hand an der Gabel reißen. Wenn du schnell genug warst und den Schwung vom Absprung mitnehmen konntest, sollte jetzt eigentlich alles glatt gehen. Möglicherweise kommst du nicht ganz rum und landest mit backgedrücktem Segel auf oder hinter der Welle. Lass dich davon nicht groß beeindrucken, sondern reiß das Segel einfach mit der vorderen Hand durch den Wind. So drehst du den letzten Teil im Wasser und du hast es geschafft. Der Goiter hängt fast nur von deinem Timing in der Welle ab. Bist zu früh, kommst du nicht rum und landest hinter der Welle. Kommst du zu spät an die Lippe, begräbt sie dich und du hast eine blutige Nase. Der Bewegungsablauf ist recht kompliziert, also bereite dich mental gut vor und sei dir bewusst, dass es ein „ganz oder gar nicht“-Move ist.

{GALERIE} howto_1.jpgCheeseroll:
Na klar, die Cheeseroll ist total oldschool, aber es gibt kaum einen Move, bei dem man vertikaler rotiert und eine krassere Upside-down-Bewegung vollzieht. Das wissen die meisten Leute nur leider gar nicht … Der Move, der von Surfern wie Cesare Cantagalli und Mike Waltze bekannt gemacht wurde, war etliche Jahre völlig in der Versenkung verschwunden. Damals wurde er seitlich über das Segel rotiert. Jetzt ist die Newschool-Cheeseroll wieder da. Wer sie hervorzaubert, hat den Überraschungseffekt auf seiner Seite und eine Menge Spaß in der Luft! Suche dir eine steile Rampe, die sich auch für einen Backloop oder Tabletop eignen würde. Dann springe mit Vollgas leicht nach Luv auf Höhe (nicht zu früh rotieren!). Währenddessen kippst du das Rigg nach hinten und schaust vorne am Mast vorbei. Durch die Rücklage des Segels schraubst du dich senkrecht in den Himmel, die Kopfdrehung leitet die Rotation ein. Eine Sekunde lang denkst du nun, du musst in genau dieser Position im Wasser einschlagen, doch dann dreht das Achterliek durch den Wind und der Wind „flippt“ dich regelrecht herum. Nun beginnt die für Sieg oder Niederlage entscheidende Phase der Cheeseroll: Vergiss bloß nicht, den hinteren Arm zu strecken und das Segel zu öffnen, sonst folgt direkt die zweite Rotation. Entscheide dich lieber für die gesunde Variante: Über die Schulter die Entfernung zum Wasser peilen und den Touchdown vorbereiten. Wenn alles passt, hast du jetzt bereits wieder Wind im Segel und schwebst sanft zur Wasseroberfläche zurück. Naja, zumindest fühlt es sich nach der blitzschnellen Rotation sanft an! Viel Spaß bei meinem neuen Lieblingsmove, der schockt garantiert richtig!!!

{GALERIE} howto_2.jpgPushloop:
Den Pushloop fängt man am besten schon direkt beim Absprung an. Du suchst dir eine schöne, steile Rampe und drehst beim Absprung in den Wind. Dadurch wird der nächste Schritt um einiges einfacher, da du schon in die richtige Richtung unterwegs bist. Als Nächstes guckst du steil über deine Schulter in Richtung Wasser und dein Körper folgt dann je nach Entschlossenheit. Wichtig in diesem Moment ist nur, dass du dir die Geschichte nicht wieder anders überlegst, denn damit stoppst du die Drehung und bleibst über deinem Segel hängen. Das ist kein schönes Gefühl, daher also immer ordentlich rumwirbeln. Hast du diesen Knackpunkt gemeistert, leitest du auch schon fast die Landung ein, indem du das Segel öffnest und nach vorne schiebst. Je nachdem, wie extrem du dich während der Drehung streckst, kannst du die Rotationsgeschwindigkeit kontrollieren und ein Überdrehen verhindern. Allerdings dauert es ein paar Versuche, um das richtige Gefühl dafür zu bekommen. Also viel Spaß beim „Pushen“…

Posted: November 1st, 2004 under WINDSURF, BERICHTE.
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Sponsoring Kitesurfen – Vollzeitjob Kitesurfprofi – Traum oder Albtraum?

{GALERIE} kiteprofi_1.jpgGratis-Kites und -Boards nach Belieben, Reisekostenbudgets, ein regelmäßiges Einkommen, das auch noch eine solide Altersrücklage erlaubt, und 220 „Arbeitstage“ pro Jahr auf dem Wasser. So etwa sieht die Idealvorstellung vieler Rider im Kitesurfen aus.Doch die durchschnittliche Realität ist davon weit entfernt. Die erste Stufe einer Sponsoringvereinbarung ist in der Regel noch relativ einfach zu erreichen: Kites zu einem reduzierten Preis vom Shop oder vom nationalen Importeur. Dabei bewegen sich die Preise dann im Bereich der Händlereinkaufspreise oder auch etwas darunter (HEK minus x Prozent). Manchmal werden die Kites auch zur Verfügung gestellt und müssen nach der Saison wieder zurückgegeben werden. Wer ein Sponsoring darüber hinaus sucht, wird es sehr schwer haben, einen erfolgreichen Abschluss zu finden.

Deutsche Pros können, mit sehr wenigen Ausnahmen, nicht vom Kitesurfen leben. Kitesurfen ist zwar eine angesagte Trendsportart, die immer mehr Interessenten gewinnt, Vermögen werden aber in dieser Branche nicht verdient, denn dafür ist der weltweite Markt noch viel zu klein und gleichzeitig zu wettbewerbsintensiv. Nicht ohne Grund verschwinden immer wieder Marken, wie zuletzt Takoon, innerhalb sehr kurzer Zeit von der Bildfläche.

{GALERIE} kiteprofi_2.jpgSponsoring in der oben beschriebenen Form der Idealvorstellung ist eine Seltenheit und trotzdem gelingt es einigen Ridern, dies zu erreichen.

Wir wollten gerne mal wissen, wie ein deutscher Importeur das Thema Sponsoring sieht und welche Anforderungen gestellt werden. Dazu haben wir ein Gespräch mit Dirk Wittenborg, Importeur von F.ONE für Deutschland und Österreich, geführt.

Free: Ihr habt den Import von F.ONE ja erst im November 2003 übernommen. Dementsprechend habt ihr euer Team sozusagen auf der grünen Wiese aufgebaut. Welche Kriterien sind bei euch entscheidend, wenn ihr einen Teamfahrer ins Team aufnehmt?

Dirk: Die Überlegungen dazu sind aus unserer Sicht sehr einfach. Die Aufnahme eines Teamfahrers lässt sich am besten mit der Ausschreibung einer Teilzeitstelle in der Marketingabteilung vergleichen. Das heisst, den entsprechenden Kosten für uns sollte eine konkrete Gegenleistung des Teamfahrers gegenüberstehen.

Free: Entstehen euch wirklich Kosten durch das übliche Standardmodell „günstige Kites“? Sei doch mal ehrlich, wenn ihr den Teamfahrern die Kites zu HEK minus x Prozent gebt, entstehen doch für euch keine Kosten, sondern ihr verkauft am Ende nur zusätzliche Kites mit etwas kleinerem Gewinn. Und vermutlich würde der potentielle Teamfahrer den Kite andernfalls nicht kaufen. Insgesamt also noch ein gutes Geschäft für euch.

Dirk: Oberflächlich betrachtet stimmt diese Überlegung, sofern man nur auf den Vergleich von unserem Einkaufspreis und den Preis für die Teamfahrer schaut. Dabei handelt es sich ja auch nur um die erste und einfachste Stufe des Sponsorings. Bezieht man dann noch die anderen Aktivitäten wie Reisen mit anteiliger oder vollständiger Kostenübernahme, Einbindung in unsere Medienarbeit etc. mit ein, so ergibt sich doch ein anderes Gesamtbild.

{GALERIE} kiteprofi_3.jpg Free: Wir konnten im ersten Jahr eurer Tätigkeit sehen, dass einige Dinge passiert sind, die über das übliche Standardmodell hinausgehen. Was leistet ihr für eure Rider und welche Erwartungen habt ihr an potentielle Teamfahrer?

Dirk: Es hört sich simpel an, ist im Detail aber dann doch nicht so einfach: Es kommt auf ein ausgewogenes Verhältnis von Leistung und Gegenleistung an. Das heisst, der Teamfahrer kann von uns mindestens erwarten, dass wir ihn mit Material unterstützen. Dabei sind Modelle von reduzierten Kaufpreisen bis zur kostenfreien Bereitstellung ohne Rückgabeverpflichtung möglich, sofern der Rider in der Rangliste ganz oben mitfährt. Darüber hinaus binden wir einige Teamfahrer in unsere Werbung ein, helfen dabei, branchenfremde Sponsoren zu finden, stellen Reisebudgets für die Wettkampfteilnahme, veranstalten Teamreisen etc. Unterm Strich unterstützen wir unsere Teamfahrer dabei, ihren Marktwert zu erhöhen. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass der Rider im Folgejahr teurer oder von der Konkurrenz abgeworben wird. Auf lange Sicht wird sich unsere Arbeitsweise aber auszahlen und auch die Loyalität unserer Rider stärken.

Free: Die Einbindung der Teamfahrer in eure Medienarbeit konnten wir im Laufe des Jahres verfolgen. Leider noch nicht bei uns!!! Was hat euch dazu bewogen?

Dirk: Wir haben uns die Werbung angesehen und waren der Meinung, dass es für die Leser der deutschen Fachmagazine doch eher langweilig ist, immer nur die Bilder von internationalen Ridern zu sehen, die keinerlei Bezug zu unseren Spots in Deutschland haben. Es erschien uns logischer, zum Beispiel Apichard (Api) Kälbert, Kitelehrer in St. Peter Ording, in die Werbung einzubeziehen. Erstens wird er am Strand mit dem entsprechenden Imagewert für uns wiedererkannt und zweitens hat es die Nachfrage nach Kitekursen bei ihm wesentlich gesteigert. Das Ergebnis ist so, wie wir es erhofft hatten, und ist somit für beide Seiten attraktiv.

{GALERIE} kiteprofi_4.jpg Free: Das ist ja schon mal mehr, als die Teamfahrer sonst geboten bekommen. Was sollte die Gegenleistung des Teamfahrers sein?

Dirk: Bei den meisten Bewerbungen, die wir von Teamfahrern erhalten, fehlt der Teil „was kann der Rider für uns tun“ fast vollständig. Letztes Jahr erreichte uns eine Bewerbung, die sich zusammengefasst wie folgt las: „Ich kite extrem gut, sehe gut aus, alle wollen mich haben, auf HEK minus x Prozent habe ich keinen Bock, es muss schon etwas mehr sein, macht mir mal ein Angebot.“ Dieses Beispiel zeigt, dass Sponsoring leider oftmals nur als einseitige Sache gesehen wird und damit für einen Hersteller oder Importeur weitgehend uninteressant ist. Natürlich haben wir auch im Laufe der Zeit gelernt, bei Anfragen unsere Erwartungen sehr schnell deutlich zu machen. Bei der Entscheidung, einen Teamrider aufzunehmen, stellen wir uns immer die Frage: Trägt der Rider positiv zum Image unserer Marke bei und wie kann er/sie uns helfen, am Ende des Tages mehr zu verkaufen? Dabei geht es um lange Sicht, auch wenn der Effekt nicht immer messbar ist. Daher sind auch alle unsere Teamrider im Rahmen der Sponsoringvereinbarung an einen Shop gebunden, mit dem sie zusammenarbeiten.

Free: Woran genau macht ihr das fest, ob ein Rider positiv zum Image der Marke beiträgt?

Dirk: Das fängt schon bei einfachen Dingen an. Die Form einer Bewerbung sagt schon viel über die Person dahinter aus: Schlechte Bildqualität, fehlerhafte Texte, kein Hinweis auf die Gegenleistung des Fahrers sind ein schlechter Start, aber leider weit verbreitet. Gutes Fahrkönnen kann dabei helfen, ein effektiver Teamrider zu sein. Allein ist es aber viel zu wenig. Von unseren Teamridern erwarten wir nicht, dass sie unsere Produkte bedingungslos loben und jedermann zum Kauf überreden. Wir erwarten, dass sich ein Teamfahrer seiner Teilzeitrolle in unserer Marketingabteilung bewusst ist und uns hilft, unser Produkt professionell zu vermarkten. Wichtige Aktivitäten sind dabei, an Wettkämpfen erfolgreich teilzunehmen, unsere Marke am lokalen Spot zu repräsentieren und interessierten Personen das Testen zu ermöglichen, Reiseberichte und Fahrtechnikberichte zu schreiben, die wir dann gemeinsam den Magazinen anbieten, aktiv an der Diskussion in den Foren teilzunehmen, den lokalen Shop beim Verkauf unserer Produkte zu unterstützen, etc. Mit der richtigen Einstellung und mit Engagement lassen sich viele sinnvolle Wege finden, uns zu unterstützen. Es lässt sich also nicht an einer einzelnen Komponente festmachen, sondern es ist die Summe der Dinge, die der Teamfahrer unternimmt, um sich und uns richtig in Szene zu setzen.

Free: Das hört sich eher nach einem Vollzeitjob bei Teilzeitbezahlung an. Erwartet ihr nicht zu viel?

Dirk: Es ist in vielen Jobs so, dass am Anfang das Gehalt deutlich geringer ist, als die erbrachte Leistung. Die Differenz ist umso größer, je beliebter die Rollen sind. Und für die Rolle „Sponsored Rider“ ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. Wenn dann das gegenseitige Vertrauen da ist und der Nachweis vom Rider erbracht wurde, dass er seine Marketingaufgabe für uns ernst nimmt und ausfüllt, tut man sich als Sponsor leichter, die Unterstützung auszubauen. Das kann dann in Form von Reisekostenbudgets zur Unterstützung von Trainingsreisen oder auch durch regelmäßige Barzahlungen erfolgen. Das setzt aber voraus, dass der Teamfahrer seinen Imagewert und seinen positiven Einfluss auf den Verkaufserfolg schon nachgewiesen hat. Um das zu erreichen, muss der Rider sich auch selbst aktiv um seine Vermarktung kümmern. Viel auf dem Wasser sein, deckt maximal 30 Przent der Anforderungen ab.

Free: Wir haben den Eindruck, dass oftmals nur das Ziel verfolgt wird, möglichst viele Kites mit guten Ridern an den Himmel zu bringen, um dadurch das Image einer wichtigen und angesagten Marke zu erzielen. Spielt das für euch auch eine Rolle?

Dirk: Nach unserer Erfahrung ist es die häufigste Zielsetzung beim Sponsoring im Kitesurfen. Aus unserer Sicht macht dies aber nur begrenzt Sinn, denn alle wesentlichen Marken verfolgen die gleiche Strategie. Also erziele ich im Endeffekt nicht wirklich den gewünschten Erfolg zur Differenzierung der Marke. Nicht mitzumachen würde aber auch dazu führen, dass unsere Produkte relativ gesehen zu wenig präsent sind. Allerdings sind wir diesbezüglich in der Vergangenheit eher zurückhaltend gewesen, denn eine große Anzahl an Ridern ist zwar im Grunde hilfreich, aber ein einziger Rider, der nicht wirklich zu unserer Marke passt, kann auch sehr schnell eine negative Wirkung entfalten. Außerdem führt ein zu umfangreiches Produktsponsoring dazu, dass viele gebrauchte Produkte auf den Markt kommen und damit die Preise der neuen Produkte unter Druck bringen. Und als Vertrieb ist es eine wesentliche Aufgabe, sicherzustellen, dass die Shops mit unseren Produkten vernünftig und im Idealfall mehr Geld als mit den Konkurrenzprodukten verdienen. Das haben wir im ersten Jahr erreicht. Natürlich werden viele Endverbraucher sagen, dass die Preise für Kites und Boards sowieso zu hoch sind. Wir sehen das anders. Je mehr Kites und Boards zum Listenpreis verkauft werden, desto höher ist die Wertschätzung für unsere Marke und desto stabiler entwickeln sich die Preise für gebrauchte Produkte. Das ist letztendlich für alle Beteiligten sinnvoll. Und Porsche fahren kann sich in der Branche sowieso keiner leisten.

Free: Man sagt, dass ihr auf der Suche nach branchenfremden Sponsoren für einen Teil euer Teamrider seid. Warum wollt ihr das und wie ist der aktuelle Stand?

Dirk: Das stimmt. Der Grundgedanke ist relativ einfach. Deutsche Rider sind international nicht wirklich relevant. Die einzige Ausnahme sind Kristin Boese und Susi Mai, die beide auch noch eine wirklich gute Medienarbeit leisten, und Henning Nockel, der mit seinem Sieg beim Soul Wave das Ticket zum King of the Air nach Maui gelöst hat und auch eine sehr gute Vermarktung seiner Person und seiner Sponsoren leistet. Die mangelnde Bedeutung deutscher Rider in internationalen Wettbewerben ist nicht eine Frage des mangelnden Talentes, sondern eher die Auswirkung unserer kurzen Saison und des unzuverlässigen Windes. Ein deutscher Rider, der nur in Deutschland trainieren kann, kommt mit viel Glück auf 100 gute Tage auf dem Wasser. Ein Rider, der in Venezuela, Cabarete etc. lebt und trainiert, bringt es vermutlich auf die doppelte Anzahl. Bei gleichem Talent ist das Ergebnis klar. Das heisst, die einzige Möglichkeit, bessere Trainingsbedingungen zu erreichen, liegt darin, längere Zeiten zum Training an besseren Spots zu verbringen. Die Finanzierung dieser Reisekosten für mehrere Rider übersteigt einfach unsere finanziellen Möglichkeiten. Also bleibt nur der Weg, diese Kosten durch Gelder branchenfremder Sponsoren abzudecken und im Gegenzug den Sponsoren eine Image- und Marketingplattform in Zusammenarbeit mit uns und unserem Team zu bieten. Aktuell haben wir die Zusage eines Sponsors, der in 2005 unser Competition-Team unterstützen wird. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis Jahresende noch zwei weitere Sponsoren gewinnen können.

Free: Damit lässt sich das Thema Sponsoring im Kitesurfen wie folgt zusammenfassen: Viele Bewerber für einen lausig bezahlten Job mit hohen Anforderungen, mit geringer Aussicht, mal vom Kitesurfen leben zu können, aber mit etwas Glück zumindest Kostendeckung für einen sehr attraktiven Lebensabschnitt erreichbar.

Dirk: So ungefähr. Da sitzen wir alle im gleichen Boot. Und schließlich haben wir uns alle diesen Sport und die Branche freiwillig ausgesucht. Zumindest arbeiten wir daran, dass wir die Situation für unser Team verbessern. Und der beste Ausgleich für alle Nachteile und Anstrengungen ist immer noch ein guter Tag auf dem Wasser.

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Posted: November 1st, 2004 under KITE, BERICHTE.
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Red Bull “King of the Air”

{GALERIE} kingofthe_01.jpgEin Jahr in acht Minuten: Über das ganze Jahr hinweg fanden rund um den Globus insgesamt sechzehn „Fly To Red Bull King of the Air“-Qualifikationsevents statt. Ziel dieser Events war es, die besten Kiter der Welt zu ermitteln, und sie zum spektakulären Showdown auf Maui gegeneinander antreten zu lassen. Die jeweiligen Gewinner eines Qualifikationscontests wurden mit einem Ticket nach Hawaii belohnt, so auch die beiden Triumphatoren des deutschen Quali-Events, dem Soulwave in Klitte (auch wenn das Dörfchen noch nicht deutsch ist …). Henning Nockel und Claudia Hess standen in Dänemark ganz oben auf dem Treppchen. Knapp 30 Stunden nach ihrer Siegerehrung war bereits das Skippermeeting beim King of the Air – auf Maui, auf der anderen Seite der Welt. Die beiden konnten sich also nicht lange mit Kofferpacken aufhalten. In Hookipa angekommen, hatten sie auch keine Zeit sich großartig zu akklimatisieren, den Jetlag zu überwinden oder sich nach den Strapazen des langen Fluges erstmal zu entspannen und richtig anzukommen. Schon kurz nach der Landung mussten beide für ihre ersten Heats aufs Wasser. Sicherlich ein Grund für das frühe Ausscheiden von Claudia in den Trials. Henning schaffte es zwar auch nicht ins Finale, konnte sich aber über ein fettes Lob von Jason Furness (dem Trainer von PKRA-Champion Aaron Hadlow) freuen. Als Henning nach seinem Heat vom Wasser kam, klopfte ihm Jason auf die Schulter und sagte: „Dude, you were ripping out there!“ Wow, toll, einmalig!Bei den Frauen ist die alte Siegerin die neue Siegerin. Die in der Dominikanischen Republik lebende Deutsche Susi Mai setzte sich knapp gegen ihre auf Maui lebende Konkurrentin Yuri Drexler durch. Obwohl Yuri eine der wenigen Frauen ist, die einen Handlepass beherrscht und diesen Trick auch im Finale zeigte, überzeugte Susi die Judges mit ihren eleganten Moves und ihrer großen Erfahrung. „Dieses Jahr habe ich viel mehr Druck gefühlt als letztes Mal“, so die Queen of the Air 2004 und 2003. „Letztes Jahr kannte mich niemand, ich war ein Underdog. Dieses Jahr lagen hohe Erwartungen auf mir. Es war hart. Yuri kitet so gut, sie hätte mich jederzeit schlagen können.“ Aha.

{GALERIE} kingofthe_02.jpgBei den Männern gab es eine große Überraschung! In den achtminütigen Heats kitete ein kleiner Steppke aus der Südsee souverän ins Finale. Auch hier litt der Dreikäsehoch nicht an mangelndem Selbstbewusstsein und er besiegte sensationell die etablierten Kitesurfer! Mit zwölf Meter hohen Sprüngen, stylischen Rotationen und technisch anspruchsvollen Handlepasses setzte sich der erst 17-jährige Tuterai Montaron im Finale gegen die alten Hasen durch. Während und nach seinen Heats tobte die Menschenmasse am Hookipa Beach Park vor Begeisterung. Tuterai war ohne Zweifel der Publikumsliebling des King of the Air!

Tuterai Montaron kommt sozusagen aus dem Nichts in die Kiteboard-Szene. Er feierte sein Debüt beim Red Bull King of the Air und ist der bisher jüngste Sieger dieses Wettbewerbs. Obwohl Kiteboarding in Bora Bora ein relativ neuer Sport ist, haben Montaron und seine ganze Familie – Mutter und Vater kiten auch – den Sport mit unglaublicher Begeisterung aufgenommen. „Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg“, freute sich Montaron. „Dank an meine Familie!“

{GALERIE} kingofthe_03.jpgUnter den 32 Männern und acht Frauen, die in die Finalrunden des Contests einzogen, war eine weitere Deutsche, die ihre Teilnahme nicht über einen Quali-Event „gewann“. Kristin Boese überzeugte wie gewohnt mit spektakulärer Action und konstanten Leistungen. Sie schaffte es auf einen hervorragenden vierten Platz und konnte sogar die Hang-Time-Wertung der Frauen für sich entscheiden.

Hang Time Sieger Männer - Damien Leroy (USA) – 6,65 Sekunden - $1,750

Hang Time Siegerin Frauen - Kristin Boese – 5,25 Sekunden - $500

Freestyle Männer
1. Tuterai Montaron (Bora Bora) - $4,500
2. Antoine Jaubert (Frankreich/Dominikanische Republik) - $3,000
3. Charles Deleau (Frankreich) - $1,700
4. Aaron Hadlow (Großbritannien) - $1,100
5. Luciano Gonzales (Dominikanische Republik) - $750
5. Damien Leroy (USA) - $750
7. Mark Doyle (USA) - $400 7. Sky Solbach (USA) - $400

Freestyle Frauen
1. Susi Mai (Detuschland/Dominikanische Republik) - $1,750
2. Yuri Drexler (Japan/Hawaii) - $900
3. Julie Simsar (Frankreich/ Dominikanische Republik) - $600
4. Kristin Boese (Deutschland) - $450
5. Sandrine Mauiner (Frankreich) - $150
5. Rebecca Wolthers - $150

Posted: November 1st, 2004 under KITE, EVENT-BERICHTE, BERICHTE.
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Alle fünfe - Longboard Festival Sylt

{GALERIE} syltlongboard_1.jpg„Nimm den Worldcup beim Windsurfen. Da ist es wichtiger, abends bei Gosch zu stehen, als beim Windsurfen zuzusehen. Das will ich nicht. Die Leute sollen wegen des Longboardens kommen und nicht weil hier irgendeine Playstation steht oder ein tolles Partyzelt aufgebaut ist. Das Longboard-Festival ist für die Leute, die daran Interesse haben, alle anderen brauchen nicht zu kommen“, Sven Behrens, Veranstalter.Genau genommen hat das Longboard-Festival einen eher traurigen Beigeschmack: Es bedeutet das Ende des Sommers und damit der Surfsaison, zumindest bei uns in Deutschland. Nichtsdestotrotz hat sich das Festival zum größten Treffen von Longboardern entwickelt. Niemanden interessiert sich für den bevorstehenden Winter, ganz im Gegenteil, alle genießen die Tage. Brian Bojsen: „Es ist ein Festival für die Surfer, das wurde die ganzen fünf Jahre beibehalten, deshalb kommen auch so viele Leute. Es geht nicht um irgendwelche Preise, es geht um uns und das zählt. Früher versuchte auch der Deutsche Wellenreitverband hier die DM zu machen, selbst das haben die nicht geschafft. Auf der Insel, auf der das Wellenreiten in Deutschland begann, haben sie alle Leute verarscht, sodass kein Sylter mehr Bock hatte, auf einem Contest mitzufahren. Das Besondere ist doch, dass nicht auf strikte Regeln geachtet wird. Die Schwimmer können nur morgens und abends, also werden ihre Heats so gelegt, dass sie dann stattfinden, wenn sie die Zeit haben. Oder die Surfer, die tagsüber arbeiten: Wenn die Wellen am nächsten Morgen besser sind, dann können sie später einsteigen – das ganze System ist variabel und genau das macht es aus.“

Seit fünf Jahren findet es nun statt. Fünf Jahre, in denen es immer Wellen gab. Fünf Jahre mit unterschiedlichsten Wetterbedingungen – begleitet von Stürmen und gefährlichen Bedingungen oder sommerlichem Surfvergnügen in kleineren Wellen. Auch in diesem Jahr zeigte sich das Wetter von seiner vielseitigsten Seite: vier Jahreszeiten in vier Tagen. Fünf Jahre sind ein Anlass dafür, ein kleines Jubiläum zu feiern und die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen. Sven Behrens, der Veranstalter blickt auf die vergangenen Jahre zurück:

{GALERIE} syltlongboard_2.jpg 2000: Ich hatte damals überhaupt keine Erfahrung, wie man so etwas auf- und durchzieht. Zudem hatte ich gerade die Buhne (Buhne 16) von meinen Eltern übernommen und hatte damit schon genug zu tun und dann noch ein Sportevent. Es waren aber viele Leute da, die mir geholfen haben: Brian (Bojsen) hat viel gemacht, Angelo (Schmidt) war da, Jagger hatte einen Judgekurs gemacht und wusste, wie das geht usw. Im Grunde haben mir ganz viele geholfen – alleine hätte ich das nicht geschafft. Das erste Jahr war etwas ganz Besonderes, es herrschte eine Euphorie, die heute zwar auch noch da ist, aber doch anders ist als früher. Ich kann mich noch erinnern, dass wir eine riesige Kiste mit Preisen hatten, in die jeder Teilnehmer reingreifen konnte und so einen Preis bekam – egal, Wievielter er geworden war. Es gab aber auch Jahre, in denen ich Preise dazukaufen musste. Das lag dann aber auch an mir, weil ich zu spät anfing, mich darum zu kümmern.

2001: Das war ein Jahr, das mir aufgrund des Sturmes immer in Erinnerung bleiben wird. Im Grunde war es nicht mehr surfbar – mit Longboards schon gar nicht, da draußen liefen richtige Monster. Bei Hochwasser kamen wir kaum raus. Ich glaube Tom (Knuth) schaffte es als Einziger, hinter die erste Sandbank zu paddeln. Wir mussten vier Buhnen entfernt ins Wasser gehen, um letztlich vor dem Judgewagen zu surfen. Eine Megaströmung und monströse Wellen, aber die Stimmung war unglaublich gut. Wir haben oft schöne Wellen und schönes Wetter, aber das war imposant: Fliegendes Wasser und fliegender Sand, es war kalt und nass, alles klamm, keiner wollte sich umziehen, die Judges saßen auf dem Wagen ohne Wetterschutz. Ich fand das richtig abgefahren. Im Gegensatz zum ersten Jahr, in dem wir nur „Männer“ und „Senioren“ hatten, kamen im zweiten Jahr die „Frauen“ dazu. Im Dritten dann auch noch „Junioren“. Mittlerweile haben wir sogar „Junioren Frauen“ und „Junioren Männer“. Das wurde langsam peu à peu immer mehr. Mich freut das ungemein, dass vor allem unsere Kinder aufs Wasser gehen – egal, ob Short- oder Longboard. Es wird immer mehr werden; ich habe Kinder, Brian hat einen Sohn, viele von den Jungs, die mitfahren, haben inzwischen Nachwuchs und der surft auch irgendwann. Es ist der Lauf der Dinge, dass die nächste Generation kommt. Im zweiten Jahr war die Organisation schon ein bisschen einfacher. Ich wusste, wen ich ansprechen musste und auf was ich zu achten hatte.

{GALERIE} syltlongboard_3.jpg 2002: In dem Jahr kam Tony Caramanico. Lumen Eyewear hatte ihm einen Flug bezahlt, um bei uns mitsurfen zu können. In den USA ist Tony recht bekannt, bei uns leider nicht so. Er hat sich bei uns sehr wohl gefühlt und ich glaube, dass er es ernst gemeint hat. Wir hatten aber auch geiles Wetter: Die ganze Zeit super Sonne, zwei Tage kleine, aber fantastische Wellen – es war im Grunde perfekt, auch für Tony. Stell dir mal vor, der kommt aus der Wärme und wir haben hier norddeutsches Scheißwetter – na Prost Mahlzeit. Tony arbeitet als Künstler und erstellt (Surf-) Tagebücher, in denen er alles einarbeitet, was er finden kann. Ein Collagestil, den er von Peter Beard, dem bedeutendsten Künstler auf diesem Gebiet, gelernt hat. Mittlerweile hängen nicht nur Peters Arbeiten in Museen, sondern auch Tonys.

2003: Ich kann mich noch genau erinnern: Am Donnerstagabend war es noch in der Schwebe. Da haben wir noch rumgerätselt, ob wir starten sollen oder nicht. Wir hatten ein Meter hohe Wellen, aber alles war so schwammig, dass wir uns entschieden haben, erst am Freitag zu beginnen. Und das war genau richtig: Wir hatten eine Südströmung, dann drehte der Wind für ein paar Stunden auf Südost, sodass wir geile anderthalb Meter mit leicht Offshore drin hatten. Wir haben alles komplett durchgezogen, sodass wir schon am Samstagabend die Siegerehrung machen konnten. Wir fuhren das Finale abends zwischen halb acht und acht, denn am Sonntag sollte nichts mehr kommen und es kam auch nicht. Da konnten wir die Heats, so wie sie gesetzt waren, durchziehen, das war perfekt.

2004: Samstag zwei Uhr und immer noch keine Wellen – ich bin gespannt, aber schließlich haben wir vier Jahre lang Wellen gehabt. Man kann nicht erwarten, dass es im fünften Jahr auch so sein wird. Bei meinem Glück – vielleicht. Was aber schon jetzt absehbar ist: Wir schaffen die ganzen Heats nicht mehr. Entweder werden wir dann im K.O.-System starten (zehn gehen raus und zwei kommen weiter) oder wir gehen von der Wertung weg und ziehen die Senioren, Junioren und Frauen schnell durch. Die anderen bewerteten wir einfach, ohne eine Rangfolge festzulegen. Mal sehen, ist ja schließlich ein Festival. Wir kriegen das schon hin.

Sponsoren? Natürlich gab es auch Firmen, die „groß“ mit einsteigen wollten. Red Bull war so ein Unternehmen. Ich habe kein Problem damit, dass sich Firmen daran beteiligen. Ich habe nur dann ein Problem, wenn es mir aus der Hand genommen wird. Ich möchte mit den Leuten dieses Festival organisieren, mit denen ich will, ich möchte nicht geknebelt werden. Dann heißt das auf einmal: Wir wollen, dass so und so gejudged wird, wir möchten unsere Banner genau dort aufgestellt haben oder wir wollen möglichst viele Presseberichte haben. Das ist aus Sicht der Firmen zwar nachvollziehbar, aber ich möchte meine eigene Entscheidungsgewalt behalten. Es ist schön, wenn Firmen dabei sind, aber nicht um jeden Preis. Es ist nicht Sinn der Sache, jeden rauszuschmeißen, der zu seinem Heat nicht da ist – die fahren halt später. Es geht nicht darum, jede Regel penetrant einzuhalten, schließlich ist es ein Festival und kein Contest.

Fehler? An ganz große Schnitzer, die wir gemacht haben, kann ich mich nicht erinnern. Logischerweise ist das auch immer wetterabhängig. Wenn erst ab mittags Wellen sind, muss ich den Kram durchziehen. Eine gewisse Chaotik ist immer noch drin. Natürlich habe ich Fehler gemacht, aber im Großen und Ganzen sind wir beim dem geblieben, was wir von Anfang an hatten. Zum Beispiel der Planwagen von Graig (Strandsheriff), den wir jedes Jahr an den Strand ziehen – seit neustem ist da sogar eine Plane drüber.

Teilnehmer? Jedes Jahr haben wir mehr Teilnehmer. In diesem Jahr hatte ich schon eine Warteliste. Grundsätzlich nehme ich die Teilnehmer vom Vorjahr auf die Setzliste, allerdings müssen sie sich schon anmelden, damit ich weiß, dass sie da sind. Die Grenze liegt bei ca. 100 Leuten, darüber hinaus schaffen wir es auch irgendwann nicht mehr. Nicht nur ich als Organisator, auch Tosche als Headjudge muss das noch geregelt bekommen. Im ersten Jahr nahmen im Grunde nur Sylter Locals teil. Nach und nach wurden es dann immer mehr „Nichtsylter“. Die Kieler stellten bald die zweitstärkste Ecke und mittlerweile kommen auch ein paar aus Hamburg.

Sieger? Bis 2004 hatte niemand zweimal gewonnen. Markus Mager war zwar immer auf dem Treppchen, aber das er jetzt zum zweiten Mal gewann, ist schon sensationell. Mit Fraune hatten wir vor zwei Jahren einen echten Überraschungssieger. Er gehörte zwar (und gehört heute immer noch) zum engeren Kreis der Finalisten, aber dass er gewinnen würde, damit hatten nicht alle gerechnet. Ich glaube, das war sogar an seinem Geburtstag. Als ich 2003 gewann, hatte wahrscheinlich auch niemand damit gerechnet – ich am allerwenigsten, damit gehöre ich wohl auch in den engeren Kreis, genauso wie Markus Mager, Tom Knuth oder Kai Krüger. Aber es ist schon verdammt schwer ins Finale zu kommen, denn das Level der Jungs ist echt hoch und man braucht auch ein bisschen Glück.

Bleiben wir in diesem Jahr, 2004. Es haben sich so viele Teilnehmer wie noch nie gemeldet und Sven glaubt an sein Glück, auch in diesem Jahr, beim fünften Longboard-Festival, die heiß geliebten Wellen zu bekommen. Und er sollte recht behalten: Es kamen Wellen, obwohl auch schon vorher ein paar da waren. Ganz klein, aber dennoch surfbar. Spaßwellen ohne jeden Wettbewerbscharakter – weder in Contest- noch in Festivalstimmung, die kleinen Dinger. Es war warm. Warm genug, um nur in Shorts aufs Wasser zu gehen. Die „Junioren Frauen“ fuhren ihre Wertung, die gleichzeitig das Finale war. Was soll man auch bei fünf Teilnehmerinnen anderes machen? Der Sommer schickte sich an, sich Richtung Südhalbkugel abzusetzen. Wir genossen diese letzten Sommertage. Am nächsten Tag war Herbst. Temperatursturz um zehn Grad, aus Shorts wurden zwangsweise Neos, aus Sonne wurde Regen und aus kleinen müden Wellen wurden muntere große. Hurra. Am nächsten Tag war bereits Spätherbst. Die Böen erreichten bis zu zehn Windstärken. Strandkörbe, die bei solch illustren Wetterbedingungen normalerweise als Deckung herhalten müssen, wurden in geordneter Hektik von Graig und seinen Jungs gesichert. Man sieht es auf Sylt nicht so gerne, wenn Touristen von umherfliegenden Strandkörben getroffen werden – egal, bei welcher Windstärke. Vielleicht zieht deshalb manch einer einen Sandkreis burgähnlicher Natur um den von ihm angemieteten Strandkorb. Das mag zwar auf allerlei Eindringlinge abschreckend wirken, vor allem auf den Nachbarn, aber Wind und Wetter lassen sich nichts sagen. Genau wie die Sylter. Sven ist so einer. Dieser norddeutsche, um nicht zu sagen, friesische Menschenschlag, lebt ein möglichst unabhängiges Leben. Keiner soll ihm reinquatschen, außer, er ist auch ein Friese. Na bitte, damit hat so mancher ein Problem. Was man verstehen kann, denn mit Friesen ist nicht gut Kirschen essen, wenn man es falsch anpackt. Damit wir jetzt nicht in einen Exkurs „Wie werde ich mit einem Friesen gut Freund“ abdriften, lasse ich das mal so stehen. Nicht alle Sylter sind Friesen. Nur die „echten“ Sylter, nicht die zugereisten, wie die auf der Insel hängengebliebenen Zivis. Da Friesen und deren Verbündete schon seit jeher miteinander kollaborieren, hat sich das bis in die jüngste Geschichte des Longboard-Festivals nicht geändert. Einige extra angereiste Zuschauer und „halbe Teilnehmer“ fühlten sich somit ausgeschlossen. Das soll nicht sein, aber der Friese an sich ist wirklich nicht einfach. Ein Erklärungsversuch: Inseln prägten schon seit Menschengedenken einen recht individuellen Charakterzug: den Dickkopf. Auf sich allein gestellt, weit weg von der Obrigkeit, hörten sie nur auf sich allein, höchstens noch auf ihren Deichgrafen, verdingten sich als Strandräuber; Schmuggler oder sonstige ruchlosen Gesellen – Hauptsache, niemand schrieb ihnen vor, was sie wann und wo zu machen hatten. „Lieber tot als Sklave“, ihr Lebensmotto kam nicht von ungefähr. Bis heute blieb ein bisschen davon in jedem Friesen erhalten. Auch bei Sven. Sponsorenverhandlungen können mitunter einen ungewohnten Verlauf nehmen – für die Unternehmen. In der Regel sind Veranstalter scharf auf Unterstützung und Promotion, wenn sie Geld verdienen wollen. Genau das will Sven nicht. Wenn er keine Kosten hat, reicht ihm das. Das angesprochene Inselleben prägt nicht nur den Charakter (auch wenn man kein Friese ist), sondern auch das soziale Verhalten. Im Zweifelsfall lebt man das ganze Jahr zusammen auf einer Insel, muss miteinander auskommen und schottet sich langsam vom Festland (und den damit dazugehörigen Festländern) ab. Das geschieht in keiner böser Absicht, es ist der soziale Lauf. Jemand, der keine Probleme mit den Syltern hat, ist Arne Roth aus Kiel, selbst eine mit einem „Localismproblem behaftete Stadt“. Allerdings soll das jetzt mal beiseite geschoben werden und sich mit weitaus erfreulicheren Dingen beschäftigt werden: Arne also, nahm nicht nur zum ersten Mal an einem Festival, Contest oder sonstigem teil, sondern er surfte gleich auf den vierten Platz. Hut ab – in dieser „Localbastion“, von der man immer behauptet, dass sowieso keine „Nichtsylter“ ins Finale kommen. Verschätzt meine Herren. Arne belegte damit den besten Platz eines teilnehmenden „Nichtsyltlocalsurfers“ seit Bestehen des Festivals.

Posted: November 1st, 2004 under SURF, BERICHTE.
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Meeting a star (Robby vs. Ole)

{GALERIE} meetingrobbie_1.jpgDass man bei Fernsehleuten immer ein bisschen vorsichtig sein muss, war mir schon immer klar. Was ein verdecktes Casting ist, wusste ich leider bis vor kurzem noch nicht. In der Hoffnung, meinem Bruder Ole einen großen Wunsch erfüllen zu können, hatte ich mich an eine Casting-Agentur gewand, ohne zu wissen, dass die letztendlich gesendete Show „Für Dich tu ich alles“ heißen würde und montagabends um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird. Selbstverständlich musste ich etwas für Oles Traum tun – damit konfrontierte mich der Moderator der Show, Sebastian Deyle, dann überraschenderweise eines Tages bei mir zu Hause. Einige Wochen später flog ich dann in die Schweiz, um mit einer Kopflampe bewaffnet durch eine Kilometer lange Höhle zu klettern, in der ich mich auch noch das ein oder andere Mal abseilen durfte. Dass mir das mehr als alles andere auf der Welt Angst machen würde, hatte ich leider in einem Vorgespräch über meine Phobien selber zugegeben. Doch so dramatisch wie es dann später im Fernsehen zu sehen war, war es dann doch nicht. Nachdem ich es schließlich nach einer Stunde Kletterei durch enge Felsspalten und glibbschige Steine bis in die so genannte Teufelsgrotte geschafft hatte, wurden mein Bruder und ich nach Köln eingeladen. Der Stimmungsmacher hatte bereits sein Bestes getan, um die gelangweilten Zuschauer anzuheizen. Dann ging die Sendung los. Und meine Güte war mein Bruder überrascht, als der Moderator ihn mit den Worten ansprach: „Hi Ole, kennst du mich nicht mehr? Wir haben doch mal während der Kieler Woche zusammen gesoffen!“ In diesem Moment war Ole dann aber wirklich überrascht. Kieler Woche bedeutet für ihn Ausnahmezustand und Saufen ohne Reue. Und ohne Erinnerung. Konnte es also wirklich sein, dass er mit dem Moderator schon mal einen gehoben hatte?! In diesem Moment entschloss er sich, in Zukunft nach den neun Tagen der größten „Segel“-Veranstaltung der Welt nicht mehr sein Gehirn zu resetten. Ole und ich wurden auf die Bühne geholt und nach einigen gestellten Umarmungen und Kommentaren, warum Robby der Größte sei, hatten wir es dann hinter uns. Ole durfte mit Robby Naish zusammen Windsurfen gehen.Wir wachten von einem ungewöhnlichen Geräusch auf und das waren weder jaulende Wüstenhunde noch nervige Grillen, die man in Ägypten eigentlich gewohnt ist, nein, es war tatsächlich {GALERIE} meetingrobbie_2.jpgWind! Nach einem kurzen Katerfrühstück trafen wir ihn dann endlich. Wir sagten Robby unser tausendmal geübtes „Hi, nice to meet you!“ und er antwortete auf Deutsch: „Ich freue mich auch!“. Einige Aufnahmen fürs Fernsehen noch am Strand und schon waren Robby und Ole am Horizont verschwunden. OK, zugegeben: Ole war noch etwas länger zu sehen. Aber selbst der Kameramann und ich kamen mit dem Motorboot kaum hinterher. Nach einer halben Stunde Bootfahrt über Korallen und türkises Wasser traf ich die beiden in einer einsamen Bucht beim Tricksen wieder. Sie fuhren Rennen, sprangen und ritten die Wellen von dem Motorboot ab. Nach einigen Stunden schienen die beiden nicht mehr zu können und kamen ans Land, doch Robby wollte nur seinen Kite aus dem Boot holen, um zu zeigen, dass er nicht nur surfen kann. Bei konstant starkem Wind konnten wir Sprünge beobachten, die er wohl vorher beim Flugamt anmelden musste. Das war das Beeindruckenste, was ich je gesehen habe. Leider kam ich vor lauter Staunen nicht dazu, es zu fotografieren. Am Abend ließen sich Ole und Robby sichtlich erschöpft in den Sandstrand fallen. Und um den Tag für Ole noch zu toppen, schenkte Robby ihm seine komplette Windsurfausrüstung, die er tagsüber gefahren war. Obwohl Ole ziemlich kaputt war, trafen wir uns alle abends an der Allinklusive-Bar wieder. Zwei Bier später war sein {GALERIE} meetingrobbie_3.jpgAkku wieder voll. Beim Abendessen am gemeinsamen Zehn-Mann-Tisch mit vielen anderen Robby-Fans und noch viel mehr Surfgeschichten später, sinnierten wir darüber, ob wir wohl diejenigen seien, die am häufigstens am Zapfhahn stehen. Zu späterer Stunde verabschiedeten wir uns dann schließlich von dem nun auch nicht mehr ganz nüchternen Robby, da er am nächsten Morgen schon sehr früh fliegen musste. Unser schottischer Kameramann Neil und Ole stiegen in den folgenden vier Tagen auf Sambuca um und verbrachten die Nächte im Nightclub. Über die frühmorgendlichen Touren durch unseren Robinson Club schweigen wir an dieser Stelle lieber, da der ohnehin von uns etwas angenervte Clubmanager nicht alles wissen muss … Zurück bleibt das Gefühl, mit dem größten Windsurfer aller Zeiten einige Stunden gemeinsam auf dem Wasser verbracht zu haben. Vielen Dank Robby!!!

Posted: November 1st, 2004 under WINDSURF, BERICHTE.
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Der Aussteiger

{GALERIE} aussteiger_1.jpgPhilip Horn, eines der Urgesteine der Deutschen Regattaszene, beendet seine Laufbahn und steigt in die Windsurfindustrie ein. Im Interview spricht er über die Gründe, die Hochs und Tiefs in seiner Laufbahn und über den Unterschied zwischen World Cup und DWC …

FM: Wie lange bist du beim DWC dabei?

PH: Ich fahre seit zehn Jahren den DWC mit. 1994 habe ich meine ersten Regatten im B-Cup bestritten und mich langsam nach vorne gearbeitet.

FM: Wieso hörst du jetzt auf?

PH: Weil ich ein gutes Jobangebot in der Windsurfbranche bekommen habe. Das ist, glaube ich, für viele Regattafahrer ein großer Traum. Deshalb nehme ich natürlich diese Superchance wahr!

FM: Jaja, und wieso hörst du wirklich auf?

PH (lacht): Nein, ehrlich, das ist der wirkliche Grund! Und nach zehn Jahren muss man auch mal Abschied nehmen. Ich bin jetzt 31 und habe schon 1.000 Stunden auf dem Wasser verbracht oder an den Wochenenden am Strand auf Wind gewartet. Meine freie Zeit möchte ich jetzt ausschließlich in der Welle verbringen. Und ich glaube einfach, wenn ich nächstes Jahr weniger zum Windsurfen und zum Racen komme, dann würde ich immer schlechter werden. Ich könnte halt schlecht damit umgehen, wenn ich irgendwann nur noch Hundertster bin. Dann höre ich lieber auf, wenn es noch ganz gut läuft und setze da einen klaren Cut. Man hört dann mit einem guten Gefühl auf anstatt mit einem schlechten.

FM: Du bist jetzt seit zehn Jahren dabei und viele andere auch. Im Grunde ist das doch langweilig, dass immer die gleichen Leute vorne fahren, oder?

PH: Eigentlich nicht, da ja immer einige Neue nachkommen. Und andere, die länger dabei sind, werden dann auch besser. Dadurch durchmengt sich das. Bernd Flessner hatte dieses Jahr auch wieder ein gutes, starkes Jahr. Er ist immer jemand, den man schlagen kann, genau wie Andy Laufer. Langweilig wird das Ganze also nicht. Natürlich ist es immer derselbe Jahresablauf. Vorbereitung bis zu den letzten Regatten. Da ist man irgendwie froh, wenn dann mal nach zehn Regatten Feierabend ist. Aber richtig langweilig wird es nie.

FM: Aber man hört doch im Grunde genommen immer nur von Flessner, Laufer und Wilkens.

PH: Ja, klar, das sind ja auch die, die sich vorne matchen.

FM: Und das seit zehn Jahren!

PH: Helge noch nicht so lang. Der ist erst die letzten drei, vier Jahre so gut geworden. Aber dann muss man halt besser sein, das muss man mal ganz klar so sagen. Wenn keiner besser ist, dann haben die es auch verdient, oder? In der Marketing-Strategie oder der Vermarktung könnte man was ändern. Aber das hängt dann auch an den Magazinen, andere Fahrer zu präsentieren. Aber wenn man über den DWC berichtet und über die ersten drei, was ja auch oft viel interessanter ist, dann sind das eben Flessner, Wilkens und Laufer. Das muss man anerkennen, dann sind wir anderen halt zu bräsig. Es ist schon traurig genug, dass es so ist!

FM: Wenn du jetzt zehn Jahre zurückblickst auf die Regattazeit, was waren denn so die schönsten Erlebnisse?

{GALERIE} aussteiger_2.jpgPH: Also, sehr witzig war die Formel 25. Das war früher der B-Cup, eine Einsteigerregatta zum A-Cup. Da ich gerade die erste Saison mitgemacht hatte, als das Ganze aufkam, waren alle neu im Regattageschäft. Keiner hatte irgendeinen Plan. Am Tag sind wir alle über die Bahn geschossen und abends durch die Partyzelte. Das war eigentlich eine recht witzige Zeit, in der wir teilweise in Zelten übernachtet haben. Mit allem, was dazugehört. Und die schönste Zeit hatte ich bei Regatten, bei denen alle von Amrum nach Föhr gewechselt haben, und es dann so eine richtige Abschlussparty gab, wo man nach der Regatta mal richtig kräftig gefeiert hat! Die schönsten Regatten waren also die, bei der ein bisschen Gemeinschaftsgefühl aufkam und alle miteinander Spaß hatten.

FM: Ist das mit der Gemeinschaft heute nicht mehr so dicke?

PH: Doch, ist eigentlich besser geworden. Als ich gerade in den A-Cup kam, da gab es viele kleine Cliquen. Der hat mit dem nicht geredet und den durftest du nicht ansprechen und das ist jetzt eigentlich schon eine große Gemeinschaft geworden. Gerade dieses Jahr in Boltenhagen haben die Master aus der eigenen Master-Serie ein Spanferkel gestiftet. Da kamen dann alle an einer großen Tafel zusammen. Das war schon ein Super-Ding, war ’ne geile Feier! Also, der Zusammenhalt ist größer geworden, da ja die Gruppe auch kleiner geworden ist und man sich schon seit vielen Jahren kennt.

FM: Glaubst du, es ist schwierig, da so als Außenseiter reinzukommen? PH: Nee, das glaube ich nicht. Es gibt wohl immer noch das Vorurteil, dass der DWC was Unerreichbares ist oder man da ganz schwer rankommt und dass alle super arrogant sind. Aber man kann erstens ganz schnell vorne mitfahren und zweitens gibt es auch keine Probleme mit den anderen klarzukommen. Dass es Leute gibt, die arrogant sind, wird es überall geben. Aber im Grunde genommen gibts da kein Problem.

FM: Was waren denn die beschissensten Erlebnisse in deinen zehn Jahren DWC?

PH: Ein Scheißerlebnis hatte ich auf jeden Fall auf Sylt, wo ich mein neues Slalom-Board und -Segel ausgepackt habe und dann direkt in die Wand im Shorebreak gefahren bin und dann den ganzen Schrott wieder aus dem Wasser gezogen habe. Das war ein Erlebnis! Steinhuder Meer dieses Jahr war auch ein schlechtes Erlebnis, weil dann doch Wind war, obwohl wir richtig gefeiert hatten und kein Wind angesagt war. Da musste ich doch sehr gegen die Party ankämpfen … Und einmal musste ich mit Thade in Griechenland auf dem Flughafen zwei Tage übernachten, weil die unser Gepäck nicht mitnehmen wollten bzw. mehr Geld haben wollten, als wir jemals hatten! Aber ansonsten kann ich mich an so richtig schlechte Ergebnisse … ähhh … Erlebnisse nicht erinnern. Na ja, vielleicht noch die erste Regatta, bei der ich im Sitzen in meinem Audi 80 geschlafen habe.

FM: Glaubst du, dass der DWC ein gutes Sprungbrett ist, um in den Windsurf-Markt einzusteigen?

PH: Es gibt ja schon so einige bekannte Gesichter, die erst im DWC unterwegs waren und jetzt erfolgreich in der Windsurfbranche arbeiten. Ich glaube, der DWC ist nicht unbedingt eine Voraussetzung. Aber dass man diesen Sport exzessiv betrieben und sich mit den Produkten sehr beschäftigt hat, hilft natürlich. Knut Budig zum Beispiel ist ein sehr erfolgreicher Windsurfer gewesen und heute ist er ein erfolgreicher Importeur und macht Vertrieb. Sebastian Wenzel hat es als Shaper geschafft. Vielleicht werden nicht alle in der Windsurfbranche stinkreich, aber alle machen das aus Überzeugung und Spaß an dem Sport. Wenn man reich werden will, muss man was anderes machen. Und auf mich bezogen, hätten dann auch die letzten zehn Jahre anders laufen müssen.

FM: Hast du aus deiner Erfahrung heraus einen Tipp für Rookies, wie sie an Sponsoren kommen? Was ist das Geheimnis? Am besten man geht mit den Herstellern saufen, oder?

PH: Also, als Erstes ist es natürlich immer von Vorteil, wenn man gute Ergebnisse erzielt. Man kann sich darüber natürlich verkaufen. Dann ist es auch von Vorteil bzw. für viele Firmen wichtig, dass man viel in den Magazinen vertreten ist, und dafür muss man A mit den Magazinen Kontakt halten und sehen, was die so für Geschichten bringen, und B Kontakt zu Fotografen haben. Und so kann man sich gut verkaufen und seinen Marktwert gut darstellen. Mit guten Ergebnissen und viel Medienpräsenz. Es haben viele eine Schwelle, mit Magazinen zusammenzuarbeiten und es ist für die irgendwie etwas Unerreichbares, dabei ist das gar nicht so schwierig! Viele Magazine wären bestimmt glücklich, wenn sie zehn Geschichten hätten und sich zwei daraus aussuchen könnten. Es würden auch viel geilere Geschichten zustande kommen, wenn jede Gruppe mal aus ihrer Perspektive was erzählen würde. Nicht immer so was wie „Philip Horn hat jetzt das 100. Mal den Selenter See bereist und ist bei Flachwasser wieder richtig abgesoffen“. Sondern es muss auch noch andere Seiten geben und davon lebt dann der Sport.

FM: Gerade war ja wieder der Worldcup auf Sylt. Ist das ein großer Unterschied zum DWC?

PH: Ein riesengroßer!

FM: Inwiefern?

PH: Das Niveau ist ein ganz anderes. Ich weiß noch, als ich auf Gran Canaria das erste Mal beim Worldcup-Slalom mit einem Serien-Board gefahren bin. Da bin ich optimal gestartet, optimal gefahren und bin als Letzter ins Ziel gekommen! Und dann hatte ich einen Prototyp, damit ging es. Nur leider ist der im zweiten Rennen dann durchgebrochen, weil es ein bisschen windiger war. Racing ist nicht ganz so schlimm, aber Top 20 zu fahren, ist schon ganz schön anstrengend. Top 40 ist mittel-anstrengend und das ist der große Unterschied auf der Regattabahn. Dann sind die Partys beim Worldcup Sylt natürlich auch legendär und viel größer. Und die Verpflegung ist ein Wahnsinn. Man bekommt meistens Frühstück und Mittagessen. Dann bekommt man Gutscheine für Gosch, um abends seinen Teller Nudeln abzuholen. Das ist unglaublich. Von daher ist Worldcup Sylt für jeden Worldcupper und für jeden DWC-Fahrer einfach ein Traum. Allein, dass man ein Segel durch 150.000 Zuschauer durchträgt. Das ist der Hammer. Sportlich und vom ganzen Drumherum ist es ein Riesenunterschied.

FM: Nun ist es ja auch so, dass auf Sylt ein entsprechendes Rahmenprogramm geboten wird. Durch die Partymeile, durch das Zelt, durch die verschiedenen Schausteller, die ihr Essen anbieten, wird den Zuschauern ja auch immer etwas geboten und der DWC bekommt das im Grunde nicht hin?!

PH: Die Deutschen Meisterschaften dieses Jahr waren schon ein Schritt in die gleiche Richtung. Es war ein Festzelt da und es wurden auch abends Partys angeboten, die wirklich gut angenommen wurden. Wir hatten sensationelles Wetter …

FM: … nur keinen Wind! PH: Ja, nur keinen Wind. Aber das war den Leuten, die feiern wollten, relativ egal. Die finden das fast noch geiler. Bei Sonne schmeckt das Bier auch besser. Es wird schon viel versucht und in der Zukunft noch mehr gemacht. Natürlich hat sich der Worldcup Sylt, den es seit 20 Jahren gibt, so aufgebläht, dass die sich das auch leisten können.

FM: Komisch, trotzdem sind die Veranstalter jedes Jahr pleite, um es dann im nächsten Jahr noch mal zu versuchen.

PH: Ja, das spart Kosten! Brauchst keinen zu bezahlen und kannst im nächsten Jahr wieder bei Null anfangen.

FM: Weltklasse, oder?

PH: Das ist schon lustig gemacht … Weltklasse auf jeden Fall. Worldcup halt!

Der Weltmeister - Scott McKercher

Zwanzig Jahre sollte es dauern und es hat all seine Haare gekostet. Scott McKercher nahm 1984 zum ersten Mal an Weltmeisterschaften im Waveriding teil. 20 Jahre, in denen er absolut zielstrebig und nach vorne blickend sein Profidasein perfektionierte. Das Resultat: PWA Weltmeister im Waveriding. Scott wusste immer, dass er zwar durch Fürsprecher auf den Weg gebracht wurde, er aber nur durch geduldiges Erarbeiten des richtigen Materials, Fahrkönnens und Timings ganz nach vorne kommen könnte. Kurz gesagt: Praxis ist besser als jede Theorie. Für ihn war der Weg immer mindestens genauso wichtig wie das Ziel. So war es auch nur konsequent, dass Scott irgendwann begann, das Material, das er fuhr, auch selbst zu entwickeln. Und er revolutionierte es ganz nebenbei. Wir stellten dem frisch gebackenen Weltmeister ein paar Fragen: Du bist nun permanent auf der ganzen Welt unterwegs. Wo ist dein Zuhause?
Einfache Antwort: Bin ich nicht unterwegs, bin ich am Margaret River in Western Australia. Der schönste Ort, den man sich vorstellen kann. Vor allem, wenn man wie ich viel unterwegs ist, bekommt der Name „Zuhause“ oder „Heimat“ eine neue Dimension.

Wie kamst du zum Windsurfen?
Durch meinen großen Bruder, wie viele andere auch. Es sind doch meistens Familienangehörige, die einen beeinflussen. Er überredete meinen Vater, mir beides zu ermöglichen: Segeln und Windsurfen. Wenn ich nicht mit meinem Dad auf seinem Hobie 16 segelte, war ich mit einem One Design Windsurfer draußen.

Was war dein erster Contest als Windsurfprofi?
Als Profi? Ich nahm an den Weltmeisterschaften teil, als ich 14 Jahre alt war, aber da nahmen keine richtigen Profis teil. Mein erster Event, bei dem es Preisgeld gab, war ein Contest in Lancelin.

Was ist der herausragendste Moment in deinem Windsurfleben, der dir immer in Erinnerung bleiben wird?
Da waren so unglaublich viele. Da waren ein großartiger Tag auf den Kapverdischen Inseln, einer auf Mauritius und ein wirklich geiler Tag auf Rottnest Island. Alle Tage hatten eines gemeinsam: Unendlich lange Wellen, auf denen man unendlich viele Turns machen konnte. Das ist das, was ich am Windsurfen am besten finde.

Auf Serienmaterial auf der Pro-Tour mitzufahren war eine Zeit lang fast schon unerhört. Wird sich das durch deinen Titel ändern?
Kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich denke aber, es stärkt die Hersteller. Ich habe schon von einem Teamfahrer gehört, der im kommenden Jahr auch Serienboards fahren will. Kurz darauf kam er zu mir und fragte, ob ich nicht bei Starboard ein gutes Wort für ihn einlegen könne …

Was ist dein momentanes Lieblingsequipment?
4.2er Blade von Severne Sails und mein Evo 70 von Starboard. Die beiden Dinge funktionieren perfekt zusammen.

Dein zweiter Spitzname neben „Scotty“ ist „Gramps“ („Opa“). Warum?
Der stammt aus dem Jahr 1997, als ich mit zwei anderen World Cuppern in Griechenland war. Beide dachten den ganzen Tag nur an Party. Mir wurde das ein bisschen zu viel und ich wollte mal ein paar ruhige Nächte haben. Und schon hatte ich meinen Spitznamen weg. Leider.

Wie fühlt es sich an, Weltmeister zu sein?
Im Moment ist alles noch ein bisschen unheimlich und verrückt. Ich hatte im Traum nicht damit gerechnet.

Snowkiten

{GALERIE} snowkite_1.jpgGanz im Stillen hat sich in den letzten Jahren eine neue Wintersportart entwickelt: das Snowkiten. Auf Snowboard oder Ski lassen sich die Snowkiter von einem Powerkite per Windkraft über verschneite Wiesen ziehen oder sie fliegen Pulverschnee¬hänge hoch – die coolste Art, sich im Schnee fortzubewegen! Die Traunsteiner Kiteschule „Kite-Venture“ will den Trend beschleunigen und bietet einwöchige Snowkite-Camps für Einsteiger an. Im schnee- und windsicheren Hochfilzen in Tirol können Neugierige das Kiten auf Ski oder Snowboard in nur einer Woche erlernen.Snowkiten erweitert die Bandbreite des Wintersports um ein neuartiges Erlebnis: Snowboard und Ski werden nicht mehr nur zur Abfahrt genutzt. Mithilfe eines Powerkites eines circa zehn Quadratmeter großen Zugdrachens an 20 Meter langen Leinen kann man sogar bergauf fahren. Das Spektrum des Snowkitens reicht vom gemütlichen Cruisen durch die Schnee¬landschaft bis zum Powderkiten mit Highspeed und akrobatischen Sprüngen. Profis machen am Hang Jumps bis zu 200 Metern Weite und 30 Metern Höhe. Bis dahin muss man allerdings zwei bis drei Jahre kräftig üben. Dafür verbucht der Einsteiger bereits nach wenigen Stunden die ersten Erfolgserlebnisse.

{GALERIE} snowkite_2.jpgOhne einen erfahrenen Kitelehrer sollte man aber auf keinen Fall mit dem Snowkiten beginnen. Das weiß Kite-Venture-Coach Sebastian Ober aus eigener Erfahrung: „Ich habe bis zur Erschöpfung mit den mir damals unerklärlichen Tücken der Materie gekämpft“, erzählt er von seinen ersten Snowkite-Versuchen. Er verspricht: „Mit unserer Hilfe lernt man in einem halben Dutzend Übungsstunden den Umgang mit dem Powerkite.“ Außer körperlicher Fitness muss man dafür keine besonderen Voraussetzungen mitbringen. Faustregel: Wer eine „rote Piste“ mit Ski oder Snow¬board bewältigt, kann das Snowkiten in wenigen Tagen lernen. Kraft oder Körper¬gewicht spielen keine Rolle, da dies durch die Auswahl der Kitegröße ausge¬glichen wird. Wichtiger sind Geschick und Feingefühl, um die bei auffrischen¬dem Wind zum Teil enormen Kräfte eines Powerkites zu kontrollieren.

{GALERIE} snowkite_3.jpgDas Kite-Venture-Snowkite-Camp umfasst 30 Unterrichtsstunden inklusive fünf Stunden Theorie. Der Kursablauf richtet sich individuell nach dem Können der Teilnehmer. Nach dem Theorieunterricht wird der Umgang mit dem Kite eingeübt, bevor es in den Schnee geht. Auf dem „Unterrichtsplan“ stehen Themen wie Kitepower und Windkunde, Sicherheitssysteme und -regeln, Powerhalse und kontrollierte Sprünge.

Aber auch die Unterschiede zum Kitesurfen werden erklärt: „Der erlernte Umgang mit dem Kite lässt sich schnell auch auf dem Wasser umsetzen“, so Sebastian Ober. Da die neuesten Kites im Schnee wie im Wasser benutzbar sind, kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sebastian glaubt sogar, dass sich der Umgang mit dem Powerkite im Schnee schneller erlernen lässt als im Wasser: „Snowkiten findet auf festem Boden statt, sodass man viel effizienter lernen kann. Man hat ständigen Kontakt zum Trainer und das Gefahrenpotential des Kitens lässt sich auf ein Minimum reduzieren.“

{GALERIE} snowkite_4.jpgSebastian Ober hat vergangenen Winter nach einem idealen Übungsgelände Ausschau gehalten und es in Hochfilzen gefunden. Es befindet sich direkt neben dem Hotel Edelweiß und besteht aus einer gewalzten Piste für die ersten „Gehversuche“ im Snowkiten sowie aus einem unpräparierten Teil für genussvolles Powderkiten. Hochfilzen liegt auf 1000 Metern Seehöhe im Tiroler Pillerseetal nahe Fieberbrunn und Kitzbühel und bietet die erforderliche Wind- und Schneesicherheit. Der Theorie¬unterricht findet im Hotel Edelweiß in Hochfilzen statt, das über einen Tagungsraum mit Videobeamer und Großbildleinwand verfügt.

Die Camps finden im Zeitraum vom 9. Januar bis 3. März 2005 in Hochfilzen/Tirol statt. Jeweils fünf Tage lang werden Einsteigerkurse für vier bis sechs Teilnehmer durchgeführt. Der Preis von 380 EURO pro Woche umfasst 20 Unterrichtsstunden im Snowkiten durch den Coach Sebastian Ober.

Mehr über die Snowkite-Camps von Kite-Venture erfährt man unter www.kite-venture.de oder direkt bei Sebastian Ober unter der Telefonnummer 08661-647.

Sylt 4.40

{GALERIE} sylt440_1.jpgIch sitze am Hauptstrand von Westerland. Mittlerweile sitze ich dort schon den sechsten Sommer. Jahr aus, Jahr ein. Mein Job ist es, die Menschen und das Meer im Auge zu behalten. Ich bin Rettungsschwimmer. Manchmal rette ich Leben.Hier am Strandabschnitt 4.40 genieße ich, wie jedes Jahr, für eine Saison den besonderen Zauber des Meeres. Die meisten Menschen, die auf Sylt Urlaub machen, gehen hier baden. So viel Leben am Strand ist nicht jedermanns Sache, Strandkorb an Strandkorb, Menschen über Menschen, Kinder, Rentner, Touristen rennen durcheinander, rennen ins Wasser und wieder raus. Bei dem ganzen Chaos muss ich den Überblick behalten. Verliere ich ihn, kann es unter Umständen gefährlich werden. Meistens aber bleibt es relativ ruhig, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen: abhanden gekommene Kinder, verlorene Gebisse oder besserwisserische Flachlandtiroler. Es ist immer etwas los. Touristen kommen und gehen. Freunde bleiben. Einige reisen an, andere verabschieden sich wieder. Wie das Meer, es kommt und geht. So bin ich selbst {GALERIE} sylt440_2.jpgan wetterbedingt sehr schlechten Tagen nicht ganz allein. Wenn dann allerdings Ruhe einkehrt, genieße ich es, denn manchmal ist einfach zu viel los. Welten prallen hier am Strand aufeinander. Neben unserem Rettungsstand macht ein Pärchen im Alter von Mitte 20 Urlaub. Beide sind so dick, dass sie nicht gemeinsam in einem Strandkorb sitzen können. So muss einer von beiden immer draußen bleiben. Im krassen Gegensatz zu diesem Bild dreht auf dem Wasser mein Kollege Markus auf seinem neuen Longboard Kapriolen. Ehrlich gesagt, ist Surfen während der Dienstzeit für uns verboten. Wenn heftiger Badebetrieb ist, finden andere Surfer sowieso keinen Platz in unserem Badefeld. Das hätte uns noch gefehlt. Wenn wir dennoch aufs Wasser gehen, nennen wir es nicht surfen, sondern „Training im Umgang mit den Wellen“. Vor ein paar Jahren erhielten wir die neuen australischen Force-Field-Boards. An der Spitze steht „Surf Rescue“, was mit anderen Worten heißt, dass australische Rettungsschwimmer alle surfen können und die Wasserrettung Surf-Live-Saving-Association heißt. Ich meine, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wenn die Entwicklung so weiter geht, ist Surfen in ein paar Jahren für jeden deutschen Rettungsschwimmer Pflicht, damit wir schneller und effektiver Menschenleben retten können.

Die meisten, die wir aus dem Wasser ziehen, sind aber auch oft selbst schuld. Völlig plan- und kopflos stürzen sie sich in die Nordsee. Da die Buhnen dieses Jahr weiter aus dem Wasser ragten als die Jahre zuvor, hatten wir alle Hände voll zu tun. Links und rechts stürzten sich die Badegäste wie die Lemminge in die Strömungen an den Buhnen. Bis weit in den Feierabend hinein rannten die Menschen trotz unseres Gehupes und Getrötes an den Warnschildern „Lebensgefahr“ vorbei und schrien dann kurze Zeit später um Hilfe.

{GALERIE} sylt440_3.jpgWelten prallen auch auf dem Meer aufeinander. Seit 20 Minuten beobachte ich einen Anfänger. Der arme Kerl versucht die ganze Zeit gegen das Weißwasser anzukämpfen: fünf Meter vor und sechs zurück. Als er dann in einer kleinen Wellenpause ein ganzes Stück weiter rausgekommen ist, hämmert ihn erst mal eine halbgare Schaumkrone gegen den Kopf. Danach gehts auf allen Vieren, auf dem Brett kniend, wieder zurück an den Strand. Kurz darauf geht das Spiel von vorne los. Mit dem Brett unter dem Arm springt er zunächst über die Wellen. In der gleichen Haltung versucht er dann unter den Wellen durchzutauchen. Es folgt ein kräftiges Paddeln mit dem Versuch des Duckdivings in ähnlicher Haltung. Meist ist das mit dem Longboard sowieso nicht so einfach. Er kommt logischerweise nicht tief genug, sodass ihm die Gischt mitten ins Gesicht schlägt. Vor zehn Minuten probierte er es schwimmend mit dem Board an der langen Leine, doch die alte Leash hielt dem kräftigen Zug der Brandung nicht stand und so musste er den Weg zurück auch noch schwimmen. Beim nächsten Mal hat er es fast geschafft, bis ihn eine Welle aus Nordwest quer stellt und ihn die nächste Welle aus Südwest ins Trudeln bringt. Ich sehe noch seine aufgerissenen Augen. Seine Arme umklammern krampfhaft das Brett, sein Atemzentrum bekommt von irgendeiner Gehirnschaltung, die für Panikreaktionen zuständig ist, den Befehl noch einmal kräftig einzuatmen. Dann verkrampfen sich seine Gesichtszüge, das Schlimmste erwartend geht es abwärts. Ein schwerer Schlag gegen die Augenbraue und zwei Schnittwunden an den Händen sind das Ergebnis des heutigen Kampfes mit bzw. gegen die Wellen. Mir fällt es schwer, das Ganze als Surfen zu bezeichnen.

{GALERIE} sylt440_4.jpgIch leide mit. Keine Frage, ich habe Hochachtung gegenüber diesem Mittdreißiger, der seinen inneren Schweinehund überwindet und es noch mal wissen will. Seine Energie und seine Beharrlichkeit werden ihm sicherlich bald Erfolge bringen und ihn seine erste Welle reiten lassen. Brian, der in derselben Zeit etwa 30 Wellen gesurft ist, macht ihm Mut: „Sylt ist die beste Schule. Wer hier das Surfen lernt, der kann es überall.“ Brian hat gut Reden. Wenn er ins Meer geht, scheinen die Wellen in seinem Bereich kurz Pause zu machen und die Strömung trägt ihn hinaus. Wenn an einem Tag nichts zu laufen scheint und etliche Surfer missmutig das Wasser verlassen, dann kommen die Wellen zu ihm. Sie suchen ihn, verbinden sich mit ihm, nehmen ihn auf ihren Rücken und zeigen uns einen harmonischen, schönen Ritt. Harmonisch sollen die nächsten Tage laut Wetterbericht nicht werden. Nach dem nächsten Tief soll noch eins durchziehen. Danach könnte es sich wieder ändern. Diese Wetterkapriolen gehören zum Sylter Sommer wie die menschlichen Lemminge und wie die Quallen. Früher kamen sie nur bei Ostwind, doch nach acht Wochen heftigem Westwind können sie sich nicht länger gegen die Strömung kämpfen und bevölkern momentan zu Tausenden das Wasser.

{GALERIE} sylt440_5.jpgDas Wetter hat sich nicht verändert. Alles bleibt anders. Die Wellen bleiben uns erhalten und somit auch der Strom an Surfern, die dieses Jahr den Hauptstrand neu entdeckten. Anfängeralarm. An der linken Buhne liegen 17 Surfer so dicht nebeneinander aufgereiht, dass sie sich nicht einmal mit ihrem Brett umdrehen können, um aufzustehen. Es scheint, dass Surfen, an sich ein Individualsport, sich in diesem Moment zum Mannschaftssport verwandelt. Vielleicht ist es auch eine Gruppe von Synchronsurfern, die eine Performance als Wasserballett einstudieren will. Doch weit gefehlt: Seit in einer Tageszeitung stand: „Am Hauptstrand laufen die Wellen gut“ begann die Wanderung der schwarzen Männer mit den Brettern.

Zwei weitere Teilnehmer des Surfcamps klopfen an unseren Wagen und fragen: „Wo läuft es denn heute?“ Als wenn sie das nicht selbst sehen können: links, rechts, vorne, hinten, oben und unten. An der Himmelsleiter laufen im Moment geile Wellen oder am Strand auf halben Weg zum Brandenburger, aber unsere Surfneuzugänge gesellen sich lieber zu den 17 anderen. Ich überlege ernsthaft es ihnen zu sagen, halte dann aber doch meine Klappe. Ich habe festgestellt, dass die Zellteilung sich erst bei über 20 Surfern vollzieht und eine Hälfte das nächste Buhnenfeld bevölkert. Zu dem Thema fällt mir ein: Neulich fiel mir ein Surf-Guide für Norddeutschland in die Hände. Dort wurden unter anderem die Surfreviere an der Ostsee hoch gelobt. Die erforderliche Windrichtung wurde jedoch mit Ost 7 – 8 angegeben. Wenn an diesen Spots Surfer im Wasser wären, würden sich diese beiden Kollegen sicher auch dazu gesellen. Ob nun Wellen wären oder nicht.

{GALERIE} sylt440_6.jpgWenn ich mal bei kleinen Wellen im Wasser bin und eine Welle erwische, hoffe ich immer, dass es sonst keiner beobachtet, sonst paddelt die ganze Mannschaft zu mir, weil es dort dann ja „läuft“. Auch wenn sie dann nur so klein sind, dass ich noch mit dem dicken Force Field Board fahren kann. Hauptsache alle hängen dort rum, wo zufällig mal eine Welle läuft. Markus und ich planen im nächsten Jahr alte Neos auszustopfen und mit einem Brett an nicht so guten Spots auszusetzen, als Attrappe, quasi eine „Surferscheuche“, die im Gegensatz zu ihren bäuerlichen Kollegen Surftouristen anzieht und nicht abschreckt. Dann haben wir hier zumindest vor den Surftouristen Ruhe. Als Nächstes kommt ein ganz besonderes Modell am Strand entlang gelaufen. Über seinem schwarzen Neo trägt er weiße Badeshorts. Was denkt sich so jemand, wenn er so etwas anzieht? Glaubt er, er würde durch die weißen Shorts von einem angreifenden Hai nicht für eine Robbe gehalten werden? Vielleicht fehlen ihm auch nur Taschen. Höchstwahrscheinlich will er nur cool rüberkommen und durch die „In-Sportart“ Surfen zu eineM bewunderten Kreis zu gehören. Mit seinem kurzen Board schlagen ihm die Wellen beim Rauspaddeln immer ins Gesicht. Vergangenes Jahr hatten wir vier Enten am Strand, die hätten ihm einen Duckdive vom Allerfeinsten vorgemacht. Als er draußen ist, hören die Wellen einfach auf. Überall, wo er auf seinem Brett hindümpelt, ist für viele Minuten so gut wie kein Wellengang. „Das Meer hat Seele und ist immer gerecht“, bemerkt Markus nicht ganz ohne Schadenfreude. Als „unser Surfer“ das Wasser verlässt, muss er erst mal eine kiffen, denn das gehört ja dazu, wenn er „in“ sein will. Sein Kumpel kommt dazu und behauptet: „Geile Wellen heute, Alter.“ Unsere „Weißhose“ atmet aus: „Echt cool.“ Nicht alle Angeber und „Möchtegernsurfer“ kann man so schnell erkennen. Oft vermischen sich diese beiden Welten bis zur Unkenntlichkeit. Ein Windsurfer fährt in das Windloch vor unserem Hochhaus. Diese Bausünde, fast zum Wahrzeichen Westerlands geworden, hat schon manche Winde durcheinander gebracht. Er versucht wieder auf das offene Meer zu gelangen, hat aber nicht mit unserer Buhne gerechnet, die ihm die Finne abrasiert. In diesem Jahr sind neben unseren Buhnen scharfe Eisenkanten und spitze Holzpfähle frei gespült. Wie eine Falle eines Großwildjägers lauert die Gefahr dicht unter der Wasseroberfläche. Markus und ich halten die Luft an, wenn einige Wellenreiter über die „künstlichen Felsen“ surfen. Inzwischen ist es endlich wärmer geworden. Die Strandkorbwärter platzieren die letzten Strandkörbe. Dafür bleibt vorerst der Wind aus – das liegt weniger an den Strandkörben als an der Wetterlage, der Sommer scheint nun das zu sein. Mit den letzten kleinen Druckwellen des vorangegangenen Tiefs hat unser Kollege Alex trotzdem seinen Spaß und dazu ein besonderes Erlebnis. Schweinswale interessieren sich für ihn. Bei dem klaren Wasser kann er sie genau beobachten, als sie unter seinem Brett durchschwimmen. Ein Wal kommt ganz nah zu ihm, als er an die Unterseite seines Brettes klopft. So nah, dass er mit seiner Hand über die Rückenflosse des Tieres streicheln kann. Wie hypnotisiert verlässt Alex das Wasser. So eine Begegnung hat für einen Surfer fast schon religiösen Charakter. Dankbarkeit und Demut kann ich in seinem Gesicht erkennen. Es ist Freude und Ausgeglichenheit, die Surfer ausstrahlen, wenn sie ein paar gute Wellen gesurft sind, wenn sie eine Verbindung mit der Natur haben, mit der Kraft, die aus dem Meer kommt. Sie fühlen die Wellen. Ich habe manchmal den Eindruck, einige Surfer könnten mit verbundenen Augen die Wellen abreiten. Wenn ich sie beobachte, fallen mir Worte ein wie Anmut und Ehrfurcht. In der Regel sind es Individualisten, die sich hier aus allen Himmelsrichtungen kommend am Strandabschnitt 4.40 treffen (von dubiosen Surfcamps mal abgesehen). Für diese Menschen ist Surfen nicht nur ein Sport, sie leben es. Sie lernen von den Wellen. Sie begreifen sich als einen Teil der Natur, wenn sie ehrfürchtig ins Meer steigen, sich auf das Spiel der Kräfte einlassen. Jetzt ist schon eine Woche Flaute. Das Hochdruckgebiet setzt sich gerade über Skandinavien fest, der Ostwind beschert uns ein flaches Meer und Feuerquallen. Das Wasser ist ein paar Grad wärmer, die Badegäste sind ein wenig entspannter geworden. Die Surfer schauen immer mal wieder über die Brüstung, denn es könnten ja Druckwellen aus England eintreffen. Ansonsten versuchen sie schnellstmöglich ihre privaten Sachen in Ordnung zu bringen, die bei Wind und Wellen liegen geblieben sind. Sie wollen bereit sein, die Brandung zu spüren, wenn die Möwen den nächsten Sturm ankündigen und die schon lange angekündigte Sandvorspülung hoffentlich noch einige Wellen laufen lässt.